Waldbegang des Weißenburger Stadtrates

von | 25. Oktober 2024 | Altmühlfranken, Weißenburg

Wei­ßen­burg (red). Dass der Wei­ßen­bur­ger Stadt­wald ange­sichts stei­gen­der Tem­pe­ra­tu­ren, unre­gel­mä­ßi­gen Nie­der­schlä­gen und unge­plant hohen Zwangs­nut­zun­gen (durch Bor­ken­kä­fer­be­fall und Sturm­schä­den) stark lei­det – davon konn­ten sich die Ver­tre­ter der Stadt Wei­ßen­burg vor Ort selbst über­zeu­gen. Ober­bür­ger­meis­ter Schröp­pel lud hier­für den Stadt­rat mit­samt der Orts­spre­cher zur fach­li­chen Exkur­si­on unter Lei­tung des Städ­ti­schen Forst­am­tes am 21. Sep­tem­ber 2024 ein. Auch der Bau von Wind­ener­gie­an­la­gen im Wald wur­de auf poten­zi­el­len Stand­or­ten im Wei­ßen­bur­ger Stadt­wald dis­ku­tiert.

Forst­amts­lei­ter Plabst gab im Distrikt Stein­berg zunächst einen Rück­blick auf die wich­tigs­ten — forst­lich rele­van­ten — Zah­len. Besorg­nis­er­re­gend war hier­bei vor allem der Anteil an Käfer- bzw. Schad­holz. Von den ca. 22.000 fm die plan­mä­ßig und nach­hal­tig ein­ge­schla­gen wer­den soll­ten, muss­ten ca. 17.000 fm kala­mi­täts­be­dingt ent­nom­men wer­den. Bezo­gen auf den rei­nen Fich­ten­ein­schlag sind es sogar knapp 85 % die ohne wald­bau­li­che  Steue­rung ein­ge­schla­gen wur­den. Um den für den Stadt­wald vor­ge­se­he­nen Hieb­satz nicht zu über­schrei­ten, wird der regu­lä­re Win­ter­ein­schlag mit ange­zo­ge­ner Hand­brem­se durch­ge­führt.

Dass auch der Wei­ßen­bur­ger Stadt­wald mit den Kli­ma­ver­än­de­run­gen zu kämp­fen hat und auch Schäd­lin­ge wie der Bor­ken­kä­fer davon mas­siv pro­fi­tie­ren, soll­te aber spä­ter im Distrikt Det­ten­heim noch ein­drucks­vol­ler ver­deut­licht wer­den. Im wei­te­ren Ver­lauf wur­de auch die kürz­lich ange­schaff­te Droh­ne vor­ge­stellt. Das spe­zi­ell für Behör­den ent­wi­ckel­te Flug­ge­rät soll das Städ­ti­sche Forst­amt künf­tig mit aktu­el­len Luft­und Wär­me­bil­dern ver­sor­gen um bei den umfang­rei­chen Auf­ga­ben zu unter­stüt­zen. So kön­nen unter ande­rem Schä­den (Wild­schä­den im Feld oder Kala­mi­tä­ten im Wald) schnell
erfasst wer­den, Wild­schutz­zäu­ne effek­ti­ver kon­trol­liert und eine geziel­te Jagd auf Schwarz­wild ermög­licht wer­den. Vor allem aber auch das Kon­trol­lie­ren von ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­ti­gen Berei­chen wird durch die hoch­auf­lö­sen­den Kame­ras stark erleich­tert, ohne auf jeden Baum klet­tern zu müs­sen – dies soll in Zukunft Zeit und Geld spa­ren und die Kon­trol­len noch siche­rer machen.

In dem Zusam­men­hang wur­de auch dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Aus­ga­ben und Arbeits­stun­den für Ver­kehrs­si­che­rungs­maß­nah­men in den letz­ten Jah­ren stark ange­stie­gen sind. Zu den not­wen­di­gen, flä­chi­gen Maß­nah­men an den Haupt­ver­kehrs­we­gen kamen auch noch auf­wen­di­ge Ein­zel­si­che­run­gen z.B. am Römer­brun­nen und am Wald­kin­der­gar­ten dazu. Vor allem Rand­bäu­me lei­den mas­siv an den Ver­än­de­run­gen des Kli­mas und zei­gen oft tro­cke­ne Kro­nen. Außer­dem häu­fen sich baum­art­spe­zi­fi­sche Krank­hei­ten – zuletzt ins­be­son­de­re das Eschen­triebster­ben bei der hei­mi­schen Esche. Des­halb ist auch in den nächs­ten Jah­ren mit hohen Aus­ga­ben für die Ver­kehrs­si­che­rung zu rech­nen. Vie­le Auto­fah­rer müs­sen sich daher lei­der auch in Zukunft wei­ter­hin auf kurz­zei­ti­ge Sper­run­gen und Ein­schrän­kun­gen ein­stel­len.

Ein stark dis­ku­tier­tes The­ma war vor allem die Errich­tung von Wind­ener­gie­an­la­gen im Wald. Da Tei­le des Wei­ßen­bur­ger Stadt­wal­des im geplan­ten Wind-Vor­rang­ge­biet WK 309 der Regio­nal­pla­nung lie­gen, soll­ten mög­li­che Aus­wir­kun­gen vor Ort auf­ge­zeigt wer­den. Hier­für wur­de auf einer bei­spiel­haf­ten Flä­che das zu erwar­ten­de Aus­maß des Ein­grif­fes in das Öko­sys­tem Wald deut­lich gemacht. Des Wei­te­ren sei­en aber auch  Beein­träch­ti­gun­gen stark fre­quen­tier­ter Nah­erho­lungs­be­rei­che zu erwar­ten und das nicht nur wäh­rend der Bau­pha­se, gab Revier­lei­ter Knaupp zu beden­ken. Da die der­zeit gül­ti­gen gesetz­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen in Bay­ern den Aus­bau der Wind­ener­gie schwer­punkt­mä­ßig in sied­lungs-
fer­nen Wald­ge­bie­ten vor­se­hen, war es dem Städ­ti­schen Forst­amt wich­tig, dem Wei­ßen­bur­ger Stadt­rat die weit­rei­chen­den, teil­wei­se nicht abseh­ba­ren Fol­gen für Mensch und Natur vor Ort zu ver­deut­li­chen.

Im Distrikt Det­ten­heim wur­de von Revier­lei­ter Feu­er schwer­punkt­mä­ßig die Wald­ab­tei­lung Schlicht vor­ge­stellt. Sturm­schä­den und  Bor­ken­kä­fer­kala­mi­tä­ten führ­ten in den letz­ten Jah­ren zu einer zusam­men­hän­gen­den Kahl­flä­che von über zwei Hekt­ar, was für bis­he­ri­ge Stadt­wald-Ver­hält­nis­se viel ist. Die Aus­rich­tung des Hangs nach Süden und der stei­ni­ge Boden erschwe­ren die Wie­der­auf­fors­tung. Es wird des­halb vor allem auf Natur­ver­jün­gung in gezäun­ten Berei­chen gesetzt. Es sind inzwi­schen vie­le hei­mi­sche Baum­ar­ten wie Eiche, Ulme, Buche, Kir­sche, Ahorn, Vogel­bee­re und Hain­bu­che zu fin­den. Wenn­gleich die natür­li­che Ver­jün­gung als rela­tiv robust gilt, so wird auch die­se mit der plötz­li­chen Frei­stel­lung zu kämp­fen haben. Forst­amts­lei­ter Plabst wies in die­sem Zusam­men­hang noch ein­mal dar­auf hin, wie wich­tig eine zei­ti­ge Vor­aus­ver­jün­gung unter einem noch vor­han­de­nen Schirm sei.

Dass ein Umden­ken bei der Behand­lung sol­cher Flä­chen not­wen­dig ist, zei­gen ein­drucks­vol­le Bei­spie­le aus dem Fran­ken­wald. Durch den feh­len­den Schat­ten der Alt­bäu­me stei­gen die Tem­pe­ra­tu­ren der Ober­flä­chen so stark an, dass es für jun­ge Pflänz­chen oft zu heiß­wird und die­se ein­ge­hen. Für eine Wie­der­be­wal­dung ist es also auf sol­chen Flä­chen unbe­dingt not­wen­dig so viel Schat­ten wie nur irgend mög­lich zu erhal­ten. So blei­ben zum Bei-
spiel Dürrstän­der, alte Käfer­bäu­me mit ver­las­se­nen Bru­ten oder ein­zel­ne Kie­fern ste­hen. In Unter­su­chun­gen konn­ten zwi­schen geräum­ten Flä­chen und ver­blie­be­nen Alt­bäu­men­Tem­pe­ra­tur­dif­fe­ren­zen von bis zu 20 °C gemes­sen wer­den. Daher geschieht das Belas­sen von Tot­holz nicht nur aus öko­lo­gi­schen Grün­den, auch finan­zi­ell kön­nen hier hohe Ein­spa­run­gen erzielt wer­den, etwa dadurch, dass deut­lich weni­ger tro­cken­heits­be­ding­te Schä­den an den jun­gen Pflan­zen ent­ste­hen. Es wur­de in dem Zusam­men­hang auch dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es sich nicht bei allen „roten“ Bäu­men um frisch befal­le­ne Käfer­bäu­me han­delt.

Das Städ­ti­sche Forst­amt prüft stets am Ein­zel­baum ob eine Wald­schutz­ge­fahr besteht oder ob der Baum zu öko­no­mi­schen und öko­lo­gi­schen Zwe­cken ste­hen gelas­sen wer­den kann. Der Anblick die­ser her­vor­ste­chen­den, land­schafts­prä­gen­den alten Käfer­bäu­me dürf­te hier­zu­lan­de für vie­le Bür­ger zunächst befremd­lich erschei­nen. In vie­len Tei­len Deutsch­lands erkennt man bereits deut­lich, dass sich die in Rein­be­stän­den ange­pflanz­te, stand­ort­frem­de Baum­art mit die­sem Wald­bild ver­ab­schie­det. Das Belas­sen sol­cher Tot­holz­bäu­me ist im Inter­es­se einer natur­na­hen Wald­wirt­schaft und daher unbe­dingt anzu­stre­ben.

Wie sich ein natur­na­her Wald ent­wi­ckeln kann wur­de dann in der Wald­ab­tei­lung „Bei der Schan­ze“ erläu­tert. Wie berich­tet, nimmt die Stadt Wei­ßen­burg am För­der­pro­gramm „Kli­ma­an­ge­pass­tes Wald­ma­nage­ment“ des Bun­des teil und ver­pflich­tet sich damit zur Still­le­gung von 5% der Wald­flä­che über einen Zeit­raum von 20 Jah­ren. Nahe­zu die gesam­te Wald­ab­tei­lung „Bei der Schan­ze“ ist unter ande­rem ein Teil die­ser Still­le­gungs­flä­chen. Den Stadt­rä­ten wur­de vor Ort auch schnell deut­lich, dass eine Bewirt­schaf­tung hier ohne­hin nicht wirt­schaft­lich sein kann und auch der öko­lo­gisch hohe Wert die­ser Flä­che wur­de schnell deut­lich. Nach vie­len, teils erschre­cken­den Bil­dern von Kala­mi­täts­flä­chen mach­te zum Schluss ein Blick auf eine ca. 5‑jährige Natur­ver­jün­gung im Zaun Mut für die Zukunft. Eine sehr dich­te und vital wir­ken­de Ver­jün­gung zeigt das Poten­ti­al der Natur – wenn­gleich es erst für die drit­te oder vier­te Fol­ge­ge­nera­ti­on nutz­bar sein wird.

Fotos: K. Knaupp