Waldbegang in Weißenburg

von | 22. Oktober 2023 | Altmühlfranken, Weißenburg

Wei­ßen­burg (red). Die Haupt­the­men des dies­jäh­ri­gen Wald­be­gan­ges des Städ­ti­schen Forst­am­tes mit dem Stadt­rat waren die mas­si­ven Bor­ken­kä­fer­schä­den und ihre Aus­wir­kun­gen sowie das För­der­pro­gramm „Kli­ma­an­ge­pass­tes Wald­ma­nage­ment“ (KWM). Hin­ter die­sem Titel
ver­birgt sich ein För­der­pro­gramm des Bun­des, das Erhalt, die Ent­wick­lung und die Bewirt­schaf­tung von Wäl­dern, die an den Kli­ma­wan­del ange­passt sind, zum Ziel hat.

Inzwi­schen hat die Stadt die Bewil­li­gung zur Teil­nah­me erhal­ten und muss somit die 12 Kri­te­ri­en der För­der­richt­li­nie ein­hal­ten. Im Gegen­zug beträgt die För­de­rung nach Abzug der Kos­ten für die Kon­trol­le der Ein­hal­tung durch exter­ne Audi­to­ren rund 160.000 € pro Jahr. Wäh­rend die Lauf­zeit gene­rell 10 Jah­re beträgt, bin­det man sich als Wald­be­sit­zer mit über 100 ha, der zur Still­le­gung von 5% der Wald­flä­che ver­pflich­tet ist, die­se Flä­chen für 20 Jah­re unbe­wirt­schaf­tet zu belas­sen.

Die Funk­tio­nen des Wal­des, Nutz‑, Schutz- und Erho­lungs­funk­ti­on, wer­den ger­ne als gleich­wer­tig in ihrer Grö­ßen­ord­nung ange­se­hen und visua­li­siert. In der Rea­li­tät stell­te bis­her die Nutz­funk­ti­on 97% der Ein­nah­men dar und mit die­sen Ein­nah­men muss­ten die Aus­ga­ben für die Berei­che Schutz und Erho­lung mas­siv bezu­schusst wer­den. Durch das För­der­pro­gramm KWM, wel­ches auch stark auf die öko­lo­gi­schen Leis­tun­gen des Wal­des abzielt, wird die­ses Miss­ver­hält­nis etwas kor­ri­giert und die Schutz­funk­ti­on kann die Erho­lungs­funk­ti­on, die wei­ter­hin stark defi­zi­tär bleibt, größ­ten­teils mit­tra­gen.

Zen­tra­les und lei­der immer wie­der­keh­ren­des The­ma waren des Wei­te­ren die andau­ern­den Bor­ken­kä­fer­schä­den im Stadt­wald. Im Früh­jahr lie­ßen die gerin­gen Fang­zah­len in den Käfer­fal­len noch dar­auf hof­fen, dass sich die Bor­ken­kä­fer­po­pu­la­ti­on auf einem deut­lich gerin­ge­ren Niveau als in den Vor­jah­ren befin­det. Die­se Hoff­nung ver­flog dann aller­dings gänz­lich, ange­sichts eines extrem gedräng­ten Käfer­aus­flu­ges Mit­te Juni. Wäh­rend der April und Mai mit im lang­jäh­ri­gen Mit­tel lie­gen­den Tem­pe­ra­tu­ren eher kühl waren, konn­ten die Käfer­bru­ten
ihre Ent­wick­lung im Juni und Juli bei deut­lich zu war­mer Wit­te­rung umso schnel­ler durch­lau­fen. Auch der als zu kühl emp­fun­de­ne August mit Rekord­nie­der­schlä­gen konn­te nicht viel dar­an ändern, dass es zu mas­sen­wei­sem Befall der Fich­ten kam. Erst­ma­lig waren zeit­wei­se drei Har­ves­ter gleich­zei­tig im Ein­satz, um die befal­le­nen Bäu­me mög­lichst schnell aus dem Wald zu brin­gen. Erneut war hier der schnel­le und staat­lich geför­der­te Abtrans­port auf den Tro­cken­la­ger­platz durch die Fir­ma „Hüt­tin­ger Holz­trans­por­te“ von gro­ßem Wert. Zu spät auf­ge­fun­de­ne und bereits vom Käfer ver­las­se­ne Bäu­me wur­den gezielt im Wald belas­sen. Einer­seits wer­den durch das Tot­holz öko­lo­gi­sche Funk­tio­nen erfüllt, aber gleich­zei­tig auch Holz­men­gen zurück­ge­hal­ten, die auf einen wenig auf­nah­me­fä­hi­gen Holz­markt gesto­ßen wären.

Durch das Über­an­ge­bot an Schad­holz und gleich­zei­tig abflau­en­der Schnitt­holz­nach­fra­ge sank der Holz­preis bereits im Früh­som­mer
deut­lich. Der finan­zi­el­le Ver­lust für die Stadt durch die Zwangs­ver­mark­tung von Fich­ten­schad­holz zu ungüns­ti­gen Markt­be­din­gun­gen lässt sich für das Jahr 2023 mit ca. 350.000 € bezif­fern. Der Gesamt­scha­den ist jedoch viel höher. Wie an einem Exkur­si­ons­punkt des Wald­be­gan­ges ein­drück­lich zu sehen war, wer­den zum Teil Jung­be­stän­de weit vor Errei­chen ihres Ziel­durch­mes­sers befal­len. Die ent­gan­ge­nen Holz­zu­wäch­se wie­gen schwer, da Wald­be­stän­de nur wirt­schaft­lich sein kön­nen, wenn die Bäu­me aus­rei­fen kön­nen. In Jung­be­stän­den geht man mit defi­zi­tä­ren Ein­grif­fen in Vor­leis­tung, um spä­ter mög­lichst wert­vol­les, rei­fes Holz ern­ten zu kön­nen. Holz­vor­rat sowie vor allem Holz­zu­wachs sind auf die­sen Schad­flä­chen deut­lich redu­ziert, oder sogar auf null gesetzt und ein ver­gleich­ba­rer Wald­be­stand kann frü­hes­tens in 40–50 Jah­ren, nach erneu­ten Inves­ti­tio­nen wie­der ent­ste­hen. Ein wei­te­rer Nach­teil ent­steht dadurch, dass in Jung­be­stän­den noch kei­ne natür­li­che Ver­jün­gung auf­kommt, da es schlicht zu dun­kel ist, um Säm­lin­ge kei­men zu las­sen. Ist der Schirm
der Alt­bäu­me dann plötz­lich weg, reagiert oft die Brom­bee­re am schnells­ten auf die neu­en Bedin­gun­gen, was sowohl die natür­li­che, als auch die künst­li­che Wie­der­be­wal­dung durch Pflan­zung deut­lich erschwert. Wei­te­re, schwer bezif­fer­ba­re Schä­den ent­ste­hen durch das zwangs­wei­se Befah­ren von Rücke­gas­sen und Wald­we­gen bei ungüns­ti­ger Wit­te­rung. Zusätz­lich ver­ur­sacht das Absu­chen der Wald­be­stän­de auf befal­le­ne Fich­ten hohe Per­so­nal­kos­ten. Ver­sucht man die­se zum Teil schwer erfass­ba­ren „Neben­kos­ten“ auf­zu­sum­mie­ren, ver­dop­peln sich die rei­nen Ver­lus­te aus den nied­ri­ge­ren Holz­prei­sen bei­na­he.

An wei­te­ren Exkur­si­ons­punk­ten wur­den die Pro­ble­me bei der Wie­der­be­wal­dung von Schad­flä­chen gezeigt. Auf Klein­flä­chen wur­den die zum Schutz der Jung­pflan­zen vor Reh­wild­ver­biss bis­her ange­brach­ten Wuchs­hül­len aus Kunst­stoff erst­ma­lig durch Alter­na­ti­ven aus Holz ersetzt. Aller­dings mit sehr durch­wach­se­nem Erfolg was Schutz­wir­kung und Sta­bi­li­tät angeht. Hier wird wei­ter auf­wän­dig getes­tet wer­den müs­sen, wie eine öko­lo­gi­sche Ver­bes­se­rung erreicht wer­den kann. Im Kern­be­reich der inzwi­schen im drit­ten Jahr nicht mehr ver­pach­te­ten Regie­jagd wur­den die ers­ten Pflan­zun­gen ohne Schutz­maß­nah­men durch­ge­führt. Für ers­te belast­ba­re Ergeb­nis­se ist es aller­dings noch zu früh.

Anhand einer Eichen­pflan­zung wur­de die Grö­ßen­ord­nung deut­lich, in der Pflan­zun­gen schei­tern kön­nen. Auf 2,1 Hekt­ar wur­den 2019, nach­dem die Fich­te aus­ge­fal­len war, fast 15.000 Eichen und Hain­bu­chen gepflanzt. Durch Tro­cken­heit und Mäu­se muss­ten in den Fol­ge­jah­ren zu 60% nach­ge­pflanzt wer­den. Umso län­ger muss­ten die Jung­pflan­zen von Begleit­ve­ge­ta­ti­on wie Brom­bee­re und Holun­der frei­ge­hal­ten wer­den. Ob das Ergeb­nis den extrem hohen Auf­wand von rund 15.000 Euro pro Hekt­ar recht­fer­tigt, muss hin­ter­fragt wer­den.
Zukünf­tig soll v.a. auf grö­ße­ren Kala­mi­täts­flä­chen die Natur­ver­jün­gung bes­ser inte­griert wer­den und je nach Bedarf suk­zes­si­ve Ergän­zungs­pflan­zun­gen statt­fin­den. Einer­seits wird somit das Aus­fall­ri­si­ko klei­ner, ande­rer­seits kön­nen so lan­des­weit drin­gend benö­tig­te, wert­vol­le Baum­schul­pflan­zen ein­ge­spart wer­den. Sehr viel­ver­spre­chend lau­fen die ers­ten Pflan­zun­gen mit soge­nann­ten Wild­lin­gen. Dar­un­ter ver­steht man Keim­lin­ge und Jung­pflan­zen, die inner­halb des Stadt­wal­des ver­pflanzt wer­den. Ins­be­son­de­re Buche, Tan­ne und
Berg­ahorn samen sich in man­chen Berei­chen des Stadt­wal­des üppig an und kön­nen durch das Ver­pflan­zen baum­ar­ten­är­me­re Berei­che auf­wer­ten. Auch wenn die Kos­ten­er­spar­nis über­schau­bar ist, bleibt als Vor­tei­le die Pflan­zen­fri­sche und die Fle­xi­bi­li­tät, da die jun­gen Bäum­chen erst unmit­tel­bar vor der Ver­pflan­zung aus­ge­sto­chen wer­den.

Foto: Stadt Wei­ßen­burg