Wie gravierend wirkt der Klimawandel sich auf die Zukunft unserer Wälder aus und was ist zu tun?

von | 3. Mai 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen

Gun­zen­hau­sen (red). Die Agen­da 21-Grup­pe beschäf­tigt sich seit fast zwei Jah­ren mit dem The­ma Wald in Zei­ten des Kli­ma­wan­dels. Im Zuge des­sen hat sich die Grup­pe um die Agen­da-Beauf­trag­te der Stadt Gun­zen­hau­sen Ingrid Papp­ler dazu ent­schlos­sen, selbst aktiv zu wer­den und ein klei­nes Zukunfts­wäld­chen zu pflan­zen. Doch wel­che Bäu­me und Sträu­cher haben eine Zukunft trotz Tro­cken­heit, Tem­pe­ra­tur­an­stieg und immer stär­ke­ren Sturm­ereig­nis­sen? Ant­wor­ten auf sol­che Fra­gen soll­te eine Exper­ten­run­de in der Stadt­hal­le geben. Mit dabei: der Lei­ter der Baye­ri­schen Lan­des­an­stalt für Land- und Forst­wirt­schaft Dr. Peter Pröbs­t­le, Pro­fes­sor Dr. Erwin Hus­sen­dör­fer von der Hoch­schu­le Wei­hen­ste­phan Tri­es­dorf und zugleich Ver­tre­ter der Kreis­grup­pe des Bund Natur­schutz, der Vor­sit­zen­de der Forst­be­triebs­ge­mein­schaft Fran­ken Süd Alfred Mader und Jür­gen Schrö­der, Geschäfts­füh­rer der Fir­ma Eco­li­ne Holz­sys­tem­bau.

In der Aus­bil­dung der künf­ti­gen Forst­wis­sen­schaft­le­rin­nen und Frost­wis­sen­schaft­ler legt Pro­fes­sor Dr. Erwin Hus­sen­dör­fer gro­ßen Wert auf die natur­ge­mä­ße Wald­wirt­schaft. Ein Natur­wald mit hohem Tot­holz-Anteil sei zum einen weni­ger anfäl­lig für die Wech­sel­fäl­le im Kli­ma­wan­del. Solch ein Wald mit einem sich über­las­se­nen und alten Baum­be­stand habe sein eige­nes Mikro­kli­ma – feuch­ter und küh­ler. Sei­ne Über­zeu­gung: Kurz­fris­ti­ges öko­no­mi­sches Den­ken sei jetzt fehl am Platz, es brau­che mehr Ele­men­te euro­päi­scher Urwäl­der als Wirt­schafts­wald. Drei Pro­zent Natur­wald­an­teil in Deutsch­land sei­en da viel zu wenig.

Gleich bei sei­nem ers­ten State­ment in der Exper­ten­run­de mach­te Dr. Peter Pröbs­t­le, des­sen Lan­des­an­stalt unter ande­rem zum The­ma „Wald­um­bau und Zukunfts­wald“ For­schung betreibt, sei­ne kon­trä­re Hal­tung zu Hus­sen­dör­fer deut­lich: Sinn­vol­le Ein­grif­fe in die Wald­öko­lo­gie sind für ihn not­wen­dig. Er plä­diert für eine Steue­rung durch Pflan­zun­gen hin zu kli­ma­re­sis­ten­ten Wäl­dern. Dabei rückt der Hit­ze und Wär­me gewohn­te Baum­be­stand aus Wäl­dern in Süd­frank­reich, in Regio­nen in Rumä­ni­en und Bul­ga­ri­en oder Tei­len der Ukrai­ne in den Fokus. Sei­ne Pro­gno­se: Fich­ten­wäl­der wird es nicht mehr geben und damit der Wald trotz Tro­cken­stress erhal­ten bleibt, müs­sen bis­lang nicht hei­mi­sche Baum­ar­ten zusätz­lich zur Pflan­zung hei­mi­scher kli­ma­re­sis­ten­ter Bäu­me wie Eichen, ange­sie­delt wer­den.

Alfred Mader hat als Lei­ter der Forst­be­triebs­ge­mein­schaft Fran­ken Süd die wirt­schaft­li­chen Argu­men­te für einen akti­ven Wald­um­bau im Blick. Aber auch er betont den Nach­hal­tig­keits­ge­dan­ken, der in der Forst­wirt­schaft eine lan­ge Tra­di­ti­on hat. „Kei­ner stu­diert Forst­wirt­schaft des­halb, um dann mit der Spray­do­se im Wald her­um­zu­lau­fen und Brenn­holz-Bäu­me zu mar­kie­ren!“ Lei­der sei die Forst­wirt­schaft aktu­ell von Schad­ereig­nis­sen wie Schäd­lings­be­fall, Aus­fall durch Tro­cken­heit und Stür­me getrie­ben.

Mode­ra­to­rin Ingrid Papp­ler woll­te auch das The­ma Holz als CO2-Spei­cher und die Nut­zung von Holz als Bau­stoff in den Fokus rücken. Dazu saß Jür­gen Schrö­der von der Fir­ma Eco­li­ne Holz­sys­tem­bau auf dem Podi­um. Sei­ne Fir­ma mit Haupt­sitz in Haar bei Mün­chen und einer Nie­der­las­sung in Gun­zen­hau­sen ach­tet beim Mas­siv­holz­bau und beim Holz­struk­tur­bau auf die Wie­der­ver­wert­bar­keit der Mate­ria­li­en, es wird kein Sty­ro­por oder Plas­tik ver­baut. Das Holz dazu kommt aus zer­ti­fi­zier­ten Forst­be­trie­ben, die eine nach­hal­ti­ge Wald­be­wirt­schaf­tung betrei­ben – und es kommt mög­lichst aus Bay­ern. Dem Bau­en mit öko­lo­gi­schem Weit­blick gehört sei­ner Ansicht nach die Zukunft. Bei der Qua­li­tät soll­ten da kei­ne Abstri­che gemacht wer­den, der Trend gehe wohl eher dahin, die Häu­ser künf­tig wie­der etwas klei­ner zu pla­nen.

Mode­ra­to­rin Ingrid Papp­ler hat­te wenig Mühe, die Debat­te auf der Büh­ne der Stadt­hal­le in Gang zu hal­ten. Deut­lich kris­tal­li­sier­ten sich die kon­trä­ren Posi­tio­nen von Pro­fes­sor Dr. Erwin Hus­sen­dör­fer und Dr. Peter Pröbs­t­le her­aus. Hus­sen­dör­fer möch­te den Wald als Öko­sys­tem mit all sei­nen Arten respek­tie­ren und euro­päi­sche Urwäl­der als vor­bild­haft betrach­ten. Pröbs­t­le meint, dazu feh­le die Zeit und der Wald müs­se so schnell wie mög­lich umge­stal­tet wer­den, um mit dem fort­schrei­ten­den Kli­ma­wan­del Schritt hal­ten zu kön­nen.

Am Ende stell­te Ingrid Papp­ler noch die Pla­nun­gen für das klei­ne Zukunfts­wäld­chen vor. Dazu hat­te sich die Agen­da 21-Grup­pe den Grä­fen­stein­ber­ger Revier­förs­ter Bern­hard Lei­del ins Boot geholt und auch Bür­ger­meis­ter Karl-Heinz Fitz sowie das städ­ti­sche Bau­amt mit Chris­ti­na Bickel von der Lie­gen­schafts­ver­wal­tung um Unter­stüt­zung gebe­ten. Bei der Grund­stücks­su­che fün­dig wur­de man – in Abspra­che mit Orts­spre­che­rin Bea­te Schli­cker – schließ­lich in Filchen­hard.

Ein etwa 0,5 Hekt­ar gro­ßes Grund­stück am Wald­rand des Hol­ler­wal­des soll nach Bern­hard Lei­dels Pflanz­plan mit rund 2000 Bäu­men und Sträu­chern bepflanzt wer­den. Dabei soll ein Strauch­saum als Wald­rand ent­ste­hen, wei­ter wer­den dort Wild­ap­fel, Wild­bir­ne, Vogel­kir­sche, Wal­nuss, Kas­ta­nie, Feld­ahorn, Els­bee­re und Win­ter­lin­de gedei­hen. Das Sagen wird in die­sem klei­nen Wäld­chen aber die Stiel­ei­che haben. Damit der Start für die Bäum­chen gut klappt, sol­len mög­lichst gebiets­ei­ge­ne Pflan­zen ein­ge­setzt wer­den. Der bereits bestehen­de Bestand an Wei­den ent­lang eines klei­nen Gra­bens bleibt.

Ziel der Agen­da- 21-Grup­pe ist es, mög­lichst vie­le Inter­es­sier­te für die Pflanz- und Pfle­ge­ak­tio­nen zu gewin­nen. Am Ran­de der Zukunfts­wald-Ver­an­stal­tung haben sich bereits Inter­es­sen­ten ein­ge­tra­gen, die über den Fort­gang der Pla­nun­gen und Pflanz­ter­mi­ne infor­miert wer­den möch­ten. Wer über Aktio­nen der in Sachen „Gun­zen­häu­ser Zukunfts­wäld­chen“ infor­miert wer­den möch­te, kann unter agenda21@gunzenhausen.de Kon­takt zu Ingrid Papp­ler auf­neh­men.

Bild­un­ter­schrift: Gro­ße Büh­ne für die Zukunft des Wal­des: (v.l.). Der Vor­sit­zen­de der Forst­be­triebs­ge­mein­schaft Fran­ken Süd Alfred Mader, dann der Lei­ter der Baye­ri­schen Lan­des­an­stalt für Land- und Forst­wirt­schaft Dr. Peter Pröbs­t­le, Bür­ger­meis­ter Karl-Heinz Fitz, Mode­ra­to­rin und Agen­da 21-Beauf­trag­te der Stadt Ingrid Papp­ler, Pro­fes­sor Dr. Erwin Hus­sen­dör­fer von der Hoch­schu­le Wei­hen­ste­phan-Tri­es­dorf und der Geschäfts­füh­rer der Fir­ma Eco­li­ne – Holz­sys­tem­bau, Jür­gen Schrö­der.)  Foto: Babett Gut­h­mann