Wir praktizieren in Deutschland nicht zu wenig sondern zu viel Demokratie

von | 20. November 2025 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Dr. Ingo Fried­rich — Prä­si­dent des Euro­päi­schen Wirt­schafts­se­nats — Vize­prä­si­dent des Euro­päi­schen Par­la­ments a.D.

Gun­zen­hau­sen — Die Stim­mung in der Wirt­schaft und ins­be­son­de­re im Mit­tel­stand ist immer noch außer­or­dent­lich pes­si­mis­tisch: Viel zu vie­le zukunfts­wei­sen­de Vor­ha­ben und Pro­jek­te wer­den ver­zö­gert oder ganz gestoppt.

Schuld dar­an ist einer­seits eine über­bor­den­de Büro­kra­tie aber ande­rer­seits auch immer häu­fi­ger Ein­sprü­che oder Ein­wän­de „demo­kra­ti­scher“ Ver­bän­de, Gre­mi­en und Betrof­fe­ner. Sogar in den poli­ti­schen Par­tei­en hat sich eine der­art über­trie­be­ne „demo­kra­ti­sche“ Geis­tes­hal­tung ein­ge­schli­chen: Es gibt nahe­zu kei­ne wich­ti­ge poli­ti­sche Ent­schei­dung mehr — man den­ke nur an Bür­ger­geld oder Ren­te, an Fran­ken­schnell­weg, Wind­rä­der, Stadt­um­lauf­bahn u.v.m. — gegen die nicht sofort „demo­kra­ti­sche“ Min­der­hei­ten Ein­spruch erhe­ben. Ver­ei­ne wie die Deut­sche Umwelt­hil­fe mögen gut gestar­tet sein aber inzwi­schen schä­di­gen ihre Kam­pa­gnen und Gerichts­ver­fah­ren mei­nes Erach­tens deut­lich mehr als sie nut­zen. Durch die Sum­mie­rung sol­cher Läh­mun­gen und Ver­zö­ge­run­gen ergibt sich ein dra­ma­tisch nega­ti­ves Gesamt­bild, das mit „Ger­man Still­stand“ noch mil­de umschrie­ben wer­den könn­te.

Wäh­rend in ande­ren euro­päi­schen Län­dern die Wirt­schaft boomt — z.B. Polen (!), Por­tu­gal, Grie­chen­land (!) — bricht in Deutsch­land das Wachs­tum ein mit dra­ma­ti­schen Fol­gen für den Wohl­stand aller. Wenn man dann noch die von rot-grün beson­ders geför­der­te grund­sätz­li­che Abnei­gung gegen Leis­tung — Work Life Balan­ce — und die gro­ße Skep­sis gegen die För­de­rung von Bega­bun­gen dazu nimmt, könn­te einem angst und ban­ge wer­den.

Wäh­rend Chi­na „demo­kra­tie­frei“ alles auf Leis­tung und Zukunft setzt, beschäf­ti­gen wir uns mit unse­ren Weh­weh­chen und blo­ckie­ren oft wegen „demo­kra­ti­scher“ Ein­zel­in­ter­es­sen die Zukunfts- und Wett­be­werbs­fä­hig­keit unse­res gan­zen Lan­des. Hier muss poli­tisch und von der Men­ta­li­tät aller Bür­ger her ein grund­le­gen­der Umden­kungs­pro­zess erfol­gen. Wenn Wil­li Brandt einst sag­te „Wir wol­len mehr Demo­kra­tie wagen“ gilt heu­te: „Wir müs­sen mehr wirt­schaft­li­che Dyna­mik wagen“!

Foto: Dr. Ingo Fried­rich