Worte, die klingen

von | 27. März 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Weißenburg

Abend mit Ralph Mor­gen­stern im Café „El Reti­ro“

Wei­ßen­burg — Um die 66 Gäs­te, dicht an dicht auf Stüh­len – ergänzt um zusätz­li­che Sitz­ge­le­gen­hei­ten aus der Buch­hand­lung Mey­er – füll­ten das Café „El Reti­ro“ bis auf den letz­ten Platz. Der Raum platz­te sprich­wört­lich aus allen Näh­ten. Und genau die­se Enge wur­de zur Stär­ke des Abends: Sie schuf Nähe, Kon­zen­tra­ti­on und eine gemein­sa­me Auf­merk­sam­keit, die über zwei Stun­den hin­weg trug.

Unter dem Titel „Mor­gen­stern liest Mor­gen­stern“ ent­stand ein unge­wöhn­li­ches Zusam­men­spiel aus Lite­ra­tur und Musik. Ralph Mor­gen­stern las Tex­te von Chris­ti­an Mor­gen­stern – humor­voll, leicht und zugleich von über­ra­schen­der Tie­fe. Was zunächst zum Lachen ein­lädt, öff­net beim Zuhö­ren Gedan­ken­räu­me, die nach­klin­gen. Man­che Tex­te brauch­ten einen Moment, um sich zu ent­fal­ten – und führ­ten dann zu einem oft befrei­en­den, erken­nen­den Lachen im Publi­kum.

Beglei­tet wur­de die Lesung von Son­ja Edtin­ger und dem Super Flu­mi­na Sax Quar­tett mit Musik aus Edvard Griegs „Peer Gynt“. Die melo­di­schen Kom­po­si­tio­nen erzähl­ten mit, schu­fen Atmo­sphä­re und tru­gen die Wor­te wei­ter. So ent­stand kein Neben­ein­an­der, son­dern ein ech­tes Inein­an­der: Wor­te klan­gen, Musik erzähl­te.

Die Ver­bin­dung zwi­schen Text und Musik war dabei nicht zufäl­lig gewählt. Chris­ti­an Mor­gen­stern hat­te Hen­rik Ibsens „Peer Gynt“ aus dem Nor­we­gi­schen ins Deut­sche über­tra­gen – eine lite­ra­ri­sche Brü­cke, die sich an die­sem Abend auch musi­ka­lisch schloss.

Schon in der Begrü­ßung wur­de deut­lich, dass es nicht um eine klas­si­sche Lesung gehen wür­de. Initia­to­rin Eva Reich­stadt dank­te den Musi­ke­rin­nen und Musi­kern für ihr Enga­ge­ment und beschrieb den Abend als einen Raum zwi­schen Humor und Tie­fe, zwi­schen Leich­tig­keit und exis­ten­zi­el­ler Fra­ge. Beson­ders per­sön­lich wur­de es in ihren Wor­ten an Ralph Mor­gen­stern, den sie als Freund will­kom­men hieß – als einen Men­schen, der „rhei­ni­sche Lebens­freu­de mit preu­ßi­scher Dis­zi­plin“ ver­bin­de, „her­zens­gut“ sei und zugleich von gro­ßer Ver­läss­lich­keit.

Die­se per­sön­li­che Ebe­ne setz­te sich im Abend fort. Es war hei­ter und nach­denk­lich zugleich – vor allem aber ent­stand ein gemein­sa­mer Raum, in dem Publi­kum, Wort und Klang mit­ein­an­der ver­schmol­zen. Gemein­schaft wur­de spür­bar.

Dass die­ser Abend bei den Men­schen weit über den Moment hin­aus wirk­te, zeig­te sich auch im Publi­kum selbst: Mehr­fach wur­de im Anschluss der Wunsch nach einer Wie­der­ho­lung geäu­ßert – ein kla­res Zei­chen dafür, wie sehr die­se beson­de­re Ver­bin­dung aus Lite­ra­tur und Musik Anklang fand.

Was bleibt, lässt sich viel­leicht mit einem Satz von Kurt Tuchol­sky über Chris­ti­an Mor­gen­stern beschrei­ben: Man lacht – und merkt am Ende, dass man einem Gedan­ken begeg­net ist, der bleibt.

Ein Abend also, der nicht nur unter­hielt, son­dern nach­wirk­te.

Foto: Eva Reich­stadt