Tagung „Pfarrdienst im ländlichen Raum (Dorfpfarrerinnen- und Dorfpfarrerwoche)“, 04. – 08.05. 2026
Hesselberg — 16 Pfarrerinnen und Pfarrer trafen sich zur Tagung „Pfarrdienst im ländlichen Raum (Dorfpfarrerinnen- und Dorfpfarrerwoche)“ am Evangelischen Bildungszentrum Hessel-berg, um gemeinsam mit Andrea Erkenbrecher (EBZ Hesselberg) und Peter Schlee (Evang. Fachstelle für Ländliche Räume) künftige Entwicklungen kirchlichen Lebens zu diskutieren und neue Impulse für die eigene Arbeit zu gewinnen.
Schwerpunkte bildeten unter anderem die Planungen der bayerischen evangelischen Landeskirche hinsichtlich Immobilienbestand und Gemeindestruktur sowie ein vertiefter Blick auf das eigene Rollenverständnis als Pfarrerin oder Pfarrer in einer ländlich geprägten Kirchengemeinde.
Oberkirchenrat Florian Baier stellte der Gruppe in einem Vortrag die kirchliche Gebäudebedarfsplanung in den ländlichen Räumen vor. Der Leiter der Abteilung „Gemeinden und Kirchensteuer“ im Landeskirchenamt machte deutlich, dass angesichts sinkender Mitgliederzahlen und geringerer finanzieller Möglichkeiten bis zum Jahr 2035 ca. 50 Prozent weniger Immobilien aus Kirchensteu-ermitteln bezuschusst werden können. Die Herausforderung läge darin, als Volkskirche weiter in der Fläche präsent zu sein sowie Kooperationen und Vereinigungen im Bereich der Dekanatsbezirke und Kirchengemeinden einzugehen.
Neu ist auch die Planung von Regionalgemeinden. Hier handelt es sich um eine neue regionale Handlungsebene, in der die Zusammenarbeit selbständig bleibender Kirchengemeinden koordiniert wird. Getragen wird die hauptamtliche Arbeit von „multiprofessionellen Teams“, bestehend aus jeweils mindestens fünf Arbeitskräften (Pfarrerinnen und Pfarrer, Diakoninnen und Diakonen, Religionspädagoginnen und ‑pädagogen, Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusikern oder Fachkräften in der Verwaltung).
Gemeinsam mit Professor Dr. Christian Eyselein von der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau hinterfragten die Teilnehmenden außerdem ihr eigenes Rollenverständnis in der Kirchengemeinde. Eine Rolle, so Eyselein, sei die selbstgewählte oder zugeschriebene Funktion in einem sozialen Gefüge. Bei Pfarrerinnen und Pfarrern könne angesichts der vielen zu bewältigen-den Aufgaben schnell das Gefühl aufkommen, eine „eierlegende Wollmilchsau“ zu sein.
Ihre zentralen Aufgaben sahen die Teilnehmenden in den Bereichen Gemeinschaft und Verkündigung. Deutlich wurde dies in Statements wie „wir bringen das Licht zu den Menschen“ oder „wir wollen in Kontakt bleiben mit Menschen, die gar nicht so kirchlich sind“. Chancen gelungener Gemeindearbeit ergäben sich bei besonderen Gottesdiensten, beispielsweise bei Vereinen oder anlässlich einer Kirchweih. Leute kämen dann wegen des Festes, aber auch ganz bewusst zum Gottesdienst.
Auf dem Programm der Tagung stand auch ein Besuch des im Jahr 752 gegründeten Klosters Heidenheim. Dieser machte deutlich, dass das Christentum nicht nur heute, sondern über die Jahrhunderte hinweg immer wieder große Veränderungen erfahren hat. Doch stets konnte der Glaube den Menschen Hoffnung, Trost und Halt geben – damals wie heute.
Bildunterschrift: Die teilnehmenden Pfarrerinnen und Pfarrer vor dem Heidenheimer Münster. (Rechts im Bild: Veranstaltungsleiter Dr. Peter Schlee von der Evang. Fachstelle für Ländliche Räume. Foto: Schlee


