Zum ersten Mal auf dem Lohnzettel: Entschädigung für die Wege zu den Baustellen

von | 16. Februar 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

(red). Der Lohn­zet­tel für Bau­ar­bei­ter im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen sieht dies­mal in einem ent­schei­den­den Punkt anders aus: Zum ers­ten Mal bekom­men Bau­ar­bei­ter im Febru­ar eine Lohn­ab­rech­nung, auf der die Kilo­me­ter eine Rol­le spie­len, die sie im Janu­ar auf ihrem Weg zu den Bau­stel­len zurück­ge­legt haben. „Das ist eine Pre­mie­re für den Bau: End­lich gibt es eine Ent­schä­di­gung für die Fahr­stre­cken und damit vor allem für die vie­len Stun­den, die Mau­rer, Beton­bau­er, Kran­füh­rer & Co. Monat für Monat auf der Stra­ße unter­wegs sind. Denn bis­lang hat ein Groß­teil der Bau­ar­bei­ter Zeit und Ner­ven inves­tiert, um zu den Bau­stel­len zu kom­men. Und das alles zum Null-Tarif. Denn die meis­ten Bau­ar­bei­ter haben ihre Zeit für die Fahr­ten zur Bau­stel­le dem Chef ein­fach geschenkt“, sagt Iris San­to­ro. Für die Bezirks­vor­sit­zen­de der IG BAU Mit­tel­fran­ken ist die Ent­schä­di­gung der Wege­zeit „ein wich­ti­ger Schritt nach vorn, um die Arbeit auf dem Bau vom Lohn her attrak­ti­ver und gleich­zei­tig auch gerech­ter zu machen“.

Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen: Bau­ar­bei­ter fah­ren 555 Mal um die Erde

Immer­hin sind die Stre­cken, die Bau­ar­bei­ter auf ihrem Weg zu den Bau­stel­len zurück­le­gen, enorm, so die IG BAU Mit­tel­fran­ken. Die Bau-Gewerk­schaft weiß, wovon sie spricht: Sie hat die Fahr­stre­cken beim Pest­el-Insti­tut (Han­no­ver) unter­su­chen las­sen. Dem­nach sind rund 940 Bau­ar­bei­ter – und damit neun von zehn Beschäf­tig­ten der Bau­bran­che – im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen an 200 Arbeits­ta­gen unter­wegs, um zu den Gebäu­den, Stra­ßen und Brü­cken zu kom­men, die sie bau­en und sanie­ren sol­len. Für die ein­fa­che Fahrt legen sie dabei im Schnitt 59 Kilo­me­ter zurück. Die Wis­sen­schaft­ler vom Pest­el-Insti­tut kom­men dabei auf rund 22,2 Mil­lio­nen „Bau­stel­len-Kilo­me­ter“ im Jahr. „Rein rech­ne­risch fah­ren die Bau­ar­bei­ter aus dem Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen damit rund 555 Mal um die Erde. Klar, mal liegt die Bau­stel­le um die Ecke, oft ist sie aber auch weit ent­fernt“, so Iris San­to­ro von der IG BAU Mit­tel­fran­ken. Bei der Unter­su­chung sind, so das Pest­el-Insti­tut, für die Mobi­li­tät von Bau­be­schäf­tig­ten rele­van­te Fak­to­ren wie die Sied­lungs­dich­te berück­sich­tigt.

„Das Ergeb­nis macht deut­lich, dass die, die auf dem Bau arbei­ten, viel Extra-Zeit am Steu­er vom Pkw oder im Bau­bul­li ver­lie­ren. Dabei ist die Wege­zeit nichts ande­res als für den Bau-Job inves­tier­te Lebens­zeit“, sagt Cars­ten Bur­ck­hardt. Er ist im IG BAU-Bun­des­vor­stand für die Bau­wirt­schaft zustän­dig und spricht von „enorm Kilo­me­ter-akti­ven Bau-Jobs“. Die Fahr­ten zu den Bau­stel­len sei­en „ech­te Zeit­fres­ser“. Trotz­dem sei es ein „har­tes Stück Arbeit“ gewe­sen, die Ent­schä­di­gung der Wege­zeit am Tarif­tisch durch­zu­set­zen. „Die Arbeit­ge­ber haben sich jah­re­lang dage­gen gesträubt“, so Bur­ck­hardt.

Die Zei­ten, in denen Fahr­stre­cken von Bau­ar­bei­tern ein­fach unter den Tep­pich gekehrt wur­den, sei­en jetzt aller­dings end­gül­tig vor­bei: Für die Stre­cken zwi­schen dem Betrieb und der Bau­stel­le bekom­men Bau­ar­bei­ter, die Tag für Tag von zu Hau­se aus anfah­ren, jetzt – je nach Kilo­me­tern – zwi­schen 6 und 8 Euro pro Tag. Wer nicht mit dem Bau­bul­li fährt, son­dern das eige­ne Auto nimmt, bekommt wei­ter­hin zusätz­lich Kilo­me­ter­geld. Auch für Fahr­ten mit Bus­sen und Bah­nen gibt es eine Erstat­tung“, erläu­tert Cars­ten Bur­ck­hardt. Wer auf Mon­ta­ge sei und nicht jeden Tag nach Hau­se fah­ren kön­ne, bekom­me – abhän­gig von der Stre­cke – zwi­schen 18 und 78 Euro pro Woche.
Mehr Infos dazu gibt es bei der IG BAU Mit­tel­fran­ken: 09 11 – 24 13 69 und nuernberg@igbau.de. Oder im Inter­net: igbau.de/Infos-zur-Wegezeitentschaedigung-ab‑1.-januar.html.

Foto: Indus­trie­ge­werk­schaft, Bau­en-Agrar-Umwelt, Bezirks­ver­band Mit­tel­fran­ken