1200 Jahre Gunzenhausens – Eine musikalische Reise durch die Stadtgeschichte

von | 30. Oktober 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen

Gun­zen­hau­sen (red). Die Wenigs­ten dürf­ten wis­sen, dass die Stadt Gun­zen­hau­sen über einen rei­chen Schatz an viel­fäl­tigs­ter Musik­ge­schich­te ver­fügt. Für den kirch­li­chen Bereich lässt sich ein hohes Niveau bereits für das 16. Jahr­hun­dert erah­nen, die Höhe­punk­t­ära kam dann frei­lich rund 100 Jah­re spä­ter mit den Ans­ba­cher Mark­gra­fen. Auf welt­li­cher Sei­te beginnt das Gun­zen­häu­ser Musik­herz spä­tes­tens mit den Stadt­mu­si­kan­ten zu schla­gen. Ins­be­son­de­re der Tür­mer Chris­ti­an Fried­rich Möbi­us hin­ter­ließ Spu­ren, ist auf ihn doch die Wei­ter­ent­wick­lung der Stadt­ka­pel­le sowie die Grün­dung von Lie­der­kranz und Sän­ger­bund zurück­zu­füh­ren.

All das und noch viel mehr an Musik­ge­schich­te hat Stadt­ar­chi­var Wer­ner Mühl­h­äu­ßer zusam­men­ge­tra­gen und für einen musi­ka­li­schen Vor­trag im Haus des Gas­tes vor­be­rei­tet. Vor kur­zem lud er Neu­gie­ri­ge auf die­se ande­re Rei­se durch die Stadt­ge­schich­te ein. Unter­stützt wur­de er hier­bei von der Gun­zen­häu­ser Musik­fa­mi­lie Pfah­ler, die zahl­rei­che Stü­cke und Lie­der zum Bes­ten gaben. Phil­ipp Find­ei­sen run­de­te das inter­es­san­te Event mit gelun­ge­nen Gesangs­ein­la­gen ab.

Von 1884 bis 1958 lag das Amt des Stadt­mu­sik­meis­ters in den Hän­den der Scheu­ern­stuhls. Drei Gene­ra­tio­nen lang präg­ten sie mit Kapel­len und ver­schie­de­nen For­ma­tio­nen das musi­ka­li­sche Leben in Gun­zen­hau­sen. Karl, Otto und Hans waren jedoch nicht nur selbst als Musi­ker aktiv, sie kom­po­nier­ten auch und ver­such­ten ihr Ver­mächt­nis für die Nach­welt zu erhal­ten. Diri­gent Otto Scheu­ern­stuhl fuhr gar mit der Stadt­ka­pel­le 1913 nach Nürn­berg und nahm eine Schall­plat­te auf. Der Wal­zer „O du schö­ne Jugend­zeit“ war als Ori­gi­nal­auf­nah­me im Haus des Gas­tes zu hören. Bis in jüngs­ter Ver­gan­gen­heit wer­den Stü­cke der Scheu­ern­stuhls neu inter­pre­tiert, so etwa 1990 von Kir­chen­mu­si­ker Alex­an­der Serr, der die „Hoch­zeits­ga­vot­te“, geschrie­ben von Otto Scheu­ern­stuhl anläss­lich der Hoch­zeit sei­ner Schwes­ter Marie im Jah­re 1908, für ein klei­nes Instru­men­tal­ensem­ble bear­bei­te­te.

High­light des Abends im Mark­gra­fen­saal war sicher die Dar­bie­tung der dis­har­mo­nisch­dra­ma­ti­schen Büh­nen­mu­sik Kon­rad Mai­er­ho­fers. Für das Thea­ter­stück „Das Kreuz im Alt­mühl­tal“ geschrie­ben, erzeu­gen die gewöh­nungs­be­dürf­ti­gen Töne bis heu­te Gän­se­haut. Wäh­rend die Pfah­lers eine Kost­pro­be davon spiel­ten, las Stadt­ar­chi­var Wer­ner Mühl­h­äu­ßer einen Aus­zug aus dem Zwei­ten Akt des Ori­gi­nal­tex­tes von Gus­tav Schnei­der vor.

Die Lis­te der in Gun­zen­hau­sen wir­ken­den Grup­pen und Musi­ker ist lang. Mühl­h­äu­ßer ver­such­te den­noch einen Quer­schnitt, berich­te­te Inter­es­san­tes über den Voll­blut­mu­si­ker Hans Horst oder den Posau­nen­chor unter Alfred Schmidt. Spä­tes­tens als 1981 der Jazz-Club gegrün­det wur­de, war auch moder­ne Musik aus Über­see in der Alt­mühl­stadt zu hören. Es folg­ten zahl­rei­che Jugend­bands, dar­un­ter „Die 3 GUNs“, das „Wal­ter-Trio“ oder die heu­te noch akti­ven „The Sharks“.

Die musi­ka­li­sche Zeit­rei­se ende­te mit einer äußerst gelun­ge­nen Impro­vi­sa­ti­on des Musik­stu­den­ten Sebas­ti­an Pfah­ler am Flü­gel. Danach war klar: Als Gun­zen­häu­ser kön­nen wir uns sicher sein, dass auch in Zukunft die Musik­ge­schich­te hier vor Ort erfolg­reich wei­ter­ge­schrie­ben wird.

Bild­un­ter­schrift: (v. l. n. r.): Stadt­ar­chi­var Wer­ner Mühl­h­äu­ßer und Ers­ter Bür­ger­meis­ter Karl-Heinz Fitz freu­ten sich gemein­sam mit der Musi­ker­fa­mi­lie Pfah­ler über einen gelun­ge­nen Abend. Phil­ipp Find­ei­sen ist eben­falls auf dem Bild zu sehen, er trägt die grü­ne Wes­te. Nicht abge­bil­det ist Almut Pfah­ler, die den Abend mit Vio­li­nen- und Brat­schen­spiel berei­cher­te. Foto: Stadt Gun­zen­hau­sen