675 Jahre Hospitalstiftung Gunzenhausen – die Festwoche hat begonnen

von | 15. Oktober 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen

Vie­len Dank für Ihre Mühen.

Nr. 210/2026

Gun­zen­hau­sen — Mit einem klei­nen Fest­akt im gut gefüll­tem Ein­gangs­be­reich des Burk­hard-von-Secken­dorff Alten- und Pfle­ge­heims ist die Fest­wo­che zum 675-jäh­ri­gen Bestehen der Hos­pi­tal­stif­tung Gun­zen­hau­sen eröff­net wor­den. Zahl­rei­che gela­de­ne Gäs­te waren zu die­sem beson­de­ren Anlass gekom­men, dar­un­ter die Alt­bür­ger­meis­ter Karl-Heinz Fitz, Ger­hard Traut­ner und Joa­chim Feder­schmidt, der Gun­zen­häu­ser Dekan Chris­ti­an Asch­off, zahl­rei­che Stadt­rä­tin­nen und Stadt­rä­te, Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter sozia­ler Ein­rich­tun­gen sowie Mit­ar­bei­ten­de, Ehren­amt­li­che, Bewoh­ne­rin­nen und Bewoh­ner.

Ein­rich­tungs­lei­ter Ste­fan Kett­ler begrüß­te die Anwe­sen­den und unter­strich die nach wie vor gro­ße Bedeu­tung der Hos­pi­tal­stif­tung für das Gemein­wohl und das gesell­schaft­li­che Leben in Gun­zen­hau­sen. Anschlie­ßend über­gab er das Wort an den Stif­tungs­vor­sit­zen­den Mat­thi­as Hörr, der die Hos­pi­tal­stif­tung über sein Amt als Ers­ter Bür­ger­meis­ter der Stadt Gun­zen­hau­sen nach außen ver­tritt. „Auch wenn die Stadt mit dem Burk­hard-von-Secken­dorff Heim mitt­ler­wei­le über ein moder­nes Alten- und Pfle­ge­heim ver­fügt, so bleibt doch der ursprüng­li­che Stif­tungs­ge­dan­ke bis heu­te gewahrt und wird nach wie vor mit Leben gefüllt“, beton­te der Ers­te Bür­ger­meis­ter. „Es geht um die Pfle­ge und Betreu­ung von Men­schen sowie dar­um, ihnen ein Leben unter Wah­rung ihrer Men­schen­wür­de zu ermög­li­chen. Ich dan­ke allen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern des Heims für ihren täg­li­chen Ein­satz am Men­schen. Sie leis­ten Groß­ar­ti­ges, von der Küche über die Haus­wirt­schaft, von der Pfle­ge bis zur Lei­tung. Ihre Kom­pe­tenz, Empa­thie und Ein­satz sind das Fun­da­ment unse­rer Ein­rich­tung. Stif­tungs­grün­der Burk­hard von Secken­dorff wäre stolz auf Sie.“

Seit ihrer Grün­dung steht die Stif­tung für die dau­er­haf­te Ver­bin­dung von Ver­ant­wor­tung, Für­sor­ge und dem Dienst an der Gemein­schaft. So refe­rier­te der ehe­ma­li­ge Gun­zen­häu­ser Stadt­ar­chi­var Wer­ner Mühl­h­äu­ßer über die Geschich­te der Hos­pi­tal­stif­tung von ihren Anfän­gen bis in die Gegen­wart. Er skiz­zier­te u.a. den Eigen­tums­über­gang der Stadt Gun­zen­hau­sen inklu­si­ve Stif­tung vom Adels­ge­schlecht der Secken­dorffs auf die Hohen­zol­lern im 14. Jahr­hun­dert, berich­te­te von den Aus­wir­kun­gen des 30-jäh­ri­gen Kriegs (Stif­tungs­bau­ern­hof und Pfrund­haus wur­den zer­stört), sprach die Errich­tung des frü­he­ren Spi­tals (spä­te­res Jugend­zen­trum) im Jahr 1761 neben der Spi­tal­kir­che an und ende­te letzt­lich beim Neu­bau des Burk­hard-von-Secken­dorff Heims in den 1960er-Jah­ren (Ein­wei­hung am 22. März 1969).

1351 von Burk­hard von Secken­dorff gegrün­det, ging die Stif­tung nach sei­nem Tod im Jahr 1365 auf die Stadt Gun­zen­hau­sen über. Der Rit­ter (Hos­pi­tal­bru­der vom Hei­li­gen Geist) woll­te Gun­zen­hau­sen zur Haupt­stadt sei­nes Herr­schafts­ge­biets machen und erwarb die Stadt 1349 vom Gra­fen von Oet­tin­gen. Gro­ßer Erfolg war im nicht ver­gönnt, sei­ne Nach­kom­men blie­ben nicht dau­er­haft vor Ort und ver­kauf­ten die Stadt wie­der. Den­noch fin­den sich Spu­ren sei­nes Lebens, bei­spiels­wei­se in der Spi­tal­kir­che in Form eines stei­ner­nen Sargs. Zumin­dest die Sil­hou­et­te lässt dar­auf schlie­ßen, dass Burk­hard von Secken­dorff hier sei­ne letz­te Ruhe­stät­te fand. Der Glau­be war zen­tra­ler Bestand­teil sei­nes Lebens und sei­ne Stif­tung ver­band als „Seel­ge­rät“ von Beginn an sowohl reli­giö­se als auch kari­ka­ti­ve Auf­ga­ben.

Das mit­tel­al­ter­li­che Spi­tal dien­te der Auf­nah­me und Ver­sor­gung alter und kran­ker Men­schen, von Armen, Pil­gern, Frem­den und Wai­sen. Im Lau­fe der Jahr­hun­der­te ver­än­der­ten sich Gebäu­de, Orga­ni­sa­ti­ons­for­men und gesell­schaft­li­che Rah­men­be­din­gun­gen, die Grund­idee blieb jedoch erhal­ten: Das Stif­tungs­ver­mö­gen wird dau­er­haft für einen bestimm­ten Zweck ein­ge­setzt, zum Wohl der Men­schen in Gun­zen­hau­sen und im Dienst der Gemein­schaft.

Fast ihre gesam­te Geschich­te hin­durch wur­de die Hos­pi­tal­stif­tung von der öffent­li­chen Hand ver­wal­tet, im Mit­tel­al­ter durch den Rat der Stadt, heu­te durch die Stadt Gun­zen­hau­sen, ver­tre­ten durch den Ers­ten Bür­ger­meis­ter. „Die­se 675 Jah­re zei­gen daher nicht nur, wie sich eine ein­zel­ne Ein­rich­tung ent­wi­ckelt hat. Sie zei­gen, dass Ver­ant­wor­tung über Gene­ra­tio­nen hin­weg getra­gen wer­den kann“, ergänz­te der Ers­te Bür­ger­meis­ter.

Bevor der offi­zi­el­le Teil des Fest­akts ein Ende fand, wur­de eine vom Stadt­ar­chiv Gun­zen­hau­sen erstell­te Bil­der­aus­stel­lung eröff­net. Sie zeigt Impres­sio­nen aus 675 Jah­ren Hos­pi­tal­stif­tung Gun­zen­hau­sen und kann noch bis kom­men­den Sams­tag kos­ten­los im Ein­gangs­be­reich des Burk­hard-von-Secken­dorff Alten- und Pfle­ge­heims in der Reut­berg­stra­ße in Gun­zen­hau­sen besich­tigt wer­den.

Bild­un­ter­schrift: Auf dem Bild zu sehen sind (v. l.) der ehe­ma­li­ge Stadt­ar­chi­var Gun­zen­hau­sens Wer­ner Mühl­h­äu­ßer, Alt­bür­ger­meis­ter Karl-Heinz Fitz, Ers­ter Bür­ger­meis­ter Mat­thi­as Hörr, Alt­bür­ger­meis­ter Joa­chim Feder­schmidt, Alt­bür­ger­meis­ter Ger­hard Traut­ner und Ein­rich­tungs­lei­ter Ste­fan Kett­ler. Foto: Stadt Gunzenhausen/Manuel Gros­ser