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Nr. 210/2026
Gunzenhausen — Mit einem kleinen Festakt im gut gefülltem Eingangsbereich des Burkhard-von-Seckendorff Alten- und Pflegeheims ist die Festwoche zum 675-jährigen Bestehen der Hospitalstiftung Gunzenhausen eröffnet worden. Zahlreiche geladene Gäste waren zu diesem besonderen Anlass gekommen, darunter die Altbürgermeister Karl-Heinz Fitz, Gerhard Trautner und Joachim Federschmidt, der Gunzenhäuser Dekan Christian Aschoff, zahlreiche Stadträtinnen und Stadträte, Vertreterinnen und Vertreter sozialer Einrichtungen sowie Mitarbeitende, Ehrenamtliche, Bewohnerinnen und Bewohner.
Einrichtungsleiter Stefan Kettler begrüßte die Anwesenden und unterstrich die nach wie vor große Bedeutung der Hospitalstiftung für das Gemeinwohl und das gesellschaftliche Leben in Gunzenhausen. Anschließend übergab er das Wort an den Stiftungsvorsitzenden Matthias Hörr, der die Hospitalstiftung über sein Amt als Erster Bürgermeister der Stadt Gunzenhausen nach außen vertritt. „Auch wenn die Stadt mit dem Burkhard-von-Seckendorff Heim mittlerweile über ein modernes Alten- und Pflegeheim verfügt, so bleibt doch der ursprüngliche Stiftungsgedanke bis heute gewahrt und wird nach wie vor mit Leben gefüllt“, betonte der Erste Bürgermeister. „Es geht um die Pflege und Betreuung von Menschen sowie darum, ihnen ein Leben unter Wahrung ihrer Menschenwürde zu ermöglichen. Ich danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Heims für ihren täglichen Einsatz am Menschen. Sie leisten Großartiges, von der Küche über die Hauswirtschaft, von der Pflege bis zur Leitung. Ihre Kompetenz, Empathie und Einsatz sind das Fundament unserer Einrichtung. Stiftungsgründer Burkhard von Seckendorff wäre stolz auf Sie.“
Seit ihrer Gründung steht die Stiftung für die dauerhafte Verbindung von Verantwortung, Fürsorge und dem Dienst an der Gemeinschaft. So referierte der ehemalige Gunzenhäuser Stadtarchivar Werner Mühlhäußer über die Geschichte der Hospitalstiftung von ihren Anfängen bis in die Gegenwart. Er skizzierte u.a. den Eigentumsübergang der Stadt Gunzenhausen inklusive Stiftung vom Adelsgeschlecht der Seckendorffs auf die Hohenzollern im 14. Jahrhundert, berichtete von den Auswirkungen des 30-jährigen Kriegs (Stiftungsbauernhof und Pfrundhaus wurden zerstört), sprach die Errichtung des früheren Spitals (späteres Jugendzentrum) im Jahr 1761 neben der Spitalkirche an und endete letztlich beim Neubau des Burkhard-von-Seckendorff Heims in den 1960er-Jahren (Einweihung am 22. März 1969).
1351 von Burkhard von Seckendorff gegründet, ging die Stiftung nach seinem Tod im Jahr 1365 auf die Stadt Gunzenhausen über. Der Ritter (Hospitalbruder vom Heiligen Geist) wollte Gunzenhausen zur Hauptstadt seines Herrschaftsgebiets machen und erwarb die Stadt 1349 vom Grafen von Oettingen. Großer Erfolg war im nicht vergönnt, seine Nachkommen blieben nicht dauerhaft vor Ort und verkauften die Stadt wieder. Dennoch finden sich Spuren seines Lebens, beispielsweise in der Spitalkirche in Form eines steinernen Sargs. Zumindest die Silhouette lässt darauf schließen, dass Burkhard von Seckendorff hier seine letzte Ruhestätte fand. Der Glaube war zentraler Bestandteil seines Lebens und seine Stiftung verband als „Seelgerät“ von Beginn an sowohl religiöse als auch karikative Aufgaben.
Das mittelalterliche Spital diente der Aufnahme und Versorgung alter und kranker Menschen, von Armen, Pilgern, Fremden und Waisen. Im Laufe der Jahrhunderte veränderten sich Gebäude, Organisationsformen und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die Grundidee blieb jedoch erhalten: Das Stiftungsvermögen wird dauerhaft für einen bestimmten Zweck eingesetzt, zum Wohl der Menschen in Gunzenhausen und im Dienst der Gemeinschaft.
Fast ihre gesamte Geschichte hindurch wurde die Hospitalstiftung von der öffentlichen Hand verwaltet, im Mittelalter durch den Rat der Stadt, heute durch die Stadt Gunzenhausen, vertreten durch den Ersten Bürgermeister. „Diese 675 Jahre zeigen daher nicht nur, wie sich eine einzelne Einrichtung entwickelt hat. Sie zeigen, dass Verantwortung über Generationen hinweg getragen werden kann“, ergänzte der Erste Bürgermeister.
Bevor der offizielle Teil des Festakts ein Ende fand, wurde eine vom Stadtarchiv Gunzenhausen erstellte Bilderausstellung eröffnet. Sie zeigt Impressionen aus 675 Jahren Hospitalstiftung Gunzenhausen und kann noch bis kommenden Samstag kostenlos im Eingangsbereich des Burkhard-von-Seckendorff Alten- und Pflegeheims in der Reutbergstraße in Gunzenhausen besichtigt werden.
Bildunterschrift: Auf dem Bild zu sehen sind (v. l.) der ehemalige Stadtarchivar Gunzenhausens Werner Mühlhäußer, Altbürgermeister Karl-Heinz Fitz, Erster Bürgermeister Matthias Hörr, Altbürgermeister Joachim Federschmidt, Altbürgermeister Gerhard Trautner und Einrichtungsleiter Stefan Kettler. Foto: Stadt Gunzenhausen/Manuel Grosser


