Alexander Boldachev und seine Königin der Instrumente

von | 30. Januar 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

5. Gun­zen­häu­ser Kon­zert­rei­he

Gun­zen­hau­sen — Alex­an­der Bol­da­chev hat Cha­ris­ma, und davon ganz viel. Dazu eine Har­fe, die er meis­ter­lich beherrscht und damit gan­ze Orches­ter in den Schat­ten stellt. Sein Publi­kum ver­zau­bert er als viel­spra­chi­ger Kul­tur­gi­gant, er ist Poet, Vir­tuo­se und Allein­un­ter­hal­ter in einem. Von ein wenig Extra­va­ganz berich­ten sein wil­der Haar­schopf und die roten Bar­fuß­schu­he. Hier haben wir eine Mar­ke sit­zen, der welt­weit Fans von klas­si­scher Musik begeis­tert fol­gen. Klas­si­sche Musik? Nicht nur, denn Bol­da­chev wagt den Spa­gat und zitiert mit sei­ner Har­fe nicht nur die gro­ßen Kom­po­nis­ten. Sein musi­ka­li­sches Reper­toire ist eine wil­de Mix­tur aus Klas­sik, Pop- und Rock­mu­sik, Video­ga­mes und popu­lä­re Songs aus berühm­ten Fil­men. Ver­gan­ge­nen Sonn­tag war der rus­si­sche Künst­ler im Rah­men der Gun­zen­häu­ser Kon­zert­rei­he in der Stadt­hal­le zu Gast.

Nylon, Plas­tik, Stahl, dazu das Gedicht „Har­fen­spie­ler“ von Goe­the und ein ein­neh­men­des, spitz­bü­bi­sches Grin­sen. Bereits der Ein­stieg in die­sen beson­de­ren Abend hat­te es in sich. Die Har­fe gilt als die Köni­gin der Instru­men­te, Bol­da­chev ist mit ihr seit drei Jahr­zehn­ten eng ver­bun­den. Sei­ne Köni­gin ist beein­dru­ckend ver­ziert, wird zart gestrei­chelt und vor jedem neu­en Stück sanft gestimmt. Die vie­len Sai­ten aus den genann­ten Mate­ria­li­en begin­nen Johann Sebas­ti­an Bachs eigent­lich für die Orgel geschrie­be­nen Ohr­wurm „Toc­ca­ta und Fuge d‑Moll“ gefühl­voll auf Wan­der­schaft zu schi­cken, es fol­gen Anto­nio Vival­dis „Jah­res­zei­ten“ Som­mer und Win­ter, die Bol­da­chev jeweils mit Lyrik ein­zu­stim­men weiß. Manch­mal mit Han­dy in der Hand, manch­mal mit geschlos­se­nen Augen. Vor der Pau­se lud er auch auf eine Rei­se in die Schweiz, sei­ne zwei­te Hei­mat, in der er bereits mit 15 Jah­ren zum Stu­die­ren kam. Gioa­chi­no Ros­si­nis Ouver­tü­re zu „Guil­laume Tell“ wur­de mit viel Gefühl zele­briert.

Nach der Pau­se war­te­te ein ful­mi­nan­ter Har­fen­ritt mit Wer­ken, u.a. von Glin­ka, Pro­kof­jew, Tschai­kow­ski und Schost­a­ko­witsch. Als Kom­bi­na­ti­on sind die­se beson­de­ren Stü­cke Alex­an­der Bol­da­chevs musi­ka­li­scher Kom­men­tar zum Ver­hält­nis von Krieg zu Frie­den. Seit 2022 distan­ziert sich der rus­si­sche Künst­ler von sei­ner Hei­mat, sei­ne Musik und Kom­po­si­tio­nen wer­den zum Aus­druck eines laut­star­ken kul­tu­rel­len Pro­tests. Strei­chel­te er sei­ne Har­fe vor der Pau­se noch, so bear­bei­te­te er sie nun mecha­nisch und fast bru­tal, in sich gekehrt und vol­ler Kon­zen­tra­ti­on. Die­ser außer­ge­wöhn­li­che Künst­ler lei­det mit vom Krieg betrof­fe­nen Men­schen und der Kul­tur, die Gewalt und Unter­drü­ckung über­all und in allen Zei­ten zer­stö­ren. 

Der Aus­klang war sehr ver­söhn­lich und doch mit­rei­ßend. So wur­den popu­lä­re Stü­cke, etwa von John Len­non, den Scor­pi­ons oder von Queen neu und für die Har­fe inter­pre­tiert. Für einen Künst­ler, der schon mit Rob­bie Wil­liams zusam­men auf der Büh­ne stand, ist das nur stan­des­ge­mäß. Das High­light war sei­ne Bear­bei­tung des moder­nen Klas­si­kers „Cali­for­ni­ca­ti­on“ von den Red Hot Chi­li Pep­pers. Hier­für wur­de Bol­da­chev bereits in Los Ange­les mit dem „Best Rock Cover Song“-Award aus­ge­zeich­net.

Die Zuga­be ver­irr­te sich tief in den 1980er-Jah­ren. Es ging nach Japan, wo der Video­spiel­gi­gant Nin­ten­do das Fami­con und sei­nen ita­lie­ni­schen Klemp­ner Mario auf die Video­spiel­ge­mein­de los­ließ. Alex­an­der Bol­da­chev spiel­te nicht nur das bekann­te Mario-The­ma, son­dern eben das aus dem ori­gi­na­len Mario Bros. für das NES, inklu­si­ve Bonus­feu­er­werk (Ken­ner wis­sen was gemeint ist).

Zum Abschluss die­ses denk­wür­di­gen Abends muss­te die Har­fe dann noch­mal lei­den und wur­de kur­zer­hand zum E‑Gi­tar­ren-Ersatz. Nir­va­nas „Smells like teen spi­rit“ brach­te die Hal­le zum Beben und minu­ten­lan­ges Stan­ding Ova­ti­on war das Resul­tat.

Wei­ter geht die Gun­zen­häu­ser Kon­zert­rei­he am Sonn­tag, 1. März 2026, um 19.30 Uhr mit dem Auf­tritt des Kla­ri­net­tis­ten Pablo Bar­ra­gán und des Pia­nis­ten Nuron Muku­mi. Die Ver­an­stal­tungs­rei­he wird von der Spar­kas­se Mit­tel­fran­ken-Süd finan­zi­ell unter­stützt. Außer­dem enga­gie­ren sich das Baye­ri­sche Staats­mi­nis­te­ri­um für Wis­sen­schaft und Kunst sowie der Baye­ri­sche Musik­rat.

Für Fra­gen rund um die Gun­zen­häu­ser Kon­zert­rei­he ste­hen Ihnen die Mit­ar­bei­te­rin­nen des Kul­tur­bü­ros und der Tou­rist Infor­ma­ti­on unter der Tele­fon­num­mer 09831/508–300 / ‑109 oder per E‑Mail an kulturamt@gunzenhausen.de ger­ne zur Ver­fü­gung. Das Ver­an­stal­tungs­pro­gramm fin­den Sie unter www.gunzenhausen.info.

Foto: Stadt Gunzenhausen/Manuel Gros­ser