Archäologische Fachtagung in Weißenburg

von | 8. Oktober 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Weißenburg

Wei­ßen­burg — Von Archäo­lo­gen behaup­tet man ger­ne mal, dass sie, in Büchern ver­sun­ken, ein wort­wört­li­ches Spa®tenfach betrei­ben. Tat­säch­lich lässt es sich inner­halb der Archäo­lo­gie noch­mals spe­zia­li­sie­ren. Denn nicht alle Archäo­lo­gin­nen und
Archäo­lo­gen sind rei­ne Theo­re­ti­ker – es gibt eine For­schungs­rich­tung, die sich Expe­ri­men­tel­le Archäo­lo­gie nennt. Deren Prot­ago­nis­ten sind pra­xis­be­gab­te For­schen­de oder auch archäo­lo­gie­be­geis­ter­te Hand­wer­ker, die wis­sen wol­len, wie etwas funk­tio­nier­te, wie Werk­zeu­ge ein­ge­setzt wur­den und wie Men­schen in der Ver­gan­gen­heit leb­ten.

Um sich dar­über aus­zu­tau­schen, tra­fen sich rund 70 Expe­ri­men­tal­ar­chäo­lo­gen aus Deutsch­land, Öster­reich und der Slo­wa­kei ver­gan­ge­ne Woche zu ihrer Jah­res­ta­gung in Wei­ßen­burg. Der Vor­stand der Ver­ei­ni­gung „ExAr — Euro­päi­sche Ver­ei­ni­gung zur För­de­rung der Expe­ri­men­tel­len Archäo­lo­gie e.V.“ trat im letz­ten Jahr an den Lei­ter der Muse­en Wei­ßen­burg Simon Sulk her­an, ob eine Aus­rich­tung der Tagung vor­stell­bar wäre. Eini­ge Mona­te spä­ter ver­sam­mel­te man sich nun, um aktu­el­le For­schun­gen, lau­fen­de Ver­su­chen und neue Fra­ge­stel­lun­gen zu dis­ku­tie­ren. Unter ande­rem gab es Ein­bli­cke in die Rekon­struk­ti­on römi­scher Kata­pul­te oder bron­ze­zeit­li­cher Ein­baum­boo­te. Ein Archäo­lo­ge aus Öster­reich hat­te Tei­le eines kel­ti­schen Musik­in­stru­ments aus­ge­gra­ben und woll­te wis­sen, wie es funk­tio­nier­te – also bau­te er es nach. Die Klang­pro­be begeis­ter­te die Anwe­sen­den. Die Fra­ge, man die Über­res­te von römi­schen Glas­öfen von ande­ren Öfen unter­schei­det trieb eine Archäo­lo­gin aus dem Saar­land dazu einen sol­chen Ofen zu bau­en, zu betrie­ben und ihn dann abzu­rei­ßen. Wie lässt sich die Funk­ti­on archäo­lo­gi­scher Objek­te mit 3D-Scans erfor­schen und wie ver­stän­dig­ten sich die Sol­da­ten von Limesturm zu Limesturm? In ins­ge­samt 17 inter­es­san­ten Vor­trä­gen wur­de eine Zeit­span­ne von der Stein­zeit bis in das 18. Jahr­hun­dert bedient. Auch Prof. Drey­er von der Fried­rich-Alex­an­der-Uni­ver­si­tät Erlan­gen war zu Gast und berich­te­te von den Nach­bau­ten der Römer­boo­ten, wovon eines erst kürz­lich durch die spek­ta­ku­lä­re Rück­hol­ak­ti­on aus Kroa­ti­en durch die Medi­en schiff­te und Drey­er die auf­re­gen­den Tage reka­pi­tu­lier­te.

Mit Teil­neh­men­den unter ande­rem von der Kel­ten­welt am Glau­berg, dem Nie­der­säch­si­schen Lan­des­mu­se­um Han­no­ver, dem Römer­kas­tell Saal­burg oder dem Ober­ös­ter­rei­chi­schen Lan­des­mu­se­um waren Ver­tre­ter vie­ler wich­ti­ger For­schungs- und Ver­mitt­lungs­in­sti­tu­tio­nen ver­tre­ten. Zusam­men mit Muse­ums­päd­ago­gen und Hand­wer­ken zeig­te die Ver­an­stal­tung die Band­brei­te archäo­lo­gi­scher For­schungs- und Ver­mitt­lungs­ar­beit. Ent­spre­chend zufrie­den zeig­te sich auch Prof. Dr. Gun­ther Schö­bel, Direk­tor des Pfahl­bau­mu­se­ums Unte­ruhl­din­gen am Boden­see und ers­ter Vor­sit­zen­der des Ver­eins ExAr. In sei­nen Schluss­wor­ten am Sams­tag­abend lob­te er die Orga­ni­sa­ti­on der Ver­an­stal­tung durch sei­ne Vor­stands­kol­le­gen und den Wei­ßen­bur­ger Muse­ums­lei­ter Simon Sulk und dank­te der Stadt Wei­ßen­burg für die Gast­freund­schaft. Zudem betrach­te­te er mit nach­denk­li­chen Wor­ten die aktu­el­le Situa­ti­on vie­ler Muse­en, die auf­grund von finan­zi­el­len und poli­ti­schen Kom­pli­ka­tio­nen ihre wich­ti­ge Funk­ti­on als Ver­mitt­lungs­or­te für Geschich­te und damit auch Iden­ti­tät immer schwe­rer auf­recht­erhal­ten kön­nen. Zuvor hat­te schon Ober­bür­ger­meis­te­rin Eva Reich­stadt in ihrer Begrü­ßung die Bedeu­tung von Muse­en und von For­schun­gen her­vor­ge­ho­ben. Hier­bei erhal­te man wich­ti­ge Erkennt­nis­se, mit denen auch die Muse­en Wei­ßen­burg Geschich­te erleb­bar und inter­es­sant prä­sen­tie­ren kön­nen.

Dass Wei­ßen­burg in Punk­to Geschich­te Eini­ges zu bie­ten hat, davon konn­ten sich die Teil­neh­men­den bei einer Stadt­füh­rung und Rund­gän­gen durch die Muse­en über­zeu­gen. So man­cher Teil­neh­mer kün­dig­te bereits an, mit etwas mehr Frei­zeit in das „put­zi­ge, gemüt­li­che und fas­zi­nie­ren­de Städt­chen“ zurück­zu­kom­men.

Den Abschluss der drei­tä­ti­gen Ver­an­stal­tung bil­de­te am Sonn­tag eine Exkur­si­on an den Alt­mühl­see, wo Prof. Drey­er an der Repa­ra­tur des zurück­ge­kehr­ten Römer­boo­tes arbei­tet und wei­te­re Rekon­struk­tio­nen – dar­un­ter ein römi­scher Rei­se­wa­gen und ein kel­ti­scher Streit­wa­gen – vor­an­treibt. Wer woll­te durf­te dann auch an Bord des ers­ten Römer­boo­tes, der Danu­vina Alacris zei­gen, was Expe­ri­men­tal­ar­chäo­lo­gie aus­macht. Unter dem Kom­man­do von Boris Drey­er wur­den unter authen­ti­schen Bedin­gun­gen Manö­ver und syn­chro­ner Ruder­schlag exer­ziert. Für die Prak­ti­ker unter den Archäo­lo­gen kei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung und für jene eine will­kom­me­ne Abwechs­lung, die dann am Mon­tag wie­der an den Schreib­tisch zurück­kehr­ten.

Bild­un­ter­schrift: Die Teil­neh­men­den der Tagung beim Rudern des Römer­boo­tes auf dem Alt­mühl­see. Prof. Drey­er gibt vor dem Able­gen letz­te Anwei­sun­gen. Foto: Muse­en Wei­ßen­burg