Ahas dunkles Geheimnis!

von | 8. Oktober 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen

Gun­zen­häu­ser Erzähl­fest 2026 star­te­te mit einer Kri­mi­nal­ge­schich­te von Jakob Was­ser­mann

Unter dem unheim­li­chen Titel „Ein Mord in Aha“ ist am gest­ri­gen Don­ners­tag das dies­jäh­ri­ge Erzähl­fest der Kul­tur­ma­che­rei Gun­zen­hau­sen gestar­tet. Im Mit­tel­punkt des lite­ra­risch-musi­ka­li­schen Abends stand Jakob Was­ser­manns 1920 erschie­ne­ne Novel­le „Adam Urbas“, die teil­wei­se im Gun­zen­häu­ser Orts­teil Aha spielt. In dem Werk geht es um den Bau­ern Adam Urbas, der im Gefäng­nis sitzt, weil er den Mord an sei­nem Sohn gestan­den hat. Ob er die Tat tat­säch­lich began­gen hat, bleibt jedoch lan­ge Zeit frag­lich.

Musi­ka­lisch eröff­ne­ten Ruth Tuff­ent­sa­mer an der Flö­te und Almut Pfah­ler an der Gei­ge den Abend. Zu hören war ein Stück des 1968 ver­stor­be­nen Gun­zen­häu­ser Musik­meis­ters Otto Scheu­ern­stuhl, das ursprüng­lich für ein Sex­tett kom­po­niert wor­den war. Gym­na­si­al­leh­rer Max Pfah­ler hat­te die Kom­po­si­ti­on so bear­bei­tet, dass sie von Flö­te und Gei­ge gespielt wer­den konn­te.

Nach der musi­ka­li­schen Ein­stim­mung begrüß­ten Mar­kus Hofer, 1. Vor­sit­zen­der der Kul­tur­ma­che­rei, und Ers­ter Bür­ger­meis­ter Mat­thi­as Hörr die Gäs­te. Ers­te­rer bedank­te sich für das gro­ße Enga­ge­ment der Prot­ago­nis­ten und mach­te auf die nächs­ten Ver­an­stal­tun­gen des Erzähl­fest auf­merk­sam, u.a. auf die Jugend­le­sung am 30. Okto­ber 2026 mit dem Autorin­nen­duo Melis­sa Hill und Anja Sta­por. Ers­ter Bür­ger­meis­ter Mat­thi­as Hörr beton­te, dass die Stadt Gun­zen­hau­sen Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen wie die­se ger­ne unter­stützt und för­dert. Er freu­te sich zudem dar­über, dass eine Ver­an­stal­tung die­ser Art erst­mals im Rat­haus­foy­er statt­fin­det.

Anschlie­ßend gab der ehe­ma­li­ge Stadt­ar­chi­var Wer­ner Mühl­h­äu­ßer einen Ein­blick in das Leben und Wir­ken Jakob Was­ser­manns sowie des­sen Ver­bin­dung zur Stadt Gun­zen­hau­sen. Was­ser­mann war in den 1920er-Jah­ren ein gefei­er­ter Best­sel­ler­au­tor von inter­na­tio­na­lem Rang, stand nach 1933 jedoch auf der schwar­zen Lis­te. Auf­grund ver­wandt­schaft­li­cher Bezie­hun­gen hielt er sich regel­mä­ßig in Gun­zen­hau­sen auf und ver­brach­te in der Alt­mühl­stadt sei­ne Feri­en. Der Ort und sei­ne Umge­bung fan­den mehr­fach Ein­gang in sein lite­ra­ri­sches Werk, unter ande­rem in der Erzäh­lung „Der nie­ge­küss­te Mund“ und in „Mein Weg als Deut­scher und Jude“. Dabei ver­ar­bei­te­te Was­ser­mann wie­der­holt städ­ti­sche Wahr­zei­chen und Figu­ren, die rea­len Per­so­nen nach­emp­fun­den waren. Auch in „Adam Urbas“ fin­den sich Bezü­ge zu Gun­zen­hau­sen und zum Orts­teil Aha. Ob der in der Novel­le geschil­der­te Mord­fall auf einem tat­säch­li­chen Gesche­hen beruht, ist bis­lang nicht bekannt.

Erzähl­fest­or­ga­ni­sa­tor Peter Schnell von der Kul­tur­ma­che­rei fass­te die Hand­lung der kri­mi­nal­psy­cho­lo­gi­schen Novel­le zusam­men und las im wei­te­ren Ver­lauf in gekonn­ter Manier Pas­sa­gen aus „Adam Urbas“ vor. Stadt­ar­chi­va­rin Maria Dechant nahm die Erzäh­lung zum Anlass, Fami­li­en­idea­le und Rol­len­bil­der im Wan­del der Zeit zu betrach­ten. Sie zeig­te auf, dass fami­liä­re Bezie­hun­gen frü­her häu­fig zweck­mä­ßig geprägt waren und Fami­li­en viel­fach von Auto­ri­tät bestimmt wur­den. Das Über­le­ben der Fami­lie zu sichern, hat­te für alle Hand­lun­gen lan­ge Zeit obers­te Prio­ri­tät.

Aus lite­ra­tur­wis­sen­schaft­li­cher Sicht näher­te sich Manu­el Gros­ser der Novel­le. Er erläu­ter­te unter ande­rem, dass eine psy­cho­ana­ly­ti­sche Les­art Adam Urbas als exem­pla­ri­sche Figur eines Men­schen erken­nen lässt, der nach Sinn, Aner­ken­nung und einem Platz in der Gesell­schaft sucht. Sei­ne Erfah­run­gen machen deut­lich, dass das Leben von Kon­flik­ten und Ent­schei­dun­gen geprägt ist, die sich nicht immer ein­deu­tig als rich­tig oder falsch bewer­ten las­sen. Damit wird „Adam Urbas“ zu einer Erzäh­lung über die Suche nach Iden­ti­tät, Ori­en­tie­rung und per­sön­li­cher Ver­ant­wor­tung.

Zwi­schen den ein­zel­nen Pro­gramm­punk­ten sorg­ten Ruth Tuff­ent­sa­mer und Almut Pfah­ler mit wei­te­rer Live­mu­sik für abwechs­lungs­rei­che Über­gän­ge. Den Abschluss des Abends bil­de­te ein Schluss­wort des Ers­tes Bür­ger­meis­ters Mat­thi­as Hörr.

Mit „Ein Mord in Aha“ ver­band die Kul­tur­ma­che­rei Lite­ra­tur, Stadt­ge­schich­te und Musik. Der Abend mach­te zugleich deut­lich, wie eng Jakob Was­ser­manns Werk mit Gun­zen­hau­sen ver­bun­den ist. Die Kul­tur­ver­an­stal­tung fand in Koope­ra­ti­on mit der Stadt Gun­zen­hau­sen statt.

Das Erzähl­fest der Kul­tur­ma­che­rei wird mit wei­te­ren Ver­an­stal­tun­gen fort­ge­setzt. Das voll­stän­di­ge Pro­gramm ist unter www.diekulturmacherei.de abruf­bar.

Bild­un­ter­schrift: Die Prot­ago­nis­tin­nen und Prot­ago­nis­ten, die den Auf­takt des dies­jäh­ri­gen Erzähl­fests mit Leben gefüllt haben. Foto: Gün­ter Hey­land