Kleiner Brombachsee muss vor Belastung geschützt werden — SeenLand-Express fährt aber regelmäßig die unbelasteten Strände an
Langlau — Die „Initiative Brombachsee“ – der Zusammenschluss der touristischen Anbieter am Brombachsee – sieht in dem erneuten Badeverbot eine massive Bedrohung vieler unternehmerischer Existenzen am Brombachsee, die in dieser Form auf Dauer die touristische Attraktivität dieses Sees in Frage stellen wird, erklärte Dieter Popp als Sprecher der Initiative in Langlau. Es wird ausdrücklich anerkannt, dass seit den Seenlandkonferenzen vor 15 Jahren zahlreiche und auch bedeutende Maßnahmen zu Reduktion der das Blaualgenwachstum eingeleitet und konkret umgesetzt wurden. Es wird auch verstanden, dass eine Reihe dieser eingeleiteten Schritte erst – den natürlichen Abläufen folgend — mit zeitlichem Verzug ihre Wirksamkeit entfalten. Und dennoch sieht die „Initiative Brombachsee jetzt einen akuten Handlungsbedarf.
Aus heutiger Sicht hätten sicher am Altmühlsee entweder andere Rahmenbedingungen bei der Herstellung des Gewässerkörpers eingeplant werden oder zumindest den in eine touristische Investition bereiten Akteuren weniger ambitionierte sporttouristische Perspektiven aufgezeigt werden müssen. Die mit den eingeleiteten Wassermengen zu erwartenden Veränderungen der Gewässerqualität waren bei der eingeplanten Seetiefe absehbar. Daher können bedauerlicherweise die touristischen Anbieter am Altmühlsee jetzt nur darauf hoffen, dass all die noch weiter angekündigten Ver-besserungsmaßnahmen sehr zeitnah greifen.
Für die Situation am Kleinen Brombachsee ist es jetzt aber überfällig und im Interesse der wirtschaftlichen Situation der betroffenen Unternehmen auch existenzentscheidend, dass nicht erneut in Zeiten der Sommerurlaubs- und wichtigen Wassersport-Saison der die gesamte Jahresbilanz dominierende Umsatz dieser Wochen wegbricht! Dieses Problem ist seit Jahren bekannt und schon in den Seenland-Konferenzen wurde auf die Notwendigkeit hingewiesen, dass im Verlauf des Überleiters Schutzvorkehrungen getroffen werden müssen, damit die Belastungen des Altmühlsees nicht auch in den ähnlich gefährdeten Kleinen Brombachsee gelangen. Hierfür liegen Vorschläge für naturnahe Reinigungsverfahren vor und es gäbe auch technische Maßnahmen, die aber mit Sicherheit einen sehr hohen Finanzierungsaufwand erfordern. Die für die Prüfung und Umsetzung solcher, als notwendige Zwischenlösung denkbaren Maßnahmen erforderliche Zeit stand ausreichend zur Verfügung, wurde aber offenbar nicht genutzt.
Nach dem Ablassen erheblicher Wassermengen aus dem Brombachsee – zur Erfüllung seiner ihm auf-getragenen und daher ja auch zwingend notwendigen Maßnahmen zur Stabilisierung der Wasserverhältnisse im Main-Abflussgebiet – steht zur Auffüllung dieses Defizits in Kürze wieder eine Flutung aus dem Altmühlsee über den Überleiter an. Damit werden die noch höheren Blaualgen-Konzentrationen aus dem Altmühlsee dazu führen, dass sich die Gewässergütezustände am Kleinen Brombachsee weiter massiv verschlechtern und die Unternehmen auch diese Saison ökonomisch endgültig abhaken können.
Auch wenn daher für das laufende Jahr leider keine Verbesserung der Situation mehr möglich sein wird, erwarten die Unternehmerinnen und Unternehmer am Brombachsee jetzt eine politische Aus-sage, wie man den drohenden ökonomischen Kollaps des Tourismus am Kleinen Brombachsee künftig noch verhindern kann und welche Maßnahme jetzt am Überleiter vorgesehen wird, um die noch sehr lange Zeit zu befürchtenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu minimieren und schließlich komplett zu unterbinden.
Es darf dabei die verheerende Kommunikationswirkung dieser Badeverbote nicht übersehen werden. Auch wenn es im Fränkischen Seenland noch Badegewässer mit unbelasteten Stränden – vor allem am Großen Brombachsee – gibt, wird in der Außenkommunikation oftmals ohne jegliche Differenzierung das gesamte Seenland mit diesen Negativschlagzeilen verbunden. Und dies schlägt sich auch in diesem Jahr an erkennbar weniger Gästen, vor allem aber Tagesgästen wieder. Selbst wenn dieses Dilemma sogar weitere Seen in Bayern trifft, hier ist der Freistaat Bayern in der direkten Verantwortung, denn die Seen und alle an ihnen durchgeführten Maßnahmen wurden von ihm als Eigentümer veranlasst. Daher erwartet die „Initiative Brombachsee“ jetzt eine verbindliche Erklärung des Freistaats Bayern über die extrem gefährdete Zukunft der Unternehmen an diesem See, wovon immerhin die Existenzen von mehr als 650 Menschen direkt abhängig sind.
Es ist und bleibt ein schwacher Trost – aber immerhin ein leider seltener Hoffnungsschummer – dass mit dem SeenLandExpress seit dieser Saison ein Mobilitätsnagebot unterbreitet wurde, welches diese beiden Seen verbindet und damit den Gästen die Option unterbreitet, die noch nicht belasteten Strände zu erreichen. Die Unternehmen am Brombachsee sind den verantwortlichen Trägern dieses Mobilitätsangebots daher außerordentlich dankbar, dass diese Möglichkeit geschaffen wurde.
Foto: Brigitte Dorr


