Pilotprojekt „Bibermönch“ im Möhrenbachtal bei Gundelsheim gestartet

von | 24. August 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Gun­dels­heim — Mit dem Pilot­pro­jekt „Biber­mönch“ wol­len der Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen und die Stadt Treucht­lin­gen neue Wege gehen und damit ein gutes Mit­ein­an­der von Mensch und Biber gewähr­leis­ten. Die nach­hal­ti­ge Mög­lich­keit zur Was­ser­stands­re­gu­lie­rung soll einen dau­er­haft sta­bi­len Was­ser­stand im Biber­re­vier ermög­li­chen und somit Kon­flik­te mit angren­zen­der Nut­zung ent­schär­fen. Ziel ist es, den Lebens­raum des Bibers und die damit ver­bun­de­ne Arten­viel­falt zu erhal­ten und gleich­zei­tig die berech­tig­ten Inter­es­sen der Anlie­ger zu berück­sich­ti­gen.

Das gemein­sa­me Pilot­pro­jekt des Land­krei­ses Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen und der Stadt Treucht­lin­gen im Möh­ren­bach­tal bei Gun­dels­heim wur­de kürz­lich der Öffent­lich­keit vor­ge­stellt. Mit dem neu­ar­ti­gen Sys­tem soll erprobt wer­den, wie der Was­ser­stand im Bereich eines Biber­damms dau­er­haft regu­liert wer­den kann, ohne den Lebens­raum des Bibers zu beein­träch­ti­gen.

Seit vie­len Jah­ren hat der Biber am Möh­ren­bach bei Gun­dels­heim sein Revier. Durch sei­ne Stau- und Bau­tä­tig­kei­ten ver­än­dert er das Gewäs­ser und schafft wert­vol­le Struk­tu­ren und Lebens­räu­me. Davon pro­fi­tiert eine Viel­zahl von Tier- und Pflan­zen­ar­ten. Gera­de bei län­ge­ren Tro­cken­pe­ri­oden kann das Biber­bio­top zudem Was­ser in der Flä­che zurück­hal­ten.

Gleich­zei­tig kön­nen die Biber­däm­me auf­grund der angren­zen­den Nut­zun­gen zu Pro­ble­men füh­ren. Ins­be­son­de­re der wich­ti­ge, burg­si­chern­de Haupt­damm muss bei höhe­ren Was­ser­stän­den immer wie­der geöff­net wer­den, etwa um die Pas­sier­bar­keit der nahe­ge­le­ge­nen Furt über den Möh­ren­bach für die Angren­zer der Wald­grund­stü­cke zu gewähr­leis­ten. Die dadurch ent­ste­hen­den star­ken Schwan­kun­gen des Was­ser­stands kön­nen wie­der­um nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf die im Möh­ren­bach vor­kom­men­de Bach­mu­schel haben.

Hier setzt der soge­nann­te „Biber­mönch“ an. Die aus Beton und Stahl gefer­tig­te Kon­struk­ti­on wur­de im Land­kreis Bam­berg von Chris­toph Röckel­ein, Juni­or­chef der Kas­par Röckel­ein KG, und dem ehe­ma­li­gen Biber­be­ra­ter des Land­krei­ses Bam­berg, Ste­phan Salz­bren­ner, ent­wi­ckelt. Das Prin­zip ori­en­tiert sich an einem klas­si­schen Mönch, wie er etwa bei Fisch­wei­hern zur Regu­lie­rung des Was­ser­stands ein­ge­setzt wird. Der Biber­mönch schafft eine dau­er­haf­te, vom Biber in der Regel nicht ver­schließ­ba­re Zwangs­öff­nung im Damm. Über varia­ble Stau­ele­men­te kann der Was­ser­stand gezielt ange­passt und damit eine unkon­trol­lier­te Über­schwem­mung ver­hin­dert wer­den.

„Der Biber gehört zu unse­rer hei­mi­schen Natur und leis­tet einen wich­ti­gen Bei­trag für die Arten­viel­falt. Gleich­zei­tig wis­sen wir, dass sei­ne Bau­tä­tig­keit vor Ort auch Her­aus­for­de­run­gen mit sich brin­gen kann. Mit die­sem Pilot­pro­jekt möch­ten wir zei­gen, dass Natur­schutz und die berech­tig­ten Inter­es­sen der Men­schen kei­ne Gegen­sät­ze sein müs­sen“, beton­te Land­rat Mar­kus Glä­ser bei der Vor­stel­lung des Pro­jek­tes.

Mit dem Pilot­pro­jekt soll nun auch im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen eine Alter­na­ti­ve zu den häu­fig auf­wen­di­gen und für den Was­ser­haus­halt nach­tei­li­gen Räu­mun­gen von Biber­däm­men erprobt wer­den. „Wir wol­len dem Biber sei­nen Lebens­raum las­sen und zugleich dort regu­lie­rend ein­grei­fen kön­nen, wo es auf­grund der ört­li­chen Gege­ben­hei­ten not­wen­dig ist. Der Biber­mönch bie­tet dafür einen viel­ver­spre­chen­den Ansatz, den wir nun unter den kon­kre­ten Bedin­gun­gen am Möh­ren­bach beob­ach­ten und bewer­ten kön­nen“, erklär­te zudem Treucht­lin­gens Bür­ger­meis­te­rin Dr. Dr. Kris­ti­na Becker.

Die Stadt Treucht­lin­gen ist Eigen­tü­me­rin der Flä­che und für die Unter­hal­tung des Möh­ren­bachs zustän­dig. Die Bau­ar­bei­ten wur­den von der ört­li­chen Fir­ma Meir aus Gun­dels­heim fach­ge­recht und mit beson­de­rem Augen­merk auf die ört­li­chen Gege­ben­hei­ten umge­setzt. Die Stadt Treucht­lin­gen über­nahm die Bau­kos­ten, wäh­rend die Mate­ri­al­kos­ten für den Biber­mönch und die ver­bau­ten Beton­roh­re durch die Unte­re Natur­schutz­be­hör­de aus Ersatz­gel­dern des Baye­ri­schen Natur­schutz­fonds finan­ziert wer­den.

Der Biber­mönch ist modu­lar auf­ge­baut und kann je nach ört­li­cher Situa­ti­on in Län­ge, Brei­te und Höhe ange­passt wer­den. Staub­ret­ter und wei­te­res Zube­hör las­sen sich fle­xi­bel ver­än­dern, sodass Was­ser kon­trol­liert zurück­ge­hal­ten oder abge­führt wer­den kann. Neben Biberha­bi­ta­ten eig­net sich das Sys­tem grund­sätz­lich auch für Feucht­bio­to­pe, Regen­rück­hal­te­be­cken und Reten­ti­ons­flä­chen. Zu den wei­te­ren Vor­tei­len zäh­len die robus­te und frost­be­stän­di­ge Bau­wei­se, gerin­ge Unter­hal­tungs­kos­ten und die Mög­lich­keit, die Kon­struk­ti­on bei Bedarf zu ver­set­zen.

Das Pilot­pro­jekt soll in den kom­men­den Jah­ren zei­gen, ob sich mit dem Biber­mönch ein dau­er­haft sta­bi­ler Was­ser­stand errei­chen lässt und dadurch sowohl der Biber und sein Lebens­raum als auch die angren­zen­den Nut­zun­gen und die Gewäs­ser­öko­lo­gie pro­fi­tie­ren. Die Erfah­run­gen aus frü­he­ren Instal­la­tio­nen, unter ande­rem im Land­kreis Bam­berg, bei denen der Biber­mönch erfolg­reich ein­ge­setzt wur­de, stim­men dabei aber sehr zuver­sicht­lich. Ein zusätz­li­cher posi­ti­ver Effekt kann die Schaf­fung von Reten­ti­ons­raum und damit ein Bei­trag zum Hoch­was­ser­schutz sein.

Bild­un­ter­schrift: Der neu instal­lier­te „Biber­mönch“ im Möh­ren­bach­tal bei Gun­dels­heim. Foto: Land­rats­amt Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen / Nico Kögel