Betzavta – Demokratie mal etwas anders lernen

von | 22. März 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Ingol­stadt (red).  Zwei Män­ner ste­hen in der Mit­te eines selbst­ge­bau­ten Spiel­felds, strei­ten sich um einen gro­ßen, roten Schaum­stoff­wür­fel in den bei­de ihre Fin­ger gekrallt haben, bei einem Spiel das kei­ne Regeln hat, in einem Semi­nar bei dem es eigent­lich um Demo­kra­tie geht. In dem ers­ten, zwei­tä­gi­gen Semi­nar des Kol­ping-Erwach­se­nen-Bil­dungs­werks Eich­stätt hat Refe­ren­tin Frau Sabi­ne Som­mer den Teil­neh­men­den auf eine ande­re Art und Wei­se, die Phi­lo­so­phie hin­ter Betz­av­ta und dem Demo­kra­tie­be­griff näher gebracht. Das von der Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung geför­der­te Semi­nar, rich­te­te sich vor allem an Multiplikator*innen aus Schu­len als auch der Erwach­se­nen­bil­dung und wur­de in den Räum­lich­kei­ten der Kol­ping-Aka­de­mie in Ingol­stadt ver­an­stal­tet.

„Also, was wollt ihr von mir?“ frag­te Frau Som­mer die Teil­neh­men­den gleich zu Beginn des Semi­nars und blick­te dar­auf­hin in ver­dutz­te Gesich­ter. Mit die­ser Fra­ge und Betei­li­gung gleich von Anfang hat wohl selbst in einem Semi­nar über Demo­kra­tie nie­mand gerech­net. Die Kon­flikt-Dilem­ma-Metho­de des Adam-Insti­tuts for Demo­cra­cy and Peace (Israel/Jerusalem) basiert auf den Grund­prin­zi­pen der Demo­kra­tie und setzt in der Durch­füh­rung auf ein inten­si­ves erfahr­bar und erleb­bar machen von demo­kra­ti­schen Aus­hand­lungs- und Ent­schei­dungs­pro­zes­sen. Das hebräi­sche Wort „Betz­av­ta“ steht dabei für das Wort „Mit­ein­an­der“ und hat sei­ne Anfän­ge bereits in der israe­li­schen Frie­dens­be­we­gung der 80er Jah­re.

Die Refe­ren­tin hat die Teil­neh­men­den inner­halb der zwei Tage mit ver­schie­de­nen Auf­ga­ben und Her­aus­for­de­run­gen kon­fron­tiert, von der Abschaf­fung der Demo­kra­tie, zum ver­meint­li­chen Ent­zug der Frei­heits­rech­te und dem mehr aber eher weni­ger spie­le­ri­schen Kampf um Scho­ko­la­de. Bei der gemein­sa­men Refle­xi­on der Ergeb­nis­se und „Power Rela­ti­ons“ kön­nen Emo­tio­nen und Gefüh­le, die wäh­rend des Grup­pen­ge­sche­hens auf­ge­tre­ten sind, mit­ge­teilt und dadurch indi­vi­du­el­le sowie Team-Kom­pe­ten­zen erwei­tert wer­den. „In Zei­ten zuneh­men­der Diver­si­tät schafft das Trai­nings­kon­zept ein Bewusst­sein von Demo­kra­tie, wel­ches weit über den poli­ti­schen Begriff hin­aus­geht“, so Sabi­ne Som­mer.

Am Ende der zwei Tage zeig­ten sich alle Teil­neh­men­den nach­denk­lich. „Die Demo­kra­tie ist essen­zi­ell für ein Leben wie wir es hier in Deutsch­land ken­nen, den­noch gibt es im All­tags­stress kaum Zeit, sich wirk­lich tief­grei­fend damit aus­ein­an­der­zu­set­zen“, so eine der Teil­neh­men­den. Im Lau­fe des zwei­tä­gi­gen Semi­nars wur­de der Grup­pe unter ande­rem bewusst, wie fra­gil eine Demo­kra­tie eigent­lich wirk­lich ist, das Frei­heit indi­vi­du­ell sehr unter­schied­lich emp­fun­den wird und das eine demo­kra­ti­sche Ent­schei­dungs­fin­dung in unse­rer diver­sen Gesell­schaft, tat­säch­lich gar nicht so leicht ist.

Bei der Abschluss­run­de waren sich die Teil­neh­men­den einig, dass das Erleb­te und Erfah­re­ne bei allen noch lan­ge nach­hal­len wird. Das Kol­ping-Erwach­se­nen-Bil­dungs­werk Eich­stätt freut sich im Herbst auf die zwei­te Semi­nar­rei­he von Frau Som­mer, wel­che wei­te­re Facet­ten des Demo­kra­tie­be­griffs und Mit­ein­an­ders in unse­rer Gesell­schaft zum The­ma haben wird.

Bild­un­ter­schrift: Refle­xi­on des „Scho­ko­la­den­spiels“ in der Grup­pe. Foto: Kol­ping-Erwach­se­nen-Bil­dungs­werk Eich­stätt

Die Teil­neh­men­den beschäf­ti­gen sich mit dem eige­nen Frei­heits­ge­fühl in ver­schie­de­nen Lebens­be­rei­chen. Foto: Kol­ping-Erwach­se­nen-Bil­dungs­werk Eich­stätt