Bollwerk gegen Antisemitismus an Hochschulen

von | 10. Oktober 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Baye­ri­scher Akti­ons­plan und Beauf­trag­te an allen Hoch­schu­len in Bay­ern

Baye­ri­scher Fünf-Punk­te-Akti­ons­plan gegen Anti­se­mi­tis­mus an Hoch­schu­len – Ver­an­ke­rung im Baye­ri­schen Hoch­schul­ge­setz – Blu­me: „Anti­se­mi­tis­mus ist kein Stand­punkt, Anti­se­mi­tis­mus ist abscheu­li­che Form von grup­pen­be­zo­ge­ner Men­schen­ver­ach­tung: Exma­tri­ku­la­ti­on als Ulti­ma Ratio“

Mün­chen (red). „Die baye­ri­schen Hoch­schu­len ste­hen fest an der Sei­te jüdi­scher Stu­die­ren­der, Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler. Wir haben in Rekord­zeit Beauf­trag­te gegen Anti­se­mi­tis­mus an allen 33 staat­li­chen Hoch­schu­len in Bay­ern instal­liert und wer­den die­se auch im baye­ri­schen Hoch­schul­in­no­va­ti­ons­ge­setz ver­an­kern. Für uns ist klar: Anti­se­mi­tis­mus ist kein Stand­punkt, Anti­se­mi­tis­mus ist Hass. Des­halb wer­den wir auch die Exma­tri­ku­la­ti­on als Ulti­ma Ratio gesetz­lich vor­se­hen. Und wir star­ten heu­te unse­ren eige­nen baye­ri­schen Akti­ons­plan gegen Anti­se­mi­tis­mus an Hoch­schu­len.“ Dies gab Bay­erns Wis­sen­schafts­mi­nis­ter Mar­kus Blu­me heu­te nach einem Tref­fen mit den Beauf­trag­ten in Mün­chen bekannt.

Baye­ri­scher Akti­ons­plan gegen Anti­se­mi­tis­mus an Hoch­schu­len

Der baye­ri­sche Akti­ons­plan gegen Anti­se­mi­tis­mus umfasst fünf Punk­te:

  1. Umfas­sen­de Bewusst­seins­bil­dung: Regel­mä­ßi­ge Gesprächs­platt­form mit jüdi­schen Stu­die­ren­den und Leh­ren­den
  2. Kla­re Ver­ant­wort­lich­kei­ten und fest Ansprech­part­ner: Anti­se­mi­tis­mus­be­auf­trag­te an allen 33 staat­li­chen baye­ri­schen Hoch­schu­len
  3. Ver­stärk­te Bil­dung und Prä­ven­ti­on: Aus­bau von Leh­re und For­schung zu Anti­se­mi­tis­mus an den baye­ri­schen Hoch­schu­len
  4. Kon­se­quen­tes Hoch­schul­ord­nungs­recht: Null Tole­ranz bei anti­se­mi­ti­schen Vor­fäl­len, Exma­tri­ku­la­ti­on als Ulti­ma Ratio
  5. Schlag­kräf­ti­ges Netz­werk: Boll­werk aus Hoch­schu­len, Poli­zei, Jus­tiz und Poli­tik

Minis­ter Mar­kus Blu­me beton­te: „Anti­se­mi­tis­mus ist eine abscheu­li­che Form von grup­pen­be­zo­ge­ner Men­schen­ver­ach­tung. Wir fah­ren des­halb einen Null-Tole­ranz-Ansatz. Jüdi­sche Stu­die­ren­de, Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler müs­sen sich an baye­ri­schen Hoch­schu­len sicher füh­len kön­nen – so wie jeder ande­re auch. Das ist Teil unse­res baye­ri­schen Schutz­ver­spre­chens. Wir waren von Anfang an klar und kon­se­quent und haben kei­ne Aus­schrei­tun­gen wie in Ber­lin oder noch schlim­mer an den ame­ri­ka­ni­schen Eli­te-Unis. Auf den Frei­staat Bay­ern kön­nen sich Jüdin­nen und Juden ver­las­sen.“ Blu­me bedank­te sich für die für das gro­ße Enga­ge­ment der Beauf­trag­ten an den Hoch­schu­len: „Wir unter­stüt­zen mit aller Kraft die­je­ni­gen, die hel­fen zu schüt­zen. Direkt im Okto­ber begin­nen wir des­halb mit einer umfas­sen­den Schu­lungs­stra­te­gie für die Beauf­trag­ten und zie­hen dabei mit Jus­tiz und Poli­zei an einem Strang. Gemein­sam bil­den wir ein kraft­vol­les Netz­werk, schau­en genau hin, schaf­fen ehr­li­ches Bewusst­sein und han­deln.“

Dr. Lud­wig Spaen­le, der Beauf­trag­te gegen Anti­se­mi­tis­mus der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung erklär­te: „Alle Hoch­schu­len Bay­erns haben mitt­ler­wei­le Anti­se­mi­tis­mus­be­auf­trag­te ernannt – das ist ein unüber­seh­ba­res Zei­chen ihrer Soli­da­ri­tät mit Jüdin­nen und Juden als Leh­ren­de und Stu­die­ren­den im Frei­staat. Ein sehr star­kes Zei­chen nach Innen und Außen. Nach Innen: Künf­tig haben Men­schen jüdi­schen Glau­bens an den Hoch­schu­len Ansprech­part­ne­rin­nen und Ansprech­part­ner. Die­se brin­gen ihre fach­li­che Exper­ti­se in die Ein­schät­zung von Gefähr­dungs­si­tua­tio­nen auch in Ent­schei­dun­gen der Hoch­schu­len mit ein. Es ist lei­der bedau­er­lich, dass gera­de an Hoch­schu­len in Deutsch­land seit dem Ter­ror­an­schlag der Hamas vom 7. Okto­ber gegen Israe­li ver­stärkt anti­se­mi­ti­sche Vor­fäl­le mit Bezug auf das Exis­tenz­recht Isra­els gesche­hen. Ein sehr star­kes Zei­chen nach Außen: Die neu­en Anti­se­mi­tis­mus­be­auf­trag­ten der Hoch­schu­len gesel­len sich zu den Anti­se­mi­tis­mus­be­auf­trag­ten der Jus­tiz und der Poli­zei­be­hör­den dazu und sind wie die­se Vor­bil­der für ande­re Behör­den, Orga­ni­sa­tio­nen und Fir­men, die­sem Bei­spiel zu fol­gen. Damit grei­fen die Hoch­schu­len mei­nen Vor­stoß im Rah­men der Bund-Län­der-Kom­mis­si­on der Anti­se­mi­tis­mus­be­auf­trag­ten von Herbst 2023 auf.“

Der Zen­tra­le Anti­se­mi­tis­mus­be­auf­trag­te der Baye­ri­schen Jus­tiz, Ober­staats­an­walt Andre­as Franck beton­te: „Seit 2018 leis­ten Anti­se­mi­tis­mus­be­auf­trag­te in der Baye­ri­schen Jus­tiz ihren Dienst. Sie drin­gen auf eine kon­se­quen­te Straf­ver­fol­gung, sind ansprech­bar für jüdi­sche Men­schen und sen­si­bi­li­sie­ren inner­halb und außer­halb der Jus­tiz für deren Belan­ge. Ich freue mich, dass mit den Anti­se­mi­tis­mus­be­auf­trag­ten an den Hoch­schu­len nun­mehr auch im Bereich der For­schung und Leh­re der Schutz jüdi­scher Bür­ge­rin­nen und Bür­ger kon­se­quent wei­ter ver­stärkt wird. Im Rah­men von Schu­lun­gen wer­den wir als Baye­ri­sche Jus­tiz unse­re Erfah­run­gen mit den neu­en Beauf­trag­ten tei­len und juris­ti­sches Fach­wis­sen ver­mit­teln“.

Der Son­der­be­auf­trag­te der FAU Erlan­gen-Nürn­berg, Prof. Dr. Lutz Edzard sag­te: „Als neu­ernann­ter Anti­se­mi­tis­mus­be­auf­trag­ter der FAU Erlan­gen-Nürn­berg begrü­ße ich aus­drück­lich das gro­ße Enga­ge­ment, das die Staats­re­gie­rung für die begrün­de­ten Sicher­heits­in­ter­es­sen von jüdi­schen Stu­die­ren­den und Mit­ar­bei­ten­den und für die Ein­hal­tung von ent­spre­chen­den Stan­dards in der Kom­mu­ni­ka­ti­on zeigt. Auch mei­ner Uni­ver­si­tät möch­te ich für die her­vor­ra­gen­de logis­ti­sche Unter­stüt­zung bei der Erfül­lung mei­ner Auf­ga­ben in die­sem Bereich ganz herz­lich dan­ken.“

Frei­staat als Trei­ber für Akti­ons­plan der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz

Nach dem Ter­ror­an­griff der Hamas am 7. Okto­ber 2023 hat Bay­ern sein Enga­ge­ment gegen Hass und Het­ze inten­si­viert. Minis­ter Blu­me stand und steht im stän­di­gen Aus­tausch mit den Hoch­schul­lei­tun­gen und jüdi­schen Stu­die­ren­den und reis­te im April selbst nach Isra­el. Zudem geht der Akti­ons­plan der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz auf eine Initia­ti­ve Bay­erns zurück. Die gesam­te baye­ri­sche Hoch­schul­fa­mi­lie ver­ab­schie­de­te im Mai eine Reso­lu­ti­on gegen Anti­se­mi­tis­mus.

Wis­sen­schafts­mi­nis­ter Blu­me abschlie­ßend: „Wir tre­ten den Fein­den der offe­nen Gesell­schaft ent­ge­gen. Gera­de Hoch­schu­len sind Orte geleb­ter Demo­kra­tie, Tole­ranz und Zivil­cou­ra­ge. Wo Grenz­über­schrei­tun­gen statt­fin­den, wird bei uns gehan­delt. Die Null-Tole­ranz-Gren­ze bei Anti­se­mi­tis­mus und Isra­el­feind­lich­keit ist unver­rück­bar.“

Bild­un­ter­schrift: Wis­sen­schafts­mi­nis­ter Mar­kus Blu­me (Mit­te) mit Dr. Lud­wig Spaen­le (2.v.l.), Prof. Dr. Lutz Edzard (1.v.l.), Ober­staats­an­walt Andre­as Franck (2.v.r.) und Kri­mi­nal­ober­rat Micha­el Wein­zierl beim Pres­se­ge­spräch im Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­um in Mün­chen. Foto: Axel König/StMWK