Borkenkäfer in Schach halten für zukunftsfähige Wälder

von | 12. März 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

(red). Regie­rungs­prä­si­den­tin Dr. Kers­tin Engel­hardt-Blum und Dr. Peter Pröbs­t­le, Prä­si­dent der Baye­ri­schen Lan­des­an­stalt für Wald und Forst­wirt­schaft (LWF), stell­ten heu­te die neue Anord­nung „Über­wa­chung und Bekämp­fung der wald­schäd­li­chen Insek­ten Buch­dru­cker und Kup­fer­ste­cher“ in Ober­sulz­bach (Gemein­de Lehr­berg, Land­kreis Ans­bach) vor.

„Der Schutz des Wal­des geht uns alle an. Denn der Wald ist gleich­zei­tig, Kul­tur­gut, Erho­lungs­ort, CO²-Spei­cher, Sau­er­stoff­pro­du­zent, Lebens­raum für Tie­re und Pflan­zen und so vie­les mehr“, so die Regie­rungs­prä­si­den­tin. „Mit der Anord­nung zum Schutz vor den Bor­ken­kä­fern tra­gen wir als Regie­rung einen Teil zum Erhalt unse­rer Wäl­der bei. Mein beson­de­rer Dank geht an alle Wald­be­wirt­schaf­ter und Eigen­tü­mer sowie an die Forst­zu­sam­men­schlüs­se und alle, die unse­re Wäl­der in Mit­tel­fran­ken pfle­gen und bewah­ren und so die viel­fäl­ti­gen Funk­tio­nen der Wäl­der für unse­re Gesell­schaft sichern.“

Die Fich­ten­bor­ken­kä­fer (Buch­dru­cker und Kup­fer­ste­cher) zäh­len zu den wich­tigs­ten forst­schäd­li­chen Insek­ten­ar­ten in Bay­ern. Ihre Über­wa­chung und Bekämp­fung erfor­dert all­jähr­lich hohe Anstren­gun­gen von den Wald­be­sit­zern. Buch­dru­cker und Kup­fer­ste­cher kön­nen auf Grund ihres hohen Ver­meh­rungs­po­ten­ti­als inner­halb weni­ger Mona­te gro­ße Popu­la­tio­nen auf­bau­en, die ein enor­mes Schad­po­ten­ti­al für die Wäl­der dar­stel­len. Im ver­gan­ge­nen Jahr haben die über­durch­schnitt­lich hohen Tem­pe­ra­tu­ren in den Mona­ten Mai bis Sep­tem­ber, ver­bun­den mit einem aus­ge­präg­ten Nie­der­schlags­de­fi­zit, die Ent­wick­lung der Fich­ten­bor­ken­kä­fer enorm begüns­tigt. Käfer­be­fall lässt sich am Aus­wurf von brau­nem Bohr­mehl erken­nen, das sich am Stamm­fuß, in Rin­den­schup­pen, Spinn­we­ben und auf der Boden­ve­ge­ta­ti­on sam­melt; anschlie­ßend ver­färbt sich die Kro­ne des Bau­mes vom Gip­fel abwärts rot­braun und die Nadeln fal­len ab.

„Lei­der sind durch den rasan­ten Kli­ma­wan­del vie­le unse­rer mit­tel­frän­ki­schen Wäl­der durch den Kli-mawan­del bedroht“ erläu­tert Forst­prä­si­dent Pröbs­t­le. „Daher müs­sen wir alles dafür tun, damit die viel­fäl­ti­gen Schutz­funk­tio­nen wie Wasser‑, Kli­ma- und Bio­top­schutz sowie die Erho­lungs­funk­ti­on wei-ter gewähr­leis­tet wer­den. Dazu gehört auch die Bekämp­fung des Bor­ken­kä­fers. So kön­nen die alten Bäu­me noch mög­lichst lan­ge erhal­ten blei­ben und im Schutz ihrer Kro­nen kann ein jun­ger Misch­wald ent­ste­hen. Die befal­le­nen Fich­ten müs­sen mög­lichst schnell aus dem Wald gebracht wer­den. Dadurch wer­den auch die Fich­ten der Nach­barn geschützt, denn der Bor­ken­kä­fer kennt kei­ne Grund­stücks­gren­zen“.

Das Posi­ti­ve für die mit­tel­frän­ki­schen Wald­be­sit­zer: Die Forst­äm­ter (ÄELF) und die Wald­be­sit­zer­ver-eini­gun­gen/­Forst­be­triebs­ge­mein­schaf­ten bie­ten her­vor­ra­gen­de Unter­stüt­zung an. Die LWF unter­stützt dabei durch aktu­el­le Bor­ken­kä­fer­über­wa­chung, aber auch durch neue For­schun­gen.

Nach der erlas­se­nen Anord­nung der Regie­rung wur­den im gesam­ten Regie­rungs­be­zirk Mit­tel­fran­ken die Nadel­wäl­der, auch die Misch­be­stän­de sowie Grund­stü­cke, auf denen in einer Ent­fer­nung von weni­ger als 500 Metern von Nadel­wäl­dern oder Misch­be­stän­den unent­rin­de­tes Nadel­holz lagert, zu Gefähr­dungs- und Befalls­ge­bie­ten der Bor­ken­kä­fer erklärt.

Eigen­tü­mer und Nut­zungs­be­rech­tig­te von der­ar­ti­gen Wäl­dern und Grund­stü­cken sind ver­pflich­tet, die­se in der Zeit von Okto­ber bis März min­des­tens ein­mal und in der Zeit von April bis Sep­tem­ber min­des­tens im Abstand von vier Wochen auf Käfer­be­fall zu kon­trol­lie­ren. Die Bor­ken­kä­fer sind sodann von den jewei­li­gen Wald­ei­gen­tü­mern in der Regel durch rasche Auf­ar­bei­tung und Trans­port des befal­le­nen Hol­zes aus dem Wald unver­züg­lich zu bekämp­fen oder durch Drit­te bekämp­fen zu las­sen.

Die Anord­nung zur Bekämp­fung der Fich­ten­bor­ken­kä­fer, trat zum 1. Janu­ar 2024 in Kraft und gilt bis Ende des Jah­res 2028. Im Wort­laut fin­den Sie die Bekannt­ma­chung im mit­tel­frän­ki­schen Amts­blatt unter https://www.regierung.mittelfranken.bayern.de/mam/service/rabl/rabl_2023_11.pdf.

Forst­di­rek­tor Andre­as Egl zeigt den Befall der Bor­ken­kä­fer anhand einer Fich­ten­rin­de. Foto: Mar­tin Hart­na­gel, Regie­rung von Mit­tel­fran­ken