Braucht es eine neue Sprechweise über zentrale christliche Inhalte?

von | 21. Oktober 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Burg­sa­lach (red). „Braucht es eine neue Sprech­wei­se über zen­tra­le christ­li­che Inhal­te?“ – mit die­sem The­ma hat sich die Haupt­amt­li­chen­kon­fe­renz (= ehe­mals Pfarr­kon­fe­renz) des evan­ge­li­schen Deka­nats Wei­ßen­burg aus­ein­an­der­ge­setzt. Zur Haupt­amt­li­chen­kon­fe­renz gehö­ren: die Deka­nin, Pfarrer*innen, Schulpfarrer*innen, Diakon*innen, Religionspädagog*innen und Pfarrer*innen und Diakon*innen im Ruhe­stand.

Pfar­rer i.R. Wer­ner Gott­wald stell­te einen Arti­kel von Pfar­rer Dr. Mar­kus Bei­le vor: „Erneu­ern oder unter­ge­hen – Optio­nen für die Zukunft der Kir­che“.
Bei­les The­se lau­tet: „Das Pro­blem der Lan­des­kir­chen sind nicht nur und nicht ein­mal in ers­ter Linie ver­al­te­te For­men, man­geln­der Erleb­nis­cha­rak­ter und feh­len­de Glaub­wür­dig­keit. Auch eine modern auf­ge­pepp­te Kir­che erreicht die Men­schen heut­zu­ta­ge immer weni­ger.“

Laut Bei­le sei­en es vor allem die Inhal­te der Kir­che, mit denen die Men­schen heut­zu­ta­ge nicht mehr viel anfan­gen könn­ten. Als Bei­spie­le nennt er unter ande­rem: Gott als Per­son, Sün­den­ver­ge­bung durch Jesus am Kreuz, Wun­der, Auf­er­ste­hung, Ewi­ges Leben.
Die Kir­che stel­le sich sei­ner Mei­nung nach nicht die­sem The­ma, son­dern ver­su­che mit flot­ter Musik und neu­en Got­tes­dienst­for­men dar­auf zu reagie­ren. Aber es sei­en die Inhal­te, die nicht mehr ankä­men. In den Dog­men und Glau­bens­sät­zen, die sich über Jahr­hun­der­te geprägt haben und die heu­te noch ver­mit­telt wer­den, sei der per­sön­li­che Glau­be nicht mehr erkenn­bar. Dabei sei es gera­de das, was grund­le­gend für die eige­ne Reli­gi­on ist: eine per­sön­li­che spi­ri­tu­el­le Erfah­rung, der Sinn für etwas Höhe­res, Gefüh­le und Erleb­nis­se, die reli­gi­ös gedeu­tet wer­den.
Bei­le regt an, es müs­se eine neue Sicht auf die wesent­li­chen christ­li­chen Inhal­te geben und auch Struk­tu­ren und das Erschei­nungs­bild von Kir­che erneu­ert wer­den.

Die­se Hal­tung von Pfar­rer Bei­le wur­de im Kreis der Theo­lo­gen kri­tisch dis­ku­tiert. Eini­ge sehr inter­es­san­te Bei­trä­ge der Pfar­rer­schaft sei­en hier genannt:

Christ­li­che Tra­di­tio­nen und bibli­sche Geschich­ten wer­den heu­te nicht mehr selbst­ver­ständ­lich wei­ter­ge­ben, des­halb ist es wich­tig, die­se erfahr­bar zu machen in der Schu­le bzw. im Gemein­de­le­ben. Die eige­nen Erfah­run­gen kön­nen dabei der Aus­gangs­punkt sein, z.B. indem man mit Jugend­li­chen ins Gespräch kommt, was sie tun, wenn sie etwas ange­stellt haben. Und dann gemein­sam über­le­gen, wie Men­schen in der Bibel mit Schuld umge­hen.

Theo­lo­gi­sche Inhal­te nicht als Lehr­sät­ze erklä­ren, son­dern erzäh­len, den eige­nen Glau­ben leben und sich dar­über aus­tau­schen. Eine Auf­ga­be von Kir­che ist auch, den Blick zu wei­ten, um Spu­ren der Lie­be Got­tes in der eige­nen Lebens­ge­schich­te wahr­zu­neh­men. Und dabei geht es nicht nur um gro­ße Glau­bens­er­fah­run­gen, son­dern um All­tags­er­leb­nis­se.

Zum Christ­sein ein­la­den heißt, ande­ren von dem zu erzäh­len, was ich lie­be und die eige­ne Freu­de am Glau­ben aus­zu­strah­len.

Den­noch gehört es zum Glau­ben dazu, dass der Mensch nicht alles ver­ste­hen und begrei­fen kann. Das gött­li­che, uner­klär­li­che, mys­te­riö­se wie z.B. Wun­der oder die Auf­er­ste­hung sind wich­ti­ge Aspek­te der Kir­che.

Es war eine leb­haf­te und offe­ne Dis­kus­si­on, die die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer zum Nach­den­ken anreg­te und der gemein­sa­me Aus­tausch wur­de als gro­ße Berei­che­rung emp­fun­den.

Foto: Deka­nat Wei­ßen­burg