Burgsalach (red). „Braucht es eine neue Sprechweise über zentrale christliche Inhalte?“ – mit diesem Thema hat sich die Hauptamtlichenkonferenz (= ehemals Pfarrkonferenz) des evangelischen Dekanats Weißenburg auseinandergesetzt. Zur Hauptamtlichenkonferenz gehören: die Dekanin, Pfarrer*innen, Schulpfarrer*innen, Diakon*innen, Religionspädagog*innen und Pfarrer*innen und Diakon*innen im Ruhestand.
Pfarrer i.R. Werner Gottwald stellte einen Artikel von Pfarrer Dr. Markus Beile vor: „Erneuern oder untergehen – Optionen für die Zukunft der Kirche“.
Beiles These lautet: „Das Problem der Landeskirchen sind nicht nur und nicht einmal in erster Linie veraltete Formen, mangelnder Erlebnischarakter und fehlende Glaubwürdigkeit. Auch eine modern aufgepeppte Kirche erreicht die Menschen heutzutage immer weniger.“
Laut Beile seien es vor allem die Inhalte der Kirche, mit denen die Menschen heutzutage nicht mehr viel anfangen könnten. Als Beispiele nennt er unter anderem: Gott als Person, Sündenvergebung durch Jesus am Kreuz, Wunder, Auferstehung, Ewiges Leben.
Die Kirche stelle sich seiner Meinung nach nicht diesem Thema, sondern versuche mit flotter Musik und neuen Gottesdienstformen darauf zu reagieren. Aber es seien die Inhalte, die nicht mehr ankämen. In den Dogmen und Glaubenssätzen, die sich über Jahrhunderte geprägt haben und die heute noch vermittelt werden, sei der persönliche Glaube nicht mehr erkennbar. Dabei sei es gerade das, was grundlegend für die eigene Religion ist: eine persönliche spirituelle Erfahrung, der Sinn für etwas Höheres, Gefühle und Erlebnisse, die religiös gedeutet werden.
Beile regt an, es müsse eine neue Sicht auf die wesentlichen christlichen Inhalte geben und auch Strukturen und das Erscheinungsbild von Kirche erneuert werden.
Diese Haltung von Pfarrer Beile wurde im Kreis der Theologen kritisch diskutiert. Einige sehr interessante Beiträge der Pfarrerschaft seien hier genannt:
Christliche Traditionen und biblische Geschichten werden heute nicht mehr selbstverständlich weitergeben, deshalb ist es wichtig, diese erfahrbar zu machen in der Schule bzw. im Gemeindeleben. Die eigenen Erfahrungen können dabei der Ausgangspunkt sein, z.B. indem man mit Jugendlichen ins Gespräch kommt, was sie tun, wenn sie etwas angestellt haben. Und dann gemeinsam überlegen, wie Menschen in der Bibel mit Schuld umgehen.
Theologische Inhalte nicht als Lehrsätze erklären, sondern erzählen, den eigenen Glauben leben und sich darüber austauschen. Eine Aufgabe von Kirche ist auch, den Blick zu weiten, um Spuren der Liebe Gottes in der eigenen Lebensgeschichte wahrzunehmen. Und dabei geht es nicht nur um große Glaubenserfahrungen, sondern um Alltagserlebnisse.
Zum Christsein einladen heißt, anderen von dem zu erzählen, was ich liebe und die eigene Freude am Glauben auszustrahlen.
Dennoch gehört es zum Glauben dazu, dass der Mensch nicht alles verstehen und begreifen kann. Das göttliche, unerklärliche, mysteriöse wie z.B. Wunder oder die Auferstehung sind wichtige Aspekte der Kirche.
Es war eine lebhafte und offene Diskussion, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Nachdenken anregte und der gemeinsame Austausch wurde als große Bereicherung empfunden.
Foto: Dekanat Weißenburg


