Christa Naaß nahm am 18. Brünner Versöhnungsmarsch teil

von | 19. Juli 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Brünn (red). 20.000 alte Men­schen, Frau­en und Kin­der wur­den vor 78 Jah­ren aus ihrer Hei­mat­stadt Brünn ver­trie­ben und auf einen Todes­marsch Rich­tung Öster­reich geschickt. Mit einem Ver­söh­nungs­marsch im Rah­men des Fes­ti­vals Mee­ting Brno gedenkt Brünn, die Haupt­stadt Süd­mäh­rens, seit 18 Jah­ren die­sem Ereig­nis. Die Schirm­herr­schaft hat­te heu­er Kreis­haupt­mann Jan Gro­lich inne. Der Bezirk Mit­tel­fran­ken unter­hält seit die­sem Jahr mit Süd­mäh­ren in Tsche­chi­en eine Regio­nal­part­ner­schaft. Die ent­spre­chen­de Urkun­de hat­ten Jan Gro­lich und Bezirks­tags­prä­si­dent Armin Kro­der am 18. April in Brünn unter­zeich­net.

Auf dem jüngs­ten Brün­ner Ver­söh­nungs­marsch ver­trat Chris­ta Naaß, Stell­ver­tre­te­rin des Bezirks­tags­prä­si­den­ten, den Bezirk Mit­tel­fran­ken. Seit dem 30. Mai 2015, zum 70. Jah­res­tag der Ver­trei­bung, setzt die­ser all­jähr­lich statt­fin­den­de Marsch nun­mehr in umge­kehr­ter Rich­tung von Pohr­litz nach Brünn, Zei­chen der Ver­söh­nung.

„Part­ner­schafts­ar­beit ist für mich immer auch Frie­dens­ar­beit“, so Chris­ta Naaß in ihrer Anspra­che zu Beginn des Mar­sches und bei der Schluss­ver­an­stal­tung. Bei einer Part­ner­schaft, mein­te sie wei­ter, müs­se es auch um das Erin­nern an die gemein­sa­me Geschich­te gehen. Dabei dür­fe das Unrecht des von Deutsch­land aus­ge­gan­ge­nen Zwei­ten Welt­krie­ges nicht aus­ge­klam­mert wer-den, genau­so wenig wie das Unrecht von Flucht und Ver­trei­bung das folg­te. „Wir erin­nern uns jedoch nicht, um der rei­nen Rück­schau wil­len. Wir erin­nern uns in dem Wis­sen, dass die Ver­ant­wor­tung vor unse­rer Geschich­te kei­nen Schluss­strich kennt“, mach­te die Stell­ver­tre­te­rin des Bezirks­tags­prä­si­den­ten deut­lich. „In die­sen schwie­ri­gen Zei­ten“, so Chris­ta Naaß wei­ter, „ist es umso wich­ti­ger, dass Deutsch­land, Öster­reich und Tsche­chi­en als Part­ner in Euro­pa zusam­men­ste­hen und gemein­sam für ein fried­li­ches, frei­heit­li­ches und demo­kra­ti­sches Euro­pa ein­tre­ten.“

Ein wei­te­res gemein­sa­mes Geden­ken fand am Kau­nit­zer Stu­den­ten­wohn­heim in Brünn statt. Am 17. Sep­tem­ber 1939 wur­de das Gebäu­de von der Gesta­po besetzt. 173 dar­in woh­nen­de tsche­chi­sche Stu­den­ten wur­den als angeb­li­che Wider­stands­kämp­fer in das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Sach­sen­hau­sen trans­por­tiert. Bis 1945 durch­lie­fen Zehn­tau­sen­de von inhaf­tier­ten tsche­chi­schen Stu­den­ten das Wohn­heim, bevor sie in Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger abtrans­por­tiert wur­den. Vie­le davon wur­den auf grau­sa­me Wei­se gefol­tert, 800 Men­schen im Innen­hof durch Erhän­gen oder Erschie­ßen ermor­det.

Bild­un­ter­schrift: Kranz­nie­der­le­gung an der Gedenk­stät­te Kau­nitz-Wohn­heim. Foto: Gabrie­la Blank, Büro für Regio­nal­part­ner­schaf­ten