Ansbach – In ganz Bayern herrscht in den Gärten und auf den Wiesen gerade Hochbetrieb. Die Pflanzzeit für junge Streuobstbäume läuft ab jetzt so lange, bis der Frost den Boden im Winter komplett gefriert. Passend zum Auftakt zieht das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Mittelfranken eine erfolgreiche Zwischenbilanz für das eigene Haus: Seit dem Start der bayerischen Initiative „Streuobst für alle!“ vor vier Jahren verzeichnet die Behörde in Ansbach bereits 21.400 beantragte Bäume. Auch die landesweite Bilanz des Programms beeindruckt: Bayernweit sind es mehr als 150.000 Streuobstbäume. Die Initiative leistet damit einen entscheidenden Beitrag für das große, übergeordnete Ziel des Streuobstpakts: Bis zum Jahr 2035 soll eine Million neuer Obstbäume den Freistaat bereichern, um die wertvollen Lebensräume langfristig zu sichern.
„Mit Blick auf das Ziel von einer Million Streuobstbäume ist natürlich noch einiges zu tun, deswegen ist es immer wieder wichtig, auf ‚Streuobst für alle!‘ hinzuweisen“, betont Amtsleiter Wolfgang Neukirchner. Für ihn hat das Obst der Wiesen auch einen ganz praktischen und kulinarischen Wert: „Verwandte von mir haben einen wunderbaren Obstgarten mit alten Apfelsorten. Und wenn ich diese Äpfel esse, ist das schon ein gravierender Unterschied geschmacklich und von den Inhaltsstoffen zu den Äpfeln im Supermarkt – wobei diese natürlich auch ihre Berechtigung haben und wichtig sind.“
Die wichtigste Regel: Erst messen, dann pflanzen
Über das Förderprogramm läuft der Kauf von Kern- und Steinobstbäumen unbürokratisch mit bis zu 45 Euro Zuschuss pro Baum. Kommunen, Verbände oder Vereine bündeln die Anträge und haben dann die Möglichkeit, die Bäume direkt an die Bürgerinnen und Bürger weiterzugeben. „Die regionalen Baumschulen sind gut aufgestellt und halten für die anstehende Pflanzphase ein breites Sortiment bereit“, erklärt Anja Emmerich-Marwan, die sich in der Behörde um „Streuobst für alle!“ kümmert. Doch bevor der Spaten in die Hand genommen wird, weist sie auf eine gute Planung hin. „Wer Interesse an einem Baum hat, sollte erst mal in seinen Garten schauen, ob genug Platz da ist“, rät Anja Emmerich-Marwan. „Denn das ist das Allerwichtigste, dass der Baum auch eine Zukunft hat. Der Standort muss groß genug sein.“
Der ewige König und ein neuer Klima-Geheimtipp
Aus den bisherigen Anträgen liest die Expertin klare Trends ab: Der absolute Spitzenreiter auf den Wunschzetteln der Mittelfranken bleibt der Apfel. Er gilt nach wie vor als das unangefochtene „Universal-Obst“, mit dem man in der Küche oder beim Keltern am meisten anfangen kann, weiß die Fachfrau. Wer dagegen etwas Neues wagen will, greift vermehrt zur Maulbeere. Laut der Gartenbau-Ingenieurin ist das Gewächs stark im Kommen, da es als echter Zukunftsbaum im Klimawandel gilt, der Trockenheit gut verträgt. Zudem liefert das seltene Obst gesunde Inhaltsstoffe und lockt die heimische Vogelwelt an. „Wer die Maulbeere ernten möchte, muss allerdings schnell sein“, schmunzelt sie, denn auch Vögel schätzen die süßen Früchte sehr.
Streuobstbestände zählen mit rund 5.000 Tier- und Pflanzenarten zu den artenreichsten Biotopen Mitteleuropas. Wer die Vielfalt der regionalen Sorten live erleben und sich direkt vor Ort informieren möchte, hat am 11. Oktober eine gute Gelegenheit: Auf dem Kapellenberg in Burgbernheim öffnet von 10 bis 18 Uhr der traditionelle Streuobsttag seine Tore. Das ALE Mittelfranken berät vor Ort ebenfalls an einem Informationsstand über Fördermöglichkeiten. Die Antragstellung für „Streuobst für alle!“ funktioniert ganz unkompliziert online, stellt Wolfgang Neukirchner fest.
Setzen sich für den Erhalt der mittelfränkischen Kulturlandschaft ein: Wolfgang Neukirchner, Leiter des Amts für Ländliche Entwicklung Mittelfranken, und Gartenbau-Ingenieurin Anja Emmerich-Marwan.
Bildunterschrift: Amtsleiter Wolfgang Neukirchner im blauen Sakko beißt auf einer sonnigen Streuobstwiese in einen frisch gepflückten Apfel. Neben ihm steht lächelnd Anja Emmerich-Marwan in einer Strickjacke und hält zwei geerntete Äpfel in den Händen. Im Hintergrund stehen grüne Apfelbäume. Foto: Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken


