Das große Graben für den guten Geschmack: Mittelfranken greift zum Spaten

von | 25. September 2026 | Allgemein, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Ans­bach – In ganz Bay­ern herrscht in den Gär­ten und auf den Wie­sen gera­de Hoch­be­trieb. Die Pflanz­zeit für jun­ge Streu­obst­bäu­me läuft ab jetzt so lan­ge, bis der Frost den Boden im Win­ter kom­plett gefriert. Pas­send zum Auf­takt zieht das Amt für Länd­li­che Ent­wick­lung (ALE) Mit­tel­fran­ken eine erfolg­rei­che Zwi­schen­bi­lanz für das eige­ne Haus: Seit dem Start der baye­ri­schen Initia­ti­ve „Streu­obst für alle!“ vor vier Jah­ren ver­zeich­net die Behör­de in Ans­bach bereits 21.400 bean­trag­te Bäu­me. Auch die lan­des­wei­te Bilanz des Pro­gramms beein­druckt: Bay­ern­weit sind es mehr als 150.000 Streu­obst­bäu­me. Die Initia­ti­ve leis­tet damit einen ent­schei­den­den Bei­trag für das gro­ße, über­ge­ord­ne­te Ziel des Streu­obst­pakts: Bis zum Jahr 2035 soll eine Mil­li­on neu­er Obst­bäu­me den Frei­staat berei­chern, um die wert­vol­len Lebens­räu­me lang­fris­tig zu sichern.

„Mit Blick auf das Ziel von einer Mil­li­on Streu­obst­bäu­me ist natür­lich noch eini­ges zu tun, des­we­gen ist es immer wie­der wich­tig, auf ‚Streu­obst für alle!‘ hin­zu­wei­sen“, betont Amts­lei­ter Wolf­gang Neu­kirch­ner. Für ihn hat das Obst der Wie­sen auch einen ganz prak­ti­schen und kuli­na­ri­schen Wert: „Ver­wand­te von mir haben einen wun­der­ba­ren Obst­gar­ten mit alten Apfel­sor­ten. Und wenn ich die­se Äpfel esse, ist das schon ein gra­vie­ren­der Unter­schied geschmack­lich und von den Inhalts­stof­fen zu den Äpfeln im Super­markt – wobei die­se natür­lich auch ihre Berech­ti­gung haben und wich­tig sind.“

Die wich­tigs­te Regel: Erst mes­sen, dann pflan­zen

Über das För­der­pro­gramm läuft der Kauf von Kern- und Stein­obst­bäu­men unbü­ro­kra­tisch mit bis zu 45 Euro Zuschuss pro Baum. Kom­mu­nen, Ver­bän­de oder Ver­ei­ne bün­deln die Anträ­ge und haben dann die Mög­lich­keit, die Bäu­me direkt an die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger wei­ter­zu­ge­ben. „Die regio­na­len Baum­schu­len sind gut auf­ge­stellt und hal­ten für die anste­hen­de Pflanz­pha­se ein brei­tes Sor­ti­ment bereit“, erklärt Anja Emme­rich-Mar­wan, die sich in der Behör­de um „Streu­obst für alle!“ küm­mert. Doch bevor der Spa­ten in die Hand genom­men wird, weist sie auf eine gute Pla­nung hin. „Wer Inter­es­se an einem Baum hat, soll­te erst mal in sei­nen Gar­ten schau­en, ob genug Platz da ist“, rät Anja Emme­rich-Mar­wan. „Denn das ist das Aller­wich­tigs­te, dass der Baum auch eine Zukunft hat. Der Stand­ort muss groß genug sein.“

Der ewi­ge König und ein neu­er Kli­ma-Geheim­tipp

Aus den bis­he­ri­gen Anträ­gen liest die Exper­tin kla­re Trends ab: Der abso­lu­te Spit­zen­rei­ter auf den Wunsch­zet­teln der Mit­tel­fran­ken bleibt der Apfel. Er gilt nach wie vor als das unan­ge­foch­te­ne „Uni­ver­sal-Obst“, mit dem man in der Küche oder beim Kel­tern am meis­ten anfan­gen kann, weiß die Fach­frau. Wer dage­gen etwas Neu­es wagen will, greift ver­mehrt zur Maul­bee­re. Laut der Gar­ten­bau-Inge­nieu­rin ist das Gewächs stark im Kom­men, da es als ech­ter Zukunfts­baum im Kli­ma­wan­del gilt, der Tro­cken­heit gut ver­trägt. Zudem lie­fert das sel­te­ne Obst gesun­de Inhalts­stof­fe und lockt die hei­mi­sche Vogel­welt an. „Wer die Maul­bee­re ern­ten möch­te, muss aller­dings schnell sein“, schmun­zelt sie, denn auch Vögel schät­zen die süßen Früch­te sehr.

Streu­obst­be­stän­de zäh­len mit rund 5.000 Tier- und Pflan­zen­ar­ten zu den arten­reichs­ten Bio­to­pen Mit­tel­eu­ro­pas. Wer die Viel­falt der regio­na­len Sor­ten live erle­ben und sich direkt vor Ort infor­mie­ren möch­te, hat am 11. Okto­ber eine gute Gele­gen­heit: Auf dem Kapel­len­berg in Burg­bern­heim öff­net von 10 bis 18 Uhr der tra­di­tio­nel­le Streu­obst­tag sei­ne Tore. Das ALE Mit­tel­fran­ken berät vor Ort eben­falls an einem Infor­ma­ti­ons­stand über För­der­mög­lich­kei­ten. Die Antrag­stel­lung für „Streu­obst für alle!“ funk­tio­niert ganz unkom­pli­ziert online, stellt Wolf­gang Neu­kirch­ner fest.

Set­zen sich für den Erhalt der mit­tel­frän­ki­schen Kul­tur­land­schaft ein: Wolf­gang Neu­kirch­ner, Lei­ter des Amts für Länd­li­che Ent­wick­lung Mit­tel­fran­ken, und Gar­ten­bau-Inge­nieu­rin Anja Emme­rich-Mar­wan.

Bild­un­ter­schrift: Amts­lei­ter Wolf­gang Neu­kirch­ner im blau­en Sak­ko beißt auf einer son­ni­gen Streu­obst­wie­se in einen frisch gepflück­ten Apfel. Neben ihm steht lächelnd Anja Emme­rich-Mar­wan in einer Strick­ja­cke und hält zwei geern­te­te Äpfel in den Hän­den. Im Hin­ter­grund ste­hen grü­ne Apfel­bäu­me. Foto: Amt für Länd­li­che Ent­wick­lung Mit­tel­fran­ken