Nur 110 Wohnungen in neuen Eigenheimen gebaut

von | 25. September 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Dickes Minus für den Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen bei den eige­nen vier Wän­den

Stu­die: 65,3 Mio. Euro Umsatz­ver­lust durch „Eigen­heim-Flau­te” im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen

Land­kreis Weißenburg.Gunzenhausen — Wenig Chan­cen aufs eige­ne Haus: Der Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen hat im ver­gan­ge­nen Jahr nur 110 Woh­nun­gen in neu gebau­ten Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­häu­sern dazu­be­kom­men. Das sah am Anfang des Jahr­zehnts (2020 bis 2022) noch deut­lich bes­ser aus: Da sind beim Bau von Eigen­hei­men im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen im Schnitt 108 Woh­nun­gen mehr ent­stan­den – näm­lich 218 pro Jahr. Das geht aus einer regio­na­len Woh­nungs­markt-Unter­su­chung her­vor, die das Pest­el-Insti­tut gemacht hat. Die Ana­ly­se ist Teil der Stu­die „Sozia­le Aspek­te des Wohn­ei­gen­tums“. Dar­in hat das For­schungs­in­sti­tut im Auf­trag der Schwä­bisch Hall-Stif­tung „bau­en – woh­nen – leben“ die Situa­ti­on von Wohn­ei­gen­tum unter­sucht. Im Fokus dabei auch: der Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen.

Die „Eigen­heim-Flau­te“ trifft nach Anga­ben des Pest­el-Insti­tuts vor allem die regio­na­le Wirt­schaft hart: „Es geht um einen Umsatz­ver­lust von 65,3 Mil­lio­nen Euro. Das ist – vor­sich­tig gerech­net – die Sum­me, die Unter­neh­men im ver­gan­ge­nen Jahr im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen ver­lo­ren­ge­gan­gen ist, weil der Neu­bau von Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­häu­sern so abge­sackt ist“, sagt Mat­thi­as Gün­ther. Der Chef-Öko­nom des Pest­el-Insti­tuts macht dabei deut­lich, dass die ent­gan­ge­ne Mil­lio­nen­sum­me vor allem die Bilan­zen von Bau­un­ter­neh­men sowie Hand­wer­kern, Archi­tek­ten und Pla­nern im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen und der Regi­on tref­fe. „Ins­ge­samt hängt dar­an aber noch mehr: Das fängt beim Grund­stücks­kauf an und geht bis zum letz­ten Pin­sel­strich im Haus, bis zum Anpflan­zen von Bäu­men und Büschen im Gar­ten“, erläu­tert Gün­ther.

„Das Woh­nen in den eige­nen vier Wän­den hat im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen einen emp­find­li­chen Dämp­fer bekom­men. Für vie­le ist der Traum vom Eigen­heim immer schwe­rer zu errei­chen“, sagt Mike Kam­mann, Vor­sit­zen­der des Kura­to­ri­ums der Schwä­bisch Hall-Stif­tung „bau­en – woh­nen – leben“ und Vor­stands­vor­sit­zen­der der Bau­spar­kas­se Schwä­bisch Hall. Betrof­fen sei­en vor allem die 25- bis 45-Jäh­ri­gen: „Die Chan­cen, im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen ein Haus zu bau­en oder eine Immo­bi­lie zu kau­fen, sin­ken immer wei­ter. Wohn­ei­gen­tum ist selbst bei einem durch­schnitt­li­chen Ein­kom­men oft nur dann noch mög­lich, wenn es Hil­fe aus der Fami­lie gibt – zum Bei­spiel durch ein vor­ge­zo­ge­nes Erbe“, so Mike Kam­mann. Aus der „Nest­bau­er-Gene­ra­ti­on“ dro­he eine „Gene­ra­ti­on Mie­te“ zu wer­den.

Es sei höchs­te Zeit, gegen­zu­steu­ern: „Wohn­ei­gen­tum darf nicht zum Luxus wer­den. Genau da muss jetzt etwas pas­sie­ren: Die Eigen­tums­woh­nung, das Rei­hen­haus, das Ein­fa­mi­li­en­haus – die Men­schen, die bereit sind, dafür zu arbei­ten und zu spa­ren, müs­sen sich die eige­nen vier Wän­de auch wie­der leis­ten kön­nen“, for­dert der Schwä­bisch Hall-Chef Mike Kam­mann. Er macht dabei klar: „Wer Wohn­ei­gen­tum will, muss dafür auch ein Stück weit auf Kon­sum ver­zich­ten. Das bedeu­tet zum Bei­spiel: eine Zeit­lang kei­ne teu­ren Fern­rei­sen“, sagt Kam­mann.

Gleich­zei­tig müs­se der Staat die Anschaf­fung von Wohn­ei­gen­tum drin­gend wie­der inten­siv för­dern: „Da läuft im Moment so gut wie nichts. Der Bund lässt – anders als frü­her – die Men­schen, die sich ihre eige­nen vier Wän­de anschaf­fen wol­len, im Stich“, so die Kri­tik vom Chef-Öko­nom des Pest­el-Insti­tuts, Mat­thi­as Gün­ther.

Um das zu ändern, for­dert das Insti­tut einen „Wohn­ei­gen­tums­plan des Bun­des“. Die­ser müs­se min­des­tens auf Län­der­ebe­ne – und damit auch für Bay­ern – Quo­ten als Ziel­mar­ken für die künf­ti­ge Wohn­ei­gen­tums­ent­wick­lung vor­ge­ben. „Gekop­pelt mit För­der­pro­gram­men soll­ten dann auch Haus­hal­te mit mitt­le­ren Ein­kom­men im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen davon pro­fi­tie­ren und die Chan­ce auf die eige­nen vier Wän­de bekom­men“, so Mat­thi­as Gün­ther.

Der Lei­ter des Pest­el-Insti­tuts geht davon aus, dass sich das für den Staat sogar rech­ne, wenn er die Anschaf­fung von Wohn­ei­gen­tum unter­stüt­ze. Der Öko­nom ver­weist dabei auf die „letz­te effek­ti­ve För­de­rung“ des Bun­des für Wohn­ei­gen­tum: auf das Bau­kin­der­geld. „Da hat jeder För­der-Euro 3,70 Euro an staat­li­chen Ein­nah­men nach sich gezo­gen – von der Umsatz- und Lohn­steu­er auf dem Bau bis zur Grund­er­werb­steu­er. Dass der Bund ein Pro­gramm, das erfolg­reich gelau­fen ist, ein­ge­stellt hat, sorgt in der Bran­che für Kopf­schüt­teln“, so Gün­ther.

Für den Lei­ter des Pest­el-Insti­tuts ist das eige­ne Haus oder die Eigen­tums­woh­nung auch ein wich­ti­ger Bau­stein der Alters­vor­sor­ge: „Wenn die Ren­te kommt, haben die Men­schen weni­ger Geld im Porte­mon­naie. Aber die Mie­te bleibt. Sie steigt sogar und drängt mehr und mehr älte­re Men­schen in die Alters­ar­mut: Alters­ar­mut ist Mie­ter­ar­mut – auch im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen.“

Hin­ter dem Wohn­ei­gen­tum ste­cke damit auch ein wich­ti­ger sozia­ler Aspekt. „Wer mit einem mitt­le­ren Ein­kom­men im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen bereit ist, zu spa­ren, muss auch wie­der die Chan­ce auf Wohn­ei­gen­tum und damit auf sozia­le Sicher­heit – gera­de im Alter – bekom­men“, sagt Mike Kam­mann. Der Vor­stands­vor­sit­zen­de der Bau­spar­kas­se Schwä­bisch Hall macht klar: „Der Staat muss jetzt den Hebel umle­gen, den Abwärts­trend, den es beim Wohn­ei­gen­tum in Bay­ern gibt, stop­pen und umkeh­ren.“ Immer­hin ent­las­te mehr Wohn­ei­gen­tum auch den ange­spann­ten Miet­markt. Die der­zeit sin­ken­de Wohn­ei­gen­tums­quo­te in Bay­ern sei dage­gen ein Alarm­si­gnal, das der Staat nicht län­ger igno­rie­ren dür­fe. Das stär­ke auch die regio­na­le Wirt­schaft: Der Man­gel an Wohn­raum wird immer mehr zum Hin­der­nis bei der Anwer­bung von spe­zia­li­sier­ten Fach­kräf­ten und damit zur Wachs­tums­brem­se.

Die Bot­schaft der Wis­sen­schaft­ler vom Pest­el-Insti­tut an die Woh­nungs­bau­po­li­tik ist klar: „Der Bund muss lang­fris­tig das Ziel ver­fol­gen, Bay­ern und ganz Deutsch­land mehr­heit­lich vom Mie­ter- zum Eigen­tü­mer­land zu machen.“ Denn eine Eigen­tums­quo­te von 50 Pro­zent und mehr wie in Öster­reich, den Nie­der­lan­den oder Schwe­den wür­de mehr drin­gend benö­tig­ten Wohn­raum schaf­fen und zudem mehr sozia­le Sta­bi­li­tät brin­gen.

Bild­un­ter­schrift: Wän­de sind ein wich­ti­ger Bau­stein für die Alters­vor­sor­ge. Der Staat soll­te Wohn­ei­gen­tum auch des­halb wie­der inten­siv för­dern, so eine aktu­el­le Woh­nungs­markt-Stu­die. Foto: Nils Hil­le­brand