Der Kiebitz ist Vogel des Jahres 2024

von | 21. Oktober 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen (red).  Im Jahr 2024 trägt der Kie­bitz die Kro­ne der Vogel­welt. Er löst sei­nen Vor­gän­ger das Braun­kehl­chen als Vogel des Jah­res ab. Bei­de haben viel gemein. Als Wie­sen­brü­ter ste­hen sowohl der Kie­bitz als auch der Vogel des Jah­res 2023, das Braun­kehl­chen im Fokus inten­si­ver Schutz­be­mü­hun­gen im Land­kreis WUG. Schon seit vie­len Jah­ren und nun vor allem durch das Groß­pro­jekt chance.natur ‑Lebens­raum Alt­mühl­tal sol­len die letz­ten ihrer Art im Land­kreis erhal­ten und wie­der geför­dert wer­den.

Mehr als 33.000 Men­schen haben den Cha­rak­ter­vo­gel der Alt­mühl­wie­sen zum Sie­ger gewählt

Bei der vier­ten öffent­li­chen Wahl des baye­ri­schen Natur­schutz­ver­ban­des LBV (Lan­des­bund für Vogel- und Natur­schutz) und sei­nem bun­des­wei­ten Part­ner NABU haben ins­ge­samt knapp 120.000 Men­schen abge­stimmt. 33.289 (27,8 Pro­zent) Stim­men ent­fie­len dabei auf den Kie­bitz, 27.404 (22,9 Pro­zent) auf den Stein­kauz, 25.837 (21,5 Pro­zent) auf das Reb­huhn, 23.239 (19,4 Pro­zent) auf die Rauch­schwal­be und 10.152 (8,5 Pro­zent) auf den Wes­pen­bus­sard. „Jede die­ser Vogel­ar­ten wäre des Titels wür­dig gewe­sen, doch der Kie­bitz ver­dient ihn ganz beson­ders. Sein Bestand hat in Bay­ern und ganz Deutsch­land in den letz­ten Jahr­zehn­ten kata­stro­phal abge­nom­men, 90 Pro­zent der Brut­paa­re gin­gen bis heu­te ver­lo­ren. Denn durch inten­si­ve Land­wirt­schaft und die Tro­cken­le­gung von Feucht­wie­sen fin­det der Kie­bitz kaum noch geeig­ne­te Lebens­räu­me“, sagt der LBV-Vor­sit­zen­de Dr. Nor­bert Schäf­fer. „Als Vogel des Jah­res steht der Kie­bitz für die Arten­viel­falt in unse­rer Agrar­land­schaft. Damit die Vögel wei­ter­hin in Bay­ern vor­kom­men, müs­sen wir jetzt
han­deln.“

„Kie-wit“: Der Ruf des Kie­bit­zes hat dem Vogel des Jah­res 2024 sei­nen Namen ein­ge­bracht. Der etwa tau­ben­gro­ße Vogel aus der Fami­lie der Regen­pfei­fer hat ein im Licht metal­lisch grün oder vio­lett glän­zen­des Gefie­der. Auf­fal­lend sind auch sei­ne auf­fäl­li­gen Schmuck­fe­dern am Kopf, die soge­nann­te Hol­le und die brei­ten gerun­de­ten Flü­gel. „Ursprüng­lich waren Kie­bit­ze vor allem in Moo­ren und auf Feucht­wie­sen zu fin­den. Die­se Flä­chen wer­den mitt­ler­wei­le zumeist land­wirt­schaft­lich genutzt und der Kie­bitz muss­te sich an die neue Kul­tur­land­schaft anpas­sen. Heu­te brü­ten Kie­bit­ze des­halb auch viel­fach auf Äckern und bewirt­schaf­te­ten Wie­sen“, erklärt der LBV-Gebiets­be­treu­er Jan Hei­kens.

Die Nes­ter des Kie­bit­zes bestehen nur aus einer schlich­ten Boden­mul­de, in die das Weib­chen meist vier Eier legt. Um den Kie­bitz und ande­re wie­sen­be­woh­nen­de Arten, die soge­nann­ten Wie­sen­brü­ter, zu schüt­zen wur­de das Groß­pro­jekt chance.natur- Lebens­raum Alt­mühl­tal in den Land­krei­sen Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen und Ans­bach ins Leben geru­fen. Bereits seit vie­len Jah­ren setzt sich der LBV für den Schutz der vom Aus­ster­ben bedroh­ten Arten ein.

Mit dem Groß­pro­jekt ver­su­chen nun die bei­den Land­krei­se, der Land­schafts­pfle­ge­ver­band und der LBV gemein­sam mit Jägern, Land­wir­ten und wei­te­ren betei­lig­ten das Ruder noch ein­mal her­um­zu­rei­sen. „Mit dem Groß­pro­jekt haben wir eine ein­ma­li­ge Chan­ce. Nur gemein­sam kön­nen wir unse­re Wie­sen­brü­ter noch ret­ten. Hier­für müs­sen wir alle zusam­men anpa­cken. Dass es sich lohnt, zeigt allein das bun­des­wei­te
Inter­es­se an dem Pro­jekt“, erklärt der LBV-Vor­sit­zen­de im Land­kreis Wei­ße­neburg­Gun­zen­hau­sen Sebas­ti­an Amler. Der Schutz für den Kie­bitz und sei­ne Ver­wand­ten muss aber auch wei­ter gehen. Kie­bit­ze sind Teil­zie­her: Eini­ge von ihnen über­win­tern bei mil­der Wit­te­rung in Deutsch­land, der Groß­teil zieht nach Frank­reich, Spa­ni­en, Groß­bri­tan­ni­en und die Nie­der­lan­de, um den Win­ter dort zu ver­brin­gen. Dar­über hin­aus zie­hen Kie­bit­ze aus dem Nor­den im Herbst über Deutsch­land und ras­ten auch in Bay­ern in grö­ße­rer Zahl. Die­ses Schau­spiel kön­nen
Natur­be­geis­ter­te aktu­ell noch gut beob­ach­ten. Im Früh­jahr zei­gen die Kie­bit­ze dann ihre beein­dru­cken­den Balz­flü­ge: „Die Gauk­ler der Lüf­te dre­hen Schlei­fen über ihrem Revier, las­sen sich in akro­ba­ti­schen Flug­ma­nö­vern gen Boden fal­len und rufen dabei weit hör­bar“, so LBV-Gebiets­be­treu­er Jan Hei­kens.

Weil bay­ern­weit vie­le Feucht­wie­sen ent­wäs­sert wur­den und ver­lo­ren gegan­gen sind, hat es die Art heut­zu­ta­ge schwer. Zur Wahl zum Vogel des Jah­res war der Kie­bitz des­halb mit dem Slo­gan „Was­ser marsch!“ ange­tre­ten Die Rena­tu­rie­rung von Feucht­wie­sen und Moo­ren könn­te der stark bedroh­ten Art hel­fen. Auch im Land­kreis Wei­ßen­burg­Gun­zen­hau­sen wird das The­ma Was­ser und Was­ser­rück­halt immer grö­ßer. Eine wie­sen­brü­ter­freund­li­che Bewirt­schaf­tung der Flä­chen bie­tet dabei vie­le Vor­tei­le. So pro­fi­tie­ren nicht nur vom Aus­ster­ben bedroh­te Arten, son­dern auch Land­wirt­schaft und Kli­ma­schutz. Auch eine spä­te Mahd bewirt­schaf­te­ter Wie­sen und inten­si­ve Schutz­maß­nah­men enga­gier­ter ehren­amt­li­cher Akti­ver zusam­men mit enga­gier­ten Land­wir­ten geben den Jung­vö­geln eine Chan­ce zum Über­le­ben.

Kie­bitz im Land­kreis
„Der Bestand des Kie­bit­zes in Bay­ern wur­de bei der Wie­sen­brü­ter­kar­tie­rung im Jahr 2021 mit weni­ger als 4.000 Revier­paa­ren regis­triert“, erklärt Jan Hei­kens. Im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen fin­den sich laut der letz­ten Erfas­sung dabei noch rund 80 Revie­re des einst so häu­fi­gen Wie­sen­vo­gels. Immer wie­der weicht der Gauk­ler der Lüf­te dabei mitt­ler­wei­le auf Äcker aus und kann bei sei­nen Zweit­brut­ver­su­chen auch abseits der Kern­ge­bie­te rund um die Alt­mühl­wie­sen gefun­den wer­den. „Vor weni­gen Jah­ren hat­ten wir bei­spiels­wei­se eine erfolg­rei­che Zweit­brut bei Etten­statt. Auch bei Treucht­lin­gen und ande­ren Gebie­ten abseits der Alt­mühl­wie­sen
fin­den wir immer wie­der Zweit­bru­ten“, macht der LBV-Vor­sit­zen­de Sebas­ti­an Amler deut­lich.

Um den Kie­bitz im gesam­ten Frei­staat zu schüt­zen hat der LBV nun im Früh­jahr 2023 das Arten­hilfs­pro­jekt „Vanel­lus vanel­lus muss ein Bay­er blei­ben“ gestar­tet. Ziel des Pro­jekts ist es, Kie­bitz-Gele­ge aktiv zu schüt­zen und wich­ti­ge Akteu­re für den Schutz zu ver­net­zen. Im mit­tel­frän­ki­schen Knob­lauch­s­land hat der LBV zudem im Rah­men eines wei­te­ren Pro­jekts die­ses Jahr 100 Jung­kie­bit­ze beringt, um noch mehr über die Art zu erfah­ren.

Arten­por­trät Kie­bitz: www.lbv.de/kiebitz
Infor­ma­tio­nen zum Arten­hilfs­pro­jekt Kie­bitz: www.lbv.de/kiebitz-projekt

21