Der Solnhofer Stein — Buchvorstellung in Solnhofen

von | 18. November 2025 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Am Don­ners­tag, 20. Novem­ber wird der gebür­ti­ge Mörns­hei­mer Dr. Vic­tor Hen­le, der heu­te in Mün­chen lebt und des­sen Vor­fah­ren über Jahr­hun­der­te im Soln­ho­fer Stein­ge­wer­be tätig waren, sein neu­es Buch “Der Soln­ho­fer Stein — Geschich­te, Bau und Kunst” im Gast­haus „Alte Schu­le“ in Soln­ho­fen vor­stel­len. Beginn ist um 19.00 Uhr, der Ein­tritt ist frei!

Soln­ho­fer Plat­ten haben einen hohen Bekannt­heits­grad. Den­noch wird die weit­rei­chen­de Bedeu­tung die­ses Steins und sei­ne lan­ge Geschich­te nur bruch­stück­haft wahr­ge­nom­men. Erst­mals ist nun nach einer umfang­rei­chen Quel­len- und Lite­ra­tur­re­cher­che eine Dar­stel­lung erschie­nen, in der die damit ver­bun­de­nen Ent­wick­lungs­strän­ge unter unter­schied­li­chen Aspek­ten auf­ge­ar­bei­tet, zusam­men­ge­fasst und bebil­dert sind. Mit der Mate­rie ist der Autor bes­tens ver­traut: Die Vor­fah­ren von Dr. Vic­tor Hen­le waren über Jahr­hun­der­te im Soln­ho­fer Stein­ge­wer­be tätig.

Kein Stein in Deutsch­land kann wie der Soln­ho­fer Stein auf eine Geschich­te von 1800 Jah­ren des Abbaus, der Ver­ar­bei­tung und des Absat­zes zurück­bli­cken. Hen­les Buch wirft ein neu­es Licht auf die­se Geschich­te. Mit aus­ge­präg­tem Ent­de­cker­geist erwei­tert er die­se Geschich­te durch wirt­schaft­li­che, sozia­le und unter­neh­me­ri­sche Ent­wick­lungs­aspek­te sowie eine Typo­lo­gie der Soln­ho­fer Stein­fuß­bö­den. Nicht zuletzt weist er auf die Pro­ble­me des Stein­trans­ports hin. All das macht die Lek­tü­re abwechs­lungs- und erkennt­nis­reich.

Die Geschich­te der Aus­stat­tung römi­scher Bade­an­la­gen am Limes mit Soln­ho­fer Plat­ten im 3. Jahr­hun­dert wird um neue archäo­lo­gi­sche Fun­de ergänzt. Sie bele­gen, dass die­se Plat­ten bis in den Vor­al­pen­raum ver­brei­tet waren. Was das Mit­tel­al­ter betrifft, geht der Autor beson­ders auf die Bau­ge­schich­te der Soln­ho­fer Sola-Basi­li­ka ein Hier wur­den im 11. Jahr­hun­dert groß­flä­chig hei­mi­sche Plat­ten ver­legt. Die hart­nä­ckig vor­ge­brach­te Aus­sa­ge, im aus­ge­hen­den Mit­tel­al­ter sei der Fuß­bo­den der Kir­che Hagia Sophia in Kon­stan­ti­no­pel (Istan­bul) mit Soln­ho­fer Plat­ten belegt wor­den, hält der Autor für unhalt­bar.

Im 16. Jahr­hun­dert ent­deck­ten Künst­ler und Fürs­ten den Soln­ho­fer Stein. Künst­ler nutz­ten ihn wegen sei­ner beson­de­ren Fein­kör­nig­keit für klein­plas­ti­sche Wer­ke, Medail­len und Pla­ket­ten. Vor­ge­stellt wer­den vie­le die­ser Wer­ke, die sich heu­te in nam­haf­ten Muse­en Euro­pas und Nord­ame­ri­kas befin­den. 1558 wur­de im Ottheinrichs­bau des Neu­bur­ger Schlos­ses erst­mals eine Resi­denz mit Soln­ho­fer Plat­ten aus­ge­stat­tet. Gegen Ende des 16. Jahr­hun­derts ätz­ten Künst­ler in gro­ße Soln­ho­fer Tisch­plat­ten Noten und Lie­der­tex­te sowie astro­no­mi­sches Wis­sen für Fürs­ten und Fürst­bi­schö­fe. Hier­aus erstand eine schier unfass­li­che Fül­le von feins­ten und oft auch far­big gefass­ten Dar­stel­lungs­de­tails, die nur die­ser Stein ermög­lich­te.

Ein Schwer­punkt des Buches liegt auf dem 17. und 18. Jahr­hun­dert. Geist­li­che und welt­li­che Bau­her­ren des Barocks und Roko­kos lie­ßen die Fuß­bö­den in den präch­ti­gen Neu­bau­ten mit Soln­ho­fer Plat­ten bele­gen. Das Ver­brei­tungs­ge­biet dehn­te sich über ganz Süd­deutsch­land aus – mit dem Floß­trans­port auf der Donau bis Wien und Buda­pest. Mit dem 1668 im benach­bar­ten Mörns­heim eröff­ne­ten Stein­bruch ver­lor Soln­ho­fen sei­ne Allein­stel­lung. Schon bald nah­men die Mörns­hei­mer Stein­bre­cher eine füh­ren­de Posi­ti­on ein. Mit grau­blau­en Plat­ten, die es erst­mals und nur in die­sem Bruch gab, konn­te das baro­cke Reprä­sen­ta­ti­ons­be­dürf­nis nach mehr­far­bi­gen Fuß­bö­den mit hel­len und dunk­len Stei­nen bedient wer­den. Die Zuge­hö­rig­keit zum Hoch­stift Eich­stätt ver­schaff­te den Mörns­hei­mer Stein­bre­chern gegen­über den evan­ge­li­schen Soln­ho­fer Mit­be­wer­bern einen zusätz­li­chen Vor­teil bei der Auf­trags­ver­ga­be der meist katho­li­schen Bau­her­ren. In einer Viel­zahl von Kir­chen, Klös­tern und Resi­den­zen ent­stan­den ein­drucks­vol­le Fuß­bö­den in reprä­sen­ta­ti­ven Räu­men, die von hohem hand­werk­li­chen Kön­nen zeu­gen. Vor­ge­stellt wer­den zahl­rei­che Bei­spie­le in Kir­chen, Fest­sä­len und Biblio­the­ken, vom Boden­see bis Nie­der­ös­ter­reich.

Im 19. Jahr­hun­dert folg­te der nächs­te Höhe­punkt. Die Erfin­dung der Litho­gra­fie, die ohne den Soln­ho­fer Stein kein Erfolg gewor­den wäre, mach­te ihn zu einem welt­wei­ten Pro­dukt. Das bis­her klein­struk­tu­rier­te Stein­ge­wer­be wan­del­te sich zur Stein­in­dus­trie, ange­führt von aus­wär­ti­gen Unter­neh­mern und Ban­ken. Eine vom Autor vor­ge­nom­me­ne Aus­wer­tung eines Geschäfts­bu­ches zeigt, dass es bereits in der Jahr­hun­dert­mit­te 220 euro­päi­sche und 58 über­see­ische Litho­gra­fie­stein-Kun­den gab. Um die Wen­de zum 20. Jahr­hun­dert dehn­te sich der Absatz nach Asi­en und sogar Aus­tra­li­en aus. Noch 1920 war er so glo­bal, dass für den chi­ne­si­schen, japa­ni­schen und indi­schen Markt eige­ne Preis­lis­ten her­aus­ge­ge­ben wur­den. Gleich­zei­tig erbrach­te der inten­si­vier­te Abbau auf­se­hen­er­re­gen­de Fos­si­li­en­fun­de, dar­un­ter Exem­pla­re des spek­ta­ku­lä­ren Urvo­gels Archaeo­pte­ryx. Der Soln­ho­fer Stein erreg­te welt­weit das Inter­es­se der Wis­sen­schaft und der Medi­en.

Bis in die zwei­te Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts ver­half vor allem der Wie­der­auf­bau der Nach­kriegs­zeit dem Soln­ho­fer Stein zu einem wei­te­ren Auf­schwung. Mit zuneh­men­der Bedeu­tung des im sel­ben Gebiet gebro­che­nen Jura­mar­mors und impor­tier­ter Stei­ne sank jedoch die Nach­fra­ge. Preis­wer­te Imi­ta­te aus Fein­stein­zeug erschwe­ren den Absatz. Nur noch weni­ge Stein­bre­cher arbei­ten in den Brü­chen, und weni­ge Betrie­be ver­ar­bei­ten den Soln­ho­fer Stein. Den­noch, so Hen­le, wird er dank sei­ner Ein­zig­ar­tig­keit auch in Zukunft nach­ge­fragt wer­den. Der Otto­beu­rer Abt Rupert Ness, der den gesam­ten präch­ti­gen baro­cken Neu­bau des immensen Klos­ters mit die­sem Stein aus­stat­ten ließ, notier­te 1728 in sein Tage­buch: „Das ist ein schö­nes, aber tey­res Pflas­ter“. Die gro­ße Zeit des Soln­ho­fer Steins ist jedoch vor­bei.

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Der präch­ti­ge Band hat das Zeug, ein Stan­dart­werk in Sachen Soln­ho­fer Stein zu wer­den. Das reich bebil­der­te und auf­wen­dig illus­trier­te Buch doku­men­tiert nicht nur ‑her­vor­ra­gend mit einem aus­führ­li­chen Quel­len­ver­zeich­nis belegt — die Geschich­te eines beson­de­ren Natur­steins. Hen­le beschreibt damit auch baye­ri­sche Wirt­schafts- und Kul­tur­ge­schich­te, ein Stück Hand­werks- und Indus­trie­kul­tur. (Süd­deut­sche Zei­tung)

Der Autor hat in sei­ner gründ­li­chen Archiv­ar­beit weit mehr geleis­tet, als den Stei­nen ein Denk­mal zu set­zen. Er hat den Stei­nen eine Spra­che gege­ben. (Münch­ner Mer­kur)

Hen­le legt ein umfas­sen­des Werk zur Wirt­schafts- und Kul­tur­ge­schich­te des Natur­steins aus dem Alt­mühl­tal vor. (Eich­stät­ter Kurier)

Das Buch ist inhalt­lich und in Text und Bild ein außer­ge­wöhn­li­ches Werk. Eine abwechs­lungs­rei­che und erkennt­nis­rei­che Erkun­dung in die Welt des Soln­ho­fer Steins mit vie­len neu­en Ent­de­ckun­gen. (Schö­ne­re Hei­mat, Zeit­schrift des Baye­ri­schen Lan­des­ver­eins für Hei­mat­pfle­ge)

Bild­un­ter­schrift: Autor Dr. Vic­tor Hen­le mit sei­nem neu­en Buch, das er am Don­ners­tag, 20. Novem­ber, im Gast­haus “Alte Schu­le” in Soln­ho­fen vor­stel­len wird. Foto: Vic­tor Hen­le