Am Donnerstag, 20. November wird der gebürtige Mörnsheimer Dr. Victor Henle, der heute in München lebt und dessen Vorfahren über Jahrhunderte im Solnhofer Steingewerbe tätig waren, sein neues Buch “Der Solnhofer Stein — Geschichte, Bau und Kunst” im Gasthaus „Alte Schule“ in Solnhofen vorstellen. Beginn ist um 19.00 Uhr, der Eintritt ist frei!
Solnhofer Platten haben einen hohen Bekanntheitsgrad. Dennoch wird die weitreichende Bedeutung dieses Steins und seine lange Geschichte nur bruchstückhaft wahrgenommen. Erstmals ist nun nach einer umfangreichen Quellen- und Literaturrecherche eine Darstellung erschienen, in der die damit verbundenen Entwicklungsstränge unter unterschiedlichen Aspekten aufgearbeitet, zusammengefasst und bebildert sind. Mit der Materie ist der Autor bestens vertraut: Die Vorfahren von Dr. Victor Henle waren über Jahrhunderte im Solnhofer Steingewerbe tätig.
Kein Stein in Deutschland kann wie der Solnhofer Stein auf eine Geschichte von 1800 Jahren des Abbaus, der Verarbeitung und des Absatzes zurückblicken. Henles Buch wirft ein neues Licht auf diese Geschichte. Mit ausgeprägtem Entdeckergeist erweitert er diese Geschichte durch wirtschaftliche, soziale und unternehmerische Entwicklungsaspekte sowie eine Typologie der Solnhofer Steinfußböden. Nicht zuletzt weist er auf die Probleme des Steintransports hin. All das macht die Lektüre abwechslungs- und erkenntnisreich.
Die Geschichte der Ausstattung römischer Badeanlagen am Limes mit Solnhofer Platten im 3. Jahrhundert wird um neue archäologische Funde ergänzt. Sie belegen, dass diese Platten bis in den Voralpenraum verbreitet waren. Was das Mittelalter betrifft, geht der Autor besonders auf die Baugeschichte der Solnhofer Sola-Basilika ein Hier wurden im 11. Jahrhundert großflächig heimische Platten verlegt. Die hartnäckig vorgebrachte Aussage, im ausgehenden Mittelalter sei der Fußboden der Kirche Hagia Sophia in Konstantinopel (Istanbul) mit Solnhofer Platten belegt worden, hält der Autor für unhaltbar.
Im 16. Jahrhundert entdeckten Künstler und Fürsten den Solnhofer Stein. Künstler nutzten ihn wegen seiner besonderen Feinkörnigkeit für kleinplastische Werke, Medaillen und Plaketten. Vorgestellt werden viele dieser Werke, die sich heute in namhaften Museen Europas und Nordamerikas befinden. 1558 wurde im Ottheinrichsbau des Neuburger Schlosses erstmals eine Residenz mit Solnhofer Platten ausgestattet. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts ätzten Künstler in große Solnhofer Tischplatten Noten und Liedertexte sowie astronomisches Wissen für Fürsten und Fürstbischöfe. Hieraus erstand eine schier unfassliche Fülle von feinsten und oft auch farbig gefassten Darstellungsdetails, die nur dieser Stein ermöglichte.
Ein Schwerpunkt des Buches liegt auf dem 17. und 18. Jahrhundert. Geistliche und weltliche Bauherren des Barocks und Rokokos ließen die Fußböden in den prächtigen Neubauten mit Solnhofer Platten belegen. Das Verbreitungsgebiet dehnte sich über ganz Süddeutschland aus – mit dem Floßtransport auf der Donau bis Wien und Budapest. Mit dem 1668 im benachbarten Mörnsheim eröffneten Steinbruch verlor Solnhofen seine Alleinstellung. Schon bald nahmen die Mörnsheimer Steinbrecher eine führende Position ein. Mit graublauen Platten, die es erstmals und nur in diesem Bruch gab, konnte das barocke Repräsentationsbedürfnis nach mehrfarbigen Fußböden mit hellen und dunklen Steinen bedient werden. Die Zugehörigkeit zum Hochstift Eichstätt verschaffte den Mörnsheimer Steinbrechern gegenüber den evangelischen Solnhofer Mitbewerbern einen zusätzlichen Vorteil bei der Auftragsvergabe der meist katholischen Bauherren. In einer Vielzahl von Kirchen, Klöstern und Residenzen entstanden eindrucksvolle Fußböden in repräsentativen Räumen, die von hohem handwerklichen Können zeugen. Vorgestellt werden zahlreiche Beispiele in Kirchen, Festsälen und Bibliotheken, vom Bodensee bis Niederösterreich.
Im 19. Jahrhundert folgte der nächste Höhepunkt. Die Erfindung der Lithografie, die ohne den Solnhofer Stein kein Erfolg geworden wäre, machte ihn zu einem weltweiten Produkt. Das bisher kleinstrukturierte Steingewerbe wandelte sich zur Steinindustrie, angeführt von auswärtigen Unternehmern und Banken. Eine vom Autor vorgenommene Auswertung eines Geschäftsbuches zeigt, dass es bereits in der Jahrhundertmitte 220 europäische und 58 überseeische Lithografiestein-Kunden gab. Um die Wende zum 20. Jahrhundert dehnte sich der Absatz nach Asien und sogar Australien aus. Noch 1920 war er so global, dass für den chinesischen, japanischen und indischen Markt eigene Preislisten herausgegeben wurden. Gleichzeitig erbrachte der intensivierte Abbau aufsehenerregende Fossilienfunde, darunter Exemplare des spektakulären Urvogels Archaeopteryx. Der Solnhofer Stein erregte weltweit das Interesse der Wissenschaft und der Medien.
Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts verhalf vor allem der Wiederaufbau der Nachkriegszeit dem Solnhofer Stein zu einem weiteren Aufschwung. Mit zunehmender Bedeutung des im selben Gebiet gebrochenen Juramarmors und importierter Steine sank jedoch die Nachfrage. Preiswerte Imitate aus Feinsteinzeug erschweren den Absatz. Nur noch wenige Steinbrecher arbeiten in den Brüchen, und wenige Betriebe verarbeiten den Solnhofer Stein. Dennoch, so Henle, wird er dank seiner Einzigartigkeit auch in Zukunft nachgefragt werden. Der Ottobeurer Abt Rupert Ness, der den gesamten prächtigen barocken Neubau des immensen Klosters mit diesem Stein ausstatten ließ, notierte 1728 in sein Tagebuch: „Das ist ein schönes, aber teyres Pflaster“. Die große Zeit des Solnhofer Steins ist jedoch vorbei.
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Der prächtige Band hat das Zeug, ein Standartwerk in Sachen Solnhofer Stein zu werden. Das reich bebilderte und aufwendig illustrierte Buch dokumentiert nicht nur ‑hervorragend mit einem ausführlichen Quellenverzeichnis belegt — die Geschichte eines besonderen Natursteins. Henle beschreibt damit auch bayerische Wirtschafts- und Kulturgeschichte, ein Stück Handwerks- und Industriekultur. (Süddeutsche Zeitung)
Der Autor hat in seiner gründlichen Archivarbeit weit mehr geleistet, als den Steinen ein Denkmal zu setzen. Er hat den Steinen eine Sprache gegeben. (Münchner Merkur)
Henle legt ein umfassendes Werk zur Wirtschafts- und Kulturgeschichte des Natursteins aus dem Altmühltal vor. (Eichstätter Kurier)
Das Buch ist inhaltlich und in Text und Bild ein außergewöhnliches Werk. Eine abwechslungsreiche und erkenntnisreiche Erkundung in die Welt des Solnhofer Steins mit vielen neuen Entdeckungen. (Schönere Heimat, Zeitschrift des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege)
Bildunterschrift: Autor Dr. Victor Henle mit seinem neuen Buch, das er am Donnerstag, 20. November, im Gasthaus “Alte Schule” in Solnhofen vorstellen wird. Foto: Victor Henle


