Die eigenen vier Wände: Wohn-Träume im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen platzen in Serie

von | 25. September 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen (red). Schlech­te Chan­cen auf ein Woh­nen in den eige­nen vier Wän­den: Vom Ein­fa­mi­li­en­haus über das Rei­hen­haus bis zur Eigen­tums­woh­nung – im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen gibt es rund 26.600 Woh­nun­gen, für die kei­ne Mie­te bezahlt wer­den muss. Denn ihre Eigen­tü­mer nut­zen sie selbst. Die Wohn­ei­gen­tums­quo­te im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen liegt damit bei rund 59,7 Pro­zent. Das geht aus einer aktu­el­len Regio­nal-Ana­ly­se zum Woh­nungs­markt her­vor, die das Pest­el-Insti­tut (Han­no­ver)
gemacht hat.

Dar­in geben die Wis­sen­schaft­ler eine eher düs­te­re Pro­gno­se, wenn es um das Wohn­ei­gen­tum im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen geht: In den ers­ten sechs Mona­ten die­ses Jah­res gab es nach Anga­ben des Pest­el-Insti­tuts im gesam­ten Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen ledig­lich 57 Bau­ge­neh­mi­gun­gen für neue Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­häu­ser. Zum Ver­gleich: Im ers­ten Halb­jahr 2022 waren es noch 161 Bau­ge­neh­mi­gun­gen. „Damit ist der Eigen­heim­bau inner­halb von nur einem Jahr um 65 Pro­zent zurück­ge­gan­gen“, sagt Mat­thi­as Gün­ther. Der Lei­ter des Pest­el-Insti­tuts sieht „das Wohn­ei­gen­tum wei­ter auf der Rutsch­bahn“. Um eine Kehrt­wen­de zu errei­chen, müs­se der Staat drin­gend ein effek­ti­ves Wohn­ei­gen­tums­pro­gramm auf die Bei­ne stel­len.

„Der Traum vom eige­nen Haus, von der eige­nen Woh­nung – er platzt gera­de in Serie. Wenn es um das Anschaf­fen von Wohn­ei­gen­tum geht, ist auch der Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen qua­si in eine Schock­star­re ver­fal­len“, sagt Katha­ri­na Metz­ger vom Bun­des­ver­band Deut­scher Bau­stoff-Fach­han­del (BDB), der die Woh­nungs­markt-Unter­su­chung beim Pest­el-Insti­tut in Auf­trag gege­ben hat. Nur weni­ge
Men­schen könn­ten sich die eige­nen vier Wän­de heu­te noch leis­ten. „Hohe Zin­sen, hohe Bau­land­prei­se, hohe Bau­kos­ten, die vor allem auch durch hohe Kli­ma­schutz-Auf­la­gen nach oben getrie­ben wer­den: Wohn­ei­gen­tum schei­tert am Geld“, so Metz­ger.

Die Wis­sen­schaft­ler vom Pest­el-Insti­tut spre­chen sich in ihrer Unter­su­chung des­halb für ein „Bun­des-Bau­start­ka­pi­tal“ aus. „Wer heu­te neu bau­en will, der braucht vor allem eines: güns­ti­ges Geld. Not­wen­dig ist des­halb ein Bun­des-Bau­dar­le­hen mit höchs­tens 1,5 Pro­zent Zin­sen als Start­kre­dit fürs Wohn­ei­gen­tum. Der Staat soll­te den Men­schen den fes­ten Nied­rig­zins für 20 Jah­re bie­ten – und das für einen Kre­dit in Höhe von bis zu 4.000 Euro je Qua­drat­me­ter Wohn­flä­che“, for­dert Woh­nungs­markt­for­scher Mat­thi­as Gün­ther. Dadurch lie­ße sich der Neu­bau von Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­häu­sern, von Eigen­tums­woh­nun­gen und Rei­hen­häu­sern auch im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen wie­der pushen. „Mit der Garan­tie eines lang­fris­tig kal­ku­lier­ba­ren und güns­ti­gen Kre­dits wür­de der Bund den Men­schen die Chan­ce geben, zu ‚Neu­bau-Start­ups‘ zu wer­den“, so Gün­ther.

Um mehr Wohn­ei­gen­tum mög­lich zu machen, sei des­halb ein meh­re­re Mil­li­ar­den Euro schwe­res Dar­le­hens­pa­ket des Bun­des not­wen­dig. Die bestehen­de, erst in die­sem Jahr neu ein­ge­führ­te Wohn­ei­gen­tums­för­de­rung des Bun­des erklärt das Pest­el-Insti­tut für geschei­tert: Mit 350 Mil­lio­nen Euro lie­ße sich bes­ten­falls der Neu­bau von 2.000 Eigen­hei­men anschie­ben. Das Ziel des Bun­des soll­te es aber sein, 100.000 neu gebau­te Eigen­hei­me pro Jahr zu schaf­fen und damit an frü­he­re Kapa­zi­tä­ten bei der Bil­dung von Wohn­ei­gen­tum anzu­knüp­fen. „Außer­dem geht die aktu­el­le Wohn­ei­gen­tums­för­de­rung der Ampel völ­lig an der Lebens­rea­li­tät vor­bei: Wer sie in Anspruch nimmt, braucht ein nied­ri­ges Ein­kom­men. Er muss aber gleich­zei­tig genug Geld auf der hohen Kan­te haben, um sich bei hohen Grund­stücks­prei­sen und
hohen Bau­kos­ten einen Neu­bau leis­ten zu kön­nen“, so Insti­tuts­lei­ter Mat­thi­as Gün­ther.

„Ins Geld geht vor allem der Ener­gie­spar-Zwang. Hier muss der Bund einen Gang zurück­zu­schal­ten“, sagt die Prä­si­den­tin des Bun­des­ver­ban­des Deut­scher Bau­stoff-Fach­han­del, Katha­ri­na Metz­ger. Wer heu­te für sein Wohn­ei­gen­tum die För­de­rung vom Bund nut­zen wol­le, müs­se nach dem „extrem ehr­gei­zi­gen Effi­zi­enz-Stan­dard 40“ bau­en. „Das ist aber auch extrem teu­er. Also macht es kaum einer. Der Staat muss end­lich davon weg­kom­men, nur ‚Super-Kli­ma­schutz­häu­ser‘ zu för­dern. Denn die hohen Stan­dards machen das Bau­en rich­tig teu­er“, so Metz­ger. Und das bei einer Kos­ten-Nut­zen-Rela­ti­on, die schon rech­ne­risch nicht pas­se. „Das Geld, das zusätz­lich beim Neu­bau in den Kli­ma­schutz gesteckt wer­den muss, holt auf Jah­re hin­weg kei­ner beim Ener­gie­spa­ren mehr her­aus“, sagt die BDB-Prä­si­den­tin.

Bild­un­ter­schrift: Wird immer sel­te­ner: der eige­ne Schlüs­sel im eige­nen Schloss. Das Woh­nen in den eige­nen vier Wän­den kön­nen
sich immer weni­ger Men­schen leis­ten. Wohn­ei­gen­tum schei­tert am Geld. Dabei könn­te der Bund mehr Men­schen im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen zu „Neu­bau-Start­ups“ machen. Vor allem mit einem „Nied­rig­zins-Start­kre­dit fürs Wohn­ei­gen­tum“. Aber auch durch ein Abräu­men der Hür­den, die das Woh­nen teu­rer machen, sagt das Pest­el-Insti­tut. Foto: Tobi­as Sei­fert