Digitaler Energienutzungsplan für Altmühlfranken entsteht

von | 15. August 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Alt­mühl­fran­ken (red). Der Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen erstellt mit Unter­stüt­zung regio­na­ler Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men einen land­kreis­wei­ten digi­ta­len Ener­gie­nut­zungs­plan und nimmt dabei eine Vor­rei­ter­rol­le in Bay­ern ein. Land­rat Manu­el West­phal konn­te nun einen För­der­be­scheid des Baye­ri­schen Staats­mi­nis­te­ri­ums für Wirt­schaft, Lan­des­ent­wick­lung und Ener­gie für die Erstel­lung die­ses Plans ent­ge­gen­neh­men.

Ein Ener­gie­nut­zungs­plan ist ein stra­te­gi­sches Pla­nungs­in­stru­ment, wel­ches seit eini­gen Jah­ren Gemein­den, Städ­ten und Land­krei­sen einen Über­blick über die momen­ta­ne wie auch zukünf­ti­ge Ener­gie­be­darfs- und Ener­gie­ver­sor­gungs­si­tua­ti­on gibt. Dafür wird eine Bestands­ana­ly­se der bereits vor­han­de­nen Ener­gie­infra­struk­tu­ren und erneu­er­ba­ren Ener­gie­an­la­gen im Land­kreis durch­ge­führt sowie die CO2-Bilanz fort­ge­schrie­ben. Des Wei­te­ren wer­den die Poten­zia­le der Ener­gie­ein­spa­rung im Gebäu­de­sek­tor mit­tels Sanie­rungs-Sze­na­ri­en ermit­telt. Den Haupt­be­stand­teil des Ener­gie­nut­zungs­plans bil­det die Poten­zi­al­ermitt­lung der Ener­gie­er­zeu­gung aus erneu­er­ba­ren Ener­gien, wie Solar‑, Wind‑, Was­ser- und Bio­en­er­gie oder auch Geo­ther­mie.

Mit dem digi­ta­len Ener­gie­nut­zungs­plan für den Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen soll eine Grund­la­ge für eine abge­stimm­te, koor­di­nier­te Umset­zung hin zu einer über­leg­ten und nach­hal­ti­gen Ener­gie­er­zeu­gungs- und Ener­gie­ver­sor­gungs­struk­tur geschaf­fen wer­den. Der Plan dient zukünf­tig als über­ge­ord­ne­tes Hand­werks­zeug bei der Ener­gie­wen­de in den Kom­mu­nen. „Mit dem land­kreis­wei­ten digi­ta­len Ener­gie­nut­zungs­plan bekom­men alle Städ­te und Gemein­den im Land­kreis eine Unter­stüt­zung bei der Aus­wei­sung von Flä­chen für erneu­er­ba­re Ener­gien sowie bei kom­mu­na­len Maß­nah­men im Bereich Kli­ma­schutz und Ener­gie­ein­spa­rung“, betont Land­rat Manu­el West­phal die Vor­tei­le für den gesam­ten Land­kreis.

Der Frei­staat Bay­ern för­dert die Erstel­lung von Ener­gie­nut­zungs­plä­nen mit einem Zuschuss von 70 Pro­zent der Gesamt­kos­ten. Nach öffent­li­cher Aus­schrei­bung und Zusa­ge der För­de­rung konn­te der Auf­trag für die Plan­er­stel­lung an das Insti­tut für Ener­gie­tech­nik (IfE) GmbH an der Ost­baye­ri­schen Tech­ni­schen Hoch­schu­le (OTH) Amberg-Wei­den ver­ge­ben wer­den.

Ener­gie­nut­zungs­plan mit Modell­cha­rak­ter

Als Nadel­öhr bei der Umset­zung kom­mu­na­ler Ener­gie­nut­zungs­plä­ne erweist sich teil­wei­se die begrenz­te Auf­nah­me­ka­pa­zi­tät der regio­na­len Strom­net­ze für Ener­gie­er­zeu­gungs­po­ten­tia­le im Bereich der Wind- und Solar­ener­gie. Dies war für den Land­kreis Anlass, im Vor­feld der Aus­schrei­bung und Ver­ga­be des Ener­gie­nut­zungs­plans, den Unter­su­chungs­rah­men die­ser Pla­nung um zwei wei­te­re The­men­fel­der zu erwei­tern, um hier unter Berück­sich­ti­gung der Auf­nah­me­fä­hig­keit der Strom­net­ze und der regio­na­len Poten­zia­le zur Was­ser­stoff­er­zeu­gung ein rea­lis­ti­sches Aus­bau­sze­na­rio für die Regi­on ent­wi­ckeln zu kön­nen. Mit fach­li­cher Bera­tung und Unter­stüt­zung der N‑ERGIE als Netz­be­trei­ber wur­de hier ins­be­son­de­re der Unter­su­chungs­rah­men für die Ermitt­lung der Auf­nah­me­fä­hig­keit der Strom­net­ze sowie bestehen­der Optio­nen zur Sys­tem­fle­xi­bi­li­sie­rung abge­steckt. Auf Basis die­ser Vor­ar­beit wur­de dann im ver­gan­ge­nen Jahr von der Kli­ma­schutz­ma­na­ge­rin der Zukunfts­in­itia­ti­ve alt­mühl­fran­ken eine erwei­ter­te Leis­tungs­be­schrei­bung für die Aus­schrei­bung und Ver­ga­be des land­kreis­wei­ten digi­ta­len Ener­gie­nut­zungs­plans erstellt und mit dem Baye­ri­schen Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um abge­stimmt.

Aus­schlag­ge­bend für die Erwei­te­rung des Unter­su­chungs­rah­mens des Ener­gie­nut­zungs­plans war die Erkennt­nis, dass der Aus­bau der erneu­er­ba­ren Ener­gien bes­ser koor­di­niert wer­den muss und auch die Auf­nah­me­ka­pa­zi­tät des Strom­ver­teil­net­zes sowie die Aus­bau­pla­nun­gen hier­für zukünf­tig wesent­lich bes­ser auf ein­an­der abge­stimmt wer­den müs­sen.  Auf Grund des dyna­mi­schen Aus­baus vor allem der gro­ßen Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen droht eine zuneh­men­de Über­las­tung der bestehen­den Strom­ver­teil­net­ze vor allem in den Som­mer­mo­na­ten und hier zur Mit­tags­zeit, mit der Fol­ge, dass grö­ße­re Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen abge­re­gelt und kurz­fris­tig vom Netz genom­men wer­den müs­sen. Dies ist weder wirt­schaft­lich noch ener­gie­po­li­tisch sinn­voll.  Umso mehr Anla­gen abge­re­gelt wer­den, des­to mehr Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen fal­len für Strom­netz­be­trei­ber an. Das wie­der­um macht den Strom­preis für den End­ver­brau­cher unnö­tig teu­rer. „Der Aus­bau der erneu­er­ba­ren Ener­gien muss vor­an­ge­trie­ben wer­den, aller­dings so, dass die Anla­gen den erzeug­ten Strom auch wirk­lich ein­spei­sen kön­nen. Ein unkon­trol­lier­ter Wild­wuchs an Anla­gen bringt uns in Hin­blick auf die Ener­gie­wen­de nicht wei­ter! Der Aus­bau muss abge­stimmt und koor­di­niert statt­fin­den. Daher muss die Strom­netz­ka­pa­zi­tät, der geplan­te Netz­aus­bau sowie die Spei­che­rung von Strom­über­schüs­sen im Ener­gie­nut­zungs­plan zwin­gend gemein­sam mit­ge­dacht wer­den“, bringt Land­rat West­phal die Bedeu­tung des ganz­heit­li­chen Ansat­zes auf den Punkt.

Ziel des Ener­gie­nut­zungs­plans ist, durch eine koor­di­nier­te Aus­bau­pla­nung den Zubau in Ein­klang mit dem Netz­aus­bau zu brin­gen und unnö­ti­gen Flä­chen- und Res­sour­cen­ver­brauch zu ver­mei­den. Durch die detail­lier­te Betrach­tung der Strom­netz­ka­pa­zi­tä­ten kön­nen Aus­sa­gen über die tat­säch­li­che Auf­nah­me­fä­hig­keit der Net­ze getrof­fen wer­den. Die­se geben Auf­schluss dar­über, wel­cher Erzeu­gungs­tech­no­lo­gie­mix – bei­spiels­wei­se aus Wind­kraft, Pho­to­vol­ta­ik, usw. (Sek­to­ren­kopp­lung) – an wel­chem Stand­ort sinn­voll ist und wo die Strom­net­ze durch Spei­cher­tech­no­lo­gien ent­las­tet wer­den kön­nen. Zusätz­lich wer­den erst­ma­lig im Ener­gie­nut­zungs­plan des Land­krei­ses Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen die Netz­aus­bau­plä­ne der Netz­be­trei­ber im Ener­gie­nut­zungs­plan berück­sich­tigt, wodurch sich zukünf­ti­ge Netz­ein­spei­se­mög­lich­kei­ten und höhe­re Netz­auf­nah­me­ka­pa­zi­tä­ten erge­ben. Eine Mei­len­stein­pla­nung für die Jah­re 2030, 2040 und 2045 wird somit in die Poten­zi­al­ana­ly­se zur Ener­gie­er­zeu­gung mit­ein­flie­ßen.

Eine wei­te­re Beson­der­heit des Ener­gie­nut­zungs­plans stellt die Poten­zi­al­ana­ly­se zur Was­ser­stoff­er­zeu­gung und der regio­na­len Nut­zung dar. Die Berück­sich­ti­gung der Was­ser­stoff­er­zeu­gung ist ein Schlüs­sel­ele­ment, um aktu­ell bestehen­de Pro­ble­me der Ener­gie­wen­de zu über­win­den. Die Netz­ein­spei­se­pro­ble­ma­tik oder das zeit­li­che Aus­ein­an­der­lau­fen von Strom­erzeu­gung und Strom­nach­fra­ge kann kom­pen­siert wer­den, indem Strom­über­schuss gespei­chert bezie­hungs­wei­se zur Was­ser­stoff­er­zeu­gung genutzt wer­den kann.

Durch die Berück­sich­ti­gung der Netz­aus­bau­plä­ne, der Netz­auf­nah­me­ka­pa­zi­tät und der Poten­zi­al­ana­ly­se zur Was­ser­stoff­er­zeu­gung nimmt der Ener­gie­nut­zungs­plan des Land­krei­ses eine Vor­rei­ter­po­si­ti­on ein! Es wer­den die ermit­tel­ten Erzeu­gungs­po­ten­zia­le in Hin­blick auf die Ein­spei­se­mög­lich­keit bewer­tet und somit nur die auch abseh­bar rea­li­sier­ba­ren Poten­zia­le ermit­telt. Außer­dem kön­nen durch die Inte­gra­ti­on von Spei­cher­tech­no­lo­gien die Strom­net­ze ent­las­tet und das zeit­li­che Aus­ein­an­der­lau­fen von Strom­erzeu­gung und –nach­fra­ge aus­ge­gli­chen wer­den.

Für Land­kreis­bür­ge­rin­nen und ‑bür­ger wird das digi­ta­le Solar­po­ten­zi­al­ka­tas­ter inter­es­sant, wel­ches im Rah­men des Ener­gie­nut­zungs­plans erstellt wird. Sämt­li­che Dach­flä­chen im Land­kreis wer­den auf Eig­nung für eine Pho­to­vol­ta­ik- und Solar­ther­mie-Anla­gen hin bewer­tet.

Koope­ra­ti­on mit regio­na­len Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men und Akteu­ren

Im Rah­men einer Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung mit dem Land­kreis haben sich die fünf Stadt- und Gemein­de­wer­ke des Land­krei­ses sowie die N‑ERGIE dazu bereit­erklärt, die Erstel­lung des Ener­gie­nut­zungs­plans durch die Bereit­stel­lung der erfor­der­li­chen Ener­gie- und Netz­da­ten zu unter­stüt­zen. Wei­te­re regio­na­le Akteu­re sowie die Gemein­den des Land­krei­ses wer­den in den Erstel­lungs­pro­zess mit­ein­ge­bun­den. So kann ein umset­zungs- und pra­xis­ori­en­tier­ter Ener­gie­nut­zungs­plan am Ende in den Hän­den gehal­ten wer­den. Die Bear­bei­tungs­dau­er bis zur Fer­tig­stel­lung des Ener­gie­nut­zungs­plans beträgt cir­ca ein Jahr.

„Ich freue mich, dass wir es gemein­sam mit den regio­na­len Koope­ra­ti­ons­part­nern sowie mit Unter­stüt­zung des Frei­staa­tes Bay­ern geschafft haben, mit der Erstel­lung die­ses inno­va­ti­ven und umfang­rei­chen Ener­gie­nut­zungs­plans eine Vor­rei­ter­rol­le in Bay­ern ein­zu­neh­men,“ so Land­rat West­phal.

Foto: Pix­a­bay