Ein Baum „wider die Hoffnungslosigkeit“

von | 16. Oktober 2025 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Gemein­sa­me Akti­on des Evan­ge­li­schen Bil­dungs­wer­kes und der Kin­der­gär­ten

Baum­pflan­zen ist „in“. Gera­de­zu über­rollt wur­den die sozia­len Medi­en land­auf, land­ab heu­er von einer „Chall­enge“: Ver­ei­ne und Betrie­be nomi­nier­ten ande­re, einen Baum zu set­zen, um nicht eine Brot­zeit zah­len zu müs­sen. Jeder gepflanz­te Baum ist auch ein Hoff­nungs­zei­chen.

Des­halb star­te­te das Evan­ge­li­sche Bil­dungs­werk Jura-Alt­mühl­tal-Hah­nen­kamm bereits im letz­ten Jahr gemein­sam mit den evan­ge­li­schen Kin­der­ta­ges­stät­ten im Deka­nat Wei­ßen­burg eine ähn­li­che Akti­on.

Im Rah­men des über­grei­fen­den The­mas Hoff­nung, das das Bil­dungs­werk in die­ser kri­sen­ge­schüt­tel­ten Zeit viel­fäl­tig auf­greift, sol­len auch die Kin­der und Fami­li­en ein­be­zo­gen wer­den, die in der unsi­cher gewor­de­nen Zukunft leben sol­len und wer­den. Bil­dung und Befä­hi­gung zur Resi­li­enz ist schließ­lich ein urei­ge­nes Anlie­gen evan­ge­li­scher Kin­der­gär­ten. Die Wei­ßen­bur­ger Deka­nin Ingrid Gott­wald-Weber und Pfar­rer Joa­chim Pie­phans (Etten­statt) erar­bei­te­ten das Kon­zept eines Fami­li­en­got­tes­diens­tes, in dem gemein­sam ein Apfel­baum gepflanzt wird. Damit mach­ten Wei­ßen­burg mit dem Evan­ge­li­schen Kin­der­gar­ten „Tau­send­füß­ler“ bereits im ver­gan­ge­nen Herbst, der Ale­shei­mer Natur­kin­der­gar­ten sowie der Johan­nes-Kin­der­gar­ten in Gre­ding vor eini­gen Tagen den Anfang. Nun setzt sich die Rei­he am 22. Okto­ber im Gar­ten der KiTa Burg­sa­lach fort. Es fol­gen am Sonn­tag, 26. Okto­ber, die Fami­li­en­got­tes­diens­te in der Evan­ge­li­schen KiTa „Spat­zen­nest“ in Höt­tin­gen (Beginn dort um 9.30 Uhr, Pflan­zung im neu­en Bau­ge­biet) sowie im Kin­der­gar­ten Eysöl­den (11.00 Uhr). Für heu­er machen der „Arche Noah“-Kindergarten und die Mühl­bachkrip­pe in Thal­mäs­sing den Abschluss, sie pflan­zen gemein­sam im Pfarr­gar­ten von St. Micha­el am 28. Okto­ber.

Lie­der zur guten Schöp­fung Got­tes füh­ren in den Got­tes­dienst hin­ein. Mit den Kin­dern wird ein gro­ßer Baum betrach­tet: wie lan­ge er wohl schon steht, woher er sich nährt, womit er uns Gutes tut. Mehr für die erwach­se­nen Teil­neh­mer schlie­ßen sich Gedan­ken zum bibli­schen Bild neu­er Trie­be aus einem abge­haue­nen Wur­zel­stock an, wie es im Buch Hiob oder bei Jesa­ja erzählt wird. Das rührt an die Fra­ge, ob ein­mal Kaputt­ge­mach­tes sich wie­der revi­ta­li­sie­ren kann. Ist die Kli­ma­er­wär­mung, ist eine über­hitz­te Erde ein unab­wend­ba­res Schick­sal? Oder set­zen wir inmit­ten der Kri­se auf das Zusam­men­spiel von Schöp­fer­kraft und mensch­li­cher Ein­sicht – wenn schon nicht zur Abwen­dung, so doch zu einer deut­li­chen Abmil­de­rung der Erd­er­wär­mung? Evan­ge­li­sche Lebens­ge­stal­tung neigt sicher zu letz­te­rem.

„Der klei­ne Apfel­setz­ling, der jeweils zum Abschluss gepflanzt wird, ist dar­um auch ein Zei­chen ‚wider die Hoff­nungs­lo­sig­keit‘ und gegen das der­zeit so spür­ba­re Kri­sen- und Ohn­machts­ge­fühl“, so Mari­na Mül­ler, päd­ago­gi­sche Lei­te­rin des Bil­dungs­wer­kes: „Es ist nicht nur ein schö­ner Traum, son­dern ein rea­lis­ti­sches Ziel, dass der gemein­sam gepflanz­te Baum in eini­gen Jahr­zehn­ten die heu­ti­gen Kin­der als Erwach­se­ne mit sei­nen Blü­ten, sei­nem Schat­ten und sei­nen Äpfeln an das gemein­sa­me Pflan­zen erin­nert. An ihm wird sich able­sen las­sen, ob und wie eine gemein­sa­me Sor­ge um die Lebens­welt nach­hal­tig wirkt.“

Pfar­rer Pie­phans ergänzt: „In Höt­tin­gen set­zen wir den Baum bewusst nicht im Außen­ge­län­de des Kin­der­gar­tens. Wir pflan­zen ihn am Rand des Dor­fes, wo Fami­li­en sich ein Haus bau­en wol­len. Er wird zum öffent­li­chen Zei­chen, dass erstreb­te Zukunft mög­lich ist – weil Lebens­kraft Gott sei Dank unver­füg­bar ist und unser Tun trägt. Im Ver­trau­en auf Got­tes Kraft ist Auf­bruch mög­lich.“

Die Bäu­me zwi­schen Ale­sheim und Gre­ding wer­den mit fach­kun­di­ger Hil­fe gepflanzt, aber natür­lich hel­fen alle Kin­der beim Ein­schau­feln und Angie­ßen mit. Immer wie­der wer­den die Erzie­he­rin­nen mit den Grup­pen „ihren“ Baum auf­su­chen und nach­schau­en, wie das Wid­mungs­wort wahr wird, das bei jeder die­ser Pflanz­ak­tio­nen gespro­chen wird: „Wach­sen sollst du, aus der Kraft der Erde dem Him­mel ent­ge­gen, unter dem Segen Got­tes in Son­ne und Regen. Ihm ver­trau­en wir dich an, klei­ner Baum, und war­ten vol­ler Freu­de auf dei­ne Blü­ten und ers­ten Äpfel. Sei uns ein Zei­chen der Hoff­nung!“

Bild­un­ter­schrift: In Ale­sheim pflanz­ten die Kin­der ihren Baum im his­to­ri­schen Kirch­hof. Dort wer­den sie ihn öfter besu­chen und sein Wach­sen mit­er­le­ben. Foto: Anja Näpf­lein