Ein neuer Geist weht durch Heidenheim

von | 9. April 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Hei­den­heim – Geschich­te zum Anfas­sen, Kunst zum Nach­den­ken und ein star­kes Zei­chen der Gemein­schaft: Am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de erwach­te der Wal­bur­ga­weg mit ins­ge­samt zwölf Sta­tio­nen zum Leben. Unter strah­lend blau­em Him­mel fei­er­ten zahl­rei­che Gäs­te aus Poli­tik, Kir­che und Kul­tur gemein­sam mit den Bür­gern die Ein­wei­hung des Wal­bur­ga­wegs. Es ist mehr als nur ein Wan­der­weg – es ist eine Ein­la­dung, in die Fuß­stap­fen einer der beein­dru­ckends­ten Frau­en des 8. Jahr­hun­derts zu tre­ten.

„Wir schrei­ben heu­te ein neu­es Kapi­tel für die­sen Ort“, ver­kün­de­te Rein­hold See­fried, Geschäfts­füh­rer des Klos­ters und Motor des Pro­jekts, sicht­lich stolz. Es holt Wal­bur­ga genau dort­hin zurück, wo ihr Wir­ken begann: nach Hei­den­heim. Gemein­sam mit ihrem Bru­der Wuni­bald grün­de­te sie hier einst das Bene­dik­ti­ner­klos­ter und lei­te­te als ers­te Frau ein Dop­pel­klos­ter – eine Sen­sa­ti­on für die dama­li­ge Zeit. Heu­te ver­bin­det der neue Rund­weg, der am Klos­ter Hei­den­heim star­tet, die­sen his­to­ri­schen Mut mit der Zukunft der Regi­on.

In sei­nem Gruß­wort beton­te Wolf­gang Neu­kirch­ner, Lei­ter des Amts für Länd­li­che Ent­wick­lung (ALE) Mit­tel­fran­ken, die tie­fe Ver­wur­ze­lung der Behör­de mit der Regi­on. Seit vie­len Jah­ren unter­stützt das Amt die Markt­ge­mein­de Hei­den­heim und das Klos­ter­are­al mit ver­schie­de­nen Instru­men­ten – von den Dorf­er­neue­run­gen in Hei­den­heim und Degers­heim über das Pro­jekt „boden:ständig“ am Hah­nen­kamm­see bis hin zur inter­kom­mu­na­len Zusam­men­ar­beit in der Inte­grier­ten Länd­li­chen Ent­wick­lung Frän­ki­sches Seen­land-Hah­nen­kamm. Auch Pro­jekt­lei­ter Mar­kus Früh vom ALE, der seit Jah­ren in der Markt­ge­mein­de im Ein­satz ist, kam zur fei­er­li­chen Ein­wei­hung nach Hei­den­heim.

Beson­ders hob Neu­kirch­ner die drit­te Sta­ti­on „Auf­bruch“ her­vor. Das dort instal­lier­te Stein­schiff fun­giert gleich­zei­tig als Abschluss-Denk­mal für die Dorf­er­neue­rung in Hei­den­heim. „Jede Dorf­er­neue­rung ist auch ein Auf­bruch in eine neue Zeit“, erklär­te Neu­kirch­ner. Der Wal­bur­ga­weg zei­ge ein­drucks­voll, dass Kul­tur im länd­li­chen Raum nicht nur mög­lich, son­dern für die Lebens­qua­li­tät und Iden­ti­tät der Men­schen uner­läss­lich sei. Der Weg bie­te den Men­schen einen Ort der Stil­le und Ein­kehr, so der Behör­den­chef. Ein beson­de­res Lob zoll­te er dem Pro­jekt­ver­ant­wort­li­chen Rein­hold See­fried sowie allen betei­lig­ten Akteu­ren – von der Ideen­ge­be­rin Pfar­re­rin Chris­tia­ne Rabus-Schul­er über den Freun­des­kreis Klos­ter Hei­den­heim bis hin zu den Spon­so­ren wie dem Lions Club und der Hirsch­mann-Stif­tung.

Unter dem Mot­to „Ihr Geist soll nicht in Ver­ges­sen­heit blei­ben – ihr Geist soll leben­di­ge Gegen­wart sein“ haben renom­mier­te Künst­le­rin­nen und Künst­ler einen Pfad geschaf­fen, der weit über klas­si­sche Info­ta­feln hin­aus­geht. Ob die Sta­ti­on „Wur­zeln“, die uns nach der eige­nen Hei­mat fragt, oder „Auf­bre­chen“, die Wal­bur­gas ris­kan­te Rei­se aus Eng­land the­ma­ti­siert: Jede der zwölf Sta­tio­nen ist eine moder­ne Kunst­in­stal­la­ti­on, die zum Inne­hal­ten zwingt. Das Bes­te dar­an? Der Weg ist rund um die Uhr für jeden offen.

Was die­sen Weg so beson­ders macht, ist das Mit­ein­an­der. Hier zie­hen alle an einem Strang – egal ob evan­ge­lisch oder katho­lisch. Dass Schwes­tern aus dem Klos­ter St. Wal­burg in Eich­stätt sowie Ver­tre­ter bei­der Kon­fes­sio­nen gemein­sam fei­er­ten, unter­streicht die tie­fe Ver­bun­den­heit der Regi­on.

Den emo­tio­na­len Höhe­punkt bil­de­te die Seg­nung am „Hei­den­brünn­lein“. An der stärks­ten Quel­le des Hah­nen­kamms, wo Legen­den zufol­ge einst die ers­ten Tau­fen statt­fan­den, reich­ten sich der ehe­ma­li­ge Dekan Klaus Kuhn und der katho­li­sche Pfar­rer Peter Wyz­gol die Hän­de. Ein Gän­se­haut­mo­ment, der zeigt: Wal­bur­gas Erbe ver­bin­det auch heu­te noch Men­schen über Gren­zen hin­weg. Nach dem offi­zi­el­len Teil ver­wan­del­te sich der Kreuz­gang des Klos­ters in einen leben­di­gen Markt­platz der Begeg­nung. Bei Kaf­fee, haus­ge­mach­tem Kuchen und ange­reg­ten Gesprä­chen lie­ßen die Besu­cher den Tag aus­klin­gen.

Bild­un­ter­schrift: Mit einem Rund­gang haben die Ver­ant­wort­li­chen den neu­en Wal­bur­ga­weg in Hei­den­heim ein­ge­weiht. Foto: Bri­git­te Dorr