Ein Urgestein der Gunzenhäuser Verwaltung verabschiedet sich

von | 8. Mai 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen

Gun­zen­hau­sen — „Nach so vie­len Jah­ren kommt schon etwas Weh­mut auf. Aller­dings freue ich mich auf die gewon­ne­ne Frei­heit und auf die Din­ge, die im neu­en Lebens­ab­schnitt auf mich zukom­men wer­den!“ Mit einem wei­nen­den und einem lachen­den Auge hat sich der lang­jäh­ri­ge Gun­zen­häu­ser Haupt­amts­lei­ter, Rad­ver­kehrs­be­auf­trag­ter und Geschäfts­lei­ter Klaus Ste­phan aus dem akti­ven Dienst ver­ab­schie­det. Damit ende­te am 30. April 2026 um 24 Uhr eine Ära, die vor mehr als 40 Jah­ren am 1. Sep­tem­ber 1986 in der Stadt­ver­wal­tung Gun­zen­hau­sen begon­nen hat­te. Im Rah­men einer klei­nen Abschieds­fei­er sag­ten vor kur­zem im Haus des Gas­tes Weg­ge­fähr­ten und Kol­le­gen „Mach´s gut, auf bald!“.

„Vier Bür­ger­meis­ter habe ich mit­er­lebt und sechs Legis­la­tur­pe­ri­oden über­stan­den. Ich habe bereits zu einer Zeit im Gun­zen­häu­ser Rat­haus gear­bei­tet, da gab es noch kei­ne Com­pu­ter. Sie mer­ken: In den letz­ten 40 Jah­ren ist viel pas­siert. Der Stadt habe ich mit Freu­de und Herz­blut gedient. Es war mir eine gro­ße Ehre, akti­ver Teil der Gemein­schaft zu sein“, beton­te der schei­den­de Haupt­amts­lei­ter in sei­ner Abschieds­re­de.

Ange­fan­gen hat sei­ne Kar­rie­re als Ver­wal­tungs­an­ge­stell­ter im Sach­ge­biet „Schu­len, Sport und sozia­le Ange­le­gen­hei­ten“. Es folg­te die Fach­prü­fung II und ein Wech­sel ins Per­so­nal­amt, des­sen Lei­tung er Anfang der 1990er-Jah­re über­nahm. Nach der Ernen­nung zum Ver­wal­tungs­fach­wirt schnup­per­te er für ein gutes hal­bes Jahr in die Haupt­ver­wal­tung des Evang.-Luth. Dia­ko­nie­werks in Neu­en­det­tels­au, über­nahm dann das Haupt­amt und blieb die­ser Abtei­lung bis zum Ruhe­stand in ver­schie­de­nen Funk­tio­nen treu.

Erin­nern wird man sich zudem an sei­ne erfolg­rei­che Ver­bin­dung zum Burk­hard-von-Secken­dorff Heim. Bereits 2000 wur­de er zum kom­mis­sa­ri­schen Heim­lei­ter bestellt und hat bis zu sei­ner Abbe­ru­fung im Jahr 2023 den Umstruk­tu­rie­rungs­pro­zess des Alten- und Pfle­ge­heims haut­nah beglei­tet und maß­geb­lich mit vor­an­ge­trie­ben. Dane­ben küm­mer­te er sich lan­ge Zeit um die Städ­te­part­ner­schaft mit Fran­ken­muth usw. usf. — es bedarf bei die­ser umfang­rei­chen Vita kaum Erwäh­nung, dass er die Wei­ter­bil­dung zum Ver­wal­tungs­be­triebs­wirt mit einer „1“ vor dem Kom­ma abschlie­ßen konn­te. Nach vie­len Jah­ren als stell­ver­tre­ten­der geschäfts­lei­ten­der Beam­ter wur­de Klaus Ste­phan dann ver­dien­ter­ma­ßen Geschäfts­lei­ter der Stadt Gun­zen­hau­sen und hat­te damit die höchs­te Ver­wal­tungs­po­si­ti­on inne. Als „rech­te Hand“ des Ers­ten Bür­ger­meis­ters war er des­sen ers­te Ansprech­per­son und Stell­ver­tre­ter nach Innen.

Die viel­leicht größ­ten Fuß­stap­fen hin­ter­lässt Klaus Ste­phan aller­dings im Bereich der kom­mu­na­len Mobi­li­tät. Mit Lei­den­schaft, Pra­xis­nä­he und einer über Jahr­zehn­te ange­eig­ne­te Exper­ti­se hat Klaus Ste­phan die Ver­kehrs­wen­de in Gun­zen­hau­sen wie nie­mand sonst vor­an­ge­trie­ben. Bis heu­te wird er weit über die Gren­zen der Stadt hin­aus als Refe­rent ange­fragt und hält zahl­rei­che Vor­trä­ge, u.a. bei Prof. Dr. habil. Dr. hc. Johan­nes Klüh­spies von der Tech­ni­schen Hoch­schu­le in Deg­gen­dorf.

In sei­ner Zeit als Rad­ver­kehrs­be­auf­trag­ter hat er wich­ti­ge Pro­jek­te zur Ver­bes­se­rung der Rad­fah­r­in­fra­struk­tur im Stadt­ge­biet beglei­tet, den städ­te­bau­li­chen Blick für alle Fort­be­we­gungs­mit­tel geschärft und die Wei­chen für einen nach­hal­ti­gen und kon­ti­nu­ier­li­chen Aus­bau des Gun­zen­häu­ser ÖPNV mit­ge­stellt. Zu Recht und völ­lig ver­dient wur­de ihm daher im Rah­men der Abschieds­fei­er der Titel „Ehren­rad­s­ver­kehrs­be­auf­trag­ter der Stadt Gun­zen­hau­sen“ ver­lie­hen.

„Mir war nie lang­wei­lig und vie­le Begeg­nun­gen haben mein Leben berei­chert. Ich bli­cke auf tol­le Mit­ar­bei­ter zurück mit denen ich zahl­rei­che Pro­jek­te umset­zen konn­te. Dar­auf dür­fen wir alle, darf ich stolz sein. Es war eine schö­ne und span­nen­de Auf­ga­be und nun freue ich mich auf den nächs­ten Lebens­ab­schnitt. Ich gehe mit einem guten Gefühl, auch weil ich weiß, dass ich mei­ne Ver­ant­wor­tung in gute, ver­trau­ens­vol­le Hän­de über­ge­be.“

Ers­ter Bür­ger­meis­ter Karl-Heinz Fitz bedank­te sich beim „Visio­när in Mobi­li­täts­fra­gen“ für die lang­jäh­ri­ge Zusam­men­ar­beit. „Du hast uns Allen Ori­en­tie­rung gege­ben und die Ver­wal­tung in den letz­ten Jah­ren deut­lich geprägt. Dei­ne beruf­li­che Bilanz ist beein­dru­ckend, du warst uns wich­ti­ger Rat­ge­ber und dei­ne Argu­men­te hat­ten immer Gewicht. Mir als Ers­ten Bür­ger­meis­ter warst du Kor­rek­tiv und Augen­maß zugleich. Du gehst als ein Freund, mit dem ich mich jeder­zeit auch zu schwie­ri­gen The­men bera­ten konn­te. Dan­ke dafür und ich wün­sche dir auf dei­nem künf­ti­gen Lebens­weg alles Gute!“

Auf sein „Ren­ten­da­sein“ freut sich Klaus Ste­phan, denn es war­ten „vier Enkel­kin­der, Schwim­men, Fahr­rad­fah­ren und Urlaubs­rei­sen mit dem Wohn­mo­bil“. So ganz las­sen kann er von sei­nem Ste­cken­pferd „Mobi­li­tät“ aller­dings nicht. So wird er ab Juli 2026 für ein paar Wochen­stun­den in der Mobi­li­täts- und Ver­kehrs-GmbH Geschäfts­füh­rer Ste­fan Dietz bei der Wei­ter­ent­wick­lung des städ­ti­schen ÖPNV tat­kräf­tig unter­stüt­zen.

Beerbt wird Klaus Ste­phan von Ste­fan Bränd­lein, der selbst bereits ein „alter Hase“ im Haupt­amt ist. Seit 2010 agiert er als Ste­phans Stell­ver­tre­ter und lei­te­te in die­ser Zeit u.a. das Gun­zen­häu­ser Ord­nungs­amt. 2023 wech­sel­te er als Sach­ge­biets­lei­ter in das damals neu geschaf­fe­ne Amt „Digi­ta­li­sie­rung, Mobi­li­tät, Wah­len und Bevöl­ke­rungs­schutz“. „Der Respekt vor die­sem wich­ti­gen Amt ist da und die Fuß­stap­fen sind groß. Ich wur­de jedoch gut ein­ge­ar­bei­tet und freue mich auf die Auf­ga­be. Klaus Ste­phan war nicht nur Vor­ge­setz­ter, son­dern ist Vor­bild und ein Freund. Wir hat­ten größ­tes Ver­trau­en zuein­an­der und selbst wenn wir inhalt­lich mal nicht auf einer Wel­len­län­ge lagen, so war der Aus­tausch immer kon­struk­tiv und vom Ziel defi­niert, das Bes­te für Gun­zen­hau­sen zu wol­len. Sein offe­nes Ohr und sein Fach­wis­sen wer­den der Ver­wal­tung feh­len.“

Viel Zeit für Sen­ti­men­ta­li­tä­ten bleibt natür­lich nicht, denn die nächs­ten Her­aus­for­de­run­gen ste­hen vor der Tür. So begann am 1. Mai eine neue Legis­la­tur­pe­ri­ode und ein neu­er Ers­ter Bür­ger­meis­ter trat sei­nen Dienst an. In der Stadt­ver­wal­tung muss dage­gen die Digi­ta­li­sie­rung vor­an­ge­trie­ben wer­den, der Bevöl­ke­rungs­schutz nimmt einen immer grö­ße­ren Raum ein und das Rad­ver­kehrs­kon­zept wird nach und nach umge­setzt. „Als Haupt­amts­lei­ter ist immer viel zu tun, dazu wer­de ich von Klaus Ste­phan auch die Funk­ti­on als Rad­ver­kehrs­be­auf­trag­ter über­neh­men. Lang­wei­lig wird mir also sicher nicht und ich bin dank­bar, dass mein Ex-Chef immer ein offe­nes Ohr für mich haben wird“, so Ste­fan Bränd­lein.

Bild­un­ter­schrift: (v. l.): Bild­un­ter­schrift: Alt-Bür­ger­meis­ter Karl-Heinz Fitz, der aus­ge­schie­de­ne Haupt­amts­lei­ter Klaus Ste­phan, des­sen Nach­fol­ger Ste­fan Bränd­lein und der Ers­te Bür­ger­meis­ter Mat­thi­as Hörr. Foto: Stadt Gunzenhausen/Manuel Gros­ser