Enormer “Fleisch-Hunger” im Kreis Weißenburg-Gunzenhausen

von | 4. Februar 2025 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Jobs in der Fleisch­in­dus­trie: Im Kreis sind 360 Men­schen in der Bran­che beschäf­tigt

Vom Schnit­zel bis zur Sala­mi: 4.900 Ton­nen Fleisch lan­den im Kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen pro Jahr auf dem Tel­ler

NGG: „Fleisch­pro­duk­ti­on ist ‚Kno­chen­job‘ – Des­halb: Min­des­tens 14,50 Euro pro Stun­de“

(red). Vom Schwei­ne­ko­te­lett bis zum Hähn­chen­schnit­zel: Im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen wer­den pro Jahr rund 4.900 Ton­nen Fleisch geges­sen – rein sta­tis­tisch jeden­falls. Denn im Schnitt lag der Pro-Kopf-Ver­brauch von Fleisch bei zuletzt 51,6 Kilo im Jahr – und damit bei gut 140 Gramm am Tag. Dar­auf hat die Gewerk­schaft Nah­rung-Genuss-Gast­stät­ten hin­ge­wie­sen. Die NGG Nürn­berg-Fürth beruft sich dabei auf Zah­len des Bun­des­in­for­ma­ti­ons­zen­trums Land­wirt­schaft (BZL).

„Die Men­ge an Fleisch, die auf den Tel­ler kommt, wird weni­ger: Der Pro-Kopf-Ver­zehr geht seit Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich zurück. Trotz­dem bleibt Fleisch ein wich­ti­ges Grund­nah­rungs­mit­tel. Und dahin­ter steckt immer auch die Arbeit von Men­schen“, sagt Regi­na Schle­ser. Die Geschäfts­füh­re­rin der NGG Nürn­berg-Fürth lenkt damit den Blick auf die Fleisch­pro­duk­ti­on: Neben der Hal­tung der Tie­re sei auch deren Schlach­tung und die Fleisch­ver­ar­bei­tung ein „ent­schei­den­der Aspekt, den vie­le ger­ne aus­blen­den“, so Schle­ser.

Ein wich­ti­ger Punkt sei dabei der Lohn: „Es geht dar­um, was die Men­schen ver­die­nen, die dafür sor­gen, dass Filets, Sala­mi, Koch­schin­ken oder Leber­wurst auf den Tisch kom­men“, sagt Regi­na Schle­ser. Die Geschäfts­füh­re­rin der NGG Nürn­berg-Fürth kri­ti­siert, dass die Fleisch­in­dus­trie immer noch eine Nied­rig­lohn­bran­che ist.

„Wer Tie­re schlach­tet oder Grill­würs­te ver­packt, ver­dient selbst nur einen Hun­ger­lohn. Oft sogar nur den gesetz­li­chen Min­dest­lohn – aktu­ell also 12,82 Euro pro Stun­de. Nur wer Glück hat, liegt ein paar Cent drü­ber“, so Regi­na Schle­ser. Doch mit der „Arbeit zum abso­lu­ten Bil­lig­lohn“ müs­se jetzt Schluss sein. Des­halb for­dert die NGG Nürn­berg-Fürth min­des­tens 14,50 Euro pro Stun­de als Unter­gren­ze bei der Bezah­lung für die Bran­che.

Ins­ge­samt sind im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen nach Anga­ben der NGG aktu­ell rund 360 Men­schen in der Fleisch­in­dus­trie beschäf­tigt. Die Gewerk­schaft beruft sich dabei auf Anga­ben der Arbeits­agen­tur. Hin­ter der Fleisch­pro­duk­ti­on ste­cke eine har­te Arbeit: „Das ist ein Kno­chen­job. Allein beim Zer­le­gen von Schwei­ne­hälf­ten wuch­ten die Beschäf­tig­ten eine ton­nen­schwe­re Last am Tag: Eine Schwei­ne­keu­le wiegt zwi­schen 5 und 10 Kilo­gramm. Und in einer Schicht trägt ein Zer­le­ger mehr als 200 Mal Keu­len aufs Pro­duk­ti­ons­band“, erklärt Schle­ser.

Außer­dem mach­ten Hit­ze und Näs­se den Beschäf­tig­ten im Schlacht­be­trieb und bei der Fleisch­ver­ar­bei­tung zu schaf­fen. „Eben­so die Käl­te im Kühl­haus. Das ist eine Arbeit bei stän­dig kal­ten 2 bis 3 Grad“, so Regi­na Schle­ser. Auf Dau­er sei das für die Beschäf­tig­ten eine enor­me gesund­heit­li­che Belas­tung.

Auch des­halb sei es höchs­te Zeit, die Arbeit in der Fleisch­in­dus­trie „end­lich bes­ser zu bezah­len“. Die Gewerk­schaft NGG wer­de jetzt alles tun, um ein Lohn-Plus am Tarif­tisch durch­zu­set­zen: 14,50 Euro pro Stun­de soll der neue Min­dest­lohn der Bran­che sein. Die Tarif­ver­hand­lun­gen für die Fleisch­in­dus­trie star­ten Anfang Febru­ar (Hin­weis f.d. Red.: Don­ners­tag, 6. Febru­ar 2025).

Bild­un­ter­schrift: Bevor das Kote­lett in die Pfan­ne kommt: Die, die in der Fleisch­pro­duk­ti­on arbei­ten, sol­len bes­ser ver­die­nen – näm­lich min­des­tens 14,50 Euro pro Stun­de. Das for­dert die Gewerk­schaft NGG Nürn­berg-Fürth. Foto: NGG | Tobi­as Sei­fert