Fränkisches Gelbvieh — eine Rasse für Bauern in Franken

von | 25. März 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Alt­mühl­fran­ken (red). Das Frän­ki­sche Gelb­vieh stellt die Rin­der­ras­se dar, die wie kei­ne ande­re zu Fran­ken passt und einen hohen Bezug zu frän­ki­schen Regio­nen auf­weist. Die­se alte Rin­der­ras­se im Sin­ne der Bio­di­ver­si­tät dau­er­haft zu erhal­ten ist ange­sichts des Vor­mar­sches ande­rer, oft­mals ein­sei­tig auf Hoch­leis­tung gezüch­te­ter Rin­der­ras­sen eine vor­neh­me Auf­ga­be auch für Slow Food. Gemein­sam mit der Regio­nal­grup­pe Hohen­lo­he-Fran­ken hat Slow Food-Alt­mühl­fran­ken daher das Frän­ki­sche Gelb­vieh auf die inter­na­tio­na­le Arche-Lis­te bedroh­ter Ras­sen bzw. Sor­ten set­zen las­sen. Damit soll die Bedeu­tung die­ser Tra­di­ti­ons­ras­sen wie­der stär­ker in das Bewusst­sein auf­ge­schlos­se­ner Kon­su­men­ten gerückt wer­den. Wäh­rend es in Ober­bay­ern sehr erfolg­rei­che Bemü­hun­gen zur Erhal­tung des Mur­nau-Wer­den­fel­ser Rind oder in Würt­tem­berg des Lim­pur­ger Rinds gibt, ist vie­len Fran­ken die­se ursprüng­lich weit ver­brei­te­te Regio­nal­ras­se kaum noch bekannt.

Dabei spricht sehr viel für die Erhal­tung die­ser klas­si­schen Zwei­nut­zungs­ras­se. Mit sei­nem fein­fa­se­ri­gen, gut mar­mo­rier­ten Fleisch erzielt das Fran­ken­vieh einen her­vor­ra­gen­den Geschmack und steht z.B. der hoch­ge­lob­ten Fleisch­qua­li­tät des Pinz­gau­er Rinds aus dem Alpen­raum nicht nach. Bei der Milch­leis­tung wer­den zwar kei­ne Men­gen wie bei Hoch­leis­tungs­ras­sen, dafür aber her­vor­ra­gen­de Qua­li­tä­ten über die Milch­in­halts­stof­fe erzielt. Gleich­wohl fin­det sich die­ses urfrän­ki­sche Rind immer noch viel zu sel­ten auf einer Spei­se­kar­te der Gas­tro­no­mie und wird auch von Metz­ge­rei­en nur noch in Ein­zel­fäl­len geson­dert ange­bo­ten.

Tra­di­tio­nell war im deutsch­spra­chi­gen Raum Euro­pas die Zwei­nut­zungs­zucht weit ver­brei­tet. Dies fand ein sehr schnel­les Ende mit der aus den USA vor rund 70 Jah­ren über­nom­me­nen und auf Milch­er­zeu­gung spe­zia­li­sier­ten Ein­kreu­zung von Hol­stein-Schwarz­bun­te. Dadurch ent­stan­den sog. Ein­nut­zungs-Rin­der mit den Zucht­zie­len ent­we­der Fleisch oder Milch. Milch und Fleisch – über Jahr­hun­der­te ein gemein­sa­mes Ziel in der Rin­der­zucht ver­schwand. In der Fol­ge wur­den die Zwei­nut­zungs­ras­sen immer mehr ein­ge­engt und heu­te zäh­len nur noch weni­ge der Rin­der­ras­sen dazu, obwohl auch bei die­sen Ten­den­zen vor­han­den sind, in der Zucht mehr auf Fleisch oder Milch zu set­zen. Das Gelb­vieh, das Fleck­vieh oder das Braun­vieh zäh­len z.B. dazu. In der Fol­ge der Hoch­leis­tungs­zucht auf nur eine der Nut­zungs­rich­tung ent­steht aber ein sehr pro­ble­ma­ti­scher gene­ti­scher Fla­schen­hals, über den vie­le wert­vol­le Erb­gut-Anla­gen ver­lo­ren gehen. Immer mehr ihrer Fut­ter­grund­la­ge Wei­de ent­zo­gen, wer­den z.B. Kri­te­ri­en wie Lang­le­big­keit, Gesund­heit oder Pro­dukt­qua­li­tät in der Zucht ver­nach­läs­sigt und damit ver­drängt. Und lei­der wird auch immer häu­fi­ger bei den Zweit­nut­zungs­ras­sen die­ser ver­häng­nis­vol­le Weg beschrit­ten. Neben Grau­vieh und Pinz­gau­er auch bei unse­rem Frän­ki­schen Gelb­vieh.

Slow Food Alt­mühl­fran­ken möch­te daher wie­der stär­ker die auf Grün­land basier­te Grund­füt­te­rung unter Reduk­ti­on ener­gie- und eiweiß­kon­zen­trier­ter Fut­ter­mit­tel för­dern, wel­che an die jeweils regio­na­len Stand­or­te, aber auch an das Kli­ma und die zuneh­men­de Som­mer­tro­cken­heit bes­ser ange­passt ist. Daher müs­sen auch Fleisch und Milch in der Pro­duk­ti­on wie­der zusam­men­ge­führt wer­den, weil wir dann den Rin­dern das machen las­sen, was sie am bes­ten kön­nen. Sie wan­deln als Wie­der­käu­er Gras, Heu und legu­mi­no­sen­rei­che Zwi­schen­früch­te – die von den Men­schen als Nah­rungs­grund­la­ge nicht genutzt wer­den kön­nen – mit­hil­fe ihres mehr­kam­me­ri­gen Magen­sys­tems ‑in Milch und Fleisch um. Und wenn dies über eine Bewei­dung erfolgt, dann wird dadurch auch noch eine kli­ma­scho­nen­de Zusatz­leis­tung erbracht. Die­se robus­ten Drei­nut­zungs­rin­der neu­er Defi­ni­ti­on sind daher das anzu­stre­ben­de Zukunfts­ziel.

Daher sind Pro­jek­te wie das „Alt­mühl­ta­ler Wei­de­rind“ – bei dem auch noch die tier­wohl­ge­rech­te stress­freie Schlach­tung mit ein­be­zo­gen wird – gera­de für das Gelb­vieh eine sehr gute Opti­on. Aber auch das vom Gelb­vieh­zucht­ver­band ins Leben geru­fe­ne Pro­jekt einer rein­ras­si­gen Gelb­vieh-Käse­pro­duk­ti­on zäh­len zu den Maß­nah­men, mit denen die­se alte frän­ki­sche Tra­di­ti­ons­ras­se wie­der einen neu­en Stel­len­wert erhal­ten kann. Ganz abge­se­hen davon, dass die­se Ras­se auch durch das Bay­er. Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um und den Zucht­ver­band gezielt geför­dert wird.

Slow Food möch­te mit der geziel­ten Unter­stüt­zung sol­cher Mar­ke­ting­ak­tio­nen hel­fen, denn die weni­gen noch gehal­te­nen Zucht­tie­re kom­men im Raum Neustadt/Aisch bzw. in Spes­sart und Rhön sowie hier in Alt­mühl­fran­ken vor. Gera­de ein­mal zwei Dut­zend land­wirt­schaft­li­che Zucht-Betrie­be und 4 Metz­ge­rei­en bie­ten offen­siv in Fran­ken noch Frän­ki­sches Gelb­vieh an. Und bis­lang ledig­lich zwei Hof­kä­se­rei­en haben sich auf „Käse vom Gelb­vieh“ spe­zia­li­siert. Eini­ge ver­mark­ten es zwar, lei­der aber nur undif­fe­ren­ziert als Rind­fleisch. Aber auch mit dem Arche-Pro­jekt von Slow Food soll das Inter­es­se an die­ser alten und für unse­re Regi­on so prä­gen­den Rin­der­ras­se wie­der stär­ker geweckt wer­den.

Das Frän­ki­sche Gelb­vieh hat­te zu sei­ner Blü­te­zeit Ende der 1950er Jah­re ein­mal einen Bestand von 800.000 Rin­dern. Das waren damals immer­hin 7 % des Gesamt­rin­der­be­stands in Deutsch­land. Der star­ke Struk­tur­wan­del in den frän­ki­schen Acker­bau­ge­bie­ten und der Trend zu hohen Milch­leis­tun­gen, haben zu einem star­ken Rück­gang die­ser genüg­sa­men Ras­se geführt. Natio­nal wur­den im Jah­re 2021 noch etwa 8.500 Stück Gelb­vieh und in Bay­ern 7.000 Tie­re gezählt. Und immer­hin ist die­ser Rück­gang jetzt erst­mals gestoppt wor­den, was Slow Food dazu moti­viert, sei­ne Wege zur Unter­stüt­zung die­ser urfrän­ki­schen Rin­der­ras­se wei­ter zu ver­stär­ken. „Es lohnt sich wie­der, in das Frän­ki­sche Gelb­vieh zu inves­tie­ren,“ kom­men­tier­te Die­ter Popp als Spre­cher von Slow Food Alt­mühl­fran­ken die­se Ent­wick­lung.

Slow Food ist eine welt­wei­te Bewe­gung, die sich für eine leben­di­ge und nach­hal­ti­ge Kul­tur des Essens und Trin­kens ein­setzt. Der Ver­ein tritt für die bio­lo­gi­sche Viel­falt ein, för­dert eine nach­hal­ti­ge und umwelt­freund­li­che Lebens­mit­tel­pro­duk­ti­on, betreibt Geschmacks­bil­dung und bringt Erzeu­ger von hand­werk­lich her­ge­stell­ten Lebens­mit­teln auf Ver­an­stal­tun­gen sowie durch Initia­ti­ven mit Ko-Pro­du­zen­ten (Ver­brau­chern) zusam­men.

Slow Food Deutsch­land wur­de 1992 gegrün­det und ist ein ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein mit Sitz in Ber­lin. Die Slow Food Bewe­gung zählt in Deutsch­land etwa 18.000 Mit­glie­der in über 85 Con­vi­vi­en (loka­le Gruppen),weltweit enga­gie­ren sich mehr als 160.000 Men­schen in über 160 Län­dern (www.slowfood.de).

Slow Food Alt­mühl­fran­ken wur­de 2012 gegrün­det und wid­met sich dem Bewusst­sein für die vor Ort noch vor­han­de­nen bäu­er­li­chen Erzeu­ger sowie das Lebens­mit­tel ver­ar­bei­ten­de Hand­werk. Eine hohe Dich­te selbst schlach­ten­der Metz­ge­rei­en, eine Viel­zahl an Müh­len und noch selbst backen­de Bäcke­rei­en oder die 13 hand­werk­li­chen Braue­rei­en zeu­gen von die­ser Qua­li­tät sowie einer hohen regio­na­len Wert­schöp­fung, die es zu erhal­ten gilt. Damit all die­se Pro­duk­te eine erleb­ba­re Büh­ne erhal­ten und um zu unter­strei­chen, dass sie ihren Preis wert sind, bemüht sich Slow Food um die Siche­rung die­ser Lebens­qua­li­tät.

Bild­un­ter­schrift:  Das frän­ki­sche Gelb­vieh ist eine bedroh­te Rin­der­ras­se. Foto: Slow Food