„Geistliche Herzkammer des Bistums“: Eichstätter Dom wiedereröffnet

von | 27. Oktober 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Eich­stätt (red). Mit einem fei­er­li­chen Got­tes­dienst und einem Begeg­nungs­fest hat das Bis­tum Eich­stätt am Kirch­weih­sonn­tag, 20. Okto­ber, die Wie­der­eröff­nung sei­ner Kathe­dra­le gefei­ert. Das Got­tes­haus ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren umfas­send saniert wor­den. Der Dom muss eine „geist­li­che Herz­kam­mer für das Bis­tum sein“, sag­te Bischof Gre­gor Maria Han­ke bei der Eröff­nungs­fei­er.

Schon die Eich­stät­ter Schutz­en­gel­kir­che konn­te die Men­schen kaum fas­sen, die heu­er am Kirch­weih­sonn­tag zur Pro­zes­si­on kamen, die zur Fei­er der Wie­der­eröff­nung des sanier­ten Doms füh­ren soll­te. Am 1. März 2020 war die Dom­ge­mein­de hier­her gezo­gen, weil die Bischofs­kir­che für Sanie­rungs­ar­bei­ten kom­plett geschlos­sen wur­de.

Die ange­spann­te Vor­freu­de ist an die­sem Mor­gen allen anzu­mer­ken, als Dom­de­kan Mon­si­gno­re Dr. Ste­fan Kil­ler­mann Bischof Gre­gor Maria Han­ke bit­tet, die Fest­ge­mein­de, beglei­tet von Fah­nen­ab­ord­nun­gen und der Stadt­ka­pel­le, zum Haupt­por­tal des Doms zu füh­ren. Dort ange­kom­men klopft der Bischof mit sei­nem Stab an das Kir­chen­por­tal, er zeich­net damit ein Kreuz auf die Schwel­le und erbit­tet den Segen für alle, die sie über­schrei­ten wer­den. Dann zieht die Pro­zes­si­on nach über vier­ein­halb Jah­ren erst­mals wie­der in die fer­tig sanier­te Kir­che ein: den Minis­tran­ten fol­gen die Alum­nen des Pries­ter­se­mi­nars, die Bewoh­ner des Col­le­gi­um Ori­en­ta­le, Gra­bes­rit­ter, Dia­ko­ne, Pries­ter und das Dom­ka­pi­tel. Ihnen schlie­ßen sich die Gläu­bi­gen aus nah und fern an.

Der Dom füllt sich ste­tig, sehr bald sind alle Bän­ke und die zusätz­li­che Bestuh­lung besetzt, man­cher sucht auf Stu­fen, in Sei­ten­ka­pel­len, einen Platz zu ergat­tern, man­che ste­hen, wer­den sich mit ihrem sit­zen­den Nach­barn abwech­seln, mit dem sie auch das Lied­heft tei­len. Eine hal­be Stun­de bevor der Got­tes­dienst im Dom — und zeit­gleich im Inter­net gestreamt — beginnt, geht nichts mehr: das Haus ist voll. Unter­des­sen hat das musi­ka­li­sche Vor­pro­gramm begon­nen, fünf an unter­schied­li­chen Orten des Doms posi­tio­nier­te Chö­re, zwei Instru­men­tal­ensem­bles und der Dom­or­ga­nist bie­ten unter der musi­ka­li­schen Gesamt­lei­tung von Dom­ka­pell­meis­ter Man­fred Faig die musi­ka­li­sche Ein­stim­mung und Hin­füh­rung auf die Lit­ur­gie. Nach der nament­li­chen Begrü­ßung der Ehren­gäs­te, unter ihnen Her­zog Max und Her­zo­gin Eli­sa­beth in Bay­ern, Bun­des­tags- und Land­tags­ab­ge­ord­ne­te und wei­te­re Per­sön­lich­kei­ten des öffent­li­chen und kirch­li­chen Lebens, bit­tet Dom­de­kan Kil­ler­mann den Bischof, „die hei­li­ge Fei­er zu eröff­nen“. Der Pon­ti­fi­kal­got­tes­dienst, der dann folgt, ist in eini­gen Punk­ten unge­wohnt und erfri­schend anders. Zum Tauf­ge­dächt­nis, das am Tauf­stein statt­fin­den soll, der im Zug der Sanie­rung sei­nen neu­en Platz mit­ten im Haupt­schiff gefun­den hat, lädt Bischof Han­ke alle Kin­der ein. Dort wird auch die Dom­ker­ze ent­zün­det, die nach dem all­ge­mei­nen Tauf­be­kennt­nis zum neu­en Oster­leuch­ter unter dem Bogen des Hoch­chors gebracht wird. Zum Vater­un­ser bil­den die Kin­der, die vom sepa­ra­ten Kin­der­got­tes­dienst zurück in den Dom gekom­men sind, einen Kreis um den Zele­bra­ti­ons­al­tar.

„Zeug­nis des Glau­bens und Stät­te der Hoff­nung“

„Schön ist er gewor­den, unser Dom“ — das waren die ers­ten spon­ta­nen Wor­te des Bischofs nach dem fei­er­li­chen Ein­zug in die Kathe­dra­le. In sei­ner Pre­digt schau­te der Ober­hir­te dann zunächst auf den Dom als „Zeug­nis in Stein für unse­ren Glau­bens­weg“. Er erin­ner­te an den Bis­tums­grün­der Wil­li­bald, die Vor­gän­ger­bau­ten des heu­ti­gen Doms, an den Auf­bau und Wan­del der Regi­on: „Unser Dom steht seit jeher für den Ursprung unse­res Glau­bens und für unse­re Zukunft aus dem Glau­ben“. Er sol­le „ers­te und vor­nehms­te Stät­te der Hoff­nung“ sein, denn die­se Hoff­nung sei heil­sam „ange­sichts gesell­schaft­lich-kol­lek­ti­ver Erschöp­fungs­syn­dro­me und resi­gna­ti­ver Ein­stel­lun­gen in man­chen kirch­li­chen Krei­sen unse­res Lan­des“. Der Dom als Bischofs­kir­che muss „gleich­sam geist­li­che Herz­kam­mer für das Bis­tum sein“, sag­te der Bischof. Wie damals bei Wil­li­bald sol­le auch heu­te von die­ser Stät­te aus „die Bot­schaft von der erlö­sen­den Lie­be Got­tes aus­strah­len“. Wenn aus der stei­ner­nen Kir­che „eine Kir­che aus Men­schen­her­zen“ wach­se, ent­ste­he „Wohn­raum Got­tes in der Welt“, so Han­ke. Nach Been­di­gung der Bau­ar­bei­ten am Dom sol­le nun ein jeder Sor­ge tra­gen „für die Bau­stel­len, die „dem Woh­nen Got­tes in uns und unse­rem Bis­tum die­nen“. Der Bischof wört­lich: „Stel­len wir die Gerüs­te unse­rer Gebe­te, der Pas­to­ral, unse­rer per­sön­li­chen Hin­ga­be auf, um dem Herrn die Wohn­statt zu errich­ten. Damit geben wir der Hoff­nung unter uns Zukunft“.

Bevor das Fest auf dem Dom­platz begin­nen konn­te, zu dem die Pfarr­ge­mein­de­rats­vor­sit­zen­de der Dom­pfar­rei, Son­ja Lang, ein­lud, waren noch Gruß­wor­te zu hören. Für den Frei­staat gra­tu­lier­te der stell­ver­tre­ten­de Lei­ter des Staat­li­chen Bau­amts Ingol­stadt, Tho­mas Sendt­ner, und dank­te ins­be­son­de­re den zustän­di­gen Abtei­lun­gen im Bischöf­li­chen Ordi­na­ri­at für die all­zeit rei­bungs­lo­se Zusam­men­ar­beit bei der Sanie­rung. Der Eich­stät­ter Land­rat Alex­an­der Anets­ber­ger füg­te sei­ner Gra­tu­la­ti­on einen beson­de­ren Wunsch an, den mög­lichst vie­le der Anwe­sen­den mit ihm tei­len mögen: Er hof­fe, dass in der Kir­che, die gegen­wär­tig als Gan­zes den Ein­druck einer Bau­stel­le mache, „zukünf­tig wie­der Vie­le eine Hei­mat fin­den“.

Bild­un­ter­schrift: Zur Tauf­er­neue­rung ver­sam­mel­te Bischof Gre­gor Maria Han­ke die Kin­der um den neu plat­zier­ten Tauf­stein im Dom. Foto: Bene­dikt Gradl/pde

Mit sei­nem Stab klopft der Bischof an die Pfor­te des Doms und gibt das Zei­chen zur Öff­nung des sanier­ten Got­tes­hau­ses. Foto: Bene­dikt Gradl/pde

Bild 3:

Mit einer gro­ßen Pro­zes­si­on von der Schutz­en­gel­kir­che aus begann der Fest­tag zur Wie­der­eröff­nung des Eich­stät­ter Doms. Foto: Bene­dikt Gradl/pde