Gelebter Artenschutz: Zaunbau am Schafberg schützt die Berghexe

von | 29. Juni 2025 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Pleinfeld, Treuchtlingen, Weißenburg

Alt­mühl­fran­ken (red). Am Schaf­berg in Hei­den­heim im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen fin­det man das ein­zi­ge sta­bi­le­re Vor­kom­men einer stark vom Aus­ster­ben bedroh­ten Tag­fal­ter­art – der Berg­he­xe. Dem Frei­staat Bay­ern und spe­zi­ell dem Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen kommt daher eine beson­de­re Schutz-Ver­ant­wor­tung zu. Um die­ser nach­zu­kom­men und um den Lebens­raum der sel­ten gewor­de­nen Schmet­ter­lings­art zu schüt­zen, wur­de kürz­lich ein fes­ter Wei­de­zaun auf Gemein­de­grund errich­tet. Auch ande­re Arten pro­fi­tie­ren von der spe­zi­el­len Bewei­dungs­form.

Der Fest­zaun erleich­tert der ansäs­si­gen Schä­fe­rei die Arbeit, indem das Auf- und Abbau­en von mobi­len Wei­de­zäu­nen bereichs­wei­se ent­fällt. Bei­de Zaun­ab­schnit­te ver­fü­gen über jeweils ein Zaun­tor, wodurch Wan­de­rer die Wege wei­ter­hin unein­ge­schränkt nut­zen kön­nen. Durch die kul­tur­his­to­ri­sche Wei­de­nut­zung pro­fi­tiert das Land­schafts­bild, aber eben auch die Berg­he­xe. Die Pla­nung für das Bewei­dungs­pro­jekt hat der Land­schafts­pfle­ge­ver­band Mit­tel­fran­ken über­nom­men.

Die Berg­he­xe ist in ganz Mit­tel­eu­ro­pa nur noch punk­tu­ell vor­han­den. Der eher gut getarn­te Schmet­ter­ling war noch bis in die 1970er Jah­re an eini­gen Orten Nord­bay­erns anzu­tref­fen, ist heu­te aber auf vier klei­ne Vor­kom­men in ganz Bay­ern beschränkt. Drei die­ser vier Popu­la­tio­nen ste­hen kurz vor dem Erlö­schen. Am Schaf­berg in Hei­den­heim fin­det man dage­gen noch eine star­ke Popu­la­ti­on, was das Gebiet zu einem ein­zig­ar­ti­gen Juwel in ganz Süd­deutsch­land macht.

Die Haupt­ur­sa­che für den Rück­gang der Berg­he­xe ist der Ver­lust geeig­ne­ter Lebens­räu­me. Sie ist auf son­ni­ge, flach­grün­di­ge Tro­cken­ra­sen mit einem hohen Anteil an Stei­nen und Geröll ange­wie­sen. Sol­che Böden waren auf­grund jahr­hun­der­te­lang ver­brei­te­ter Hüte­schä­fe­rei auf dem Hah­nen­kamm und der Fran­ken­alb einst ver­brei­tet. Ver­än­der­te Land­nut­zung und ein erhöh­ter Stick­stoff­ein­trag aus der Luft füh­ren zuneh­mend zu einer Ver­bu­schung und Ver­gra­sung die­ser tra­di­ti­ons­rei­chen Kul­tur­land­schaf­ten auf dem Fran­ken­ju­ra. Die Kalk­ma­ger- und Tro­cken­ra­sen bie­ten nicht nur der Berg­he­xe, son­dern auch einer Viel­zahl ande­rer spe­zia­li­sier­ter Arten eine Hei­mat. Hier­zu gehö­ren sel­te­ne Orchi­deen oder auch die Blau­flü­ge­li­ge Ödland­schre­cke.

Umtriebs­wei­de sorgt für viel­fäl­ti­gen Arten­schutz

In Hei­den­heim kommt zum Erhalt des Vor­kom­mens eine beson­de­re Wei­de­tech­nik zum Ein­satz: die Umtriebs­wei­de. Dabei wird der gesam­te Hang in drei Par­zel­len auf­ge­teilt, die nach­ein­an­der mit einer klei­nen Grup­pe von Scha­fen und Zie­gen für jeweils ca. drei Wochen bewei­det wer­den. Im Ver­lauf eines Jah­res kann der Schä­fer so meist drei Umläu­fe durch­füh­ren. Die­se Vor­ge­hens­wei­se erzeugt auf der jewei­li­gen Flä­che die erfor­der­li­che Wei­dein­ten­si­tät, schafft aber gleich­zei­tig Raum und Zeit auf den jeweils nicht bewei­de­ten zwei Par­zel­len für die Ent­wick­lung ande­rer Arten. So kom­men auf dem Hang – zusam­men mit der Berg­he­xe – die Pflan­zen Bie­nen­rag­wurz und Küchen­schel­le in grö­ße­rer Anzahl vor. Dar­über hin­aus ist der gesam­te Hang mit Thy­mi­an und Sten­gel­lo­ser Kratz­dis­tel bewach­sen und bie­tet damit ein gro­ßes Ange­bot an Nek­tar für eine Viel­zahl von Insek­ten. Der Vor­teil die­ser beson­de­ren Wei­de­tech­nik wird durch die par­zel­lier­te Zäu­nung erreicht, was aller­dings einen enor­men Auf­wand für die Schä­fer bedeu­tet. Durch den fes­ten Wei­de­zaun, der nun auf­ge­stellt wur­de, ist die Umset­zung der beson­de­ren Wei­de­tech­nik ein­fa­cher und der Arten­schutz effek­ti­ver.

Die Berg­he­xe ist ein Indi­ka­tor für den Zustand der Tro­cken­le­bens­räu­me Mit­tel­eu­ro­pas. Ihr Schutz erfor­dert einen lang­fris­ti­gen Erhalt der his­to­risch gewach­se­nen mage­ren Wei­de­flä­chen, die auch vie­le ande­re beson­de­re Tier- und Pflan­zen­ar­ten beher­bergt. „Die Unter­stüt­zung der Bewei­dung am Schaf­berg schützt nicht nur eine jahr­hun­der­te­al­te Kul­tur­land­schaft, son­dern trägt auch zum Erhalt der Bio­di­ver­si­tät bei. Wir leis­ten als Land­kreis mit der Finan­zie­rung und Errich­tung des Wei­de-Fest­zauns einen wert­vol­len Bei­trag zum Arten­schutz“, ergänzt Land­rat Manu­el West­phal. Und auch die Hei­den­hei­mer Bür­ger­meis­te­rin Susan­ne Fel­ler ist sich sicher: „Die Maß­nah­me sichert auch das Land­schafts­bild unse­rer reiz­vol­len und belieb­ten Hah­nen­kamm­hän­ge.“

Bild­un­ter­schrift: Gemein­sa­mer Vor-Ort-Ter­min bei der Bewei­dungs­flä­che am Schaf­berg (v.li.): Land­rat Manu­el West­phal, Bernd Heu­mann (Schä­fer), Dani­el Gru­ber (LPV), Helen Syl­vest­re (UNB), Bür­ger­meis­te­rin Susan­ne Fel­ler, Hr. Stau­ber (KS Land­Ser­vice), Adam Gey­er (Gebiets­be­treu­er Berg­he­xe), Hr. Meis­ner (KS Land­Ser­vice). Foto: Land­rats­amt Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen / Ramo­na Her­zog