Gemeinde Raitenbuch setzt ökologisches Leuchtturmprojekt um

von | 2. Juni 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

(red). Im Anfang stand eine not­wen­di­ge Ver­kehrs­si­che­rungs­maß­nah­me, zum Schutz der Kreis­stra­ße. Am Schluss ent­stand eine ein­zig­ar­ti­ge, über­re­gio­na­le Vor­zei­ge­flä­che im Gemein­de­wald, in Koope­ra­ti­on mit vie­len Part­nern.

Im Rah­men eines Ver­kehrs­si­che­rungs­be­gangs stell­te der, für den Gemein­de­wald Rai­ten­buch, zustän­di­ge Förs­ter einen Hand­lungs­be­darf fest. Um die Kreis­stra­ße zwi­schen Reuth am Wald und Bech­thal vor umstür­zen­den oder abbre­chen­den Bäu­men zu schüt­zen war es nötig im Herbst/Winder 2021 etli­che Bäu­me zu fäl­len.

Da es sich beim dem Wald­strei­fen nicht um einen der weit ver­brei­te­ten Nadel­holz­wäl­der, son­dern um einen eher sel­te­nen Buchen-Eichen­wald han­delt, war hier zusätz­lich Vor­sicht gebo­ten. Forst­re­vier­lei­ter Manu­el Lude­wig, vom Amt für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Fors­ten, infor­mier­te des­we­gen wei­te­re Part­ner, um das Vor­ge­hen zu bespre­chen.

Bei einem Vor-Ort-Ter­min mit der Höhe­ren Natur­schutz­be­hör­de (Regie­rung von Mit­tel­fran­ken) und der Fach­stel­le Wald­na­tur­schutz (Baye­ri­schen Forst­ver­wal­tung) wur­de die Durch­füh­rung der Ver­kehrs­si­che­rungs­maß­nah­me und das wei­te­re Vor­ge­hen, aus ver­schie­de­nen Blick­win­keln betrach­tet, dis­ku­tiert und nach einer Lösung gesucht.

Ziel war es die not­wen­di­ge Ver­kehrs­si­che­rung her­zu­stel­len und durch die­sen Ein­griff gleich­zei­tig die Vor­bild­funk­ti­on der Gemein­de zu stär­ken. Nach Abspra­che mit dem Ers­ten Bür­ger­meis­ter Joa­chim Wege­rer und der zwei­ten Bür­ger­meis­te­rin Gabrie­le Stark war die Rich­tung klar. Unter dem Begriff mul­ti­funk­tio­na­le, nach­hal­ti­ge Wald­be­wirt­schaf­tung soll­ten mög­lichst vie­le Wald­funk­tio­nen erfüllt wer­den und alle Inter­es­sens­grup­pen bedient wer­den.

Nach Ertei­lung einer arten­schutz­recht­li­chen Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung für die Baum­fäl­lung, durch die Regie­rung von Mit­tel­fran­ken, und der Ein­ho­lung einer Ver­kehrs­recht­li­chen Anord­nung ging es dann an die Durch­füh­rung. Die Stra­ße wur­de von Mit­ar­bei­tern des Kreis­bau­hofs gesperrt und der Forst­un­ter­neh­mer Jür­gen Schmidt, aus Rai­ten­buch, fäll­te die tech­nisch anspruchs­vol­len Bäu­me. Um eine Gefähr­dung für Fle­der­mäu­se aus­zu­schlie­ßen über­wach­te Mar­kus Bach­mann, Büro für Arten­schutz­gut­ach­ten, die Arbei­ten und gab neben­bei wert­vol­le Tipps für die wei­te­re Ent­wick­lung des Wald­stücks.

Nach erfolg­rei­chem Abschluss der Baum­fäl­lung begann nun im Jahr 2022 die span­nends­te Pha­se des Pro­jekts. Der Anspruch für Förs­ter und Gemein­de war kein gerin­ge­rer als die ver­schie­de­nen Inter­es­sen Bau­holz, Brenn­holz und die bio­lo­gi­sche Viel­falt glei­cher­ma­ßen zu bedie­nen. Die­ser Kom­pro­miss, der moder­nen Wald­be­wirt­schaf­tung, sorg­te nicht ganz uner­war­tet für hef­ti­ge Dis­kus­sio­nen in der Bevöl­ke­rung.

Im End­ef­fekt konn­ten dann unter dem Über­be­griff „Holz der kur­zen Wege“ die ört­li­chen Bau­holz­käu­fer, wie eine Schrei­ne­rei bedient wer­den. Aber auch die Brenn­holz­selbst­wer­ber beka­men gutes Laub­brenn­holz mit gerin­ger Trans­port­ent­fer­nung.

Ein beson­de­res Anlie­gen, bei die­sem Pro­jekt, war die bio­lo­gi­sche Viel­falt. Manu­el Lude­wig (Baye­ri­sche Forst­ver­wal­tung, AELF) über das Wald­stück: „Die Gemein­de Rai­ten­buch besitzt ein außer­ge­wöhn­li­ches Wald­stück, das durch weni­ge Maß­nah­men noch struk­tur- und arten­rei­cher gestal­tet wer­den kann.“ Umge­setzt wur­de die­ser Teil einer­seits durch das Lie­gen­las­sen von Tot­holz. Dicke und dün­ne Stäm­me, lie­gen­de Baum­kro­nen, ver­schie­de­ne Baum­ar­ten, beschat­tet und besonnt. Ande­rer­seits durch die Auf­lo­cke­rung des Wald­ran­des. Hier sind geschlos­se­ne Berei­che im Wech­sel mit auf­ge­lo­cker­ten, buch­ti­gen Säu­men ent­stan­den, aber auch alte Eichen, die nun ein­zeln ste­hen und zuvor ein­ge­klemmt waren. Durch das Auf­hän­gen von Vogel­nist- und Fle­der­maus­käs­ten, an Flug­schnei­sen, konn­ten wei­ten Struk­tu­ren geschaf­fen wer­den.

Die­se enor­me Viel­falt ermög­licht es nun zahl­rei­chen Tier‑, Insek­ten und Pflan­zen­ar­ten einen neu­en Lebens­raum zu fin­den und sich wei­ter aus­zu­brei­ten. Von Tot­holz geht in der Regel auch kei­ne Gefahr für die Gesund­heit der Wäl­der aus, viel­mehr ist es Wohn­stät­te ver­schie­de­ner Arten, die hel­fen Mas­sen­ver­meh­run­gen von schäd­li­chen Insek­ten zu ver­min­dern. Nicht uner­wähnt blei­ben soll­te auch das Was­ser­spei­cher­ver­mö­gen von Tot­holz in tro­cke­nen Zei­ten.

Abge­schlos­sen wur­de das Groß­pro­jekt, auf den knapp 4 Hekt­ar Wald, im Früh­jahr 2023 mit der Bean­tra­gung einer För­de­rung über das Ver­trags­na­tur­schutz­pro­gramm Wald. Hier rech­net die Gemein­de mit einer För­de­rung für das lie­gen­de Tot­holz und etli­chen wei­te­ren Bäu­men, die bei­spiels­wei­se Specht­höh­len auf­wei­sen.

Förs­ter Lude­wig: „Durch die­se anspruchs­vol­le Maß­nah­me ist es gelun­gen die Ver­kehrs­si­che­rung, die Nach­fra­ge nach Holz und die Ver­bes­se­rung der bio­lo­gi­schen Viel­falt zu rea­li­sie­ren. Gleich­zei­tig konn­te die Gemein­de durch den Holz­ver­kauf und die aus­ste­hen­de För­de­rung eine gute Ein­nah­me erzie­len.“

Bild­un­ter­schrift: (v.l.): Ers­ter Bür­ger­meis­ter Joa­chim Wege­rer, und sei­ne Stell­ver­tre­te­rin Gabrie­le Stark mit Manu­el Lude­wig, dem zustän­di­gen Förs­ter. Foto: Amt für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Fors­ten Roth-Wei­ßen­burg