Gewürz- und Heilkräuter aus dem Garten

von | 28. August 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Mün­chen (red). Der Herbst steht vor der Tür und damit auch die Erkäl­tungs­zeit. Wer in sei­nem Gar­ten Heil- und Gewürz­kräu­ter anpflanzt, ist gut vor­be­rei­tet: Pflan­zen wie Sal­bei, Thy­mi­an, Kamil­le oder Rin­gel­blu­me kön­nen leich­te Beschwer­den lin­dern. „Schon seit Jahr­hun­der­ten nut­zen Gelehr­te und Geist­li­che wie Hip­po­kra­tes, Para­cel­sus, Hil­de­gard von Bin­gen oder Sebas­ti­an Kneipp Kräu­ter als Heil­mit­tel“, berich­tet Dr. Lutz Popp, stell­ver­tre­ten­der Geschäfts­füh­rer des Baye­ri­schen Lan­des­ver­ban­des für Gar­ten­bau und Lan­des­pfle­ge e. V. (BLGL). Dar­aus ent­stand die Pflan­zen­heil­kun­de (Phy­to­the­ra­pie) als eine der ältes­ten medi­zi­ni­schen The­ra­pien. An die­se Tra­di­ti­on kön­nen Gartler:innen anknüp­fen und ihren Gar­ten in eine Natur­apo­the­ke ver­wan­deln. Und: Heil- und Gewürz­kräu­ter hel­fen nicht nur dem Men­schen, sie bie­ten auch zahl­rei­chen Insek­ten Nah­rung – ganz neben­bei schme­cken sie auch noch gut, duf­ten herr­lich und sehen ein­fach schön aus. Dr. Popp gibt im fol­gen­den Text Tipps zum Anpflan­zen und Anwen­den gesund­heits­för­dern­der Kräu­ter.

Heil­kräu­ter anbau­en

Ein­fach wohl­tu­end – so kann man die Kul­tur von Heil­kräu­tern im eige­nen Gar­ten zusam­men­fas­sen. Die meis­ten Kräu­ter las­sen sich – kos­ten­güns­tig – aus Samen zie­hen, die ein­fach im Früh­jahr direkt aus­ge­sät wer­den kön­nen. Spä­te­res Ver­meh­ren über Steck­lin­ge gelingt von Mai bis Juli. Was den Boden betrifft, sind Heil­kräu­ter über­wie­gend anspruchs­los und wach­sen in einem san­di­gen, nähr­stoff­ar­men, kalk­hal­ti­gen Boden. Auch die Fra­ge des Stand­orts lässt sich leicht beant­wor­ten: Heil­kräu­ter gedei­hen eigent­lich über­all. „Heil- und Gewürz­kräu­ter kön­nen in Bee­te, Kräu­ter­spi­ra­len, Scha­len, Bal­kon­käs­ten oder Töp­fe gepflanzt wer­den“, berich­tet Dr. Popp. Und ergänzt: „Die Pflan­zen kön­nen sehr gut als Misch­kul­tur ein­ge­setzt wer­den, das heißt, zwi­schen Gemü­se, aber auch ins Stau­den­beet.“ Medi­ter­ra­ne Kräu­ter bevor­zu­gen – qua Her­kunft – natür­lich son­ni­ge und geschütz­te Plät­ze. Sie kön­nen gut in einem Topf im Haus über­win­tern, an einem hel­len, nicht zu war­men Ort und wenig gegos­sen. Min­ze und Melis­se sind hin­ge­gen win­ter­fest und bevor­zu­gen son­ni­ge bis halb­schat­ti­ge Stand­or­te sowie mäßig feuch­te bis feuch­te Böden.

Ern­te und Pfle­ge

Regel­mä­ßi­ge Ern­te hält Kräu­ter­pflan­zen in Form und för­dert das Wachs­tum. Strau­chi­ge Kräu­ter wie Sal­bei oder Laven­del soll­ten ein- bis zwei­mal pro Jahr gestutzt wer­den – im Früh­jahr und nach der Blü­te. „Bei Kräu­tern wie Basi­li­kum, Estra­gon, Lieb­stö­ckel, Peter­si­lie, oder Schnitt­lauch soll­ten die Blü­ten immer ent­fernt wer­den, da sich mit der Blü­ten­bil­dung der Geschmack der Blät­ter ver­än­dert“, rät Dr. Popp. Bei Pflan­zen, von denen dage­gen die Blü­ten ver­wen­det wer­den, kann die Blü­te­zeit ver­län­gert wer­den, indem man die ver­blüh­ten Blü­ten ent­fernt. Das sind zum Bei­spiel Bor­retsch, Kapu­zi­ner­kres­se und Rin­gel­blu­me.

Der bes­te Zeit­punkt für die Ern­te ist der spä­te Vor­mit­tag, wenn der Tau getrock­net ist und die Kon­zen­tra­ti­on der äthe­ri­schen Öle am höchs­ten ist. Die Kräu­ter soll­ten tro­cken sein, das heißt, es soll­te idea­ler­wei­se zwei bis drei Tage vor­her nicht gereg­net haben. Blü­ten soll­ten kurz vor der Ent­fal­tung am Mor­gen gesam­melt und mit der Hand vor­sich­tig abge­zupft wer­den. Bei Blät­tern und Stän­geln nur das obe­re Drit­tel der Pflan­ze ern­ten, wei­ter unten sind die Tei­le eher fase­rig und ver­holzt. Zum Sam­meln einen luf­ti­gen Korb ver­wen­den und mög­lichst frisch ver­ar­bei­ten, ein­frie­ren oder trock­nen.

Anwen­dung von Heil­kräu­tern

„Kräu­ter“ sind Nutz­pflan­zen, die kuli­na­ri­sche und medi­zi­ni­sche Eigen­schaf­ten besit­zen. Sie sind idea­le Vit­amin- und Mine­ral­stoff­lie­fe­ran­ten. Zu den wich­tigs­ten Inhalts­stof­fen gehö­ren äthe­ri­sche Öle, Bit­ter­stof­fe, Gerb­stof­fe, Schleim­stof­fe, Sapo­nine, Gly­ko­si­de, Alka­lo­ide und Chlo­ro­phyll. In Küche und Heil­mit­tel­kun­de wer­den ihre Wur­zeln, Blät­ter, Blü­ten, Früch­te und/oder Samen ver­wen­det.

Grund­sätz­lich gilt: Haus­mit­tel soll­ten nicht dau­er­haft, in zu hohen Dosen oder bei schwe­ren Erkran­kun­gen ver­wen­det wer­den. In die­sen Fäl­len soll­te ein Arzt auf­ge­sucht wer­den. Die heil­sa­me Wir­kung beruht in ers­ter Linie auf den äthe­ri­schen Ölen der Kräu­ter. Die­se kön­nen etwa in Form von hei­ßen Auf­güs­sen (= Tee), alko­ho­li­schen Aus­zü­gen oder durch die Ver­wen­dung von Fet­ten aus den Pflan­zen­be­stand­tei­len gelöst wer­den.

Abwar­ten und Tee trin­ken

Bei den ers­ten Erkäl­tungs­zei­chen lohnt sich ein Kräu­ter­tee. Dazu pro Tas­se einen Tee­löf­fel Kraut der Wahl mit hei­ßem Was­ser auf­gie­ßen und fünf bis zehn Minu­ten zie­hen las­sen. Thy­mi­an wirkt anti­bak­te­ri­ell und schleim­lö­send. Wie Sal­bei kann er Hus­ten lin­dern und hilft bei Ent­zün­dun­gen in Mund und Rachen. Hus­ten- und Hals­tees kön­nen heiß getrun­ken oder abge­kühlt zum Gur­geln ver­wen­det wer­den. Auch Min­ze wirkt bei Erkran­kun­gen der Atem­we­ge. Ein Tee hilft aber auch gegen Übel­keit und Blä­hun­gen. Bei Magen-Darm-Beschwer­den hel­fen auch medi­ter­ra­ne Kräu­ter wie Sal­bei oder Ros­ma­rin. Die äthe­ri­schen Öle wir­ken beru­hi­gend und ver­dau­ungs­för­dernd. Nicht umsonst wird Ros­ma­rin in der Küche ger­ne für herz­haf­te Fleisch­ge­rich­te ver­wen­det. Bei Bla­sen­ent­zün­dun­gen kann ein Tee aus Brenn­nes­seln hel­fen, die eben nicht nur läs­ti­ges Unkraut sind.

Ruhe und Ent­span­nung

Ein bewähr­tes Mit­tel bei Erkäl­tungs­be­schwer­den und Win­ter­blues sind ent­span­nen­de Bäder. Herr­lich herb duf­tend eig­nen sich Laven­del­blü­ten für war­me Bäder, die beru­hi­gend und schlaf­för­dernd wir­ken (auch als Tee). Das gilt auch für die Blü­ten der ech­ten Kamil­le, eine der viel­sei­tigs­ten Heil­pflan­zen, die dar­über hin­aus auch bei Ent­zün­dun­gen, Bauch­schmer­zen und Haut­pro­ble­men hel­fen kann. Die Kamil­le kann als Bade­zu­satz, als Sal­be oder inner­lich als Tee ange­wen­det wer­den. Bei Win­ter­blues hat sich Johan­nis­kraut bewährt. Es wird unter ande­rem bei depres­si­ven Ver­stim­mun­gen, Stress und Schlaf­stö­run­gen ein­ge­setzt. Johan­nis­kraut kann eben­falls inner­lich als Tee oder äußer­lich in Form eines Öls ein­ge­setzt wer­den.

Öle und Sal­ben für Haut und Mus­keln

Die Rin­gel­blu­me ist mit ihren leuch­ten­den Blü­ten nicht nur ein ech­ter Blick­fang, eine Sal­be aus Rin­gel­blu­men wirkt anti­bak­te­ri­ell und för­dert die Wund­hei­lung der Haut. Dazu wer­den zwei Hand­voll fri­sche Blü­ten­blät­ter in etwa 500 Gramm zer­las­se­nes Fett – zum Bei­spiel Kokos­öl – gege­ben und etwa zwei bis drei Stun­den bei 60 Grad erwärmt. Alle zehn Minu­ten umrüh­ren, das Öl absie­ben und in klei­ne Glä­ser fül­len. Tipp: Ein Zweig Ros­ma­rin oder Laven­del ver­lei­hen der Sal­be einen ange­neh­men Duft.

Mehr Infor­ma­tio­nen gibt es unter: https://www.gartenbauvereine.org/

Foto: Baye­ri­scher Lan­des­ver­band für Gar­ten­bau und Lan­des­pfle­ge e. V.; Ado­be­Stock