Gunzenhäuser Konzertreihe – Die fantastischen Vier zum Auftakt

von | 22. Oktober 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Gun­zen­hau­sen (red). Qua­tu­or Arod – klingt erst­mal kryp­tisch, dürf­te aber zumin­dest Fan­ta­sy­freun­de irgend­wie bekannt vor­kom­men. Wir klä­ren auf: In Tol­ki­ens „Herr der Rin­ge“ ist Arod einer der behuf­ten Beglei­ter von Elbe Lego­las und Zwerg Gim­li, in der alten Spra­che der Rohir­rim bedeu­tet das Wort so viel wie „schnell“ oder „rasant“. Passt, denn schnell und rasant ging es auch am letz­ten Sonn­tag­abend auf der Stadt­hal­len­büh­ne zu. Da eröff­ne­te eben jenes Quar­tett Qua­tu­or Arod die 3. Gun­zen­häu­ser Kon­zert­rei­he. Vier gut gelaun­te Jungs mit Streich­in­stru­men­ten spiel­ten sich in die Her­zen eines erwar­tungs­fro­hen und begeis­te­rungs­fä­hi­gen Publi­kums. Zur Auf­klä­rung: Als Schutz­pa­tron ihrer musi­ka­li­schen Ver­bin­dung wähl­ten die fan­tas­ti­schen Vier eben jenes Pferd Arod. Ein lan­ges Gesicht mach­te an die­sem Abend jedoch nie­mand, gebo­ten wur­de eine per­fek­te Klas­sik­per­for­mance auf höchs­tem Niveau.

Jor­dan Vic­to­ria und Alex­and­re Vu, bei­de an der Vio­li­ne, dazu Tan­guy Par­isot mit der Vio­la und Jéré­my Gar­barg am Vio­lon­cel­lo – hoch­ta­len­tier­te Welt­bür­ger und zuhau­se auf den größ­ten und wich­tigs­ten Kon­zert­büh­nen, dar­un­ter New York, Lon­don und Ams­ter­dam. 2013 wur­de ihr Streich­quar­tett Qua­tu­or Arod gegrün­det, weni­ge Jah­re spä­ter hat­ten die Musi­ker bereits u.a. den Carl-Niel­sen-Wett­be­werb in Kopen­ha­gen und den Ers­ten Preis vom Inter­na­tio­na­len Musik­wett­be­werb der ARD gewon­nen. Mitt­ler­wei­le schmückt auch der „Echo Rising Star“ den hei­mi­schen Tro­phä­en­schrank, wei­te­re Prei­se sind defi­ni­tiv nicht aus­ge­schlos­sen und wer­den mög­li­cher­wei­se kom­men. Ent­spannt und gelas­sen erober­ten die sym­pa­thi­schen Musi­ker Gun­zen­hau­sen, ganz in schwarz geklei­det und mit einem Lächeln auf den Lip­pen wur­de auch der Letz­te in der Stadt­hal­le von der außer­ge­wöhn­li­chen Atmo­sphä­re ange­steckt.

Im ers­ten Teil des Kon­zerts haben sich Qua­tu­or Arod aus­ge­wähl­ten Streich­quar­tett-Kom­po­si­tio­nen von Haydn und Brahms gewid­met. Letz­te­rer quält Spie­len­de bekannt­lich mit schwie­ri­gen Läu­fen, gepaart mit kan­ti­gen Ton­wech­seln. Als Kon­glo­me­rat der ver­wun­sche­nen Töne bahn­te sich das Spiel jedoch einer Natur­ge­walt gleich den Weg in die Köp­fe und Her­zen der Zuhö­ren­den. Bis ins kleins­te Detail erfüll­ten die Strei­cher noch jede Erwar­tungs­hal­tung, atem­be­rau­ben­de Dra­ma­tik traf auf hys­te­ri­sche Höhe­punk­te, nur um immer wie­der sanft zur Auf­lö­sung zu kom­men. Qua­tu­or Arod zuzu­hö­ren ist Arbeit, doch die Ent­loh­nung ist über­ra­gend.

High­light des Abends war aller­dings die Inter­pre­ta­ti­on Schost­a­ko­witsch´. Als wür­de Bela Lugosi als Dra­cu­la ver­klei­det durch den in schwarz-weiß getauch­ten Saal wan­deln, über den Nacken strei­chen, in die Ohren hau­chen und ganz viel Gän­se­haut pro­vo­zie­ren — die erzeug­te Dis­har­mo­nie wur­de zum her­aus­for­dern­den Tanz auf den Klin­gen. Die Künst­ler berühr­ten mit dem Streich­quar­tett Nr. 3 F‑Dur op. 73 nicht nur Sai­ten, son­dern die See­le jedes Ein­zel­nen. Mit offe­nen Mün­dern ver­folg­te das Publi­kum das Leben­dig wer­den der Holz­in­stru­men­te, wel­che für wie­der­keh­ren­de Momen­te flüs­ter­ten, stot­ter­ten, san­gen und schrien. Das was Qua­tu­or Arod auf die Büh­ne bringt, ist gro­ße Hör­kunst — und wur­de am Ende zurecht mit Stan­ding Ova­ti­on bedacht.

Die Gun­zen­häu­ser Kon­zert­rei­he ist erfolg­reich gestar­tet und fin­det am Sonn­tag, den 19. Novem­ber 2023, mit dem Auf­tritt des Gua­d­a­gni­ni Kon­zert­tri­os eine Fort­set­zung in der Stadt­hal­le. Beginn ist um 19.30 Uhr, wei­te­re Infor­ma­tio­nen gibt es beim städ­ti­schen Kul­tur­amt unter www.gunzenhausen.info (Tel.: 09831/508 109). Dann noch ein Hin­weis: Unter­stützt wird die Gun­zen­häu­ser Kon­zert­rei­he in die­sem Jahr von den Ver­ei­nig­ten Spar­kas­sen Gun­zen­hau­sen.

Bild­un­ter­schrift: „Die vier Musi­ker von Qua­tu­or Arod freu­ten sich sicht­lich über den gro­ßen Applaus.“ Foto: Stadt Gun­zen­hau­sen