Gunzenhäuser Konzertreihe – Simon Höfele & Elisabeth Brauß begeisterten das Publikum

von | 22. Januar 2025 | Altmühlfranken, Gunzenhausen

Gun­zen­hau­sen (red). Augus­tin Savard, Alex­an­der Aru­ti­uni­an und Karl Pilss – die­se drei Kom­po­nis­ten gehö­ren in der Klas­sik­sze­ne defi­ni­tiv nicht zu den am häu­figs­ten gespiel­ten Musi­kern. Der Trom­pe­ter Simon Höfe­le und die Pia­nis­tin Eli­sa­beth Brauß haben die Unbe­kann­ten jedoch im Pro­gramm, sie eröff­nen damit dem Publi­kum Erfah­rungs­räu­me abseits von Main­stream-Mozart, Beliebt-Beet­ho­ven oder Tau­send­mal­ge­hört-Tschai­kow­sky. Jun­ge Musi­ker wie „Höfe­le & Brauß“ ste­hen sinn­bild­lich für die mitt­ler­wei­le immer deut­li­cher wer­den­de Evo­lu­ti­on der klas­si­schen Musik­sze­ne. Sie ent­wi­ckeln das Gen­re bewusst wei­ter, pro­bie­ren auch mal Neu­es und spre­chen damit fri­sche Ziel­grup­pen an. Einen Bruch mit dem Eli­tä­ren mer­ken wir außer­dem dar­an, dass die Moder­ne mit Ohr­wurm­po­ten­ti­al in Form von Musi­cal-Songs eben­so Platz im Auf­füh­rungs­re­per­toire fin­det. Die­se inter­es­san­te Ton- und Töne-Kom­bi­na­ti­on kann als gekonn­te Mix­tur aus ver­schie­de­nen Wel­ten inter­pre­tiert wer­den. Am Sonn­tag, 19. Janu­ar 2025, waren die bei­den Aus­nah­me­kön­ner im Rah­men der 4. Gun­zen­häu­ser Kon­zert­rei­he in der Stadt­hal­le zu Gast.

Der pas­sio­nier­te Kam­mer­mu­si­ker Simon Höfe­le ist Opus Klas­sik-Preis­trä­ger und dem­entspre­chend regel­mä­ßig auf inter­na­tio­na­len Büh­nen unter­wegs. Dane­ben mode­riert er seit 2023 den WDR3-Pod­cast „Klas­sik Crush“. Mit Eli­sa­beth Brauß bil­det er schon seit Jah­ren ein kon­ge­nia­les Musi­ker­duo. Die Pia­nis­tin ist Meis­ter­schü­le­rin Igor Levits und hat u.a. den Inter­na­tio­na­len Stein­way-Wett­be­werb und den Kis­sin­ger Kla­vier­Olymp gewon­nen. Brauß ist eine hoch­be­ga­be Kla­vier­vir­tuo­sin, das zeig­te sich beim Auf­tritt in Gun­zen­hau­sen ins­be­son­de­re an der Franz Liszt-Ver­to­nung von „La Leg­gie­rez­za“, die sie solo vor­trug. Zur bereits im Titel ver­steck­ten Leich­tig­keit schlich sich eine emo­tio­nal berüh­ren­de Melan­cho­lie. Zur Musik gewor­de­ne Poe­sie leg­te sich wie ein Schlei­er sanf­ter Berüh­run­gen über das fas­zi­nier­te Publi­kum.

Rasan­ter ging es da schon bei der „Rhap­so­dy in Blue“ von Geor­ge Gershwin zu. Nach einem Arran­ge­ment des rus­si­schen Blech­blä­sers Timof­ei Diks­hid­ser gele­sen, ist die Inter­pre­ta­ti­on von „Höfe­le & Brauß“ wie eine rhyth­mi­sche Zusam­men­stel­lung tem­pe­ra­ment­vol­ler Stim­mungs­schwan­kun­gen. Die Trom­pe­te ist hier­bei ent­schlüs­seln­der, per­for­ma­ti­ver Aus­druck des­sen, was Broad­way­pia­nist Gershwin in sei­ner Kom­po­si­ti­on zu ver­pa­cken ver­such­te. Wer genau hin­hör­te, der konn­te Jaz­z­ele­men­te ver­neh­men, den Blues füh­len und auch kur­ze Momen­te des Lebens­ge­fühls der 1920er-Jah­re emp­fin­den.

Der 1942 ver­stor­be­ne fran­zö­si­sche Musik­päd­ago­ge Augus­tin Savard ist heu­te so unbe­kannt, dass sein deut­scher Wiki­pe­dia-Ein­trag nur ein paar aus­sa­ge­lo­se Zei­len zählt. Dabei war er ein Kom­po­nist hoch­in­ter­es­san­ten Cha­rak­ters mit dem Hang zum Geschich­ten­er­zäh­ler. Sein Stück „Morceau de Con­cours“ ist Aus­druck zu Ton gewor­de­ner Empa­thie. Weni­ger ruhig und gemäch­lich ging es mit Alex­an­der Aru­ti­uni­ans „Aria et Scher­zo“ wei­ter. Zu hören war ganz deut­lich der tem­pe­ra­ment­vol­le Ein­fluss arme­ni­scher Volks­mu­sik, wie geschaf­fen für ein Blech­blas­in­stru­ment. Last but not least küm­mer­ten sich Simon Höfe­le und Eli­sa­beth Brauß um den Öster­rei­cher Karl Pilss. Der Kapell­meis­ter war u.a. für das Kul­tur­pro­gramm der 1936 in Ber­lin statt­fin­den­den Olym­pi­schen Spie­le zustän­dig. Sei­ne ein­drucks­vol­le „Sona­te für Trom­pe­te und Kla­vier“ dürf­te der Alp­traum für alle ange­hen­den Musi­ker sein. Hier braucht es nicht nur Durch­hal­te­ver­mö­gen, son­dern auch Fin­ger­fer­tig­kei­ten und Fin­ger­spit­zen­ge­fühl. Die Trom­pe­te weint förm­lich in einem Akt der Ver­zweif­lung. Im Zusam­men­spiel mit dem Kla­vier ergibt sich ein musi­ka­li­sches Zwie­ge­spräch vol­ler Emo­tio­nen und Gefühls­aus­brü­chen.

Mit der Gun­zen­häu­ser Kon­zert­rei­he geht es am Sonn­tag, 16. März 2025, mit einem Kon­zert der Kla­vier­schwes­tern Danae und Kiveli Dör­ken wei­ter. Ein­tritts­kar­ten gibt es im Vor­ver­kauf bei allen bekann­ten VVK-Stel­len und an der Abend­kas­se. Die Ver­an­stal­tungs­rei­he wird von den Ver­ei­nig­ten Spar­kas­sen Gun­zen­hau­sen finan­zi­ell unter­stützt.

Für Fra­gen rund um die Gun­zen­häu­ser Kon­zert­rei­he ste­hen Ihnen die Mit­ar­bei­te­rin­nen des Kul­tur­bü­ros und der Tou­rist Infor­ma­ti­on unter der Tele­fon­num­mer 09831/508–300 / ‑109 oder per E‑Mail an kulturamt@gunzenhausen.de ger­ne zur Ver­fü­gung. Das Ver­an­stal­tungs­pro­gramm fin­den Sie unter https://smex-ctp.trendmicro.com:443/wis/clicktime/v1/query?url=www.gunzenhausen.info&umid=8c711bbe-b76e-481f-baac-1a2053acfca4&auth=89a823336c8dc1a7175155e4e8be6df8236f5c5e-1055c470372379db4b02d069223e2cfee58eb5cb.

Bild­un­ter­schrift: Der Trom­pe­ter Simon Höfe­le ist ein begna­de­ter Musi­ker. 2020 wur­de er mit dem Opus Klas­sik aus­ge­zeich­net. Foto: Mii­na Jung