Gunzenhausen hat den Titel als fahrradfreundliche Kommune erfolgreich verteidigt! Und was bedeutet das?

von | 31. Oktober 2025 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen

Gun­zen­hau­sen — Viel­leicht haben Sie es schon mit­be­kom­men: Die Stadt Gun­zen­hau­sen hat sich am 15. Okto­ber 2025 erfolg­reich einer stren­gen Bewer­tungs­kom­mis­si­on gestellt und darf den begehr­ten Titel als „fahr­rad­freund­li­che Kom­mu­ne“ für wei­te­re sie­ben Jah­re behal­ten. Bekom­men hat sie den Sta­tus erst­mals 2018 und vie­le Bür­ge­rin­nen und Bür­ger fra­gen sich, was das eigent­lich bedeu­tet, „fahr­rad­freund­lich“ zu sein. Klaus Ste­phan lei­tet nicht nur das Haupt­amt im Rat­haus, son­dern ist zugleich Rad­ver­kehrs­be­auf­trag­ter der Stadt Gun­zen­hau­sen. Er erklärt, was die Zer­ti­fi­zie­rung bedeu­tet und wie schwie­rig es ist, die­se erfolg­reich zu ver­tei­di­gen. 

Fra­ge: Wel­che Vor­aus­set­zun­gen muss eine Gemein­de erfül­len, um eine Rezer­ti­fi­zie­rung erfolg­reich zu meis­tern?

Klaus Ste­phan: „Die Arbeits­ge­mein­schaft fahr­rad­freund­li­cher Kom­mu­nen in Bay­ern hat in Zusam­men­ar­beit mit den zustän­di­gen Staats­mi­nis­te­ri­en einen stren­gen Kri­te­ri­en­ka­ta­log erar­bei­tet, den es zu erfül­len gibt. Die­ser Kata­log ent­hält zahl­rei­che Fra­gen und Vor­ga­ben zu kom­mu­nal­po­li­ti­schen Ziel­set­zun­gen. So beschäf­tigt er sich bei­spiels­wei­se ein­ge­hend mit der Schaf­fung einer fahr­rad­freund­li­chen Infra­struk­tur. Er defi­niert aus­führ­lich dafür not­wen­di­ge bau­li­che Maß­nah­men und for­dert die Umset­zung eines all­tags­taug­li­chen Rad­ver­kehrs­kon­zepts. Dane­ben spie­len noch vie­le wei­te­re Punk­te eine Rol­le, etwa sinn­vol­le Beschil­de­rungs­kon­zep­te oder die Ein­bin­dung, Teil­ha­be und Infor­ma­ti­on der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger.

Für die Rezer­ti­fi­zie­rung war es wich­tig, dass die Stadt ihre Haus­auf­ga­ben gemacht hat, die 2018 im Rah­men der ers­ten Haupt­berei­sung auf­ge­ge­ben wur­den. Eine arbeits­in­ten­si­ve Zeit liegt hin­ter uns, doch am Ende hat es sich gelohnt und wir konn­ten die Prü­fer über­zeu­gen. Die Stadt Gun­zen­hau­sen hat in einem 49-sei­ti­gen Sum­ma­ry alle Maß­nah­men im Zeit­raum von 2018 bis 2025 zusam­men­ge­stellt und der Kom­mis­si­on im Juni die­ses Jah­res schrift­lich vor­ge­legt. Am 15. Okto­ber 2025 muss­ten in der Stadt­hal­le Gun­zen­hau­sen vor­mit­tags in einem theo­re­ti­schen Teil Fra­gen zur erneu­ten Bewer­bung beant­wor­tet wer­den. Nach­mit­tags erfolg­te eine öffent­li­che Fahr­ra­dex­kur­si­on durch das Stadt­ge­biet, die zu den wich­tigs­ten Pro­jek­ten und bau­li­chen Maß­nah­men der letz­ten sie­ben Jah­re geführt hat. Das Gezeig­te wur­de von der Kom­mis­si­on kri­tisch unter die Lupe genom­men und bewer­tet. Rund fünf Stun­den hat die Prü­fung gedau­ert.

Wir waren sehr über­zeu­gend und beson­ders die Begeis­te­rung Gun­zen­hau­sens für nach­hal­ti­ge Mobi­li­tät und den Rad­ver­kehr im All­ge­mei­nen wur­de gelobt.“

Fra­ge: Wer ver­gibt den Titel als „Fahr­rad­freund­li­che Kom­mu­ne?“

Klaus Ste­phan: „Den Titel ver­gibt das Baye­ri­sche Staats­mi­nis­te­ri­um für Woh­nen, Bau und Ver­kehr auf Vor­schlag der Bewer­tungs­kom­mis­si­on.“

Fra­ge: Aus wel­chen Per­so­nen bestand die Bewer­tungs­kom­mis­si­on in Gun­zen­hau­sen?

Klaus Ste­phan: „Die Bewer­tungs­kom­mis­si­on bestand aus der Geschäfts­füh­re­rin der Arbeits­ge­mein­schaft fahr­rad­freund­li­cher Kom­mu­nen in Bay­ern (AGFK Bay­ern), Sarah Gut­ten­ber­ger, Chris­ti­an Deu­er­ling von der Lan­des­bau­di­rek­ti­on, als Ver­tre­tung für das Baye­ri­sche Staats­mi­nis­te­ri­um für Woh­nen, Bau und Ver­kehr, aus Robert Bur­schik und Johan­nes Zieg­ler vom ADFC-Lan­des­ver­band Bay­ern und aus dem Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Wolf­gang Hau­ber.“

Fra­ge: Wer war noch alles bei dem Berei­sungs­ter­min dabei?

Klaus Ste­phan: „Außer der Berei­sungs­kom­mis­si­on waren unser Ers­ter Bür­ger­meis­ter Karl-Heinz Fitz, Mit­ar­bei­ter der Ver­wal­tung, Mit­glie­der des Aus­schus­ses für Bau­an­ge­le­gen­hei­ten, Stadt­ent­wick­lung und Umwelt, Bau­di­rek­tor Andre­as Fech­ner vom Staat­li­chen Bau­amt, Roland Schmidt als Zwei­ter Vor­sit­zen­der der Gebiets­ver­kehrs­wacht Gun­zen­hau­sen, Simo­ne Wie­sen­berg und Peter Lass­nig von der ört­li­chen Poli­zei, Rik­scha-Kapi­tän Rein­hard Adolphs und inter­es­sier­te Bür­ge­rin­nen und Bür­ger dabei.“

Fra­ge: Wie vie­le Kom­mu­nen füh­ren bis­her den Titel „Fahr­rad­freund­li­che Kom­mu­ne“ und wie vie­le Kom­mu­nen konn­ten bis­her die Rezer­ti­fi­zie­rung erfolg­reich bestehen?

Klaus Ste­phan: „In Bay­ern dür­fen nur 78 Gemein­den den Titel „Fahr­rad­freund­li­che Kom­mu­ne“ füh­ren. Und Gun­zen­hau­sen ist jetzt sogar noch einen Schritt wei­ter gegan­gen, denn der Titel wur­de erfolg­reich ver­tei­digt. Bis­her haben nur zwölf Kom­mu­nen das Rezer­ti­fi­zie­rungs­ver­fah­ren erfolg­reich durch­lau­fen. Gun­zen­hau­sen zählt nun eben­falls dazu und dar­auf dür­fen wir sehr stolz sein. Den Titel darf Gun­zen­hau­sen nun bis zum Jah­re 2032 füh­ren. Die fei­er­li­che Ver­lei­hung der Urkun­de durch den Baye­ri­schen Ver­kehrs­mi­nis­ter Chris­ti­an Bern­rei­ter erfolgt im Febru­ar 2026.“

Fra­ge: Wel­ches sind die nächs­ten Zie­le, wel­che die Stadt Gun­zen­hau­sen in Sachen Rad­fahr­freund­lich­keit errei­chen will?

Klaus Ste­phan: „Fahr­rad­freund­lich­keit ist eine Dau­er­auf­ga­be, der wir uns stel­len und an der wir nicht nur mit Blick auf den Kli­ma­wan­del mit Ver­nunft und Nach­druck arbei­ten. Nach der Ver­ab­schie­dung des neu­en Rad­ver­kehrs­kon­zepts durch den Stadt­rat im Früh­jahr hat der Aus­schuss für Bau­an­ge­le­gen­hei­ten, Stadt­ent­wick­lung und Umwelt die künf­ti­gen Maß­nah­men in drei Prio­ri­sie­rungs­ka­te­go­rien ein­ge­teilt. Höchs­te Prio­ri­tät haben fol­gen­de sechs Maß­nah­men: Ver­bes­se­rung der Rad­ver­kehrs­füh­rung vom Bahn­hof zur Innen­stadt und zum Alt­mühl­see, Ver­brei­te­rung des Alt­mühl­tal­rad­wegs von der Pro­me­na­de bis zur Eisen­bahn­un­ter­füh­rung, Que­rung des Rad­ver­kehrs in der Ans­ba­cher Stra­ße auf Höhe des Tier­heims, Umbau der Kreu­zung Nürn­ber­ger Stra­ße / Bahn­hof­stra­ße, Umbau des Bahn­hofs­vor­plat­zes und eine Ver­bes­se­rung der Beleuch­tungs­si­tua­ti­on beim Rad­weg Bahn­un­ter­füh­rung (Schwar­zes Loch) zum Gewer­be­ge­biet Nord.“

Vie­len Dank für das Gespräch!

Bild­un­ter­schrift: Der Titel „Fahr­rad­freund­li­che Stadt“ wur­de erfolg­reich ver­tei­digt — die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer an der Berei­sung. Stadt Gunzenhausen/Teresa Bis­wan­ger