Hahnenkammsee als gutes Beispiel für Bayern

von | 6. Juni 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Hei­den­heim (red). Gute Bei­spie­le aus der Pra­xis: Refe­ren­da­re der Ver­wal­tun­gen für Länd­li­che Ent­wick­lung und der Was­ser­wirt­schaft aus ganz Bay­ern haben sich meh­re­re „boden:ständig“-Maßnahmen im Bereich des Hah­nen­kamm­sees im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen ange­schaut. Auf dem Pro­gramm stan­den unter ande­rem meh­re­re Regen­rück­hal­tun­gen und Sedi­ment­ab­setz-Becken.

Das idyl­lisch gele­ge­ne Gewäs­ser ist Teil des Frän­ki­schen Seen­lands und gilt als Geheim­tipp für Ein­hei­mi­sche und Tou­ris­ten, die vor allem Ruhe und Natur suchen. Vie­le Jah­re hat­te das Gewäs­ser mit Blau­al­gen zu kämp­fen und nach Unwet­tern kam es immer wie­der zu Über­schwem­mun­gen im Rohr­ach­tal – zum Teil bis in die Dör­fer der Markt­ge­mein­de hin­ein. Im August 2005 traf es Hei­den­heim beson­ders hart. Durch ver­schie­de­ne Maß­nah­men, die das Amt für Länd­li­che Ent­wick­lung Mit­tel­fran­ken durch die Initia­ti­ve „boden:ständig“ unter­stütz­te, hat sich viel um den Hah­nen­kamm­see getan. Die größ­te Her­aus­for­de­rung für die Land­wir­te mit ihren Acker­flä­chen rund um das Gewäs­ser sei das star­ke Gefäl­le, das zum Teil 20 Pro­zent betra­ge, so Pro­jekt­be­glei­ter Jakob Mei­er. Die Bau­ern bewirt­schaf­ten ihre Fel­der boden­scho­nend, als Fol­ge ver­si­ckert bereits viel Regen dar­auf. Doch das allein reicht noch nicht. Bei „boden:ständig“ grei­fen vie­le Hän­de inein­an­der.

14 Maß­nah­men sind bereits umge­setzt – am Hah­nen­kamm­see ent­stand bei­spiels­wei­se ein Regen­rück­hal­te-Becken mit einem Volu­men von rund 650 Kubik­me­tern. Dafür wur­den „ledig­lich“ die Bag­ger­stun­den ein­ge­kauft: „Wir haben wäh­rend der ver­gan­ge­nen Jah­re immer prag­ma­ti­sche Lösun­gen zusam­men mit dem Amt für Länd­li­che Ent­wick­lung und dem Was­ser­wirt­schafts­amt gefun­den. Das hilft uns Gemein­den unge­mein und es spart Kos­ten“, sag­te Hei­den­heims Bür­ger­meis­te­rin Susan­ne Fel­ler. Und Ingo Stein­bre­cher, Abtei­lungs­lei­ter beim Amt für Länd­li­che Ent­wick­lung Mit­tel­fran­ken, ergänz­te: „Wir sind hier mit der Markt­ge­mein­de, den betrof­fe­nen Bür­gern und vor allem den Fach­leu­ten vom Was­ser­wirt­schafts­amt sowie Amt für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Fors­ten prag­ma­ti­sche Macher.“

Eine der größ­ten Maß­nah­me liegt ober­halb von Hech­lin­gen am See: Ober­flä­chen­was­ser von höher­lie­gen­den Acker­flä­chen über­flu­te­te nach star­ken Regen­fäl­len Weg­sei­ten­grä­ben und von dort „lief die brau­ne Soße in die Ort­schaft rein“, stell­te Susan­ne Fel­ler fest. Vier hin­ter­ein­an­der lie­gen­de Becken mit einem Fas­sungs­ver­mö­gen von rund 1000 Kubik­me­ter – das sind cir­ca 6600 vol­le Bade­wan­nen – ver­lang­sa­men den Was­ser­fluss und ermög­li­chen ein Abset­zen der Sedi­men­te. Die Kos­ten für alle Maß­nah­men bis­her schätz­te Pro­jekt­lei­ter Mar­kus Früh vom Amt für Länd­li­che Ent­wick­lung auf rund 100.000 Euro, die För­de­rung lie­ge bei 85 Pro­zent.

2014 star­te­te „boden:ständig Hah­nen­kamm­see“ als Pilot­pro­jekt in Mit­tel­fran­ken – mit an Bord das Amt für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Fors­ten sowie das Was­ser­wirt­schafts­amt Ans­bach. Drei Jah­re spä­ter kam Jakob Mei­er als Pro­jekt­be­glei­ter dazu und die ers­te Ver­samm­lung mit den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern vor Ort, der Gemein­de und dem Zweck­ver­band Hah­nen­kamm­see fand statt. „Die Mit­wir­kungs­be­reit­schaft war sehr groß. Die Hälf­te der Ideen kam aus den Rei­hen der Land­wir­te, wel­che die Maß­nah­men mitt­ler­wei­le als ‚ihre‘ anse­hen“, erklär­te Jakob Mei­er.

Das Mit­ein­an­der und die Frei­wil­lig­keit, eige­ne Flä­chen zur Ver­fü­gung zu stel­len, sei­en der Schlüs­sel zum Erfolg, so Ingo Stein­bre­cher. „Boden-stän­dig“ wird in der Regel in einem durch die Maß­nah­men eng begrenz­ten Flur­neu­ord­nungs­ver­fah­ren umge­setzt, so der Abtei­lungs­lei­ter wei­ter. Die Refe­ren­da­re waren am Ende beein­druckt von der außer­or­dent­lich guten Zusam­men­ar­beit der drei Behör­den. Gewäs­ser und Natur sind die gro­ßen Gewin­ner – aber auch die Men­schen vor Ort und Tou­ris­ten, denen ein sau­be­rer Hah­nen­kamm­see fürs Bade­ver­gnü­gen zur Ver­fü­gung steht. „Behör­den, Pri­vat­leu­te und Land­wir­te haben alle an einem Strang gezo­gen, damit es funk­tio­niert“, sag­te Bür­ger­meis­te­rin Susan­ne Fel­ler – mit dem Ergeb­nis: „Seit ein paar Jah­ren ist im Hah­nen­kamm­see kei­ne Blau­al­ge mehr gesich­tet wor­den.“

Bild­un­ter­schrift:

Foto: ALE Mit­tel­fran­ken