Heimat — Fotografieausstellung des Jugendmigrationsdienstes

von | 11. Mai 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Gun­zen­hau­sen (red). „Hei­mat“ – für vie­le ein Ort, für Men­schen mit Migra­ti­ons­ge­schich­te aber oft­mals eine Erin­ne­rung, ein Gefühl und eine Hoff­nung. Sozi­al­päd­ago­gin Katha­ri­na Meis­ter-Gucken­ber­ger hat eine nun eröff­ne­te Foto­gra­fie­aus­stel­lung des Jugend­mi­gra­ti­ons­diens­tes ganz bewusst „Hei­mat“ genannt: „Jun­ge Men­schen, die aus ande­ren Län­dern zu uns kom­men, haben häu­fig nicht die eine Hei­mat für sich. Sie wach­sen mit zwei Kul­tu­ren auf.“ Inte­gra­ti­on sei für sie der Weg, hier in Deutsch­land eine neue Hei­mat zu fin­den. Die Aus­stel­lung wur­de nun im Rah­men einer klei­nen Fei­er­stun­de in der Aula der Ste­pha­ni-Mit­tel­schu­le eröff­net.

Zu Beginn begrüß­te Mar­tin Ruf­ferts­hö­fer, Geschäfts­füh­rer des Dia­ko­ni­schen Werks Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen, die Ehren­gäs­te, dar­un­ter Ver­tre­ter von Poli­tik – Land­kreis, Stadt Gun­zen­hau­sen — , Ein­rich­tun­gen und Ver­bän­den, Evang. Kir­che und Dia­ko­nie, Schu­len sowie die Spon­so­ren­ver­tre­ter der Spar­kas­se und des Lions­clubs. Ganz beson­de­res freut sich der Geschäfts­füh­rer aber über die Teil­nah­me der por­trä­tier­ten jun­gen Men­schen und Ihre Fami­li­en und dank­te den Anwe­sen­den für deren Inter­es­se und die gro­ße Betei­li­gung an der Aus­stel­lungs­er­öff­nung.

Wei­ter zeig­te Ruf­ferts­hö­fer auf, dass das Dia­ko­ni­sche Werk schon vor 2008 die Arbeit mit jun­gen Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund betreibt und sich um das Wohl und Fort­kom­men die­ser enga­giert.

In sei­ner Hin­füh­rung zum The­ma Hei­mat ging der Geschäfts­füh­rer auf das geflü­gel­te Wort – „wir sind alle Frem­de – fast über­all“ ein und stell­te die Fra­ge, was für jedem ein­zel­nen „Hei­mat“ bedeu­tet.

Dann über­gab er das Wort an Sozi­al­päd­ago­gin Katha­ri­na Meis­ter-Gucken­ber­ger, wel­che als zustän­di­ge Fach­kraft in die Arbeit des Jugend­mi­gra­ti­ons­diens­tes und ihr Foto­gra­fie-Pro­jekt ein­führ­te.

Meis­ter-Gucken­ber­ger ist neben­be­ruf­lich als Foto­gra­fin tätig: Mit ihrem Gewer­be „Camin­ka Foto­gra­fie“ hat sie das Pro­jekt mög­lich gemacht, beglei­tet und unter­stützt. Ruf­ferts­hö­fer: „In die­sem Fall konn­te Sie ihre bei­den Beru­fe und ihre Lei­den­schaft mit­ein­an­der ver­bin­den – das war toll und ich bin als Ver­ant­wort­li­cher dank­bar dafür!“

Auch Meis­ter-Gucken­ber­ger bringt zum Aus­druck: „Foto­gra­fie­ren ist mehr als einen Aus­lö­ser zu drü­cken. Authen­ti­sche Bil­der zu foto­gra­fie­ren, benö­tigt viel Fein­ge­fühl und Ver­trau­en.“ Bei einem Blick auf die Bil­der der neun por­trä­tier­ten jun­gen Män­ner und Frau­en kommt genau dies zum Aus­druck: Hei­mat­ge­fühl und Authen­ti­zi­tät. In den ver­gan­ge­nen Mona­ten hat sie das Foto­gra­fie-Pro­jekt vor­an­ge­bracht, das nun sei­nen Höhe­punkt in Form der Eröff­nungs­fei­er in der Mit­tel­schu­le fand. Anschlie­ßend wird die Aus­stel­lung „Hei­mat“ noch ihren Platz in den Räu­men der Spar­kas­se Gun­zen­hau­sen fin­den.

Hin­ter­grund des Foto­gra­fie-Pro­jek­tes ist ihre Arbeit bei der Dia­ko­nie Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen: Meis­ter-Gucken­ber­ger selbst ist im Jugend­mi­gra­ti­ons­dienst tätig, aber auch in ande­ren Arbeits­be­rei­chen wie dem Respekt-Pro­jekt, Street­work oder der Jugend­so­zi­al­ar­beit an Schu­len, wer­den jun­ge Men­schen mit aus­län­di­schen Wur­zeln unter­stützt. Die Her­an­wach­sen­den gehen viel­fäl­ti­ge Wege, die einer indi­vi­du­el­len Beglei­tung bedür­fen. Neun jun­ge Frau und Män­ner waren bereit, sich und ihre Migra­ti­ons­ge­schich­te sicht­bar zu machen. Auf den hoch­wer­ti­gen Lein­wän­den, wel­che lokal bei der Fir­ma Foto Braun gedruckt wur­den, sind jun­ge Men­schen zu sehen, die hoff­nungs­voll auf ihre eige­ne Geschich­te bli­cken und sich dank­bar für die erfah­re­ne Unter­stüt­zung zei­gen. Neben jedem Por­trät gibt es ein Foto mit aus­ge­wähl­ten Gegen­stän­den der jun­gen Men­schen, die jeweils ihre eine Hei­mat – ihr Her­kunfts­land – sowie ihre ande­re Hei­mat Deutsch­land sym­bo­li­sie­ren. Ergän­zend fin­den sich Steck­brie­fe, auf denen die jun­gen Erwach­se­nen sich genau­er vor­stel­len und über ihre Erfah­run­gen berich­ten. Sie erhiel­ten für ihre Enga­ge­ment ein klei­nes Dan­ke­schön und Meis­ter-Gucken­ber­ger stell­te die jun­gen Men­schen mit per­sön­li­chen Wor­ten vor. Mar­tin Ruf­ferts­hö­fer über­reich­te die Geschen­ke und drück­te als Trä­ger­ver­tre­ter sei­ne Dank­bar­keit für das Mit­wir­ken beim Pro­jekt, aber auch für das heu­ti­ge anwe­send sein aus.

Wäh­rend des Foto­gra­fie­rens durf­te ich, auch wenn ich eini­ge der jun­gen Men­schen schon lan­ge beglei­te, viel Neu­es über sie erfah­ren und bin sehr dank­bar, dass sie mir ihr Ver­trau­en geschenkt haben,“ berich­tet Meis­ter-Gucken­ber­ger. „Wir haben hier tol­le jun­ge Men­schen mit ganz ver­schie­de­nen Wur­zeln und ich bin stolz auf ihren Weg.“ Sie hebt her­vor, wie wich­tig es ihr ist, dass in unse­rer Gesell­schaft bestehen­de Vor­ur­tei­le abge­baut wür­den. Mit „Hei­mat“ soll genau dies erreicht wer­den: Einen offe­nen Blick auf­ein­an­der wer­fen, ohne Vor­be­hal­te das Gegen­über mit sei­ner Geschich­te anneh­men, ins Gespräch dar­über kom­men — und gemein­sam die Zukunft leben. Das ist für die Lei­te­rin des Jugend­mi­gra­ti­ons­diens­tes Inte­gra­ti­on. Von der geleis­te­ten, erfolg­rei­chen Inte­gra­ti­ons­ar­beit konn­ten sich die zahl­rei­chen Ehren­gäs­te im Rah­men der Aus­stel­lungs­er­öff­nung ein Bild machen.

Gün­ter Ober­mey­er, stell­ver­tre­ten­der Land­rat des Land­krei­ses Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen und Peter Schnell, Zwei­ter Bür­ger­meis­ter der Stadt Gun­zen­hau­sen, wür­dig­ten das Pro­jekt und die jun­gen Men­schen mit per­sön­li­chen Gruß­wor­ten. Sie waren von den Bio­gra­phien der jun­gen Frau­en und Män­ner, aber auch vom Jugend­mi­gra­ti­ons­dienst und den beglei­ten­den Diens­ten der Dia­ko­nie sehr beein­druckt. Bei­de Gruß­wort­red­ner beton­ten die posi­ti­ve Wir­kung und den Vor­bild­cha­rak­ter für die Öffent­lich­keit und ins­be­son­de­re für vie­le Jugend­li­che mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, wel­ches das Fotoprojekt/die Aus­stel­lung erzeugt.

Geschäfts­füh­rer Ruf­ferts­hö­fer dank­te zum Abschluss noch­mals den bei­den Spon­so­ren des Pro­jek­tes, wel­ches erst durch die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung der Spar­kas­se Gun­zen­hau­sen, des Lions Clubs Gun­zen­hau­sen und des Bay­ri­schen Jugend­rin­ges rea­li­siert wer­den konn­te. Gedankt wur­de aber auch der Bäcke­rei Klee­ber­ger, die­se sorg­te für die Ver­pfle­gung wäh­rend der Aus­stel­lungs­er­öff­nung.

Mit guten Gesprä­chen und Kon­tak­ten der Teil­neh­men­den auch mit den Pro­trä­tier­ten klang die Aus­stel­lungs­er­öff­nung aus.

Foto: Dia­ko­nie