Interkommunal die Zukunft gestalten

von | 29. Januar 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Weißenburg

Gun­zen­hau­sen (red).  In die Stadt­hal­le Gun­zen­hau­sen wur­den die Mit­glie­der der Stadt‑, Markt­ge­mein­de- und Gemein­de­rä­te der zehn Kom­mu­nen Abs­berg, Gnotz­heim, Gun­zen­hau­sen, Haun­dorf, Hei­den­heim, Muhr am See, Pfo­feld, Pol­sin­gen, Thei­len­ho­fen und West­heim aus dem west­li­chen Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen sowie die Gemein­de Auhau­sen im Land­kreis Donau-Ries zu einer ers­ten gemein­sa­men Rats­sit­zung ein­ge­la­den, in der ihnen das neu erstell­te Länd­li­che Ent­wick­lungs­kon­zep­tes (ILEK) Frän­ki­sches Seen­land-Hah­nen­kamm vor­ge­stellt wur­de. In die­sem wer­den für einen Zeit­raum von fünf Jah­ren die Ent­wick­lungs­zie­le vor­ge­stellt, die sich die elf Kom­mu­nen in einem gut halb­jäh­ri­gen Betei­li­gungs- und Dis­kus­si­ons­pro­zess auf der Grund­la­ge eines frei­wil­li­gen Zusam­men­schlus­ses gege­ben haben, wie­ers­ter Bür­ger­meis­ter Karl-Heinz Fitz als Vor­sit­zen­der der Kom­mu­na­len Arbeits­ge­mein­schaft ein­lei­tend fest­ge­stellt hat­te. Fitz ver­wies dabei auch das kon­se­quent beher­zig­te Prin­zip der gegen­sei­ti­gen Augen­hö­he, was von ganz beson­de­rer Bedeu­tung ist, wenn man bedenkt, dass sich hier Kom­mu­nen mit einer Ein­woh­ner­zahl von rund 1.000 auf der einen Sei­te und 18.000 auf der ande­ren Sei­te begeg­nen. Die Tat­sa­che, dass alle 11 Kom­mu­nen die bis­he­ri­ge über zehn­jäh­ri­ger inter­kom­mu­na­le Koope­ra­ti­on erneut frei­wil­lig wei­ter­füh­ren möch­ten, unter­streicht die­se zen­tra­le Fest­stel­lung des Prin­zips gleich­be­rech­tig­ter Teil­ha­be.

Die elf Kom­mu­nen prä­sen­tie­ren 34.300 Ein­woh­ner – 97 je qkm und daher eher unter­durch­schnitt­lich dicht besie­delt – unter denen mit Abs­berg und Muhr am See zwei Kom­mu­nen mit einem über 10 % lie­gen­den, mehr als über­durch­schnitt­li­chen Bevöl­ke­rungs­zu­wachs, dage­gen Pol­sin­gen und Auhau­sen mit einem rund 1,5‑prozentigen Rück­gang der Bevöl­ke­rung die Band­brei­te die­ser Ent­wick­lung mar­kie­ren Der sehr eng zur Ver­fü­gung gestan­de­ne Zeit­raum von nur einem hal­ben Jahr für die Neu­auf­stel­lung des Inte­grier­ten Länd­li­chen Ent­wick­lungs­kon­zep­tes ein­schließ­lich der Betei­li­gungs­pro­zes­se wur­de von dem beauf­trag­ten Büro „Plan­werk“ aus Nürn­berg mode­riert. In einem für die gesam­te Bevöl­ke­rung offe­nen Regio­nal­fo­rum, in zwei Online-Befra­gun­gen, in einem Web-Map­ping-Pro­zess (Ideen auf eine Kar­te ein­tra­gen und loka­li­sie­ren), in Gesprä­chen mit meh­re­ren Regio­nal-Initia­ti­ven sowie in vier ver­tie­fen­den Fach­ge­sprä­chen wur­den die Grund­la­gen für das neue ILE-Kon­zept gelegt, das in sei­nen Schwer­punk­ten und inhalt­li­chen Aus­rich­tun­gen von sich aktiv betei­li­gen­den Per­so­nen – rund 350 waren es über alle Betei­li­gungs­form­te – gestal­tet wor­den ist.

Die in der Rats­sit­zung auf­ge­kom­me­ne Kri­tik, dass der Grad der Betei­li­gung für so weit­rei­chen­de Aus­sa­gen eigent­lich zu gering aus­ge­fal­len sei, war zwar in der Fest­stel­lung rich­tig, aber man kann Betei­li­gungs­na­ge­bo­te auch nur unter­brei­ten und dafür breit kom­mu­ni­zie­ren, nut­zen müs­sen es inter­es­sier­te Akteu­re dann schon selbst. Aber es ist allen Betei­lig­ten auch bewusst, dass die inter­kom­mu­na­len The­men zumal sol­che auf frei­wil­li­ger Basis — auch in den kom­mu­na­len Gre­mi­en — nicht immer eine hohe Prio­ri­tät erfah­ren. Umso wich­ti­ger ist es, dass in der Umset­zung der Maß­nah­men vie­le Pro­jek­te dabei sind, die eine hohe Auf­merk­sam­keit genie­ßen. Dies trifft vor allem für das Regio­nal­bud­get der ILE-Regi­on zu, mit dem allei­ne in den letz­ten vier Jah­ren über 50 Pro­jek­te mit einem Gesamt­in­ves­ti­ti­ons­vo­lu­men von 650.000 EUR vor allem für sonst schwer finan­zier­ba­re Vor­ha­ben – auch ört­li­cher Ver­ei­ne und Initia­ti­ven — geför­dert wer­den konn­ten.

Obwohl die in dem Pro­zess betei­lig­ten Akteu­re – auch die Jugend — ihre Regi­on als sym­pa­thisch, sozi­al und hei­me­lig ein­schät­zen, erkann­ten sie aber auch Schwä­chen in der nega­tiv emp­fun­de­nen Ent­le­gen­heit der Regi­on und einem etwas eher „alt­ba­cke­nen“ Erschei­nungs­bild. Um die­se Stär­ken und Schwä­chen wis­send, wur­den daher eine Rei­he von Zukunfts­maß­nah­men defi­niert und für eine gemein­sa­me Umset­zung in das neue ILE-Kon­zept ein­ge­bun­den. Damit dies nicht nur auf dem Papier ste­hen­de Luft­schlös­ser blei­ben, konn­te Ingo Stein­bre­cher vom Amt für Länd­li­che Ent­wick­lung Mit­tel­fran­ken eine Rei­he von För­der­instru­men­ten vor­stel­len, die auch künf­tig von einer per­so­nel­len Umset­zungs­be­glei­tung auf­ge­grif­fen und in kon­kre­te Rea­li­sie­rungs­pro­jek­te geführt wer­den sol­len. Und sicher wer­den auch eine Rei­he der jetzt ange­dach­ten Maß­nah­men – auch ohne jede finan­zi­el­le Unter­stüt­zung – umge­setzt wer­den, weil sie nur gemein­schaft­lich sinn­voll anzu­ge­hen sind.

Zu den sich aus den Dis­kus­sio­nen abge­lei­te­ten ILE-Maß­nah­men gehö­ren nun u.a. ein inter­kom­mu­na­les Mobi­li­täts­kon­zept, das sogar schon inten­siv vor­struk­tu­riert wor­den ist und mit dem der Netz­werk­kno­ten des Mobi­li­täts­bahn­hofs Gun­zen­hau­sen um ein umfas­sen­des Ange­bot erwei­ter­ter Ruf­bus­li­ni­en, Car- und Bike-Sha­ring-Leis­tun­gen und evtl. auch ein Sys­tem bedarfs­ori­en­tier­ter Ver­keh­re in alle sich dafür inter­es­sie­ren­den Kom­mu­nen der ILE-Regi­on auf­ge­baut wer­den kann.

Wei­te­re denk­ba­re Maß­nah­men wer­den die Siche­rung der Poten­zia­le für erneu­er­ba­re Ener­gien und der damit ver­bun­de­ne Auf­bau von Bür­ger­be­tei­li­gungs­mo­del­len, die Attrak­ti­vie­rung der Orts­ker­ne und die flä­chen­spa­ren­de Innen­ent­wick­lung oder auch das Was­ser­ma­nage­ment zur Rück­hal­tung von Was­ser in der Land­schaft sowie alle Maß­nah­men für eine wirk­sa­me Abküh­lung zu Hit­ze­zei­ten sein.

Vie­le die­ser Ansät­ze erfor­dern Umset­zungs­schrit­te, die nicht an Gemein­de­gren­zen halt machen, wes­we­gen sie nur inter­kom­mu­nal zu lösen sind, beton­te Vor­sit­zen­der Karl-Heinz Fitz in sei­nen Schluss­wor­ten. Er ver­band das mit dem Dank an das Amt für Länd­li­che Ent­wick­lung, aber auch an ande­re Dienst­stel­len und Land­rat Manu­el West­phal, die alle wich­ti­ge Part­ner bei der kon­kre­ten Umset­zung ein­zel­ner inter­kom­mu­na­ler Pro­jek­te­sind. Den anwe­sen­den Rats-Mit­glie­dern der elf Kom­mu­nen sprach er sei­nen Dank für Teil­nah­me an die­ser ers­ten gemein­sa­men Sit­zung aus und erwar­tet für die
Zukunft eine noch rege­re akti­ve Mit­wir­kung an die­sen jetzt gemein­sam ent­wi­ckel­ten Zie­len.

Foto: Bri­git­te Dorr