Interview „Wir streiken nicht – wir halten den Laden am Laufen“

von | 26. Juni 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Roth (red).  In der Kalen­der­wo­che 24 lenk­te der deut­sche Haus­wirt­schafts­rat in ganz Deutsch­land den Blick auf die pro­fes­sio­nel­le Haus­wirt­schaft. Wir nut­zen die Gele­gen­heit und spre­chen mit Frau Chris­ti­ne Assen­baum, Bera­te­rin für Bil­dungs­fra­gen beim Amt für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Fors­ten Roth-Wei­ßen­burg i.Bay., sowie mit zwei Stu­die­ren­den des aktu­el­len Jahr­gangs der Land­wirt­schafts­schu­le Roth, Abtei­lung Haus­wirt­schaft.

Frau Assen­baum, wo fin­det man den Beruf Haus­wirt­schaf­ter heu­te noch?
Den Beruf Haus­wirt­schaft ist sehr viel­sei­tig und man fin­det ihn in vie­len Berei­chen unter ande­rem in Senio­ren­hei­men, Kli­ni­ken, Tagungs­häu­sern, Kin­der- und Jugend­hil­fe­ein­rich­tun­gen, Jugend­her­ber­gen, Pen­sio­nen, land­wirt­schaft­li­chen Betrie­ben und Pri­vat­haus­hal­ten. Gera­de im   Senio­ren­heim ist durch den demo­gra­fi­schen Wan­del der Bevöl­ke­rung die Ver­sor­gung der älte­ren Men­schen immer wich­ti­ger. Außer­dem ist es für Senio­ren von gro­ßer Bedeu­tung, zuhau­se alt zu wer­den. Damit wird der Sek­tor der haus­wirt­schaft­li­chen Dienst­leis­tun­gen immer wich­ti­ger. Der­zeit kann der Bedarf, ähn­lich wie in der Pfle­ge, nicht aus­rei­chend abge­deckt wer­den.

Beschrei­ben Sie bit­te die Auf­ga­ben etwas genau­er. Wie kann man sich den Beruf vor­stel­len?
Natür­lich ist die nähr­stoff­scho­nen­de Spei­sen­zu­be­rei­tung ein wich­ti­ger Bereich in der Haus­wirt­schaft. Aber nicht nur das „Kochen“ gehört dazu, son­dern auch die Bedarfs­er­mitt­lung und somit die Erstel­lung von Spei­se­plä­nen. Gera­de beim Nach­hal­tig­keits­aspekt fällt mir die Rei­ni­gung und Pfle­ge von Räu­men ein. Damit z. B. ein Holz­fuß­bo­den eine lan­ge Lebens­dau­er hat, ist die rich­ti­ge Rei­ni­gung mit wenig Feuch­tig­keit wich­tig.
Die Rei­ni­gung und Pfle­ge von Tex­ti­li­en ist eben­falls ein wich­ti­ger Arbeits­be­reich in der Haus­wirt­schaft. Gera­de bei der Wäsche spielt der Umwelt­ge­dan­ke eine gro­ße Rol­le. So ist nicht nur die Aus­wahl des rich­ti­gen Wasch­mit­tels, son­dern die rich­ti­ge Dosie­rung zu beach­ten. Hier­bei ist die Was­ser­här­te, der Ver­schmut­zungs­grad der Wäsche und die Füll­men­ge der Wasch­ma­schi­ne zu berück­sich­ti­gen, um Wasch­mit­tel nicht über- oder unter­zu­do­sie­ren.

War­um soll­te man Haus­wirt­schaft ler­nen? Ist nicht jeder in der Lage, ande­re Men­schen zu ver­sor­gen?
Haus­wirt­schaft ist ein viel­sei­ti­ger und abwechs­lungs­rei­che­rer Beruf, für den aber auch viel Fach­wis­sen nötig ist, wie ich gera­de schon ange­ris­sen habe bei den Auf­ga­ben.

Wie sehen die Berufs- und Auf­stiegs­chan­cen aus?
Gera­de in der Haus­wirt­schaft gibt es sehr vie­le Fort­bil­dungs­mög­lich­kei­ten, wie Meister/in, Techniker/in für Ernäh­rung und Ver­sor­gungs­ma­nage­ment oder auch staat­li­che geprüf­te Dorf­hel­fe­rin. Außer­dem besteht die Mög­lich­keit sich wei­ter­zu­bil­den zum/zu dem Betriebs-
wirt/in für Ernäh­rung- und Ver­sor­gungs­ma­nage­ment. Eine Fach­leh­rer­aus­bil­dung ist auch mög­lich.

Nun unse­re Fra­gen an die Stu­die­ren­den. Stellt euch doch bit­te kurz vor.
Wir sind Leo­nie Gru­ber und Kath­rin Walt­her. Wir machen der­zeit die Fach­schu­le in Roth. War­um besu­chen Sie die Fach­schu­le für Ernäh­rung und Haus­halts­füh­rung?
Leo­nie: Bei mir ist es aus rein pri­va­tem Inter­es­se. Ich bin noch rela­tiv jung und wenn ich jetzt nicht ler­ne einen Haus­halt zu füh­ren, wann dann?
Kath­rin: Wir haben zuhau­se einen haus­wirt­schaft­li­chen Betrieb, den ich irgend­wann über­neh­men wer­de. Ich bin gelern­te Hotel­fach­frau und Hotel­be­triebs­wir­tin und mache die Schu­le jetzt als zusätz­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on.

Wie pla­nen Sie Ihr Wis­sen nach der Schu­le ein­zu­set­zen?
Leo­nie: Ich wer­de das Erlern­te für mei­nen pri­va­ten zukünf­ti­gen Haus­halt ein­set­zen.
Kath­rin: Ich auch, aber vor­ran­gig für die Betriebs­über­nah­me unse­res Land­gast­hofs und auch damit ich spä­ter ein­mal aus­bil­den darf.

Nun noch ein­mal zu Frau Assen­baum, Was wün­schen Sie sich für die Haus­wirt­schaft?
Dass unse­re Gesell­schaft die Bedeu­tung Haus­wirt­schaft nicht nur im Hin­blick von nach­hal­ti­gem Han­deln, son­dern auch für das „Funk­tio­nie­ren des Haus­halts“ für zu Hau­se und in der Fami­lie erkennt und wert­schätzt. Denn mit guter Pla­nung und Struk­tur kön­nen effi­zi­ent Res­sour­cen ein­ge­setzt wer­den.

Im Janu­ar 2025 star­tet an der Land­wirt­schafts­schu­le Abtei­lung Haus­wirt­schaft in Wei­ßen­burg die Aus­bil­dung zur Fach­kraft für Ernäh­rung und Haus­halts­füh­rung, die in Teil­zeit­form neben­be­ruf­lich eine Aus­bil­dung in der Haus­wirt­schaft ermög­licht. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zur Aus­bil­dung fin­den sie auf der Home­page des Amtes für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Fors­ten Roth-Wei­ßen­burg i.Bay. unter www.aelf-rw.bayern.de oder tele­fo­nisch unter 09171 842–0.

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