Jahresrückblick 2023 der Suchtberatungsstelle Weißenburg-Gunzenhausen

von | 17. Juni 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Wei­ßen­burg (red). Auch im Jahr 2023 wur­de die Sucht­be­ra­tungs­stel­le in Wei­ßen­burg mit ihrer Neben­stel­le in Gun­zen­hau­sen wie­der rege in Anspruch genom­men. Es konn­ten ins­ge­samt 409 Per­so­nen bera­ten wer­den, davon 359 Per­so­nen mit eige­ner Sucht­pro­ble­ma­tik und 50 Per­so­nen, die als Ange­hö­ri­ge von Sucht in ihrem sozia­len Umfeld betrof­fen waren.

Haupt­sub­stanz war in über 60 % der Bera­tun­gen Alko­hol, in etwa 20 % Can­na­bis. Des Wei­te­ren kamen Per­so­nen wegen des Kon­sums ille­ga­ler Sub­stan­zen, Medi­ka­men­ten­ab­hän­gig­keit und Tabak­kon­sum in die Bera­tung. Zudem wur­den Glücks­spiel­be­trof­fe­ne und Men­schen mit ande­ren soge­nann­ten Ver­hal­tens­süch­ten wie exzes­si­vem Medi­en­kon­sum und Men­schen mit pro­ble­ma­ti­schem Ess­ver­hal­ten bera­ten.

Der Schwer­punkt lag also – wie auch schon in der Ver­gan­gen­heit – in der Bera­tung von Men­schen mit pro­ble­ma­ti­schem Alko­hol- und Can­na­bis­kon­sum.

Die Sucht­be­ra­tung bie­tet neben der kos­ten­frei­en Bera­tung auch die Ambu­lan­te Reha­bi­li­ta­ti­on Sucht an, die Ver­mitt­lung in eine sta­tio­nä­re Sucht­re­ha­bi­li­ta­ti­on, die ambu­lan­te Wei­ter­be­treu­ung nach einer sol­chen — eine soge­nann­te Nach­sor­ge — und die psy­cho­so­zia­le Betreu­ung Sub­sti­tu­ier­ter an.

Nach einer län­ge­ren — v. a. coro­nabe­ding­ten — Pau­se, wur­den im Jahr 2023 auch wie­der ver­schie­de­ne Grup­pen ange­bo­ten: Im Früh­jahr eine Psy­cho­oedu­ka­ti­ons-grup­pe im Online­set­ting und ab Novem­ber eine Nach­sor­ge­grup­pe für Betrof­fe­ne nach Abschluss einer sta­tio­nä­ren Sucht­re­ha­bi­li­ta­ti­on.

Als Beson­der­heit exis­tiert eine Prä­ven­ti­ons­stel­le, unse­re Prä­ven­ti­ons­kraft Sven­ja Memet bie­tet ver­schie­dens­te Pro­jek­te, z. B. an Schu­len an (z. B. Ver­rückt na und, HalT). Für die­se Pro­jek­te gab es auch im Jahr 2023 wie­der eine gro­ße Nach­fra­ge.

Im Jahr 2023 wur­den zudem eini­ge wei­te­re Pro­jek­te rea­li­siert:

Wir betei­lig­ten uns erneut an der Akti­on „Dry Janu­ary“ mit einem Arti­kel in der ört­li­chen Pres­se. Im August gab es eine Stra­ßen­ak­ti­on auf dem Gun­zen­hau­se­ner Markt­platz zum The­ma Glücks­spiel. Im Novem­ber fand zum zwei­ten Mal das mit­tel­fran­ken­wei­te, über­ört­li­che Pro­jekt „Film­riss“ der Bezirks­kli­ni­ken Mit­tel­fran­ken, des Kri­sen­diens­tes Mit­tel­fran­ken und der mit­tel­frän­ki­schen Sucht­be­ra­tungs­stel­len statt. Auch wir betei­lig­ten uns an der Akti­on mit einem Film zum The­ma Dro­gen­kon­sum bzw. Ange­hö­ri­ge von Sucht­kran­ken und einer anschlie­ßen­den regen Podi­ums­dis­kus­si­on. Im Dezem­ber war die Sucht­be­ra­tung am Fach­tag FASD und der dar­an anschlie­ßen­den Akti­ons­wo­che betei­ligt. The­ma waren hier die Fol­gen von Alko­hol­kon­sum in der Schwan­ger­schaft.

Ganz aktu­ell gibt es seit kur­zem eine neue Fol­ge unse­res Pod­casts „Rausch­plausch“ zum The­ma „Lega­li­sie­rung von Can­na­bis“. Die­ser ist bei Spo­ti­fy, Ama­zon Music, Cast­box und Goog­le Pod­casts ver­füg­bar sowie über Pod­cat­che­r­apps.

Ange­hö­ri­ge von Sucht­be­trof­fe­nen sind oft genau­so (oder gar mehr) belas­tet wie selbst Betrof­fe­ne. Sie sor­gen sich um ihre Ange­hö­ri­gen, über­neh­men ver­mehrt Ver­ant­wor­tung z. B. in der Orga­ni­sa­ti­on des gemein­sa­men All­tags und kom­men dadurch schlecht zur Ruhe, ver­nach­läs­si­gen ihre eige­nen Bedürf­nis­se. Vor allem bei Spiel­sucht und dem Kon­sum ille­ga­ler Dro­gen kommt es auch zu finan­zi­el­len Fol­ge­pro­ble­men, die sich auch auf das fami­liä­re Umfeld aus­wir­ken.

Da das The­ma „Sucht“ scham­be­setzt ist, fällt es oft schwer, über­haupt mit jeman­dem über das The­ma zu reden. Wir als Sucht­be­ra­tungs­stel­le möch­ten Ange­hö­ri­gen einen geschütz­ten Raum zum Aus­tausch geben und anre­gen und unter­stüt­zen, wie­der mehr auf sich selbst und sei­ne Gren­zen zu ach­ten.

Geplant ist daher, im Juni ein Grup­pen­an­ge­bot für Ange­hö­ri­ge von Sucht­be­trof­fe­nen zu star­ten. Die Grup­pe ist offen für alle Ange­hö­ri­gen, egal ob Eltern, Groß­el­tern, Part­ne­rIn­nen, Kin­der oder Geschwis­ter von Sucht­be­trof­fe­nen. Es kön­nen sowohl Ange­hö­ri­ge von Per­so­nen mit Alko­hol­kon­sum­stö­run­gen, Can­na­bis­kon­sum­stö­run­gen oder Ange­hö­ri­ge von Kon­su­men­ten ille­ga­ler Dro­gen eben­so wie Ange­hö­ri­ge von Betrof­fe­nen von Ver­hal­tens­süch­ten (z. B. Spiel­sucht) teil­neh­men.

Die Grup­pe soll am 18.06.2024 star­ten, d. h. diens­tags um 17.00 Uhr in den Räu­men der Sucht­be­ra­tung in der Schul­haus­stra­ße 4 in Wei­ßen­burg statt­fin­den (in der Regel 14-tägig).

Es kön­nen jeder­zeit Inter­es­sier­te auch zu einem spä­te­ren Zeit­punkt ein­stei­gen, die Infor­ma­ti­on über wei­te­re Ter­mi­ne erfolgt tele­fo­nisch in der Sucht­be­ra­tungs­stel­le.

Inter­es­sier­te an der Grup­pe bzw. auch für alle ande­ren Ange­bo­te kön­nen sich unter der 09141 8600 320 oder per E‑Mail unter sucht@diakonie-sf.de bei der Sucht­be­ra­tung mel­den.

Bild­un­ter­schrift: (v. l.): Ulri­ke Schmeis­ser, Stel­len­lei­tung Sucht­be­ra­tung und Mar­tin Ruf­ferts­hö­fer, Geschäfts­füh­ren­der Vor­stand. Foto: Dia­ko­ni­sches Werk Süd­fran­ken e.V.