Klarer Trend zur Ausbildung im Handwerk – keine klare Linie der Politik

von | 6. Juli 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Erfreu­li­che Fak­ten aus der Bran­che, aber nur gute Hoff­nun­gen gegen­über der Poli­tik wird Mario Kun­zen­dorf, Lan­des­in­nungs­meis­ter der Baye­ri­schen Dach­de­cker, am 118. Lan­des­ver­bands­tag den rund 200 Teil­neh­mern aus Deutsch­lands Dach­de­cker­hand­werk, Her­stel­lern und Han­del, ver­kün­den. Aus­rich­ter die­ses Lan­des­ver­bands­ta­ges ist die Dach­de­cker-Innung für Mit­tel­fran­ken, Bay­erns zweit­größ­te Dach­de­cker-Innung.

Die guten Nach­rich­ten ste­hen natür­lich ganz vorn für den Lan­des­in­nungs­meis­ter: Die Zahl der Aus­zu­bil­den­den legt zu. So wer­den der­zeit 295 jun­ge Men­schen in Bay­ern im Dach­de­cker­hand­werk aus­ge­bil­det. Das ist eine Zunah­me von 15 % im Ver­gleich zum Vor­jahr. Für Kun­zen­dorf ein Beweis dafür, dass das Inter­es­se am zukunfts­si­che­ren „Kli­mage­werk“ Dach­de­cker­hand­werk bei den Jugend­li­chen und deren Eltern ange­kom­men ist.

„Es wird immer deut­li­cher: Das Dach­de­cker­hand­werk kann durch KI unter­stützt, aber nicht ersetzt wer­den wie vie­le ande­re, auch aka­de­mi­sche, Beru­fe“, ver­si­chert Mario Kun­zen­dorf.

Die Freu­de über die guten Nach­wuchs­per­spek­ti­ven wird jedoch getrübt durch den anhal­ten­den Reform­stau in der Poli­tik in vie­len Berei­chen. „Die ver­spro­che­nen Struk­tur­re­for­men müs­sen end­lich kom­men, von der Ren­ten­ver­si­che­rung über die Kran­ken­ver­si­che­rung bis hin zum Arbeits­zeit­recht”, sagt Kun­zen­dorf. Die hohen Arbeits­kos­ten sei­en neben Über­re­gu­lie­rung und Mate­ri­al­preis-Kri­se ein läh­men­der Fak­tor in der Bau­kon­junk­tur.

Nichts­des­to­trotz will das Dach­de­cker-Hand­werk nach vor­ne schau­en und die eige­ne Bran­che zukunfts­fä­hig machen. Das The­ma Aus­bau der Kreis­lauf­wirt­schaft steht daher beim dies­jäh­ri­gen Tref­fen eben­falls im Blick­punkt.

Wenig Ver­ständ­nis hat der Lan­des­in­nungs­meis­ter aus Bad Abbach in die­sem Zusam­men­hang für das geplan­te Gebäu­de­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz (GModG), wel­ches das Gebäu­de­en­er­gie­ge­setz (GEG) ablö­sen soll. „Durch die Absen­kung des Bewer­tungs­fak­tors für Strom siegt nicht mehr die Ver­nunft bei der Gebäu­de­pla­nung. Bis­her galt: Erst die Gebäu­de­hül­le opti­mal däm­men und dann die Hei­zung ent­spre­chend dimen­sio­nie­ren“. In Zukunft wird die Gebäu­de­hül­le ver­nach­läs­sigt und dafür der Ener­gie­ver­brauch erhöht, befürch­tet Kun­zen­dorf.

In einem lan­ge kri­ti­sier­ten Aspekt hat wenigs­tens die Recht­spre­chung nun Klar­heit geschaf­fen, freut sich Dipl.-Kfm. Thors­ten Mey­er­hö­fer, Geschäfts­füh­rer des Lan­des­in­nungs­ver­bands mit Sitz in Mün­chen: Kürz­lich hat das OLG Koblenz fest­ge­stellt, dass für die Pla­nung, Instal­la­ti­on, Inbe­trieb­nah­me und War­tung von PV-Anla­gen die Ein­tra­gung in die Hand­werks­rol­le als Dach­de­cker­be­trieb bzw. Elek­tro­fach­be­trieb zwin­gend erfor­der­lich sei. „Damit wer­den die Ver­brau­cher künf­tig vor dem nicht sel­ten gefähr­li­chen Pfusch von selbst­er­nann­ten Solar­teu­ren geschützt, die im Akkord und ohne Fach­kennt­nis­se im Dach­de­cker­hand­werk Solar­an­la­gen auf den Dächern mehr schlecht als recht mon­tie­ren“.

„Wir ste­hen bereit für eine Ener­gie­wen­de“

Die der­zeit rund gewerb­lich 5.217 Beschäf­tig­ten im Dach­de­cker­hand­werk Bay­erns mit einer Brut­to­lohn­sum­me von 207 Mio. € (+ 2,5 %) sind bereit, die Ener­gie­wen­de zu erneu­er­ba­ren Ener­gien auf dem Dach und mit der ener­ge­ti­schen Opti­mie­rung der gesam­ten Gebäu­de­hül­le maß­geb­lich fort­zu­füh­ren. „Ver­läss­li­che, markt­ge­rech­te und attrak­ti­ve Rah­men­be­din­gun­gen sind dafür aller­dings uner­läss­lich. Hier ist die Poli­tik gefor­dert, lang­fris­tig Pla­nungs­si­cher­heit für Bau­her­ren und Auf­trag­neh­mer her­zu­stel­len“, appel­liert Mey­er­hö­fer.

Auch künf­tig wird die Sanie­rung auf Platz 1 der Arbeits­be­rei­che des Dach­de­cker­hand­werks ste­hen. Der Bau-Tur­bo und der ver­spro­che­ne Zubau von 400.000 Woh­nun­gen pro Jahr bun­des­weit wird aber wei­ter­hin aus­ge­bremst durch die noch immer wuchern­de Büro­kra­tie und den Man­gel an bezahl­ba­rem Bau­grund. „Hier ist bei der Poli­tik das gefor­dert, was bei unse­ren Dach­de­cke­rin­nen und Dach­de­ckern zum All­tag gehört: anpa­cken“, sind sich Lan­des­in­nungs­meis­ter Mario Kun­zen­dorf und Geschäfts­füh­rer Thors­ten Mey­er­hö­fer einig.

Bild­un­ter­schrift: Mario Kun­zen­dorf, Lan­des­in­nungs­meis­ter des Baye­ri­schen Dach­de­cker­hand­werks Lan­des­in­nungs­ver­band. Foto: Mario Kun­den­dorf