Klausurtagung in München: FREIE WÄHLER-Fraktion will

von | 11. Juni 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Wei­ßen­burg (red). Den Kul­tur­staat Bay­ern in sei­ner Viel­falt bewah­ren und nach­hal­tig wei­ter­ent­wi­ckeln – das ist Ziel der FREIE WÄHLER Land­tags­frak­ti­on. Bei ihrer Früh­jahrs­klau­sur im Münch­ner Werks­vier­tel hat sie daher ver­gan­ge­ne Woche eine Reso­lu­ti­on zur Stär­kung der baye­ri­schen Kunst- und Kul­tur­sze­ne ver­ab­schie­det. „Auch wenn der Kunst- und Kul­tur­be­reich bereits durch zahl­rei­che staat­li­che Maß­nah­men unter­stützt wird, fehlt für Bay­ern bis­lang eine geziel­te kul­tur­po­li­ti­sche Stra­te­gie. Um die­se zu ent­wi­ckeln, muss sich die baye­ri­sche Kul­tur­po­li­tik noch stär­ker für die Lebens­welt von Kul­tur­schaf­fen­den und — rezi­pi­en­ten öff­nen und die Maß­nah­men best­mög­lich an ihren Belan­gen aus­rich­ten“, erklärt Wolf­gang Hau­ber, Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter der FREIEN WÄHLER aus Wei­ßen­burg.

Daher set­ze sich die FREIE WÄH­LER-Frak­ti­on dafür ein, dass künf­tig ein­mal in jeder Legis­la­tur­pe­ri­ode ein res­sort­über­grei­fen­der Kul­tur­be­richt vor­ge­legt wer­de. „Dar­über hin­aus wol­len wir einen Baye­ri­schen Kul­tur­rat aus exter­nen Exper­ten ein­rich­ten, der uns in Fra­gen der stra­te­gi­schen Wei­ter­ent­wick­lung öffent­li­cher Kul­tur­för­de­rung, kul­tur­po­li­ti­scher Prio­ri­sie­run­gen und Ziel­set­zun­gen berät“, so Hau­ber wei­ter. Auch für fai­re Arbeits­be­din­gun­gen mache sich die Frak­ti­on wei­ter stark. „Wir enga­gie­ren uns für eine Wei­ter­ent­wick­lung der sozia­len Absi­che­rung von Künst­le­rin­nen und Künst­lern. Dazu müs­sen mög­li­che Zugangs­hür­den im Sys­tem der Künst­ler­so­zi­al­klas­se abge­baut wer­den. Lang­fris­tig wol­len wir eine sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Absi­che­rung eta­blie­ren. Des Wei­te­ren tre­ten wir für ver­pflich­ten­de Min­dest­ho­no­ra­re für Künst­le­rin­nen und Künst­ler sowie deren Wer­ke ein“, so Hau­ber.

Ein viel­fäl­ti­ges und abwechs­lungs­rei­ches Kul­tur­le­ben in erreich­ba­rer Nähe sei ein Grund­stein für gleich­wer­ti­ge Lebens­ver­hält­nis­se in ganz Bay­ern. „Daher set­zen wir uns für eine geziel­te
Kul­tur­för­de­rung im länd­li­chen Raum ein und wer­den geeig­ne­te Maß­nah­men zur För­de­rung des kul­tu­rel­len Lebens in der Flä­che auf­le­gen“, so Hau­ber. Ein wei­te­res Ziel der Frak­ti­on sei es, kul­tu­rel­le Bil­dung an Schu­len zu stär­ken und Koope­ra­tio­nen mit exter­nen Part­nern aus dem Kunst- und Kul­tur­be­reich zu för­dern. „So wol­len wir nicht nur Hei­mat und Brauch­tum bewah­ren, son­dern auch ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment im Kul­tur­be­reich vor­an­trei­ben und Ange­bo­te wie das Frei­wil­li­ge Sozia­le Jahr im Kul­tur­be­reich noch bekann­ter und attrak­ti­ver gestal­ten“, betont der Land­tags­ab­ge­ord­ne­te abschlie­ßend.

Bild­un­ter­schrift: MdL Wolf­gang Hau­ber setzt sich für bes­se­re sozia­le Absi­che­rung Kunst­schaf­fen­der ein. Foto: Bri­git­te Dorr

Hin­weis: Die erwähn­te Reso­lu­ti­on im Wort­laut: 

Hin­weis: Die­ses Papier darf nicht für Par­tei­zwe­cke ver­wen­det wer­den! www.fw-landtag.de 1;  RESOLUTION Mai­klau­sur 2023; Aktu­el­ler Stand 26.05.2023

Visi­on und Ide­al – Zukunfts­bil­der des baye­ri­schen Kul­tur­staats für eine baye­ri­sche Kul­tur­po­li­tik, die Chan­cen für Künst­le­rin­nen und Künst­ler und die kul­tu­rel­le Teil­ha­be in unse­rer Gesell­schaft sichert
1 Als FREIE WÄHLER Land­tags­frak­ti­on möch­ten wir den Kul­tur­staat Bay­ern in sei­ner Brei­te und Viel­falt nach­hal­tig bewah­ren und wei­ter­ent­wi­ckeln. Auch wenn der Kunst- und Kul­tur­be­reich bereits durch viel­fäl­ti­ge staat­li­che Maß­nah­men und För­de­run­gen 4 unter­stützt wird, fehlt bis­lang ein ver­bin­den­des Moment und eine geziel­te kul­tur­po­lit sche Stra­te­gie für Bay­ern, wel­che Ziel­set­zung und Prio­ri­sie­run­gen ermög­licht und da6 bei die Regio­nen, öffent­li­che und pri­va­te Ein­rich­tun­gen, not­wen­di­ge Sanie­run­gen und 7 Neu­errich­tun­gen sowie künst­le­ri­sche Spar­ten und Zwei­ge glei­cher­ma­ßen in den Blick 8 nimmt. Unse­rer Ansicht nach muss sich die baye­ri­sche Kul­tur­po­li­tik dazu noch stär­ker 9 in die Lebens­welt der Kul­tur­schaf­fen­den, aber auch der Kul­turre­zi­pi­en­ten öff­nen und 10 Maß­nah­men ver­stärkt an Belan­gen von Künst­le­rin­nen und Künst­lern sowie Kulturein11 rich­tun­gen aus­rich­ten. Zusätz­lich gilt es, gesamt­ge­sell­schaft­li­che Belan­ge in den Blick neh­men.

Vor die­sem Hin­ter­grund legen wir ein kul­tur­po­li­ti­sches Maß­nah­men­pa­ket auf: Ein umfas­sen­der Kul­tur­be­richt für Bay­ern 17 Bay­ern ver­fügt über eine her­aus­ra­gen­de Kul­tur­land­schaft mit natio­nal wie inter­na­tio­nal renom­mier­ten Ein­rich­tun­gen, einem viel­fäl­ti­gen Kul­tur­ange­bot im gan­zen Land sowie brei­tem ehren­amt­li­chen Enga­ge­ment. Um die­se Kul­tur­land­schaft zu erhal­ten, sie kon- tinu­ier­lich an den Bedar­fen unse­rer Gesell­schaft ori­en­tiert wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, die 21 künst­le­ri­schen Frei­räu­me zu erwei­tern und auch neue expe­ri­men­tel­le Vor­ha­ben in allen Spar­ten för­dern zu kön­nen, ist es wich­tig, regel­mä­ßig Ein­sicht in die Gesamt­heit 23 der staat­li­chen Kul­tur­för­der­maß­nah­men sowie ihre Zusam­men­hän­ge zu erhal­ten, nicht nur in der Funk­ti­on der Rechen­schafts­le­gung über die Ver­wen­dung von öffent­li­chen Mit­teln zur För­de­rung von Kunst und Kul­tur und die Ver­tei­lung des baye­ri­schen 26 Kul­tur­etats, son­dern ins­be­son­de­re auch, um davon aus­ge­hend Ziel­set­zun­gen und Prio­ri­sie­run­gen für die Zukunft zu ent­wi­ckeln.

Vor die­sem Hin­ter­grund erscheint es uns not­wen­dig, einen regel­mä­ßi­gen, res­sort­über­grei­fen­den Kul­tur­för­der­be­richt zu ange­bo­te­nen Pro­gram­men und Maß­nah­men sowie kon­kre­ten Akti­vi­tä­ten der Kunst- und Kul­tur­fi­nan­zie­rung bzw. ‑för­de­rung von­sei­ten der Baye­ri­schen Staats­re­gie­rung in allen Berei­chen der Kunst- und Kul­tur­pfle­ge zu eta­blie­ren. Die­ser soll­te umfas­sen: die staat­li­chen sowie nicht­staat­li­chen Thea­ter, dar­stel­len­de Kunst wie auch Tanz und Artis­tik, Musik­pfle­ge, Denk­mal­pfle­ge, die staat­li­chen 34 Muse­en und Samm­lun­gen sowie nicht­staat­li­che Muse­en, öffent­li­che Biblio­the­ken und  Archi­ve, Büche­rei­we­sen, Sanie­rungs­maß­nah­men an staat­li­chen und nicht­staat­li­chen 36 Kul­tur­ein­rich­tun­gen und Gebäu­den, „Kunst am Bau“-Maßnahmen, Kul­tur­fonds, Hei­mat und Brauch­tum, Kul­tu­rel­le Bil­dung, Kul­tur- und Krea­tiv­wirt­schaft sowie Film.

In einem sol­chen Bericht sol­len zudem aus­ge­wähl­te Groß­pro­jek­te und her­aus­ra­gen­de 39 Maß­nah­men im Bereich Kunst und Kul­tur, die vom Frei­staat im ent­spre­chen­den Berichts­zeit­raum geför­dert wer­den und wur­den, aus­führ­li­cher dar­ge­stellt wer­den, und außer­dem alle För­der­maß­nah­men ab einer Höhe von 25,0 Tsd. Euro in den ver­schie­de­nen Kate­go­rien der Kunst- und Kul­tur­pfle­ge auf­ge­führt wer­den. So kön­nen aus dem Bericht auch Nach­fra­ge- und Ange­bots­ent­wick­lung sowie per­spek­ti­visch Schlussfol44 gerun­gen hin­sicht­lich mög­li­cher Schwer­punk­te und Prio­ri­sie­run­gen in der baye­ri­schen 45 Kul­tur­po­li­tik für die Zukunft abge­lei­tet wer­den.

Die FREIE WÄHLER Land­tags­frak­ti­on setzt sich dafür ein, dass die Staats­re­gie­rung künf­tig ein­mal in jeder Legis­la­tur­pe­ri­ode einen res­sort­über­grei­fen­den Kul­tur­be­richt vor­legt, aus dem sich auf Grund­la­ge einer mög­lichst brei­ten Dar­stel­lung der Mit­tel­ver­tei­lung zur För­de­rung kul­tu­rel­ler Pro­jek­te und Maß­nah­men auch Bedar­fe, Ziel­set­zun­gen und stra­te­gi­sche Prio­ri­sie­run­gen für künf­ti­ge För­de­run­gen ablei­ten las­sen.

Ein­rich­tung eines Baye­ri­schen Kul­tur­rats und Ent­wick­lung einer Baye­ri­schen Kul­tur­stra­te­gie
Wir set­zen uns für die Ein­rich­tung eines Baye­ri­schen Kul­tur­rats ein, der als Exper­ten­gre­mi­um zur Bera­tung der Staats­re­gie­rung in Fra­gen der Kul­tur­för­de­rung und stra­te­gi­schen Wei­ter­ent­wick­lung der Kul­tur­po­li­tik auf­tritt und dabei Leit­li­ni­en, Prio­ri­sie­run­gen und Ver­än­de­rungs­pro­zes­se des Kul­tur­för­der­an­ge­bots ansto­ßen und mit­ge­stal­ten soll. Durch den Ein­be­zug exter­nen Sach­ver­stands kön­nen wir die baye­ri­sche Kul­tur­för­der­land­schaft stär­ker in die Lebens­welt der Kul­tur­schaf­fen­den und Rezi­pi­en­ten 63 öff­nen, Bedar­fe und Nöte von Kul­tur­ver­ant­wort­li­chen schnel­ler iden­ti­fi­zie­ren und Ziel­set­zung sowie kon­kre­te Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen dar­auf­hin aus­rich­ten. Zugleich 65 soll der Kul­tur­rat auch die per­spek­ti­vi­sche Ent­wick­lung einer umfas­sen­den Baye­ri­schen Kul­tur­stra­te­gie aktiv und dau­er­haft beglei­ten, da wir der Mei­nung sind, das die­se Auf­ga­be ohne kom­pe­ten­te Unter­stüt­zung und Beglei­tung durch die­je­ni­gen, wel­che teils auch als För­der­neh­mer direkt betrof­fen sind und damit Her­aus­for­de­run­gen 69 und Fehl­ent­wick­lun­gen am bes­ten ken­nen, nicht zu leis­ten ist. Und klar ist für und auch: Jene Per­so­nen sind es, die das viel­fäl­ti­ge Kul­tur­le­ben in Bay­ern erst ermög­li­chen und einen wich­ti­gen Bei­trag zur künf­ti­gen Gestal­tung, Struk­tu­rie­rung und Orga­ni­sa­ti­on der Kul­tur­land­schaft leis­ten. Die FREIE WÄHLER Land­tags­frak­ti­on ist der Ansicht, dass die baye­ri­sche Kul­tur­po­li­tik nach­hal­tig gestärkt wer­den könn­te durch einen kom­pe­ten­ten und mög­lichst viel­fäl­ti­ge Kul­tur­spar­ten ver­tre­ten­den Exper­ten­rat, der 75 künf­tig kon­se­quent die Gesamt­per­spek­ti­ve – auch unab­hän­gig von Res­sort­gren­zen – 76 ein­nimmt und fai­re Gesamt­vor­schlä­ge zu stra­te­gi­schen Fra­gen, einem effi­zi­en­ten Ein­satz von För­der­gel­dern sowie kul­tur­po­li­ti­sche Reform­auf­ga­ben aus­ar­bei­ten soll.

Die Staats­re­gie­rung rich­tet einen Baye­ri­schen Kul­tur­rat aus exter­nen Exper­ten ein, der die Staats­re­gie­rung in Fra­gen der stra­te­gi­schen Wei­ter­ent­wick­lung öffent­li­cher Kul­tur­för­de­rung, kul­tur­po­li­ti­scher Prio­ri­sie­run­gen 82 und Ziel­set­zun­gen berät. Neben den Exper­ten wer­den als bera­ten­de Mit­glie­der in die­ses Gre­mi­um jeweils ein Ver­tre­ter aller betei­lig­ten Staats­mi­nis­te­ri­en ent­sandt. Der Kul­tur­rat legt anhand einer begrenz­ten Aus­wahl an zen­tra­len Fra­ge­stel­lun­gen Vor­schlä­ge für Reform­auf­ga­ben vor, bei­spiels­wei­se betref­fend 87 des stra­te­gi­schen Mit­tel­ein­sat­zes der baye­ri­schen Kul­tur­för­de­rung, der 88 Neu­aus­rich­tung von Ziel­set­zun­gen und Ent­bü­ro­kra­ti­sie­rung von För­der­pro­gram­men, der Stär­kung von Selbst­ver­wal­tungs­struk­tu­ren der Kul­tur­sze­ne oder der Stär­kung kul­tu­rel­ler Bil­dung und Teil­ha­be über den Lebens­weg.

Die Staats­re­gie­rung ent­wi­ckelt aus­ge­hend von den Vor­schlä­gen des Kul­tur­rats und gemein­sam mit die­sem eine gesamt­baye­ri­sche Kul­tur­stra­te­gie, die auch ver­öf­fent­licht wird.

Fai­re Arbeits­be­din­gun­gen sichern und sozia­le Belan­ge von Kul­tur­schaf­fen­den ernst neh­men

Nicht erst die Coro­na-Pan­de­mie hat uns gezeigt, dass Kul­tur­schaf­fen­de eine bes­se­re sozia­le Absi­che­rung benö­ti­gen. Aus unse­rer Sicht ist es des­halb erfor­der­lich, das Sys­tem der Künst­ler­so­zi­al­kas­se wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und per­spek­ti­visch eine sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Absi­che­rung zu eta­blie­ren. Gera­de die Rege­lung bezüg­lich des Min­dest­ein­kom­mens ist für vie­le Künst­le­rin­nen und Künst­ler pro­ble­ma­tisch. Die­ses darf der­zeit bei­spiels­wei­se 3.900 Euro jähr­lich bzw. 325 Euro monat­lich 105 nicht unter­schrei­ten. Ande­ren­falls ent­fällt der Anspruch auf eine Mit­glied­schaft in der 106 KSK. Berufs­an­fän­ger sind von die­ser Rege­lung zwar aus­ge­nom­men, die­ser Sta­tus gilt 107 jedoch ledig­lich für drei Jah­re – ein Zeit­raum, der in der Kunst- und Kul­tur­sze­ne oft nicht aus­reicht, um Fuß zu fas­sen und von der eig­nen Kunst leben zu kön­nen. Gera­de 109 Anfän­ge­rin­nen und Anfän­ger, die die Zuschüs­se zur Sozi­al­ver­si­che­rung am bes­ten
gebrau­chen könn­ten, kön­nen die­se daher häu­fig nicht in Anspruch neh­men.

Neben dem jähr­li­chen Min­dest­ein­kom­men gibt es zudem eine Rei­he wei­te­rer Bei­tritts­vor­aus­set­zun­gen zur KSK. Beson­ders pro­ble­ma­tisch ist dabei, dass der Zugang zur KSK auch ver­wehrt bleibt, wenn man etwa den über­wie­gen­den Teil sei­nes Ein­kom­mens aus ander­wei­ti­gen Tätig­kei­ten erzielt. Dies gilt ganz beson­ders in wirt­schaft­lich schlech­ten Jah­ren, was uns die Coro­na-Pan­de­mie deut­lich vor Augen geführt hat. Und eben­so sind Anfän­ge­rin­nen und Anfän­ger hier­von betrof­fen, die zu Beginn ihrer künst­le­ri­schen Kar­rie­re sehr häu­fig auch noch län­ge­re Zeit auf ein zwei­tes Ein­kom­men ange­wie­sen sind. Aus unse­rer Sicht könn­ten dies Punk­te sein, an denen eine Reform 119 der KSK anset­zen soll­te.

Ein wei­te­rer wesent­li­cher Punkt ist die fai­re Bezah­lung von Künst­le­rin­nen und 121 Künst­lern. Sie haben über­durch­schnitt­lich häu­fig einen Hoch­schul­ab­schluss und sind frei­be­ruf­li­che, meist solo­selbst­stän­di­ge Unter­neh­me­rin­nen bzw. Unter­neh­mer. Sie müs­sen, anders als abhän­gig Beschäf­tig­te, über ihre Hono­ra­re – neben den pri­va­ten  Lebens­hal­tungs­kos­ten – auch Betriebs­kos­ten, Sozi­al­ver­si­che­rung, Wei­ter­bil­dung, Ver­wal­tungs­auf­ga­ben etc. finan­zie­ren. Die Auf­ga­ben, Tätig­keits­fel­der und Kos­ten des eige­nen künst­le­ri­schen Schaf­fens gehen dem­nach weit über das Erschaf­fen und Aus­stel­len von Kunst­wer­ken hin­aus. Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de neh­men eine her­aus­ra­gen­de Rol­le für die Demo­kra­tie, das Selbst­ver­ständ­nis von Indi­vi­du­en und Gesell­schaft sowie im Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess zu nach­hal­ti­gem Leben und Wirt­schaf­ten der Men­schen ein. Nur mit ange­mes­se­nen Hono­ra­ren kön­nen sie ihre Wirk­sam­keit län­ger­fris­tig auf qua­li­ta­tiv hohem Stand ent­fal­ten. Wir hal­ten es des­halb für sinn­voll, die finan­zi­el­le För­de­rung von Kul­tur­ein­rich­tun­gen und Pro­jekt­trä­gern, bei­spiels­wei­se auch im Rah­men des Kul­tur­fonds, ver­bind­lich an Min­dest­ho­no­ra­re für Künst­le­rin­nen und Künst­ler zu knüp­fen – im Sin­ne einer Selbst­ver­pflich­tung des Lan­des und der Kom­mu­nen. –

Wir set­zen uns für die Wei­ter­ent­wick­lung der sozia­len Absi­che­rung von Künst­le­rin­nen und Künst­lern ein und erach­ten hier­für in einem ers­ten Schritt den Abbau von mög­li­chen Zugangs­hür­den im Sys­tem 140 der Künst­ler­so­zi­al­kas­se als beson­ders wich­tig. Lang­fris­tig wol­len wir 141 uns dafür ein­set­zen, eine sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­ti­ge Absi­che­rung zu eta­blie­ren. Wir tre­ten für ver­pflich­ten­de Min­dest­ho­no­ra­re für Künst­le­rin­nen und  Künst­ler sowie deren Wer­ke ein. Frei­staat und Kom­mu­nen sol­len sich hier­für selbst ver­pflich­ten. Vor­aus­set­zung für die Bereit­stel­lung öffent licher Mit­tel soll die Bezah­lung von Min­dest­ho­no­ra­ren wer­den.

Für eine star­ke Kul­tur in Stadt und Land – Kul­tur­po­li­tik für das Flä­chen­land Bay­ern

Mehr als die Hälf­te der Bevöl­ke­rung in Deutsch­land lebt in klei­ne­ren und mitt­le­ren 152 Städ­ten und Gemein­den. Doch gera­de in den länd­li­chen Regio­nen ist die kul­tu­rel­le Infra­struk­tur teils schwach aus­ge­prägt. Dabei spie­len beson­ders in länd­li­chen Räu­men 154 kul­tu­rel­le Ange­bo­te im All­tag der Men­schen und für das gemein­schaft­li­che Zusam­men­le­ben eine zen­tra­le Rol­le. Ein viel­fäl­ti­ges und abwechs­lungs­rei­ches Kul­tur­le­ben in erreich­ba­rer Nähe ist zudem der Grund­stein für gleich­wer­ti­ge und attrak­ti­ve Lebens­ver­hält­nis­se. Um die­se zu sichern, muss sich der Frei­staat noch stär­ker dafür ein­set­zen, Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen, aber auch Expe­ri­men­tier- und Inter­ak­ti­ons­räu­me, kul­tu­rel­le Teil­ha­be und Raum für eige­ne künst­le­ri­sche Ent­fal­tung zu ermög­li­chen. Kul­tur in der Flä­che zu stär­ken, bedeu­tet für uns, Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen und zu ver­bes­sern, damit Kunst und Kul­tur in länd­li­chen Räu­men nicht nur im Sta­tus quo erhal­ten blei­ben, son­dern den Frei­raum zur nach­hal­ti­gen Wei­ter­ent­wick­lung bekom­men.

Aus unse­rer Sicht ist dies gera­de des­halb so wich­tig, da zu den wesent­li­chen Attrak­ti­vi­täts­merk­ma­len, sog. Pull-Fak­to­ren, neben Arbeits­platz­an­ge­bot und Ver­dienst­mög­lich­kei­ten, medi­zi­ni­scher und sozia­ler Ver­sor­gung sowie Zugang zu Dienst­leis­tungs ange­bo­ten und Kon­sum­gü­tern ganz klar auch das Frei­zeit- und Kul­tur­ange­bot von Regio­nen gehört. Sie bil­den wesent­li­che Ent­schei­dungs­fak­to­ren für Bür­ge­rin­nen und Bür­ger – gera­de auch jun­ge Fami­li­en, wenn es dar­um geht, wo Zukunfts- und Lebens­chan­cen wahr­ge­nom­men wer­den. Gera­de vor dem Hin­ter­grund der baye­ri­schen Regio­na­li­sie­rungs­stra­te­gie, die sich zunächst pri­mär auf die Ansied­lung von Unter­neh­men, Hoch­schu­len und For­schungs­ein­rich­tun­gen in der Flä­che fokus­siert hat, müs­sen wir nun auch sicher­stel­len, dass Rah­men­be­din­gun­gen von Künst­le­rin­nen und Künst­lern sowie Kul­tur­schaf­fen­den so attrak­tiv gestal­tet wer­den kön­nen, dass die­se sich auch in länd­lich gepräg­ten Regio­nen lang­fris­tig ansie­deln und sich die künst­le­ri­schen Pro­duk­ti­on- und Rezep­ti­ons­mög­lich­kei­ten nicht allein in den Bal­lungs­ge­bie­ten kon­zen­trie­ren.

Wir set­zen uns für eine geziel­te Kul­tur­för­de­rung im länd­li­chen Raum ein und wer­den hier­zu geeig­ne­te Maß­nah­men zur För­de­rung des kul­tu­rel­len Lebens in der Flä­che auf­le­gen.  Wir set­zen uns über die öffent­li­che För­de­rung hin­aus für die Stär­kung von Koope­ra­tio­nen zwi­schen Kul­tur­ein­rich­tun­gen und baye­ri­scher Wirt­schaft sowie Unter­neh­men ein und wer­den pri­va­te För­der­mög­lich- kei­ten nicht durch büro­kra­ti­sche Hür­den aus­brem­sen. Wir sehen den  Aus­bau von Kul­tur­ange­bo­ten in der Flä­che als zen­tra­les Attrak­ti­vi­täts­merk­mal auch für die baye­ri­schen Wirt­schafts­stand­or­te vor dem Hin­ter­grund der baye­ri­schen Regio­na­li­sie­rungs­stra­te­gie. Denn die Gewin­nung und Ansied­lung hoch­qua­li­fi­zier­ter Fach­kräf­te ist auch abhän­gig 190 davon, wo attrak­ti­ve Zukunfts- und Lebens­chan­cen wahr­ge­nom­men 191 wer­den.

Kul­tu­rel­le Bil­dung und Par­ti­zi­pa­ti­on über den gesam­ten Lebens­weg

Kunst und Kul­tur leben nicht für sich allein, son­dern ent­fal­ten sich erst in der Rezep­ti­on  und Inter­ak­ti­on durch und mit Men­schen sowie der Gesell­schaft ins­ge­samt. Umso wich­ti­ger ist die früh­zei­ti­ge Sen­si­bi­li­sie­rung für den Wert und die Bedeu­tung künst­le­ri­scher Wer­ke und die Sicht­bar­ma­chung von Kunst und Kul­tur als zen­tra­lem Bestand­teil  unse­rer Hei­mat. An  den Schu­len bie­tet gera­de der Ganz­tags­aus­bau enor­mes Poten­zi­al. So möch­ten wir durch eine ent­spre­chen­de För­de­rung des Ein­sat­zes von exter­nen Fach­kräf­ten und ins­be­son­de­re auch von Künst­le­rin­nen und Künst­lern die Schu­len noch stär­ker in die Lebens­welt öff­nen und eine qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge, krea­ti­ve Lern- und Bil­dungs­kul­tur an den Ganz­tags­schu­len eta­blie­ren, die eine sinn­vol­le Ergän­zung zum Vor­mit­tags­un­ter­richt bie­ten kann. Kin­der und Jugend­li­che kön­nen so früh­zei­tig an Kunst und Kul­tur  her­an­ge­führt wer­den und ihre indi­vi­du­el­len künst­le­risch-krea­ti­ven Nei­gun­gen und Bega­bun­gen noch stär­ker geför­dert wer­den.

Die FREIE WÄHLER Land­tags­frak­ti­on setzt sich des­halb für die För­de­rung von kul­tur­päd­ago­gi­schen Ange­bo­ten als Teil einer akti­ven baye­ri­schen Kul­tur­po­li­tik ein. Denn die Ent­fal­tungs­mög­lich­kei­ten im kul­tu­rel­len Leben des Frei­staats sind von zen­tra­ler Bedeu­tung für die Ent­wick­lung unse­rer Gesell­schaft. So hat kul­tu­rel­le Bil­dung unse­rer Ansicht nach zugleich auch eine sozia­le Funk­ti­on und es ist ent­schei­dend, dass kul­tu­rel­le Bil­dungs­an­ge­bo­te, die einen nie­der­schwel­li­gen Zugang ermög­li­chen, flä­chen­de­ckend vor Ort vor­han­den sind. Ins­be­son­de­re Schu­len bzw. Ganz­tags­schu­len, aber auch Jugend­kunst­schu­len, Musik­schu­len, Erwach­se­nen­bil­dungs­trä­ger und non-for­ma­le Bil­dungs­an­ge­bo­te der Kul­tur­ein­rich­tun­gen und ‑trä­ger kön­nen den not- wen­di­gen Rah­men bie­ten, einen früh­zei­ti­gen und nie­der­schwel­li­gen Zugang zu kul­tu­rel­len The­men und Ange­bo­ten sicher­zu­stel­len. Im Bereich Kunst und Kul­tur kön­nen 220 Bil­dungs­trä­ger zudem von Koope­ra­tio­nen mit exter­nen Part­nern, Künst­le­rin­nen und Künst­lern sowie deren Exper­ti­se deut­lich pro­fi­tie­ren. Auch kann der Ein­be­zug von orts­an­säs­si­gen Künst­le­rin­nen und Künst­lern sowie Kul­tur­ver­ei­nen dazu bei­tra­gen, die Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen in die sie umge­ben­de Lebens­welt hin­ein zu öff­nen, Kunst und Kul­tur direkt erfahr­bar zu machen und damit früh­zei­tig und nach­hal­tig Inter­es­se und Begeis­te­rung der Kin­der und Jugend­li­chen zu wecken. Auf der ande­ren Sei­te kön­nen durch ent­spre­chen­de För­der­pro­gram­me auch die Kul­tur­schaf­fen­den und die ört­li­che krea­ti­ve Sze­ne unter­stützt wer­den.

Wir stär­ken kul­tu­rel­le Bil­dung an Bil­dungs­ein­rich­tun­gen und Schu­len, ins­be­son­de­re im Ganz­tag, und för­dern Koope­ra­tio­nen mit exter­nen Part­nern aus dem Kunst- und Kul­tur­be­reich. Wir bewah­ren Hei­mat und Brauch­tum, för­dern ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment im Kul­tur­be­reich und möch­ten zugleich auch Ange­bo­te wie das Frei­wil­li­ge Sozia­le Jahr im Kul­tur­be­reich noch bekann­ter und attrak­ti­ver gestal­ten. Wir stär­ken Wei­ter­bil­dungs­an­ge­bo­te für Künst­le­rin­nen und Künst­ler sowie Kul­tur­schaf­fen­de, vor allem im Bereich des Kom­pe­tenz­er­werbs, wel­che die Selbst­stän­dig­keit von Künst­le­rin­nen und Künst­lern unter­stüt­zen, zum Bei­spiel wirt­schaft­li­che Kom­pe­ten­zen, Empower­ment und Per­sön­lich­keits­kom­pe­ten­zen, Prä­sen­ta­ti­ons- und Mar­ke­ting­kom­pe­ten­zen oder Zeit­ma­nage­ment. Wir set­zen uns für die För­de­rung der Sicht­bar­keit von Kunst im öffent­li­chen Raum ein, um Bür­ge­rin­nen und Bür­ger für die Prä­senz und Bedeu­tung der Kunst in unse­rer Hei­mat zu sen­si­bi­li­sie­ren und Zugän­ge zu Kunst­wer­ken zu erleich­tern. Vor die­sem Hin­ter­grund erar­bei­ten wir unter ande­rem ein digi­ta­les Muse­um „Kunst im öffent­li­chen Raum“, für das aktu­ell durch das Bau- und Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­um in Koope­ra­ti­on mit dem Berufs­ver­band Bil­den­der Künst­ler ein Umset­zungs­kon­zept erar­bei­tet wird.

Bay­ern ist Kul­tur­staat und die­sen in sei­ner Brei­te zu bewah­ren und zu stär­ken ist zen­tra­les Anlie­gen der FREIE WÄHLER Land­tags­frak­ti­on. Wir ste­hen für eine  Kul­tur­po­li­tik der Viel­falt: Vom Trach­ten­fest über Klein­kunst­büh­nen zu den gro­ßen Fest­spiel­häu­sern, von den baye­ri­schen Sing- und Musik­schu­len bis hin zur Pina­ko­thek der Moder­ne. Für uns gilt: Kunst ist auf beson­de­re Wei­se Daseins­vor­sor­ge und auf ihre ganz  eige­ne Wei­se sys­tem­re­le­vant für das Funk­tio­nie­ren unse­rer Gesell­schaft. Kunst und Kul­tur sind ein wich­ti­ges Signal der Mensch­lich­keit. Sie besit­zen sinn­stif­ten­de und ver­bin­den­de Funk­ti­on und leis­ten einen wich­ti­gen Bei­trag zur Akti­vie­rung von Urteils­fä­hig­keit, Nach­denk­lich­keit und Krea­ti­vi­tät. Kunst und Kul­tur sind damit für die Siche­rung unse­rer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft unver­zicht­bar.