Streuobstwiesen im Klimawandel

von | 11. Juni 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

(red).Der zum imma­te­ri­el­len Welt­kul­tur­er­be zäh­len­de Streu­obst­an­bau steht vor gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen. Neben Über­al­te­rung der Bestän­de sowie der Bewirt­schaf­ten­den, man­geln­der Wirt­schaft­lich­keit und feh­len­der Pfle­ge stellt der Kli­ma­wan­del eine wei­te­re Her­aus­for­de­rung für die Streu­obst­wie­sen dar.

Wir wis­sen wenig dar­über wel­che Fak­to­ren zur Wider­stands­fä­hig­keit der Streu­obst­wie­sen gegen­über dem Kli­ma­wan­del bei­tra­gen, was mög­li­che Anpas­sungs­maß­nah­men wären und was bei einer Neu­an­la­ge zukünf­tig berück­sich­tigt wer­den soll­te. Dies gab Anlass für ein bay­ern­wei­tes For­schungs­pro­jekt.

Gemein­sam mit Streu­obst­wie­sen-Bewirt­schaf­ten­den möch­ten die Hoch­schu­le Wei­hen­ste­phan-Tri­es­dorf und die Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Mün­chen die Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels auf Streu­obst­wie­sen in 5 Regio­nen Bay­erns unter­su­chen. Ziel des Pro­jekts ist es gemein­sam mehr Wis­sen über das Agrar­öko­sys­tem Streu­obst­wie­se im Kli­ma­wan­del zu schaf­fen sowie regi­ons­spe­zi­fi­sche Anpas­sungs­maß­nah­men zu ent­wi­ckeln.

Mit Unter­stüt­zung von Land­schafts­pfle­ge­ver­bän­den, Streuobstmanager:innen und Kreisfachberater:innen konn­ten 40 Bewirt­schaf­ten­de aus ganz Bay­ern für die Teil­nah­me am For­schungs­pro­jekt begeis­tert wer­den. Die 40 Streu­obst­wie­sen befin­den sich in den Land­krei­sen Aschaf­fen­burg, Main-Spes­sart, Würz­burg, Kit­zin­gen, Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen, Rosen­heim, Deg­gen­dorf und Regen und decken somit unter­schied­li­che Kli­ma­re­gio­nen ab.

Das Pro­jekt wird bis Ende Sep­tem­ber 2025 durch das Baye­ri­sche Staats­mi­nis­te­ri­um für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Fors­ten geför­dert.

Über einen Zeit­raum von 3 Jah­ren wer­den die Bewirt­schaf­ten­den auf ihren Streu­obst­wie­sen Daten wie z.B. der Beginn der Obst­baum­blü­te, einen früh­zei­ti­gen Frucht­fall und Blatt­fall sowie Son­nen­brand­schä­den erhe­ben. Zusätz­lich doku­men­tie­ren sie ihre Bewirt­schaf­tungs­prak­ti­ken wie Dünung, Baum­schnitt, Unter­wuchs­pfle­ge und Bewäs­se­rung. Alle im Pro­jekt betei­lig­ten Bewirt­schaf­ten­de enga­gie­ren sich ehren­amt­lich und ermög­li­chen dadurch eine umfang­rei­che Daten­auf­nah­me.

Mit auf den Streu­obst­wie­sen auf­ge­stell­ten Mess­ge­rä­ten wir die loka­le Luft­tem­pe­ra­tur und –feuch­te, die Son­nen­ein­strah­lung sowie die Nie­der­schlags­men­ge gemes­sen.

Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler der HSWT und TUM erfas­sen Para­me­ter wie bei­spiels­wei­se das Trieb­län­gen­wachs­tum, die Nähr­stoff­ver­sor­gung der Böden sowie den Befall mit Krank­hei­ten und Schäd­lin­gen.

Mit den erho­be­nen Daten soll her­aus­ge­fun­den wer­den, auf wel­chen Stand­or­ten zukünf­tig Streu­obst ange­baut wer­den kann, wel­che öko­lo­gi­sche Zusatz­struk­tu­ren (z.B. Hecken, Kraut­säu­me) die Baum­ge­sund­heit unter­stüt­zen, wel­che Obst­ar­ten- und Sor­ten und wel­che Bewirt­schaf­tungs­prak­ti­ken für die jewei­li­gen Regio­nen zu emp­feh­len sind.

Mit einer Auf­takt­ver­an­stal­tung am 5.Mai in Gnotz­heim (Lkr. Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen) star­te­te das Pro­jekt. Hier konn­ten sich die Teil­neh­men­den des neu ent­stan­de­nen Netz­werks aus­tau­schen und mehr über das Vor­ge­hen im Pro­jekt erfah­ren. In der Zwi­schen­zeit wur­den vom Pro­jekt­team die zu beob­ach­ten­den Streu­obst­bäu­me mar­kiert und die Mess­ge­rä­te auf­ge­stellt, dem Beginn der Beob­ach­tun­gen steht nun nichts mehr im Wege.

Foto: Land­schafts­pfle­ge­ver­band Mit­tel­fran­ken