La Dolce Vita in der Stadt- und Schulbücherei

von | 10. Februar 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen

Ein Abend mit Ales­san­dro Mega, Kris­ty Husz und Ill­i­de Mario­li

Der Abend sei eine Ein­la­dung, für eini­ge Stun­den das „Dol­ce Vita“, die klei­nen Momen­te des Lebens, zu genie­ßen, – so star­te­te Mode­ra­to­rin Caro­lin Föt­tin­ger das bun­te Pro­gramm auf der klei­nen Büche­rei­büh­ne. Im Vor­feld mach­te sich das Büche­rei­team auf die Suche nach Lands­leu­ten und Kul­tur­schaf­fen­den aus Ita­li­en, die sich in der Regi­on nie­der­ge­las­sen haben und wur­de in Wolf­rams-Eschen­bach fün­dig: Seit 26 Jah­ren lebt Gitar­rist und Sän­ger Ales­san­dro Mega in Deutsch­land und hat sich bei uns in der Regi­on, nicht zuletzt wegen sei­nes Leon­hard-Cohen-Pro­gramms einen Namen gemacht.

Ita­lie­ni­sche Schla­ger und Ever­greens hat­te der Musi­ker in die Büche­rei mit­ge­bracht und sei­ne Songs hat­ten Wie­der­erken­nungs­wert: Es sei, wie in einem Foto­al­bum zu blät­tern, mit jedem Lied sei eine Erin­ne­rung ver­bun­den. Mit dabei hat­te er Lie­der von Andria­no Celen­ta­no, Pao­lo Con­te, Gian­na Nan­ni­ni, Eudardo Ben­n­a­to, Eros Rama­zot­ti und ande­ren. Nicht feh­len durf­te „L’Italiano“ von Toto Cotug­no. Hier wür­den wirk­lich sämt­li­che Kli­schees, die man über Ita­li­en hört auf­ge­lis­tet, sag­te Ales­san­dro Mega mit einem Augen­zwin­kern.

Mit sicht­lich viel Spaß beglei­te­te der Pro­fi-Musi­ker den Abend, hat­te mit dem „Vola­re-Chor“ das kom­plet­te Publi­kum auf sei­ner Sei­te und war am Ende mit sei­nen Zuga­ben kaum zu brem­sen.

Zu einer Bil­der­rei­se durch Ita­li­en – von Mai­land bis Paler­mo lud Ill­i­de Mario­li ein. Sie ist in dem klei­nen Ort Esi­ne in der Pro­vinz Bre­scia auf­ge­wach­sen und lebt seit 35 Jah­ren in Markt Berolz­heim. Für die Volks­hoch­schu­len in Wei­ßen­burg und Treucht­lin­gen unter­rich­tet sie Ita­lie­nisch.

Bei Ill­i­de Mario­lis klei­nem Vor­trag zu Land und Leu­ten ging es nicht nur um tou­ris­ti­sche Attrak­tio­nen und Bau­kunst, es gab auch so man­chen Hin­weis auf die Unter­schie­de zwi­schen deut­schem und ita­lie­ni­schem Lebens­stil. „Wir sind kei­ne Früh­stücks­men­schen“, erzähl­te die Nord­ita­lie­ne­rin. Mor­gens sei es üblich, in einer Bar oder einem Café einen oder zwei Espres­si zu trin­ken und sich nur für eine Vier­tel­stun­de mit den ande­ren Gäs­ten zu unter­hal­ten. In ihrem klei­nen Dorf gebe es des­halb 14 Cafés. Eben­so hei­lig sei der Ape­ri­tif zwi­schen 17 und 18 Uhr, bei dem es auch ein paar sal­zi­ge Häpp­chen gebe.

Die ita­lie­ni­schen Märk­te sind für ihre Viel­falt und ihre fri­schen Waren bekannt und zie­hen ja auch vie­le Ita­li­en-Besu­cher an. Ill­i­de Mario­li wies auf die in Ita­li­en erfolg­rei­che Kam­pa­gne „Chi­lo­me­tro Zero“ hin, mit den Pro­duk­ten aus der jewei­li­gen Regi­on ohne gro­ße Trans­port­we­ge und Trans­pa­renz in Sachen Her­stel­lung bewor­ben wer­den.

Rei­se­zie­le in ganz Ita­li­en vom Iseo-See über Mai­land, Bolo­gna, Flo­renz und Rom bis nach Sizi­li­en kamen im Vor­trag zur Spra­che und es gab von Ill­i­de Mario­li gute Tipps. Bei­spiels­wei­se riet sie dazu, Vene­dig nicht nur als Tages­tou­rist zu erle­ben, son­dern ein­mal zu über­nach­ten. Abends sei­en die Gas­sen und Plät­ze Vene­digs nicht mehr so voll.

Die Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­le­rin Kris­ty Husz wid­me­te in ihrem Part der ita­lie­ni­schen Erfolgs­au­torin Ele­na Ferran­te viel Raum und las den Pro­log aus „Mei­ne genia­le Freun­din“. Ele­na Ferran­te wird auch als „Phan­tom der ita­lie­ni­schen Lite­ra­tur“ ver­stan­den, denn sie ver­öf­fent­licht ihre Roma­ne, allem vor­an ihre „Nea­po­li­ta­ni­sche Saga“ unter einem Pseud­onym. Im zwei­ten Lesungs­teil ließ Kris­ty Husz den beson­de­ren Humor von Gio­van­ni­no Gua­re­schi auf­le­ben, der sich seit Weih­nach­ten 1946 die klei­nen Strei­tig­kei­ten des schlitz­oh­ri­gen katho­li­schen Pries­ters Don Camil­lo mit dem eben­so schlag­fer­ti­gen kom­mu­nis­ti­schen Dorf­bür­ger­meis­ter Pep­po­ne aus­ge­dacht hat. Wirk­lich unver­söhn­lich ste­hen sich Pries­ter und Sozia­list aber nicht gegen­über, beton­te Kris­ty Husz: Am Ende ste­hen die Streit­häh­ne sich näher, als die bei­den es wahr­ha­ben möch­ten.

Ita­li­en-Flair ver­mit­telt auch die neue Aus­stel­lung von vier Mit­glie­dern des Rother Kunst­ver­eins Spek­trum. Die Aben­ber­ger Künst­le­rin Sabi­ne Weig­and war beim Ita­li­en-Abend dabei und eini­ge Gäs­te nut­zen die Gele­gen­heit, mit ihr über ihre Ita­li­en-Ein­drü­cke ins Gespräch zu kom­men. Einen Son­der­ap­plaus zum Ende des Abends gab es für das Büche­rei­team, ins­be­son­de­re für Nico­le Kehr­s­te­phan und Ulri­ke Zatsch­ker, die mit der Orga­ni­sa­ti­on des Buf­fets mit ita­lie­ni­schen Spe­zia­li­tä­ten – von Anti­pas­ti über Capo­na­ta und Piz­za­b­lu­me zur Tor­ta de Non­na den Pro­gramm­punkt „Kuli­na­rik“ über­nom­men hat­ten. 

Foto: Stadt Gunzenhausen/Babett Gut­h­mann