Referendare erleben gutes Zusammenspiel im Seenland
Pleinfeld/Heidenheim – Wenn im fränkischen Rohrachtal der Himmel seine Schleusen öffnete, hieß es für die Menschen in den Dörfern rund um den Hahnenkammsee in der Vergangenheit häufig: Land unter. Schlamm und Wassermassen wälzten sich von den Feldern direkt in die Ortschaften. Wie man solche Naturkräfte durch das Hand-in-Hand-Arbeiten von Wasserwirtschaft und Ländlicher Entwicklung zähmt, schauten sich jetzt knapp 20 Referendare mit ihren Ausbildungsleitern beider Fachrichtungen aus ganz Bayern an. Das Fränkische Seenland diente dabei als Paradebeispiel für die behördenübergreifende Zusammenarbeit.
Der Startschuss für die Exkursion fiel an der Mandlesmühle in Pleinfeld. Abteilungsleiterin Helga Pfitzinger-Schiele vom Wasserwirtschaftsamt Ansbach nahm die jungen Nachwuchskräfte hier mit auf eine Reise durch die Entstehungsgeschichte des Fränkischen Seenlands. Das gigantische Infrastrukturprojekt wurde ab den 1970er-Jahren realisiert, um das chronisch trockene Nordbayern über ein ausgeklügeltes System aus Talsperren und Überleitungen mit Wasser aus dem Süden zu versorgen und gleichzeitig den Hochwasserschutz im Altmühltal massiv zu verbessern.
Dass dieses Jahrhundertprojekt überhaupt realisiert werden konnte, ist auch einer grandiosen Gemeinschaftsleistung zu verdanken: Das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Mittelfranken leistete im Hintergrund die fundamentale bodenordnerische Unterstützung. Mit über 34 Flurneuordnungs- und Dorferneuerungsverfahren auf einer Gesamtfläche von circa 34.000 Hektar regelte die Behörde den enormen Flächenbedarf für die Seen, löste Landnutzungskonflikte und sicherte durch klugen Grundstückstausch die Existenz der betroffenen Landwirte. Darüber hinaus entwickelte sich die Region zu einem Vorzeigegebiet für Naherholung und Tourismus, das seither Kaufkraft bindet und wichtige Arbeitsplätze im ländlichen Raum schafft.
Das direkt am Brombachsee gelegene Infozentrum „Mandlesmühle“ des Wasserwirtschaftsamts Ansbach machte schnell deutlich, dass das Gesamtsystem heute Millimeterarbeit am Computer ist. Die historische Mühle beherbergt eine interaktive, multimediale Ausstellung, die als zentraler Anlaufpunkt für die Öffentlichkeit dient und den Bogen von Kaiser Karls historischem Grabenbau im Jahr 793 bis zur hochmodernen, computergesteuerten Wasserüberleitung von heute spannt.
Zwei Behörden, ein gemeinsames Ziel
Nach dem Besuch der Staustufe am Brombachsee ging es weiter zum Hahnenkammsee. Das Naturidyll – als erster Speichersee des Seenlands künstlich angelegt – kämpfte jahrelang an zwei Fronten: wiederkehrenden Blaualgen-Plagen auch als Folge von Sturzfluten nach Unwettern. Hier zeigt sich die Kraft der behördenübergreifenden Allianz: Während das Wasserwirtschaftsamt für die Gewässerstrukturen zuständig ist, packt das Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken über die Initiative „boden:ständig“ direkt an der Wurzel auf den umliegenden Flächen an. Seit 2018 läuft das Projekt am Hahnenkamm als gemeinsamer Problemlöser.
Umsetzungsbegleiter Jakob Meier und Mitarbeiterin Lena Bentele stellte zusammen mit Abteilungsleiter Ingo Steinbrecher sowie Projektleiter und Vorsitzendem der Teilnehmergemeinschaft Hahnenkamm Markus Früh – alle vier vom ALE Mittelfranken – die wichtigsten Maßnahmen vor. Die Lösung: Die Landwirte haben eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um Niederschläge besser in den Boden infiltrieren zu lassen und weniger Erdabtrag zu verursachen. Doch durch die innovative Bewirtschaftung alleine lassen sich nicht alle Probleme lösen. An bestimmten Stellen ist es notwendig durch Landschaftsumbau abfließendes Wasser umzuleiten, zwischenzuspeichern und gegebenenfalls versickern zu lassen.
Vom Acker bis zum Becken: Die Praxis überzeugt
Mittlerweile sind 17 Maßnahmen erfolgreich umgesetzt. Wie das in der Praxis aussieht, besichtigte die Gruppe in Hechlingen am See. Wo früher Schlamm bis in den Ort schoss, bremsen heute vier hintereinandergeschaltete Becken die Flut. Rund 1.000 Kubikmeter Wasser – das entspricht der Masse von fast 6.600 vollen Badewannen – werden hier aufgefangen. Das Wasser beruhigt sich, das mitgeführte Erdreich kann sich am Boden absetzen und sauberes Wasser fließt kontrolliert ab.
Zum Abschluss ging es zur Balsenmühle bei Heidenheim: Eine oft ungenutzte Wiese wurde hier in eine natürliche Wasserrückhaltung verwandelt. Wo das Wasser früher ungebremst in die Rohrach floss, sorgt nun ein Becken nach Starkregen für eine sanfte Bremse. Das Erfolgsgeheimnis am Hahnenkamm ist und bleibt die Kooperation: Hier arbeiteten und arbeiten die Fachbehörden wie das Wasserwirtschaftsamt Ansbach, das Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken, der Landschaftspflegeverband Mittelfranken, das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie die Marktgemeinde Heidenheim Hand in Hand mit den Landwirten und Anwohnern vor Ort – für die Natur und die Sicherheit der Bevölkerung. 160.000 Euro an Fördergeldern flossen über die Initiative bereits in die „boden:ständig“-Maßnahmen – von Hechlingen bis Heidenheim. Für die relativ große Anzahl an Maßnahmen mit umfangreichen Erdarbeiten und Maschineneinsätzen ist der Kostenumfang bisher überschaubar geblieben.
Bildunterschrift: Umsetzungsbegleiter Jakob Meier (links) und Projektleiter Markus Früh (Zweiter von links) vom ALE Mittelfranken erklären den Referendaren am Hahnenkammsee, wie die dezentralen Rückhaltemaßnahmen der Initiative „boden:ständig“ funktionieren. Foto: ALE Mittelfranken


