Ländliche Entwicklung trifft Wasserwirtschaft

von | 29. Juni 2026 | Allgemein, Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Refe­ren­da­re erle­ben gutes Zusam­men­spiel im Seen­land

Pleinfeld/Heidenheim – Wenn im frän­ki­schen Rohr­ach­tal der Him­mel sei­ne Schleu­sen öff­ne­te, hieß es für die Men­schen in den Dör­fern rund um den Hah­nen­kamm­see in der Ver­gan­gen­heit häu­fig: Land unter. Schlamm und Was­ser­mas­sen wälz­ten sich von den Fel­dern direkt in die Ort­schaf­ten. Wie man sol­che Natur­kräf­te durch das Hand-in-Hand-Arbei­ten von Was­ser­wirt­schaft und Länd­li­cher Ent­wick­lung zähmt, schau­ten sich jetzt knapp 20 Refe­ren­da­re mit ihren Aus­bil­dungs­lei­tern bei­der Fach­rich­tun­gen aus ganz Bay­ern an. Das Frän­ki­sche Seen­land dien­te dabei als Para­de­bei­spiel für die behör­den­über­grei­fen­de Zusam­men­ar­beit.

Der Start­schuss für die Exkur­si­on fiel an der Man­dles­müh­le in Plein­feld. Abtei­lungs­lei­te­rin Hel­ga Pfit­zin­ger-Schie­le vom Was­ser­wirt­schafts­amt Ans­bach nahm die jun­gen Nach­wuchs­kräf­te hier mit auf eine Rei­se durch die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des Frän­ki­schen Seen­lands. Das gigan­ti­sche Infra­struk­tur­pro­jekt wur­de ab den 1970er-Jah­ren rea­li­siert, um das chro­nisch tro­cke­ne Nord­bay­ern über ein aus­ge­klü­gel­tes Sys­tem aus Tal­sper­ren und Über­lei­tun­gen mit Was­ser aus dem Süden zu ver­sor­gen und gleich­zei­tig den Hoch­was­ser­schutz im Alt­mühl­tal mas­siv zu ver­bes­sern.

Dass die­ses Jahr­hun­dert­pro­jekt über­haupt rea­li­siert wer­den konn­te, ist auch einer gran­dio­sen Gemein­schafts­leis­tung zu ver­dan­ken: Das Amt für Länd­li­che Ent­wick­lung (ALE) Mit­tel­fran­ken leis­te­te im Hin­ter­grund die fun­da­men­ta­le boden­ord­ne­ri­sche Unter­stüt­zung. Mit über 34 Flur­neu­ord­nungs- und Dorf­er­neue­rungs­ver­fah­ren auf einer Gesamt­flä­che von cir­ca 34.000 Hekt­ar regel­te die Behör­de den enor­men Flä­chen­be­darf für die Seen, lös­te Land­nut­zungs­kon­flik­te und sicher­te durch klu­gen Grund­stücks­tausch die Exis­tenz der betrof­fe­nen Land­wir­te. Dar­über hin­aus ent­wi­ckel­te sich die Regi­on zu einem Vor­zei­ge­ge­biet für Nah­erho­lung und Tou­ris­mus, das seit­her Kauf­kraft bin­det und wich­ti­ge Arbeits­plät­ze im länd­li­chen Raum schafft.

Das direkt am Brom­b­ach­see gele­ge­ne Info­zen­trum „Man­dles­müh­le“ des Was­ser­wirt­schafts­amts Ans­bach mach­te schnell deut­lich, dass das Gesamt­sys­tem heu­te Mil­li­me­ter­ar­beit am Com­pu­ter ist. Die his­to­ri­sche Müh­le beher­bergt eine inter­ak­ti­ve, mul­ti­me­dia­le Aus­stel­lung, die als zen­tra­ler Anlauf­punkt für die Öffent­lich­keit dient und den Bogen von Kai­ser Karls his­to­ri­schem Gra­ben­bau im Jahr 793 bis zur hoch­mo­der­nen, com­pu­ter­ge­steu­er­ten Was­se­rü­ber­lei­tung von heu­te spannt.

Zwei Behör­den, ein gemein­sa­mes Ziel
Nach dem Besuch der Stau­stu­fe am Brom­b­ach­see ging es wei­ter zum Hah­nen­kamm­see. Das Natur­idyll – als ers­ter Spei­cher­see des Seen­lands künst­lich ange­legt – kämpf­te jah­re­lang an zwei Fron­ten: wie­der­keh­ren­den Blau­al­gen-Pla­gen auch als Fol­ge von Sturz­flu­ten nach Unwet­tern. Hier zeigt sich die Kraft der behör­den­über­grei­fen­den Alli­anz: Wäh­rend das Was­ser­wirt­schafts­amt für die Gewäs­ser­struk­tu­ren zustän­dig ist, packt das Amt für Länd­li­che Ent­wick­lung Mit­tel­fran­ken über die Initia­ti­ve „boden:ständig“ direkt an der Wur­zel auf den umlie­gen­den Flä­chen an. Seit 2018 läuft das Pro­jekt am Hah­nen­kamm als gemein­sa­mer Pro­blem­lö­ser.

Umset­zungs­be­glei­ter Jakob Mei­er und Mit­ar­bei­te­rin Lena Ben­te­le stell­te zusam­men mit Abtei­lungs­lei­ter Ingo Stein­bre­cher sowie Pro­jekt­lei­ter und Vor­sit­zen­dem der Teil­neh­mer­ge­mein­schaft Hah­nen­kamm Mar­kus Früh – alle vier vom ALE Mit­tel­fran­ken – die wich­tigs­ten Maß­nah­men vor. Die Lösung: Die Land­wir­te haben eine Rei­he von Maß­nah­men ergrif­fen, um Nie­der­schlä­ge bes­ser in den Boden infil­trie­ren zu las­sen und weni­ger Erd­ab­trag zu ver­ur­sa­chen. Doch durch die inno­va­ti­ve Bewirt­schaf­tung allei­ne las­sen sich nicht alle Pro­ble­me lösen. An bestimm­ten Stel­len ist es not­wen­dig durch Land­schafts­um­bau abflie­ßen­des Was­ser umzu­lei­ten, zwi­schen­zu­spei­chern und gege­be­nen­falls ver­si­ckern zu las­sen.

Vom Acker bis zum Becken: Die Pra­xis über­zeugt
Mitt­ler­wei­le sind 17 Maß­nah­men erfolg­reich umge­setzt. Wie das in der Pra­xis aus­sieht, besich­tig­te die Grup­pe in Hech­lin­gen am See. Wo frü­her Schlamm bis in den Ort schoss, brem­sen heu­te vier hin­ter­ein­an­der­ge­schal­te­te Becken die Flut. Rund 1.000 Kubik­me­ter Was­ser – das ent­spricht der Mas­se von fast 6.600 vol­len Bade­wan­nen – wer­den hier auf­ge­fan­gen. Das Was­ser beru­higt sich, das mit­ge­führ­te Erd­reich kann sich am Boden abset­zen und sau­be­res Was­ser fließt kon­trol­liert ab.

Zum Abschluss ging es zur Bal­sen­müh­le bei Hei­den­heim: Eine oft unge­nutz­te Wie­se wur­de hier in eine natür­li­che Was­ser­rück­hal­tung ver­wan­delt. Wo das Was­ser frü­her unge­bremst in die Rohr­ach floss, sorgt nun ein Becken nach Stark­re­gen für eine sanf­te Brem­se. Das Erfolgs­ge­heim­nis am Hah­nen­kamm ist und bleibt die Koope­ra­ti­on: Hier arbei­te­ten und arbei­ten die Fach­be­hör­den wie das Was­ser­wirt­schafts­amt Ans­bach, das Amt für Länd­li­che Ent­wick­lung Mit­tel­fran­ken, der Land­schafts­pfle­ge­ver­band Mit­tel­fran­ken, das Amt für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Fors­ten sowie die Markt­ge­mein­de Hei­den­heim Hand in Hand mit den Land­wir­ten und Anwoh­nern vor Ort – für die Natur und die Sicher­heit der Bevöl­ke­rung. 160.000 Euro an För­der­gel­dern flos­sen über die Initia­ti­ve bereits in die „boden:ständig“-Maßnahmen – von Hech­lin­gen bis Hei­den­heim. Für die rela­tiv gro­ße Anzahl an Maß­nah­men mit umfang­rei­chen Erd­ar­bei­ten und Maschi­nen­ein­sät­zen ist der Kos­ten­um­fang bis­her über­schau­bar geblie­ben.

Bild­un­ter­schrift: Umset­zungs­be­glei­ter Jakob Mei­er (links) und Pro­jekt­lei­ter Mar­kus Früh (Zwei­ter von links) vom ALE Mit­tel­fran­ken erklä­ren den Refe­ren­da­ren am Hah­nen­kamm­see, wie die dezen­tra­len Rück­hal­te­maß­nah­men der Initia­ti­ve „boden:ständig“ funk­tio­nie­ren. Foto: ALE Mit­tel­fran­ken