Landg’macht. Regionale Produkte aus Altmühlfranken

von | 7. Juni 2025 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Pleinfeld, Treuchtlingen, Weißenburg

(red). Regio­na­le Lebens­mit­tel? In Alt­mühl­fran­ken kein Pro­blem. Eine leben­di­ge Sze­ne an Direkt­ver­mark­tern ist hier zuhau­se und steht für Regio­na­li­tät im Ein­kaufs­korb. Vom Apfel bis zur Zuc­chi­ni, vom Büf­fel bis zur Wach­tel. In Rah­men der Serie „Landg’macht“ erzäh­len wir die Geschich­ten der Men­schen, die hin­ter die­sen Pro­duk­ten ste­hen. Machen Sie sich mit uns auf eine Rei­se zu den Direkt­ver­mark­tern Alt­mühl­fran­kens. Zu Men­schen vol­ler Lei­den­schaft für Lebens­mit­tel, Lie­be zur Natur und Zunei­gung zu der Regi­on, in der sie zuhau­se sind.

Die Serie „Landg’macht. Regio­na­le Pro­duk­te aus Alt­mühl­fran­ken“ hat fünf Betrie­be besucht. Heu­te: Imke­rei Riedl.

Von Büf­feln, Bie­nen und einer beson­de­ren Idee der Land­wirt­schaft

„Ich habe wahr­schein­lich die meis­ten Tie­re im Land­kreis, dabei aber die wenigs­te Flä­che“, sagt Max Riedl und lacht. Der 31-Jäh­ri­ge aus dem Wei­ßen­bur­ger Orts­teil Emetz­heim ist ein Mann der land­wirt­schaft­li­chen Son­der­fäl­le. Einer der weni­gen Wan­der­im­ker des Land­krei­ses, der mit sei­nen rund 70 Völ­kern durch die hal­be Repu­blik fährt, und der ers­te Was­ser­büf­fel-Hal­ter Alt­mühl­fran­kens.

Jetzt steht er in Emetz­heim auf einem klei­nen, läng­li­chen Grund­stück, am Ran­de des Ham­mer­stadt­gra­bens, schiebt die Base­ball-Cap auf sei­nem Kopf nach hin­ten, kratzt sich am Nacken und über­legt, wie es eigent­lich genau zu all die­sen außer­ge­wöhn­li­chen Din­gen kam.

Nach eini­ger Zeit kommt er zu einer vor­läu­fi­gen Ant­wort. „Naja, schon auch, weil ich ein biss­chen spinn“, sagt er, zuckt mit den Schul­tern und lächelt.  Was Max Riedl mit „Spin­nen“ meint? Ver­mut­lich sei­ne grund­le­gen­de, fast schon kom­pro­miss­lo­se Begeis­te­rung für die Land­wirt­schaft. Für das Küm­mern um Tie­re und Pflan­zen, für die kör­per­li­che Arbeit an der fri­schen Luft, dafür zuzu­se­hen, wie die Din­ge wach­sen und gedei­hen.

„Ich woll­te wirk­lich immer in die Land­wirt­schaft. Schon als Kind war klar, dass es was in der Rich­tung wer­den muss. Was ande­res kam nicht in Fra­ge.“ Dabei erleb­te er die Land­wirt­schaft gar nicht mehr aktiv – zumin­dest nicht bei sei­nen Eltern. Eine Gene­ra­ti­on wei­ter aller­dings gab es den Bezug.

Eine Land­wirt­schaft von Frü­her

Der Groß­va­ter müt­ter­li­cher­seits war einer der spä­ten Ver­tre­ter jener dörf­li­chen Land­wirt­schaft, in der man nicht Viel von Einem, son­dern von Vie­lem ein biss­chen gemacht hat. Er war Bau­er, Metz­ger und Gast­wirt in einem. „Er hat sei­ne Schwei­ne gefüt­tert, sie geschlach­tet und in der Metz­ge­rei und im Wirts­haus ver­kauft“, erzählt Riedl. Man spürt sei­ne Sym­pa­thie für die­se Art der Land­wirt­schaft. Genau­ge­nom­men war sein Groß­va­ter ein Direkt­ver­mark­ter — wie sein Enkel nun auch – nur, dass sich der Groß­va­ter selbst wohl nie­mals so bezeich­net hät­te.

Max Riedl impo­niert es, wenn man das Wach­sen und Wer­den von Anfang bis Ende beglei­tet. In der kon­ven­tio­nel­len Land­wirt­schaft von heu­te, müs­sen Land­wir­te Spe­zia­lis­ten sein, die in einem klei­nen Bereich sehr gut sind. Sie müs­sen viel pro­du­zie­ren, um mit Men­ge auf dem Welt­markt ihre höhe­ren Pro­duk­ti­ons­kos­ten aus­zu­glei­chen. Das birgt die Gefahr, sich abhän­gig vom Markt und die ihn domi­nie­ren­den Groß­un­ter­neh­men zu machen.

Das kleins­te Nutz­tier

Max Riedl mag das nicht kri­ti­sie­ren, er ist ein über­zeug­ter Für­spre­cher der klei­nen und mit­tel­stän­di­schen baye­ri­schen Bau­ern, die sehr genau wüss­ten, wie sie mit ihren Tie­ren, Äckern und Wie­sen gut umge­hen. Sei­ne Idee von Land­wirt­schaft ist aber trotz­dem eine ande­re. Eben die, von Anfang bis Ende einen Pro­zess zu beglei­ten. Nur, ohne einen elter­li­chen Bau­ern­hof und die Maschi­nen, die Gebäu­de, die Flä­chen, die dazu­ge­hö­ren, wird man nicht mal auf die Schnel­le zum Milch­bau­ern oder Schwei­ne­züch­ter. Also kon­zen­trier­te sich Max Riedl auf das Kleins­te zu hal­ten­de Nutz­tier, dass die hie­si­ge Land­wirt­schaft so her­gibt und das zugleich viel­leicht auch noch das aller­wich­tigs­te ist: Die Bie­ne.

Drei Per­so­nen prü­fen jeweils einen Bie­nen­stock. Sie heben dabei die Bie­nen­rah­men aus dem Stock. Sie sind umge­ben von Rauch. Im Hin­ter­grund steht ein wei­ßes Auto.

70 Völ­ker ste­hen auf einer Wie­se zwi­schen Streu­obst­bäu­men, Hecken und Fel­dern nahe Emetz­heim. Die Völ­ker sind gera­de dabei, die Arbei­ter-Bie­nen für die begin­nen­de Ern­te­sai­son schlüp­fen zu las­sen. Auf bis zu 3,5 Mil­lio­nen Ein­zel­in­di­vi­du­en wird sei­ne Bie­nen­her­de in die­sem Jahr noch anschwel­len. Dass er die meis­ten Tie­re im Land­kreis hält, dürf­te so gese­hen also durch­aus zutref­fend sein.

Im Unter­schied zu den meis­ten Imkern, die eher ein paar Völ­ker als Hob­by hal­ten, sind die Bie­nen und ihr Honig für den 31-jäh­ri­gen Emetz­hei­mer ein wirt­schaft­li­ches Stand­bein. Im Früh­jahr und im Som­mer wan­dert er mit sei­nen Völ­kern, den Blü­ten nach. Die Obst­blü­te und den Raps nimmt er zuhau­se mit, dann geht es in den Schwarz­wald, um Tan­nen­ho­nig zu ern­ten, oder nach Rhein­land-Pfalz, wo sei­ne Tie­re auf Edel­kas­ta­ni­en Nek­tar sau­gen.

Wie man aus Nichts viel macht

Wenn man es genau nimmt, ist Riedl ein Meis­ter dar­in, aus Nichts etwas zu machen. Denn im Unter­schied zu allen ande­ren Nutz­tie­ren, muss man bei Bie­nen das Fut­ter nicht bezah­len – zumin­dest die meis­te Zeit des Jah­res. Der Imker darf sei­ne Bie­nen kos­ten­frei auf­stel­len. „Die Bau­ern bekom­men die Bestäu­bungs­leis­tung der Bie­nen und ein biss­chen Honig. Das wars“, erklärt der jun­ge Emetz­hei­mer.

Wenn man Bau­er sein will, aber wenig hat, muss man eben krea­tiv sein. Und damit wäre man dann bei den Was­ser­büf­feln von Max Riedl und ein wenig auch bei sei­ner Groß­mutter väter­li­cher­seits. „Mei­ne Groß­mutter hat­te einen frei­flie­gen­den Roten Ara, von ihr habe ich mei­ne Fas­zi­na­ti­on für exo­ti­sche Tie­re“, erzählt er. „Ich habe es ein­fach von bei­den Sei­ten im Blut“, stellt er fest und meint die Land­wirt­schaft und die Lie­be zu Tie­ren.

Der jun­ge Land­wirt steht jetzt steht inmit­ten von sechs gemüt­li­chen Was­ser­büf­feln, die sich abwech­selnd ihre Strei­chel­ein­hei­ten bei ihm abho­len. Wäh­rend er gera­de davon erzählt, wie er die duld­sa­men Tie­re das ers­te Mal in einem Fern­seh­be­richt gese­hen hat, wischt ihm eine der lan­gen, wei­ßen Zun­gen der Tie­re quer übers Gesicht. Riedl ver­zieht kurz die Mie­ne, tät­schelt das ein paar hun­dert Kilo schwe­re Tier und schiebt es sanft ein wenig auf Distanz.

Vom Zoo auf die Wei­de

Ein­ein­halb Jah­re sind die sechs weib­li­chen Was­ser­büf­fel inzwi­schen alt, die mit vier Mona­ten nach Emetz­heim kamen. „Wir haben die hier wirk­lich auf­ge­zo­gen und waren jeden Tag drau­ßen, da kriegt man schon eine enge Ver­bin­dung.“ Auch in die­sem Fall hat der Emetz­hei­mer einen span­nen­den Son­der­weg gewählt. Denn die Was­ser­büf­fel sind zwar gut­mü­ti­ge und fas­zi­nie­ren­de Tie­re, es hat aber sei­nen Grund, war­um man sie nor­ma­ler­wei­se im Zoo sieht und nicht auf alt­mühl­frän­ki­schen Wei­den.

Sie las­sen sich nicht auf engem Raum hal­ten, sie wach­sen lang­sa­mer und geben weni­ger Fleisch. Aus betriebs­wirt­schaft­li­cher Sicht sind sie ein Pro­blem. Mehr Arbeit für weni­ger Ertrag. Dafür aber kön­nen sie etwas ande­res. Ihr Name ist kein Zufall. Sie hei­ßen Was­ser­büf­fel, weil sie auch an extrem feuch­ten Stand­or­ten klar­kom­men. Wo ande­re Rin­der längst knö­chel­tief im Schlamm ver­sin­ken wür­den und sich die Klau­en ent­zün­den, kön­nen sich Was­ser­büf­fel mit ihren spe­zi­el­len Hufen immer noch gut fort­be­we­gen. Außer­dem sind sie beim Fres­sen kei­ne Fein­schme­cker. Wäh­rend moder­ne Hoch­leis­tungs­kü­he hohe Ansprü­che an ihre Nah­rung haben, sind Was­ser­büf­fel in der Lage auch Sau­er­grä­ser, Schilf und ande­re nähr­stoff­ar­me Pflan­zen zu ver­dau­en.

Die Super­kraft der Büf­fel

Das ist sozu­sa­gen ihre Super­kraft. Denn die Was­ser­büf­fel sind für den Natur­schutz inter­es­sant. Sie kön­nen dafür sor­gen, dass Feucht­wie­sen, die land­wirt­schaft­lich nicht mehr zu bear­bei­ten sind, nicht mit Aller­welts­ar­ten wie Schilf zuwach­sen und so ein offe­ner Lebens­raum blei­ben, der für sel­te­ne Arten wie Wie­sen­brü­ter, Orchi­deen und ande­re Exper­ten der Feucht­wie­sen zur Ver­fü­gung steht. Was die Scha­fe für die Tro­cken­ra­sen­hän­ge des Alt­mühl­tals, könn­ten die Was­ser­büf­fel für die Alt­mühl­au­en sein.

Und nur so wird für Max Riedl ein Schuh dar­aus. Denn allein von der Fleisch­ver­mark­tung der Büf­fel, die ver­mut­lich 2028 beginnt, lässt sich kaum leben. Da der Natur­schutz aber die Büf­fel braucht, um beson­ders wert­vol­len Flä­chen zu pfle­gen, gibt es auch hier Ver­dienst­mög­lich­kei­ten. In der Kom­bi­na­ti­on der bei­den Ein­kom­mens­quel­len hat Max Riedl mal wie­der einen Weg gefun­den, aus Nichts Viel zu machen und außer­dem sei­ne Idee von der Land­wirt­schaft umzu­set­zen.

Ein schwar­zes und ein brau­nes Zwerg­schaf auf einer Wie­se mit gro­ßen, gerin­gel­ten Hör­nern.

Denn für ihn ist es selbst­ver­ständ­lich, dass sei­ne Büf­fel­her­de die nächs­ten Jah­re wach­sen soll, wes­halb bald ein Stier die Her­de ergän­zen wird. Die Tie­re sol­len dann bei ihm gebo­ren wer­den, auf­wach­sen, dem Natur­schutz hel­fen und eines Tages geschlach­tet wer­den. „Das gehört dazu, das ist für mich nicht das Pro­blem, wich­tig ist mir aber, dass wir das gut hin­be­kom­men, dass es kein Stress für die Tie­re wird.“

Am liebs­ten wür­de er das Schlach­ten wahr­schein­lich auch noch selbst über­neh­men. Aber einst­wei­len hat Riedl noch ande­re Pro­ble­me. Gera­de ver­su­chen zwei Büf­fel zeit­gleich, sich Strei­chel­ein­hei­ten bei ihm abzu­ho­len und ein paar Meter wei­ter blö­ken die bre­to­ni­schen Zwerg­scha­fe um Auf­merk­sam­keit. Die wie­der­um wären eine eige­ne Geschich­te, aber das ein ande­res Mal.

Auf der Kam­pa­gnen­sei­te www.altmuehlfranken.de/landgmacht wer­den die Repor­ta­gen, Bil­der­stre­cken und Video­bei­trä­ge der Direkt­ver­mark­ter ver­öf­fent­licht. „Schau­en Sie doch auch mal auf unse­ren Social-Media-Kanä­len vor­bei, um die span­nen­den Geschich­ten unse­rer Direkt­ver­mark­ter ken­nen­zu­ler­nen“, lädt Land­rat Manu­el West­phal ein.

Bild­un­ter­schrift: Max Riedl und Lisa Stan­ka mit ihren „kleins­ten Nutz­tie­ren“ – den Bie­nen. Foto: be media / Felix Oeder