LBV feierte Jahreshauptversammlung und fand deutliche Worte

von | 23. März 2024 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Pap­pen­heim (red). Kürz­lich fand die dies­jäh­ri­ge Jah­res­haupt­ver­samm­lung der LBV-Kreis­grup­pe Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen statt. Der LBV lud in die­sem
Jahr zum Zusam­men­kom­men ins Gast­haus zur Son­ne in Pap­pen­heim.

Die Kreis­grup­pe bot den über 40 Gäs­ten dabei einen umfang­rei­chen Über­blick über die viel­fäl­ti­gen Betä­ti­gungs­fel­der des ver­gan­ge­nen Jah­res. Der Kreis­vor­sit­zen­de Sebas­ti­an Amler zeich­ne­te ein umfas­sen­des Bild über die Arbeit des ver­gan­ge­nen Jah­res und fand dabei mit­un­ter auch deut­li­che Wor­te. Der Geschäfts­füh­rer des Gesamt­ver­ban­des Hel­mut Beran lob­te die Kreis­grup­pe zudem und stell­te sie im bay­ern­wei­ten Ver­gleich beson­ders her­aus:
„Die Kreis­grup­pe Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen leis­tet wirk­lich her­vor­ra­gen­de Arbeit! Als LBV sind unse­re enga­gier­ten Akti­ven unser größ­tes Gut! Beson­ders möch­te ich mich des­halb bei der Vor­stand­schaft für ihre her­aus­ra­gen­de Arbeit bedan­ken!“, Auch er zeig­te sich jedoch ent­täuscht von den ver­gan­gen Wochen rund um Chance.natur und besorgt ob der aktu­el­len Natur­schutz­la­ge in Bay­ern. Nach Ent­las­tung der Vor­stand­schaft wur­den bei den Nach­wah­len Jas­min Kun­ze und Johan­na Wit­te­mann neu ins Vor­stands­team der Kreis­grup­pe gewählt.

So viel, wie in den letz­ten Wochen, wur­de in der Ver­gan­gen­heit wohl nur wenig über den Natur­schutz im Land­kreis Weis­sen­burg-Gun­zen­hau­sen berich­tet. Im Fokus dabei, dass Pro­jekt chance.natur ‑Lebens­raum Alt­mühl­tal. Einer der Trä­ger die­ses Pro­jek­tes: Der Natur­schutz­ver­band LBV. Die­ser lud nun in Form der LBV-Kreis­grup­pe zur dies­jäh­ri­gen Jah­res­haupt­ver­samm­lung. Das Haupt­au­gen­merk lag an die­sem Abend dabei nicht, wie in der Ver­gan­gen­heit zumeist, auf den Natur­schutz­pro­jek­ten des LBV. In sei­nem Bericht zeich­ne­te der LBV-Kreis­vor­sit­zen­de Sebas­ti­an Amler ein umfas­sen­des Bild über das Wir­ken der Kreis­grup­pe im Land­kreis und den aktu­el­len Zustand der hei­mi­schen Natur. Amler eröff­ne­te den Abend und the­ma­ti­sier­te zunächst eini­ge Kenn­zah­len und bedank­te sich bei sei­nen Vor­stands­kol­le­gin­nen und ‑Kol­le­gen: „Natur­schutz­ar­beit ist heu­te womög­lich so wich­tig wie nie zuvor und zudem auch viel­schich­ti­ger als wahr­schein­lich vie­le den­ken. Vie­les was wir im Vor­stand leis­ten und womit wir uns beschäf­ti­gen, tritt häu­fig nicht ins Ram­pen­licht. Allei­ne im letz­ten Jahr hat­ten wir bei­spiels­wei­se 17 Vor­stands­sit­zun­gen!“

Amler fuhr zugleich mit einem der High­lights des letz­ten Jah­res fort: Dem erst­ma­li­gen gemein­sa­men Pfle­ge­ein­satz mit der Regie­rung von Mit­tel­fran­ken und dem Was­ser­wirt­schafts­amt im Natur­schutz­ge­biet Vogel­in­sel. „Das war ein rich­tig star­ker Start ins Jahr!“, zeig­te sich Amler begeis­tert. Auch die Kino­vor­stel­lun­gen zum Film Vogel­per­spek­ti­ven in Treucht­lin­gen und Wei­ßen­burg ent­lock­ten dem LBV-Vor­sit­zen­den begeis­ter­te Wor­te. Auf die ers­ten High­lights des Jah­res folg­ten jedoch zunächst eini­ge Dämp­fer: Nie­der­moor in Treucht­lin­gen — Amler lob­te hier jedoch die Stadt Treucht­lin­gen für ihre Bemü­hun­gen im Nach­gang der Affä­re — die toten Sta­re bei Schlun­gen­hof und der ver­gif­te­te Rot­mi­lan bei Kal­ben­stein­berg. Beson­ders in die­sem Fall zeig­te sich Amler ernüch­tert, fand aber auch loben­de Wor­te: „Schluss­end­lich wur­den die poli­zei­li­chen Ermitt­lun­gen wegen einem Man­gel an Hin­wei­sen ein­ge­stellt. Dabei konn­ten wir durch die Unter­su­chun­gen klar nach­wei­sen, dass hier jemand mut­wil­lig min­des­tens vier Gift­kö­der aus­ge­bracht hat! Wir reden
hier nicht über eine Baga­tel­le, son­dern eine Straf­tat. Beim nächs­ten Mal ist es womög­lich nicht „nur“ ein Rot­mi­lan und eine Kat­ze, son­dern womög­lich eines unse­rer Kin­der. Ein gro­ßer Dank gilt in die­sem Kon­text nicht nur allen Akti­ven, die uns bei der Köder­su­che im Anschluss an den Fund aktiv unter­stützt haben, son­dern auch dem Jagd­ver­ein Gun­zen­hau­sen für sei­ne tat­kräf­ti­ge Hil­fe!

Wir freu­en uns sehr dar­über hier einen Star­ken Part­ner für den Natur­schutz im Land­kreis zu wis­sen“ Gemein­sam mit Jägern und Anwoh­nern mach­te sich der LBV damals auf die Suche nach wei­te­ren Gift­kö­dern, um Anwoh­ner und wei­te­re poten­zi­el­le Opfer zu schüt­zen. Der Fund führ­te zu bay­ern­wei­ter Auf­merk­sam­keit. Bereits in der Ver­gan­gen­heit wur­den immer wie­der Greif­vö­gel im Land­kreis ver­gif­tet auf­ge­fun­den.

Im Anschluss folg­ten dann zunächst wie­der posi­ti­ve­re The­men, wie bei­spiels­wei­se die neue mit­tel­fran­ken­wei­te Koope­ra­ti­on der LBV-Kreis­grup­pen im neu­en LBV-Bir­ders­club. Auch die neu­en, regel­mä­ßi­gen LBV-Stamm­ti­sche für Mit­glie­der und Inter­es­sier­te sowie ver­schie­de­ne Aktio­nen wie z.B. eine Nacht­fal­ter­ex­kur­si­on und die natur­kund­li­chen SUP-Tou­ren am Alt­mühl­see wur­den von den Zuhö­ren­den inter­es­siert ver­folgt. Anschlie­ßend muss­te Amler jedoch wie­der erns­te­re Töne anschla­gen. „Auch wenn uns, vor allem in den letz­ten Wochen immer wider gegen­tei­li­ges vor­ge­wor­fen wur­de: Als LBV stel­len wir uns nicht nur gern Kri­tik, son­dern beschäf­ti­gen uns auch pro­ak­tiv mit Kon­flikt­the­men!“, beton­te Amler. The­men­fel­der sei­en dabei bei­spiels­wei­se die Mücken­pro­ble­ma­tik bei Winds­feld, ver­schie­de­ne Gesprä­che mit Ver­tre­tern der Land­wirt­schaft oder auch der Wolf gewe­sen. Nicht nur durch Sich­tun­gen und ver­meint­li­che Ris­se im ver­gan­ge­nen Jahr, son­dern auch durch den vom LBV ver­an­stal­te­ten Wolfs­in­for­ma­ti­ons­abend im Ber­gen lag im ver­gan­ge­nen Jahr gro­ßes Inter­es­se auf dem Beu­te­grei­fer. Ent­täuscht zeig­te sich der LBV-Vor­sit­zen­de dabei jedoch von der aktu­el­len Gesprächs­kul­tur. „Wir sehen den wach­sen­den Popu­lis­mus und eine Ver­ro­hung der Gesprächs­kul­tur lei­der nicht nur in der Poli­tik, son­dern auch in unse­rem Land­kreis. Wir ver­su­chen immer das Gespräch zu suchen. Hier­zu braucht es aber auch offe­ne Ohren von bei­den Sei­ten und nicht nur For­de­run­gen. Wenn dann zudem noch gewähl­te Man­dats­trä­ger dro­hend beim Wolf mit Molo­tow­cock­tails wer­fen zu wol­len und dann nur weni­ge Mona­te spä­ter im Wie­sen­brü­ter­schutz Natur Natur sein las­sen for­dern, zeich­net dies lei­der ein düs­te­res Bild“, erklär­te Amler sicht­lich betrof­fen und schlug damit den Bogen zum alles über­ra­gen­den The­ma der
ver­gan­ge­nen Wochen: Chance.natur. Amler ver­wies auf die lan­des- aber auch bun­des­wei­te Auf­merk­sam­keit, die in den ver­gan­ge­nen Wochen auf dem Land­kreis und dem Pro­jekt lag und beton­te, dass der LBV auch wei­ter­hin alles in sei­ner Macht Mög­li­che tun wer­de, um das Aus­ster­ben der Arten im Land­kreis zu ver­hin­dern. In die­sem Kon­text beton­te Amler die Über­par­tei­lich­keit des LBV, fand aber auch loben­de und aner­ken­nen­de Wor­te für das Enga­ge­ment aus der Poli­tik rund um SPD, Grü­ne, ÖDP, sowie FDP und inner­halb der Frei­en Wäh­ler um die Unter­stüt­zer um Josef Mieh­ling. Dif­fe­ren­zier­te Wor­te rich­te­te Amler dann in Rich­tung der CSU-Frak­ti­on. Er bedank­te sich beim Gun­zen­häu­se­ner Bür­ger­meis­ter Fitz für des­sen Cou­ra­ge und Mut für sei­ne Abstim­mung im Kreis­tag. Die­ser hat­te zudem in den ver­gan­gen Wochen auch offen­siv ange­kün­digt hat mit der Stadt Gun­zen­hau­sen einen Ver­bleib im Pro­jekt chance.natur prü­fen zu wol­len. In Rich­tung der rest­li­chen CSU-Frak­ti­on rich­te­te Amler dann auch deut­li­che Wor­te: „Mit einem Brach­vo­gel kann man nicht dis­ku­tie­ren, mit uns jedoch schon! Eini­ge Par­tei­en haben die­ses getan, ande­re, trotz mehr­ma­li­gem Ange­bot jedoch lei­der nicht. Dass dann schluss­end­lich wie­der Falsch­in­for­ma­tio­nen und „Fake-News“ für vie­le den Aus­schlag gege­ben haben zeich­net wirk­lich ein fata­les Bild. Wir wer­den dran­blei­ben. Wir wer­den beob­ach­ten, was in den kom­men­den Wochen pas­sie­ren wird und ob man wirk­lich Natur Natur sein lässt. Denn wir wer­den Sie beim Wort neh­men und dabei
auch wei­ter­hin immer das Gespräch mit allen suchen!“ Sei­nen Bericht been­de­te Amler dann posi­tiv mit eini­gen High­lights des ver­gan­ge­nen Jah­res: „33 bewer­te­te Natur­gär­ten im Zuge des Pro­jek­tes „Vogel­freund­li­cher Gar­ten“, die 40-Jahr Fei­er der LBV-Kreis­grup­pe mit den bei­den aus­ge­zeich­ne­ten LBV-Natur­hel­den 2023 Wer­ner Keim und Alfred Engel­mai­er, Prä­rie­mö­we und Kuh­rei­her­brut am Alt­mühl­see sowie neue Koope­ra­tio­nen mit dem Adven­ture Cam­pus Treucht­lin­gen und dem Golf­platz Zoll­müh­le. Auch im neu­en Jahr dür­fen sich Natur­in­ter­es­sier­te wie­der auf eini­ge High­lights freu­en. Amler kün­dig­te nicht nur neue Natur­schutz­pro­jek­te, son­dern unter ande­rem auch die Open-Air Vor­stel­lung von „Vogel­per­spek­ti­ven“ am Alt­mühl­see an.

Nach dem Kas­sen­be­richt von Kas­sier Bern­hard Lan­gen­eg­ger und der ein­stim­mi­gen Ent­las­tung der Vor­stand­schaft folg­ten Ehrun­gen, Nach­wah­len und ein Bericht aus dem Lan­des­ver­band. Hel­mut Beran, Geschäfts­füh­rer des LBV zeig­te sich dabei ent­täuscht von den ver­gan­gen Wochen und dem Aus­gang um Chance.natur. Er beton­te die Wich­tig­keit des Pro­jek­tes und bekräf­tig­te die Unter­stüt­zung an den Land­kreis Ans­bach. Nach­dem David Fal­len­ba­cher und Kira Braun die Vor­stand­schaft auf­grund per­sön­li­cher Grün­de lei­der ver­las­sen muss­ten wur­den die erst 17-jäh­ri­ge Jas­min Kun­ze als neue Jugend­be­auf­trag­te,
sowie Johan­na Wit­te­mann als neue Bei­sit­ze­rin gewählt. Ergänzt wird das LBV-Team zudem seit dem ver­gan­ge­nen Früh­jahr durch Cathe­ri­ne Heyder, Assis­tenz­kraft der Kreis­grup­pe.

Über den LBV: 1909 gegrün­det ist der LBV der ältes­te Natur­schutz­ver­band in Bay­ern und zählt aktu­ell ca. 120.000 Unter­stüt­ze­rin­nen und Unter­stüt­zer. Der LBV setzt sich durch fach­lich fun­dier­te Natur- und Arten­schutz­pro­jek­te sowie Umwelt­bil­dungs­maß­nah­men für den Erhalt einer viel­fäl­ti­gen Natur und Vogel­welt im Frei­staat ein. Die Kreis­grup­pe des LBV im Land­kreis Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen setzt sich dabei inten­siv für eine Viel­zahl bedroh­ter Arten vom Brach­vo­gel bis zur Mops­fle­der­maus ein. Mehr Infos unter: www.weissenburg-gunzenhausen.lbv.de.

Bild­un­ter­schrift:  Kreis­vor­sit­zen­der Sebas­ti­an Amler; Foto: LBV-Kreis­grup­pe Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen