Leben und Wirtschaften im Einklang mit der Natur  

von | 3. Mai 2023 | Altmühlfranken, Gunzenhausen, Treuchtlingen, Weißenburg

Ansbach/Nürnberg/München (red). Eine poli­ti­sche Maß­nah­me ist dann nach­hal­tig wirk­sam, wenn sie sich den Mecha­nis­men der Natur nähert. Die­se Über­zeu­gung bestimm­te das poli­ti­sche Han­deln des lang­jäh­ri­gen Land­tags- und Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Josef Göp­pel. Im Mit­tel­punkt des Sym­po­si­ums, das der Deut­sche Ver­band für Land­schafts­pfle­ge (DVL), der BUND Natur­schutz in Bay­ern (BN) und Fami­lie Göp­pel in Mün­chen ver­an­stal­ten, steht die Fra­ge, wie mit natur­ge­mä­ßen Wirt­schaf­ten aktu­el­len Kri­sen begeg­net wer­den kann.

„Josef Göp­pel war ein aus­ge­wie­se­ner Fach­po­li­ti­ker, oft kom­pro­miss­los in der Sache, doch immer wie­der ein Brü­cken­bau­er. Auf Basis christ­li­cher Schöp­fungs­be­wah­rung setz­te er sich gerad­li­nig und glaub­wür­dig für das Gemein­wohl ein. Ins­be­son­de­re mit der bun­des­wei­ten Land­schafts­pfle­ge­be­we­gung hat er Struk­tu­ren geschaf­fen, die auch unab­hän­gig von sei­ner Per­son, aber in sei­nem Sin­ne wei­ter­wir­ken.“, betont Schirm­herr Alo­is Glück, ehe­ma­li­ger Land­tags­prä­si­dent und Mode­ra­tor des Run­den Tisches Arten- und Natur­schutz.

Trans­for­ma­ti­on: Land­schafts­pfle­ge­ver­bän­de sind Vor­rei­ter

Land­schafts­pfle­ge­ver­bän­de sind frei­wil­li­ge Zusam­men­schlüs­se von Land­wirt­schaft, Natur­schutz und Kom­mu­nen, die vor Ort in der Land­schaft Natur­schutz- und Kli­ma­schutz­maß­nah­men umset­zen. Die­se Form der Zusam­men­ar­beit hat Josef Göp­pel vor über 30 Jah­ren begrün­det und die­se hat sich deutsch­land­weit als Erfolgs­mo­dell bewährt. Unter­des­sen arbei­ten über 190 die­ser drit­tel­pa­ri­tä­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen, mit dabei über 10.000 land­wirt­schaft­li­chen Betrie­be und 3.000 Kom­mu­nen. Den DVL, Dach­ver­band der deut­schen Land­schafts­pfle­ge­or­ga­ni­sa­tio­nen, grün­de­te Göp­pel 1993 und lei­te­te ihn bis zu sei­nem Tod 2022.

„Gera­de die aktu­el­len Her­aus­for­de­run­gen, ins­be­son­de­re Kli­ma- und Bio­di­ver­si­täts­kri­se, machen deut­lich, wie rich­tig Josef Göp­pel mit dem koope­ra­ti­ven Ansatz der Land­nut­zung lag. Jetzt gilt es die­se Erkennt­nis­se auf euro­päi­scher Ebe­ne zu eta­blie­ren und zugleich in poli­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen zu über­set­zen. Die Grün­dung des euro­päi­schen Dach­ver­ban­des „Land­ca­re Euro­pe“ im Juni die­ses Jah­res ist der nächs­te logi­sche Schritt. Im Bünd­nis mit unse­ren Part­nern set­zen wir uns wei­ter dafür ein, dass der gesell­schaft­li­che Mehr­wehrt der Land­be­wirt­schaf­tung hono­riert wird, indem Umwelt­leis­tun­gen für Betrie­be ein­kom­mens­wirk­sam wer­den. Denn erst wenn sich Umwelt­schutz betriebs­wirt­schaft­lich rech­net, wird er in der Flä­che umge­setzt“, unter­streicht Maria Noichl MdEP, Vor­sit­zen­de des DVL.

Zel­lu­la­rer Ansatz: Kos­ten­freie Natur­gü­ter für Ener­gie­er­zeu­gung

Wel­chen Mehr­wert die Erzeu­gung erneu­er­ba­rer Ener­gien für die Bür­ger und Bür­ge­rin­nen vor Ort haben kann, erkann­te Göp­pel früh­zei­tig. Aus­ge­hen vom Pro­jekt „Strom aus Son­ne in der Land­wirt­schaft“ begrün­de­te er ein regio­na­les Netz­werk erneu­er­ba­rer Ener­gien, aus dem die Genos­sen­schaft „Regio­nal­strom Fran­ken“ ent­stand. „Josef Göp­pel war davon über­zeugt, dass Wert­schöp­fung in über­schau­ba­ren Kreis­läu­fen nicht nur erfolg­rei­cher funk­tio­niert als in anony­men Groß­struk­tu­ren, son­dern auch kri­sen­fes­ter ist. Die Erneu­er­ba­ren stel­len nicht nur eine umwelt­freund­li­che Alter­na­ti­ve zu Koh­le und Atom dar, sie gewähr­leis­ten auf­grund ihrer Dezen­tra­li­tät unmit­tel­bar Ver­sor­gungs­si­cher­heit. Ein ent­schei­den­der Mehr­wert für Mensch und Natur, den Josef Göp­pel erkann­te und die sei­ner Mei­nung nach die Chan­ce auf die drin­gend erfor­der­li­che Lebens­stiel­wen­de der Bevöl­ke­rung birgt – weg vom pas­si­ven Kon­su­men­ten, hin zum akti­ven, ver­ant­wor­tungs­vol­len Akteur“, resü­miert Richard Mer­gner, Vor­sit­zen­der des BN.

Glo­ba­le Gerech­tig­keit: wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit auch öko­lo­gisch und sozi­al

Aus­ge­hend von der Über­le­gung, dass sich Afri­ka einer­seits voll­stän­dig aus rege­ne­ra­ti­ven Ener­gien ver­sor­gen könn­te und ande­rer­seits über eine brei­te Basis für land­wirt­schaft­li­che Pro­duk­ti­on und eine jun­ge Bevöl­ke­rung mit Unter­neh­mer­geist und Inno­va­ti­ons­kraft ver­fügt, enga­gier­te sich Göp­pel seit 2017 ehren­amt­lich als Ener­gie­be­auf­trag­ter des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ) für Afri­ka. Das von ihm mit­ent­wi­ckel­te Pro­gramm der Grü­nen Bür­ger­en­er­gie zielt dar­auf ab, dezen­tra­le Ener­gie­struk­tu­ren in länd­li­chen Regio­nen mit Hil­fe von Genos­sen­schaf­ten, Kom­mu­nen und pri­vat­wirt­schaft­li­chen Inves­ti­tio­nen zu eta­blie­ren.

„Die Bewah­rung der Schöp­fung und Ver­pflich­tung glo­ba­le Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men, war die zen­tra­le Moti­va­ti­on von Josef Göp­pel. Nach­hal­tig­keit zum Prin­zip all unse­res Tuns zu machen, war sei­ne Über­zeu­gung. Sein Ein­satz für öko­lo­gi­sche und sozia­le Gerech­tig­keit war eine Inspi­ra­ti­on und eine gro­ße Unter­stüt­zung für mei­ne eige­ne Arbeit. Afri­ka ist der Wachs­tums­kon­ti­nent des 21. Jahr­hun­derts, der bis 2050 sei­ne Bevöl­ke­rung ver­dop­peln wird. Zugleich haben über 600 Mil­lio­nen Men­schen kei­nen Zugang zu sta­bi­ler Strom­ver­sor­gung. Josef Göp­pel erkann­te, wel­che Chan­cen eine fai­re Tech­no­lo­gie- und Wis­sens­part­ner­schaft mit afri­ka­ni­schen Akteu­ren birgt, um eine Kar­bo­ni­sie­rung des Kon­ti­nents zu ver­mei­den und eine nach­hal­ti­ge Ener­gie­wen­de umzu­set­zen.“, betont UNI­DO-Gene­ral­di­rek­tor Dr. Gerd Mül­ler, ehe­ma­li­ger Bun­des­ent­wick­lungs­mi­nis­ter.

Par­tei- und res­sort­über­grei­fen­de Mit­wir­kung

Unter der Schirm­herr­schaft von Alo­is Glück wir­ken mit: zwei der Töch­ter von Josef Göp­pel –Sophia Kraft, Ener­gie­öko­no­min der Euro­päi­schen Ener­gie­bör­se und Bar­ba­ra Metz, Geschäfts­füh­re­rin der Deut­schen Umwelt­hil­fe–, DVL-Vor­sit­zen­de Maria Noichl MdEP, BN-Vor­sit­zen­der Richard Mer­gner, BUN­D/BN-Ehren­vor­sit­zen­der Prof. Dr. Hubert Wei­ger sowie der Baye­ri­sche Staats­mi­nis­ter des Innern, für Sport und Inte­gra­ti­on Joa­chim Herr­mann MdL, BMZ-Ener­gie­be­auf­trag­te für Afri­ka Bär­bel Höhn, CDU-Kli­ma­po­li­ti­ker Andre­as Jung MdB, SPD-Umwelt­po­li­ti­ker Dr. Mat­thi­as Miersch MdB, CSU-Ent­wick­lungs­po­li­ti­ker Dr. Wolf­gang Ste­fin­ger, Dr. Anja Weis­ger­ber MdB, Spre­che­rin für Umwelt und Ver­brau­cher­schutz der CDU/C­SU-Bun­des­tags­frak­ti­on und Lan­des­vor­sit­zen­de des Arbeits­krei­ses Umwelt­si­che­rung und Lan­des­ent­wick­lung der CSU, Tan­ja Schorer-Dre­mel MdL, Vor­sit­zen­de des Lan­des­spre­cher­ra­tes der baye­ri­schen Land­schafts­pfle­ge­ver­bän­de, Grü­nen-Ener­gie­po­li­ti­ker Mar­tin Stümp­fig MdL, der Prä­si­dent des Deut­schen Natur­schutz­rings und Kura­to­ri­ums­vor­sit­zen­de der Deut­schen Bun­des­stif­tung Umwelt Prof. Dr. Kai Nie­bert, LBV-Ehren­vor­sit­zen­der Lud­wig Soth­mann, Ehren­prä­si­dent der Baye­ri­schen Aka­de­mie Länd­li­cher Raum Prof. Dr. Hol­ger Magel, Dr. Anselm Gör­res, Ehren­vor­sit­zen­der des Forums Öko­lo­gisch-Sozia­le Markt­wirt­schaft, Unter­neh­mer und Bio­land­wirt Sepp Bich­ler, Dr. Han­nes Petri­schak von der Heinz Siel­mann Stif­tung, Katha­ri­na Habers­brun­ner, Vor­stän­din des Bünd­nis Bür­ger­en­er­gie, die Lei­te­rin des Archi­ves für Christ­lich-Sozia­le Poli­tik Dr. Rena­te Höp­fin­ger, Dr. Mar­tin Held von den Trans­for­ma­teu­ren Tuzing, Thü­nen-Wis­sen­schaft­le­rin Hiwot Abay­neh Aye­le, die Beauf­trag­te für kom­mu­na­le Ent­wick­lungs­po­li­tik der Stadt Her­rie­den Fran­zis­ka Wurzin­ger sowie Alex­an­der Mül­ler, Mana­ging Direc­tor des ThinkTank for Sus­taina­bi­li­ty (TMG) und ehe­ma­li­ger Vize-Gene­ral­di­rek­tor der Ernäh­rungs- und Land­wirt­schafts­or­ga­ni­sa­ti­on der Ver­ein­ten Natio­nen (FAO). UNI­DO-Gene­ral­di­rek­tor Dr. Gerd Mül­ler, Bun­des­um­welt­mi­nis­te­rin Stef­fi Lem­ke und BMZ-Staats­se­kre­tär Jochen Flas­barth sen­den eine Video­bot­schaft. Die Key­note hält Ener­gie­öko­no­min Prof. Dr. Clau­dia Kem­fert. Mode­riert wird die Ver­an­stal­tung von Jour­na­list Bern­hard Pöt­ter.

Brei­tes Bünd­nis unter­stützt Ver­an­stal­tung

Unter­stützt wird das Sym­po­si­um von einem brei­ten Bünd­nis poli­ti­scher und zivil­ge­sell­schaft­li­cher Insti­tu­tio­nen und Orga­ni­sa­tio­nen: Stif­tung Deut­sche Land­schaf­ten, Heinz Siel­mann Stif­tung, Hanns-Sei­del-Stif­tung, Genos­sen­schafts­ver­band Bay­ern, För­der­ver­ein für umwelt­freund­li­che Strom­ver­tei­lung und Ener­gie­ver­sor­gung Schön­au im Schwarz­wald, Arbeits­kreis Umwelt­si­che­rung und Lan­des­ent­wick­lung der CSU, Baye­ri­sche Aka­de­mie Länd­li­cher Raum, Bünd­nis Bür­ger­en­er­gie, Deut­sche Bun­des­stif­tung Umwelt, Forum Öko­lo­gisch-Sozia­le Markt­wirt­schaft, Lan­des­bund für Vogel- und Natur­schutz in Bay­ern, Natur­stif­tung David, Regio­nal­strom Fran­ken eG, Suc­cow Stif­tung, Trans­for­ma­teu­re

HINTERGRUND

Josef Göp­pel: Josef Göp­pel (Dipl.-Forstingenieur FH, 1950–2022) war der Begrün­der der Land­schafts­pfle­ge­be­we­gung in Deutsch­land. Er brach­te Land­wirt­schaft, Natur­schutz und Kom­mu­nal­po­li­tik an einen Tisch und grün­de­tet 1986 in sei­ner mit­tel­frän­ki­schen Hei­mat einen der ers­ten Land­schafts­pfle­ge­ver­bän­de in Deutsch­land. Es folg­te 1993 die Grün­dung des DVL, Dach­ver­band der deut­schen Land­schafts­pfle­ge­or­ga­ni­sa­tio­nen, den er von Anfang an als Vor­sit­zen­der führ­te. Auch die ange­streb­te Grün­dung eines euro­päi­schen Dach­ver­ban­des für das Jahr 2023 hat er enga­giert mit vor­be­rei­tet.

Josef Göp­pel trat 1970 gleich­zei­tig in die CSU und den BUND Natur­schutz ein. Von 1974 bis 1994 gehör­te er dem Bezirks­tag von Mit­tel­fran­ken an. Seit 1996 war Göp­pel Mit­glied des Kreis­ta­ges des Land­krei­ses Ans­bach. Von 1994 bis 2002 war er direkt gewähl­ter Abge­ord­ne­ter des Stimm­krei­ses Ans­bach-Süd, Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen im Baye­ri­schen Land­tag, von 2002 bis 2017 als direkt gewähl­ter Abge­ord­ne­ter des Wahl­krei­ses Ans­bach-Wei­ßen­burg-Gun­zen­hau­sen Mit­glied der CDU/C­SU-Frak­ti­on im Deut­schen Bun­des­tag.

Von 1991 bis 2017 lei­te­te Göp­pel den Umwelt­ar­beits­kreis der CSU, deren Umwelt­pro­gramm er wesent­lich mit­ge­stal­te­te. Er galt als das grü­ne Gewis­sen sei­ner Par­tei.

Seit Okto­ber 2017 bis zu sei­nem Tod enga­gier­te sich Göp­pel als ehren­amt­li­cher Ener­gie­be­auf­trag­ter des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung für Afri­ka.